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Welche Social-Media-Plattformen sind oder werden wichtig?

Wie das häufig so ist bei Barcamps, kam mir am Freitagabend des Tourismuscamps beim Get2Gether die Idee zu meiner Session. In Anlehnung an die ersten Tourismuscamps in Eichstätt, wo wir häufig mal die Bedeutung verschiedener Sozialer Netzwerke diskutierten, stellte ich in meiner Session beim Tourismuscamp 2020 in Treuchtlingen die Frage: Welche Social-Media-Plattformen aktuell wichtig sind, welche wir im Auge behalten sollten und welche wir links liegen lassen könnten.

Anfangs sammelte ich unter den Teilnehmenden erst mal alle möglichen Sozialen Netzwerke und schlug eine Unterteilung in die Kategorien „What’s next?“, „Place2be“ und „Vergiss es!“ vor. In der Diskussion wurde aber klar, dass es einige Netzwerke gibt, die auch dazwischen anzusiedeln sind. Das sah dann im Endeffekt so aus:

Welche Social Media Netzwerke sind wichtig, werden wichtig oder sind unwichtig - Bild des Ergebnisses

Bild des gemeinsamen Ergebnisses

Übersichtlich und in schön gibt es das auch von Beate Mader. Danke, für die Mühe und dass ich das hier verwenden darf. (Weitere Sketchnotes von anderen Sessions gibt es im Blogartikel von Beate.)

Sketchnote des Ergebnisses - von Beate Mader

Sketchnote des gemeinsamen Ergebnisses – erstellt und zur Verfügung gestellt von Beate Mader

Das Bild hilft schon mal viel, ich denke aber, dass da durchaus Erklärungsbedarf herrscht. Bei einigen Netzwerken war die Einordnung recht schnell klar, bei anderen bedurfte es aber einiger Diskussion (die aus Zeitgründen natürlich noch nicht abschließend zu Ende geführt wurde). Deshalb möchte ich im Folgenden auf die einzelnen Netzwerke und ihre Bewertung kurz eingehen.

Welche Netzwerke können wir getrost vergessen?

Google+: Weil gibt’s eh nicht mehr.

Vero: Als Facebook-Killer angetreten verschwand Vero ziemlich schnell wieder in der Versenkung.

Wiki Tribune: „Neu“ an den Start gegangen als „neutrales Netzwerk“, finden sich dort recht wenige Nutzer und damit Inhalte. Die allgemeine Einschätzung der Runde war, dass das auch nichts mehr wird.

Spotify: Als soziales Netzwerk trotz hoher Nutzerzahlen eher unwichtig. Eventuell könnte es für den einen oder die andere Werbetreibende*n relevant sind (bei ausreichend Budget), aber sonst spielt das keine wirkliche Rolle. AUSSER: du betreibst einen Podcast! Dann ist das ein wirklich wichtiger Distributionskanal und absoluter „Place2be“!

Xing: Hier gingen die Meinungen (erst) weit auseinander. Nach kurzer Diskussion entschied sich die Gruppe aber, dass Xing als Netzwerk früher oder später in der Bedeutungslosigkeit verschwinden wird. Mit der Veranstaltungsplanung und -durchführung könnte Xing sich jedoch vielleicht doch nachhaltig durchsetzen. Als Netzwerk aber vermutlich eher weniger.

Tumblr: Wer ist heute noch auf Tumblr unterwegs? Doch wohl kaum jemand und dementsprechend ordneten wir es auch deshalb dieser Kategorie zu.

VK: Das „russische Facebook“ ist wohl nur Place2be, wenn man seine Zielgruppe in Russland hat – oder in ultrarechten Kreisen. Ansonsten wird es sich bei uns wohl nicht durchsetzen und kann somit guten Gewissens ignoriert werden.

Vimeo: Im Vergleich zu YouTube ist Vimeo einfach irrelevant.

