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DACH-KG: auf dem Weg zum touristischen Knowledge Graph!

Am 18. Juli 2018 war ein historischer Tag. In Innsbruck fand das erste Treffen von DMOs & Forschungseinrichtungen mit dem Titel „Linked Open Data im Tourismus“  statt, um die Möglichkeiten und Notwendigkeiten für einen gemeinsamen touristischen Knowledge Graph zu diskutieren. Es wurden bewusst keine technischen Dienstleister von Datenbank-Lösungen oder Websites eingeladen, um frei von existierender Technik und ökonomischen Notwendigkeiten eine perfekte Lösung für die Branche zu erarbeiten! Heute, nach dem zweiten Treffen Ende Oktober, nennt sich diese Arbeitsgruppe DACH-KG (DACH steht für deutschsprachigen Raum; KG steht für Knowledge Graph) und hat ein erklärtes Ziel: einen touristischen Knowledge Graph für alle touristisch relevanten Daten im deutschsprachigen Raum zu schaffen. Dieser Blogbeitrag zeigt den aktuellen Arbeitsstand auf und visualisiert die Herausforderungen!

Warum gehen wir diesen Weg mit der DACH-KG?

Ich habe die Notwendigkeit der Zusammenarbeit bereits in meinem Blogbeitrag zu Open Data im Tourismus dargestellt. Um auch andere Menschen zur Wort kommen zu lassen, habe ich Elias Kärle vom Semantic Technology Institut in Innbruck gebeten, ein Statement abzugeben:

„Das Web erfindet sich mit schema.org gerade neu. Inhalte werden semantisch annotiert, dadurch können Softwareagenten, sogenannte Bots, das Web durchforsten und Inhalte verstehen. Die Zeiten, in denen Menschen unzählige Webseiten durchsuchen um entsprechende Information zu finden und zu extrahieren, sind vorbei. Sie beauftragen ihren
persönlichen Bot, Information zu finden, zu aggregieren und zu personalisieren und möglicherweise auch Dinge zu reservieren, zu buchen oder zu kaufen. Die Konsequenz: es wird für Informations-, Dienstleistungs- und Produktanbietern immer wichtiger, in diesen Kanälen gut hörbar und sichtbar zu werden, um den unternehmerischen Erfolg auch in Zukunft zu gewährleisten.“

Die Welt verändert sich – wir wollen sie allerdings nicht nur den großen Playern überlassen! Wir wollen nachhaltig den Tourismus verändern und haben dafür eine Vision entwickelt: (die des) EINEN offenen touristischen Knowledge Graphen.

Wer ist denn wir? Wer ist die DACH-KG?

In der DACH-KG arbeiten auf unsere Initiative hin touristische Organisationen und Forschungseinrichtungen aus Deutschland, Österreich und Südtirol zusammen. Bei den zwei Sitzungen waren Vertreter der Deutschen Zentrale für Tourismus, Österreich Werbung, IDM Südtirol, Tirol Werbung, Vorarlberg Tourismus, Thüringen Tourismus, Tourismus-Marketing Brandenburg, Rheinland-Pfalz Tourismus, AboutCities Niedersachsen, Allgäu, LTS Südtirol und der Hochschule Kempten. Wir tagten am Semantic Technology Institut an der Uni Innsbruck und durften nicht nur die Räumlichkeiten nutzen, sondern auch das vorhandene Know How. Elias Kärle mit seinem Team sind inhaltlicher Impulsgeber und stellen Tools zur Verfügung,  die die Umsetzungsschritte erleichtern und kontrollieren. Er spricht übrigens auch diese Woche beim Deutschen Tourismustag zu diesem Themenkomplex.

Teilnehmer der 2. Sitzung der DACH-KG-Arbeitsgruppe

Was ist ein Knowledge Graph?

Knowledge Graphen, oder einfacher gesagt eine im Netzwerk organisierte Wissensbasis, existieren bereits länger. Google startete mit der Veröffentlichung von Ergebnissen aus seinem Knowledge Graph im Mai 2012. Googles Knowledge Graph ist so präsent, dass er sehr oft als DER Knowledge Graph bezeichnet wird, obwohl es unendlich viele davon geben kann und bereits sehr viele andere existierende Knowledge Graphen gibt. Wissensbasen kann jeder aufbauen – Google hat sicher den bekanntesten. Schema.org, einfach aber technisch falsch ausgedrückt, füttert diesen Knowledge Graph von Google. Genauer gesagt bildet schema.org die Grundlage dafür, dass der Bot von Google, aber auch von anderen Akteuren, Informationen die auf Webseiten ausgezeichnet sind verstehen und sie in den Knowledge Graph integrieren kann – aber nicht muss.

