Digitalisierung
im Tourismus

Unsere Infografik zum Digitalen Wandel im Tourismus erweitern wir jedes Jahr mit der wichtigsten Entwicklungsstufe. Die Digitalisierung im Tourismus schreitet voran. Die Veränderung der letzten 20 Jahre findest Du in unserer Infografik.

Digital Payment

Mobile Payment (also das direkte Bezahlen am Point of Sale mit Smartphone oder anderem Wearable) ist auf dem Vormarsch, bereits etablierter ist Online Payment. Letzteres wird durch die zunehmende Verbreitung mobiler Kaufprozesse (siehe auch die unten genannten Zahlen & Fakten zur Reisebranche) noch relevanter werden.

Darüber hinaus gibt es jedoch noch einen weiteren Digital-Payment-Prozess, der 2019 an Relevanz gewinnen wird: Social Payment! Wir verstehen darunter explizit nicht nur die freiwillige Kleinabgabe für meist immaterielle Güter im Internet (z.B. Flattr, womit Nutzer einen monatlichen Betrag auf Websites und Plattformen aufteilen können, um Geld an die Urheber von Veröffentlichungen zu spenden). In diesem Sinn wurde der Begriff auch vor allem zu Beginn verwendet. Stattdessen geht es hier jedoch ebenso um Bezahlprozesse zwischen Menschen ohne IBAN und TAN – d.h. peer-to-peer sowie Splitting-Dienste unter Menschen, um Bezahlprozesse aufzuteilen (z.B. gemeinsame Fahrt- und Gastronomiekosten).

Dezentrale Datenstrukturen

Im Jahr 2017 veränderte sich die Präsenz von Digitalen Assistenten massiv; entweder in Form von Chatbots in sozialen Medien (z.B. Facebook) oder physisch materiell in den Wohnungen durch Google Home oder Amazon Echo. Touristische Anwendungen sind in beiden Entwicklungsrichtungen idealtypische Usecases und Treiber der Entwicklung.

Dieser „neue“ Zugang zu digitalen Informationen veränderte die Relevanz von Daten in touristischen Unternehmen. Um Inhalte für die Künstliche Intelligenz und nativ für Digitale Assistenten vorzubereiten, ist es notwendig, den eigenen Datenschatz mit anderen existenten Daten zu verknüpfen und ihn gleichzeitig zu öffnen: Linked Open Data! Dadurch entstehen Dezentrale Datenstrukturen auf Basis derer neue Services und Dienstleistungen für Gäste in allen Bereichen der touristischen Customer Journey entwickelt werden können – von Globalen Playern ebenso wie von agilen Startups.

Digitale Assistenz / Künstliche Intelligenz

Digitale Assistenten sind ein lang gehegter (Alp-)Traum der Menschheit. Sie sind auch schon länger in unterschiedlichen Apps in der Nutzung. 2017 verändert sich allerdings die Präsenz massiv; entweder in Form von Chatbots in sozialen Medien (z.B. Facebook) oder phyisch materiell in den Wohnungen durch Google Home oder Amazon Echo. Touristische Anwendungen sind in beiden Entwicklungsrichtungen idealtypische Usecases und Treiber der Entwicklung.

Warum erst jetzt? Dies liegt vor allem an den Fortschritten im Bereich der Künstlichen Intelligenz in den letzten Jahren. Wir stehen hier an einer Zeitenwende und werden zahlreiche Entwicklungen im touristischen Umfeld erleben, die auf Basis von AI, KI bzw. semantischen Technologien realisiert werden

Native Content-Inseln / Walled Garden

Global Player bestimmen, wie Content aussieht

Im Gegensatz zu allen Trends vorher, die stark auf den Plattform und Vernetzungsgedanken setzen, erkennen wir einen Gegentrend, der stark von Akteuren wie Facebook (Instant Articles, Canvas) oder auch Snapchat (Discover Stories) getrieben wird. Inhalte werden nativ in die sozialen Netzwerke integriert und vom eigentlich Design losgelöst visualisiert. In eine ähnliche Richtung geht auch das AMP-Projekt von Google, mit dessen Hilfe Webseiten-Inhalte schneller zur Verfügung gestellt werden sollen.

Ist es das Ende touristischer Webseiten? Diese Entscheidung ist sicher noch nicht gefallen, aber der Anfang vom Ende ist damit eingeleutet.

Live Content / Interaktion in Echtzeit

Live-Content: Der Gast ist direkt und in Echtzeit dabei

Mit dem Start von Periscope begann 2015 ein neues Kapitel der Echtzeit-Kommunikation über mobile Geräte. Im Social-Media-Alltag setzte sich Livestreaming spätestens seit dem Launch von Facebook Live durch. Auch die wachsende multimediale Nutzung von Messengern sowie das Aufkommen neuer Storytelling-Formate wie Snapchat Stories und Instagram Stories ist in Verbindung mit diesem Trend zum Echtzeit-Content zu sehen.