FlickR: Wie Vimeo zu YouTube verhält sich FlickR zu Pinterest und darf gerne (weiterhin) ignoriert werden.

Swarm: Bei Nerds in der Runde beliebt, aber einfach mit viel zu wenig Nutzerzahlen.

Zwischen Place2be und „Vergiss es“

Bei den folgenden Netzwerken kommt es auf die Betrachtung an, ob sie „Place2be“ oder zum Vergessen sind.

Nebenan.de: Wenn du ein Lokales Business betreibst, dann solltest du vielleicht mal einen Blick zu nebenan.de werfen und dort aktiv werden. Für alle anderen dürfte das Netzwerk im Berufsalltag wohl keine große Rolle spielen – vor allem bei überregionaler Ausrichtung.

TripAdvisor: Du hast ein Hotel oder Restaurant? Dann ist das hier absoluter Place2be. Ansonsten aber eher nicht!

Twitter: Wer Multiplikatoren erreichen möchte, der darf Twitter auf keinen Fall ignorieren. Für die Endkundenansprache hier ist aber kein großer Aufwand gerechtfertigt.

Reddit: Mal ehrlich, wer hatte das hier in dieser Liste erwartet? Ich nicht. Aber die Argumente waren dann doch überzeugend. Wer auf internationale Gäste setzt, der sollte sich reddit auf jeden Fall anschauen und dort aktiv sein (vor allem USA, UAE, Polen, etc.). Im deutschsprachigen Raum ist reddit aber eher Nische.

Wo solltest du vertreten sein?

Beim „Place2Be“ gab es tatsächlich relativ wenig Diskussionen. Von diesen Netzwerken solltest du durchaus das eine oder andere regelmäßig bespielen:

Facebook: Man kommt aktuell einfach nicht drum herum. Es wird spannend sein, wie sich das weiterentwickelt.

Instagram: Vor einigen Jahren noch das Netzwerk der „Jungen Leute“, sind dessen Nutzer selbst älter geworden und ältere Nutzer noch dazu gekommen. Absolutes Muss!

YouTube: Video wird immer wichtiger. Wer das noch nicht gemerkt hat, ist selbst schuld. Dementsprechend ist YouTube absoluter „Place2be“. Aber bitte auch mit den dazu passenden Inhalten! Und: Das ist natürlich mit hohem Ressourcenaufwand verbunden. Deshalb: Wenn YouTube, dann richtig. Halbe Sachen bringen – wie in jedem Social Media – einfach nichts.

LinkedIn: Für Personalmanagement und -bindung ein absoluter Place2be. LinkedIn wird Xing (in Deutschland) als Netzwerk wohl weiter den Rang ablaufen und ist dementsprechend wichtig.

Snapchat: Bei einer jungen Zielgruppe, die du über Messenger erreichen möchtest, ist Snapchat definitiv ein Place2be. Aber Vorsicht: vielleicht sogar noch mehr als bei den anderen sozialen Netzwerken ist hier die Strategie wichtig.

Komoot: Für (ländliche) Destinationen ein absolutes Muss!

Tinder: Du bist Single und/oder auf Abenteuer aus? Dann ab zu Tinder! PS: Barcamps sind ja immer etwas lockerer, da muss halt auch mal Spaß erlaubt sein.

Der nächste heiße Scheiß oder doch schon Place2be?

Je nachdem, in welchem Unternehmen/Branche du arbeitest, sind folgende Netzwerke der „Place2be“ oder der nächste heiße Scheiß, den du im Auge behalten solltest:

Jodel: Die „hyperlokale App“ ist besonders wichtig, wenn du ein Local Business betreibst. Und das muss nicht mal etwas mit Werbebudget zu tun haben – aber kann natürlich. Auch ohne Geld kannst du (potenzielle) Kunden über Jodel erreichen – wenn du es geschickt anstellst. Hier sind wirklich interessante Strategien denkbar.