Da wird das erste Problem schon offensichtlich – Google hat die Kontrolle über seinen Knowledge Graph und entscheidet welche Daten integriert werden, wie die Inhalte organisiert werden und bestimmt alleine über die Nutzung dieser Wissensbasis. Mit der Auszeichnung von schema.org füttern wir also die großen Player und machen sie noch stärker. Wollen wir das?

Warum braucht es den EINEN touristischen Knowledge Graph?

Der Ausweg hierzu bedeutet einen eigenen Knowledge Graph im Tourismus zu bauen, der offen für jeden zugänglich ist! Dadurch erhöhen wir die Chance auf echten Wettbewerb zu den großen Playern und betreiben Innovationsförderung. (Touristische) Startups und auch anderen Unternehmen benötigen in Folge keinen eigenen Bot, der ebenso wie Google und Co. touristische Webseiten crawlt, sondern können relevante touristische Daten an einer Stelle finden, interpretieren und nutzen. Gleichzeitig läutet dieser eine offene Knowledge Graph das Ende der Datensilos in und zwischen den Organisationen. Aktuell leben einige Dienstleister sehr gut davon, Daten hinter vermeintlich komplexen Schnittstellen zu verbergen – eine offenen Dateninfrastruktur löst unzählige operativ existierende Probleme, die es im Jahr 2018 nicht mehr geben sollte.

Welche Schritte sind jetzt zu tun?

Die Arbeitgruppe hat mehrere Arbeitsschritte erarbeitet, die im folgenden visualisiert sind.

Roadmap zum einen touristischen Knowledge Graph

Was das konkret bedeutet, wird in einem Living Paper ständig konkretisiert. Dieses Paper stellt die AG frei zum Download zur Verfügung. Jeder Akteur in der Branche soll über die Arbeitsschritte Bescheid wissen und sie nachvollziehen können. Wir wollen Transparenz in der Branche herstellen – niemand soll sagen können, er habe davon nichts gewusst. Insbesondere die Nutzung der gemeinsamen Domain Specifications ist ein zentraler Erfolgsfaktor, der in jede Ausschreibung oder technische Spezifikation in der Branche Einzug halten muss.

Wie geht es weiter für die DACH-KG?

Viele Teilnehmer und ihre Organisationen arbeiten gerade an der Umsetzung der ersten Arbeitsschritte (insbesondere Schritt 1). Parallel hierzu sammeln wir für Arbeitschritt 2 alle Ausprägungen und Datentypen, die im Schema.org-Vokabular fehlen. In der nächsten Sitzung am 19.2.2019 werden wir uns mit diesem Ergebnis beschäftigen, aber auch andere Aspekte in den Blick nehmen (Gemeinsame Sensibilisierung für das Thema; nächste Schritte mit den Big Playern). Das heißt es geht weiter, auch wenn es in den jeweiligen Ländern gerade Bestrebungen gibt das Thema auf nationaler Ebene zu diskutieren. Das ist auch gut so – wir brauchen Sensibilität und Aufmerksamkeit für das Thema Open Data – wir brauchen aber auch die eine gemeinsame Logik im deutschsprachigen Raum, vor allem für Arbeitsschritte 1 & 2!

Was kann ich jetzt tun?

Die Umsetzungsschritte gelten grundsätzlich für jeden Akteur im DACH-Raum. Jeder kann und sollte diese Schritte gehen. Wir unterstützen gerne beim Verständnisaufbau – entweder durch Vorträge und Workshops zum Thema Open Data oder der Umsetzung ganzer thematischer Tage, wie z.B. beim OpenDataDay an der Ostee.

Das heißt, folgende ToDos:

1.) Dokument downloaden! Lesen und nachvollziehen.

2.) Datenrechte (Stichwort CC-Lizenzen) der zu öffnenden Daten klären bzw. hinterfragen!

3.) Partner und Dienstleister auf den Weg mitnehmen.

4.) Domain Specifications an die jeweiligen Dienstleister aktiv kommunizieren.

5.) Mapping der vorhandenen eigenen Daten mit schema.org.

Feedback oder andere Gedanken und Wünsche – wir freuen uns über jede Anregung und jeden Dialog zu diesem Thema.

 

 

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Florian Bauhuber

... ist Geschäftsführer des Experten-Netzwerks Tourismuszukunft.. Bereits seit dem Jahr 2006 berät und begleitet er gemeinsam mit seinen Kollegen touristische Unternehmen und Verbände. In seinem Fokus stehen dabei unterschiedliche Beratungsschwerpunkte: #ServiceDesign #WebsiteRelaunch #ContentStrategie #Marketing #Vertrieb #Change #Innovation