Ob lupenreiner Live-Content oder extrem schneller Austausch von Bildern und Videos: Gemeinsam ist beiden Formaten, dass Geschichten mobil erzählt werden und dass deren Qualität von Jahr zu Jahr zunimmt.

Augmented Reality

Erweiterung der Realität

Augmentierte Realität: Startpunkt hierfür ist die Markteinführungen der Google Glass – wobei wir nicht explizit die jeweiligen Produkte an sich als disruptiv empfinden, sondern die veränderte Wahrnehmung und die dadurch implizierte Verbreitung der soziotechnischen Konstellation in der Reisebranche.

Die Erweiterung der Realität erlebte mit Pokémon Go im Jahr 2016 seinen finalen Durchbruch. Das erweiterte Erleben oder erspielen war allerdings bereits vorher möglich (z.B. bei Ingress). Touristische Praktiken, das Erleben des Raum und das Verhalten im Raum transformierte sich nachhaltig.

Virtual Reality

Von der Inspiration bis zur Reise selbst

Mit dem Verkauf von Oculus an Facebook startet die Entwicklung rund um das Thema Virtual Reality. Zahlreiche Player versuchen den Consumer-Markt mit ihren Produkten zu erobern – die Qualitäten der ersten Brillen waren durchaus überschaubar. Vor allem in der Inspirations- und Informationsphase halten professionelle Dienstleistungen bei Messen und in Reisebüros Einzug in die Reisebranche.

Sukzessive wird auch das touristische Produkt selbst durch Virtual Reality-Erlebnisse anders zugänglich gemacht – insbesondere die Reise durch Zeit bietet sich für VR-Anwendungen an.

Geo-Targeting und Mobilisierung

Passende Informationen zu aktuellen Gegebenheiten

Mit jedem Smartphone ist eine Verortung entweder über Funkzellen-Triangulation oder über GPS-Empfänger realisierbar, so dass soziale Informationen aus dem Internet auch in einen räumlichen Kontext (Geo-Targeting) gestellt werden können. Somit ist es für Touristen möglich, räumlich und sozial gefilterte Informationen zu erhalten und diese auch während der Reise zu nutzen.

Nicht nur der Konsum der Informationen wird mobilisiert, sondern auch die Kommunikation über touristische Produkte und Destinationen. Smartphones erlauben es Touristen ihre Erlebnisse jederzeit einer definierten Gruppe (in Sozialen Netzwerke) oder öffentlich (in Bewertungs- oder Content-Plattformen oder Blogs) zu berichten und diese Inhalte zu verorten (Geotagging). Globale touristische “Cyberscapes”, als digitale Repräsentation physischer Destinationen, sind das Ergebnis dieser Praxis digitaler Neogeographen.

Verschmelzung von Identitäten und Webseiten

Mit der Öffnung von Facebooks Open Graph API und der Erweiterung um Social Plugins (z.B. Like-Button, Facebook Comment Box) können Entwickler auf soziale Inhalte in Facebook zugreifen und Inhalte sehr einfach teilen. Andere Soziale Netzwerke wie Twitter oder Xing imitieren mit ihren Plattformen diese Funktionen. Neueste Entwicklungen ermöglichen die Zusammenführung von Inhalten aus dem Netz mit eigenen Inhalten. Diese “Content Curation” wird auf speziell dafür entwickelten Plattformen wie Storify ebenso umgesetzt wie auf Reiseportalen oder touristischen Webseiten. Damit werden für den Besucher einer Website unbemerkt eigene neben fremde Inhalte (beispielsweise von Nutzern generierte Inhalten) gestellt – das Netz wird zu einem großen “Mashup”, zu einem Mix aus verschiedenen Content-Quellen durch nahtlose (Re-)Kombination bereits bestehender Inhalte.

Damit vermengen sich auch die berufliche und private Nutzung des Internets, Arbeit und Freizeit verschmelzen, da die Grenzen zwischen den Plattformen aber auch innerhalb der Plattformen nicht mehr offensichtlich sind.

Contentsharing / Nutzung von sozialer Informationen

User Generated Content gewinnt an Relevanz

Die zunehmende Verteilung von Informationen auf verschiedene Plattformen führte gleichzeitig zu einer virtuellen Zentralisierung von Identitäten und Inhalten. Für touristische Unternehmen bot sich nun die Möglichkeit, soziale Informationen (Name, Alter, Wohnort, Geschlecht, Interessen) aus den sozialen Netzwerken in externe Portale (z.B. bei Tripadvisor) zu überführen und so den Nutzen für den Besucher und natürlich auch für die Plattformen selbst zu erhöhen. Eine individuelle Kundenansprache und Auslieferung von Inhalten (‚Targeting‘) sowohl auf touristischen Webseiten als auch auf Reiseportalen war nun die Folge.