Pinterest: Nach wie vor vor allem bei Frauen äußerst beliebt, könnt ihr mit schönen Bildern punkten. Und natürlich auch gut Werbung schalten.

WhatsApp: Auch wenn die Newsletter-Funktion von Facebook abgedreht wurde, bietet WhatsApp in der Kundenkommunikation richtig viele Möglichkeiten, wie mein Kollege Michael in einer anderen Session deutlich aufzeigte. Noch MUSST du da nicht vertreten sein – aber das kann nicht mehr lange dauern.

WeChat: Läuft bei uns gefühlt noch ziemlich unter dem Radar. Aber gerade im Shopping- und Hotelbereich (mit internationalen Kunden) ist WeChat jetzt schon der „Place2be“. Gerade auch durch die Bezahlfunktion, aber auch aufgrund vieler weiterer Funktionen. Für alle anderen kann es aber auch nicht mehr lange dauern, dass WeChat wichtig wird.

Das wird auf uns zukommen!

Und jetzt wird es spannend: Welche Kanäle werden uns definitiv in Zukunft beschäftigen?

Twitch: Der Gaming-Sektor wird immer größer und füllt inzwischen ganze Hallen mit mehreren (Zehn)Tausend Menschen. Wir sollten Twitch deshalb unbedingt im Auge behalten.

TikTok: Wenn du eine sehr junge Zielgruppe hast, solltest du jetzt schon bei TikTok aktiv werden. Aber das chinesische Netzwerk wächst inzwischen auch in der Breite sehr stark und kann zum Beispiel zur Mitarbeitergewinnung eingesetzt werden, wie Jochen Hencke in seiner Session am Beispiel des TikTok-Kanals des Klinikums Dortmund aufgezeigt hat.

SinaWeibo und Line: Die im asiatischen Raum stark verbreiteten Netzwerke könnten auch für uns wichtig werden. Hier bleibt abzuwarten, ob diese den Sprung nach Europa schaffen. Sie sind es auf jeden Fall definitiv wert beobachtet zu werden.

Bild von Ben Gottstein während der Session

Bild von mir während der Moderation der Session (CC-by Tourismuscamp / The Visual Travelguide)

Ich fand die Session äußerst interessant und es hat mir sehr Spaß gemacht, diese zu moderieren. Vielen Dank an alle Teilnehmer*innen fürs Einbringen!

Eines ist aber hoffentlich ganz klar: Wir müssen nicht auf allen Netzwerken aktiv sein oder werden. Hinzu kommt, dass manche Social Media, die hier als unwichtig betitelt wurden, für den einen oder die andere absolut sinnvoll sind. Das kommt halt einfach immer auf das Kommunikations-, Werbe- oder Marketingziel an und auf deine Zielgruppe(n), sowie die Inhalte, die du vermitteln kannst oder möchtest. Wir haben in der Session aber versucht eine allgemeingültige Einordnung der Netzwerke vorzunehmen – wohlwissend, dass das eigentlich kaum geht. Ich finde, das ist uns in der kurzen Zeit dennoch ganz gut gelungen. Vielleicht machen wir beim nächsten Tourismuscamp 2021 ja eine Session, in der wir diese Einteilung neu überdenken.

Was denkst du über unser Ergebnis?

 

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Benjamin Gottstein

...ist Netzwerkpartner im Bereich Market Research bei Tourismuszukunft. Er studierte den Bachelor Geographie mit Schwerpunkt Freizeit, Tourismus und Umwelt an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Seit 2010 arbeitet er als Praktikant, Werkstudent und seit 2012 als Projektleiter im Bereich Market Research bei Tourismuszukunft. In seiner Bachelorarbeit beschäftigte er sich mit dem Thema Crowdsourcing. Seine Schwerpunkte sind im Bereich Keywordanalysen, Markenwerte, KPIs, Potentialanalysen und Crossmedia.