Aufgrund der Vielzahl von Plattformen und sozialen Netzwerken entwickelten Betreiber touristischer Webseiten (Hotels, Destinationen) Content-Distributionslösungen zu sozialen Netzwerken und Reiseportalen, um die Inhalte nicht mehr manuell verteilen und pflegen zu müssen.

Öffnung und Vernetzung der Akteure

Seit 2008 vernetzen sich die Akteure der „digitalen“ Reiseindustrie immer stärker. Auslöser hierfür war zum einen die Öffnung der sozialen Netzwerke wie z.B. Facebook für externe Programmierer, zum anderen die generelle Verbreitung von Widgets, kleiner Fenster mit denen fremde Inhalte sehr einfach auf eigene Webseiten integriert werden konnten. Damit wurde es immer schwieriger zu erkennen, woher diese Inhalte ursprünglich stammen.

Diese Vernetzung führt aber auch zu einer Öffnung der Unternehmensgrenzen in der alltäglichen Kommunikation, dem Wissensaustausch sowie in der Zusammenarbeit bei der Erstellung digitaler Präsenzen.

Boomphase digitaler Reiseportale

Digitale Reiseportale, so genannte Online Travel Agencies (OTAs), wie Expedia, Priceline oder Ab-in-den-Urlaub sind nicht erst seit Mitte des letzten Jahrzehnts aktiv. So wurde Expedia zum Beispiel bereits im Jahre 1996 als eigene Abteilung des Microsoft-Konzerns gegründet.

Seine Hochphase erleben die OTAs jedoch erst seit 2007: Seitdem ist der Anteil an Online-Buchungen bei Reisen in Deutschland um massiv gestiegen. Dieser Strukturwandel verläuft insbesondere auf Kosten der stationären Reisebüros.

Soziale Netzwerke

Gäste tauschen sich aus

Mit dem Start von MySpace im Jahr 2003 begann der Boom der Social Networking Services (SNS). Zwar existierten bereits vorher Soziale Netzwerke wie Geocities (ab 1994) oder Tripod (ab 1995) mit beschränktem Funktionsumfang und beschränkter räumlicher Ausdehnung, jedoch läutete erst die Gründung von Facebook im Jahr 2004 die weltumspannende Vernetzung der Nutzer ein.

Nicht nur Touristen nutzten dieses Angebot, auch touristische Leistungsträger drangen in Soziale Netzwerke ein und kommunizierten über ihre Angebote, Themen und Destinationen. Im Jahr 2011 verfügten bereits 78 % aller Tourismusunternehmen über eine Facebook-Präsenz.

Digitale Content-Plattformen

Das Internet beeinflusst Reiseentscheidungen

Im Zuge steigender Bandbreiten wurde es zu Beginn des Jahrtausends immer einfacher Bilder und Videos online zu stellen. Mehr oder weniger zufällig entstanden in dieser Zeit Foto- und Video-Plattformen. So entwickelte sich Flickr aus einem Computerspiel namens Game Neverending zur relevantesten Fotoplattform in Europa. Spätestens mit dem Start der populärsten Content-Plattform YouTube im Jahr 2005 war es für viele Touristen auf einfache Weise möglich, visuelle Urlaubserfahrungen zu teilen und gleichzeitig Inspiration für die nächste Reise zu finden.

Neue „unkontrollierte“ imaginative Geographien von Reisezielen entstanden und entstehen abseits der Hoheit klassischer Medien wie Reiseführer, Hotelkataloge und Imagebroschüren. Aber nicht nur Touristen nutzen diese Plattformen. Auch Hotels, Reiseunternehmen und Tourismusorganisationen stellen mittlerweile digitale Inhalte zur Verfügung.

Bewertungsportale

Der Gast bekommt eine Stimme

Im Jahr 1999 wurde Holidaycheck gegründet, ein Jahr darauf folgte das amerikanische Pendant Tripadvisor. Ab diesem Zeitpunkt war es möglich, touristische Dienstleistungen an einem extra dafür geschaffenen digitalen Ort zu bewerten und sich vor Buchung eines Urlaubs zum ersten Mal aus Gastperspektive beispielsweise über die Qualität eines Hotel zu informieren.

Diese Bewertungsportale sind zu einer unabhängigen Form der elektronischen Mund-zu-Mund-Kommunikation im Reiseentscheidungsprozess geworden und somit aus der touristischen Praxis nicht mehr wegzudenken. In der Folgezeit haben sich Reiseentscheidungen und damit auch touristische Ströme auf Mikro- und Makroebene verändert.