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Das erste Niedersachsencamp: Erfahrungen & Tipps für regionale Barcamps

Das erste Niedersachsencamp – organisiert vom Städtezusammenschluss der about cities und umfangreich unterstützt von der TourismusMarketing Niedersachsen GmbH – fand vom 21.-23.09.17 in Wolfenbüttel statt. Florian aus unserem Team begleitete und moderierte dieses Barcamp in Niedersachsen mit dem Themenschwerpunkt „Städte & Kultur“. Und wieder einmal waren wir begeistert von dem Enthusiasmus, welchen die Barcamp-Teilnehmer an den Tag legen.

Willkommen beim Niedersachsencamp

Willkommen beim Niedersachsencamp

Warum ein Barcamp statt einer Konferenz?

Bei einem Barcamp entscheiden die Teilnehmer selbst über das Programm. Damit wird genau darüber gesprochen, was diese tatsächlich bewegt. Wenn in mehr als drei Sessions das Stichwort „Veranstaltungskalender“ fällt, ist spätestens dann klar, dass hier ein Problem besteht.

Die Kommunikation auf Augenhöhe aufgrund der offenen Diskussionskultur sowie der gegenseitigen Ansprache per Du sorgt generell für eine völlig andere und offene Atmosphäre als auf einer Konferenz. Jede Meinung ist hier gleich viel wert, egal, auf welcher Hierarchiestufe sich derjenige befindet.

Florian Bauhuber erklärt die Barcamp-Regeln

Florian Bauhuber erklärt die Barcamp-Regeln

Wichtig bei einem Barcamp: die Abendveranstaltungen

Was sich in Wolfenbüttel wieder einmal bewiesen hat: Man kann ein Barcamp nur für einen Tag organisieren, dann verschenkt man jedoch sehr viel Potenzial. In Wolfenbüttel kamen die Teilnehmer bereits am Donnerstag Nachmittag an und konnten sich im Rahmen eines Stadtrundgangs die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt Wolfenbüttel ansehen. Am Freitag und Samstag fanden dann die konkreten Barcamp-Sessions statt. Gerade aufgrund des Themenschwerpunkts „Städte und Kultur“ war der Stadtrundgang überaus interessant für die Teilnehmer. Und für alle – besonders die Barcamp-Neulinge – war der erste Abend ebenso ideal dafür, bereits vor dem Barcamp in das Netzwerk einzutauchen.

Prinzipiell immer empfehlenswert: Die Abendveranstaltungen. Hier kommen die Barcamp-Teilnehmer auf einer anderen Ebene zusammen, tauschen sich miteinander aus, lernen sich gegenseitig stärker persönlich kennen. Gerade auch die Abendveranstaltungen – welche bei eintägigen Barcamps meist komplett entfallen – sorgen dafür, dass die Kontakte langfristig bestehen bleiben.

Barcamp = Kontakte und Vernetzung

Eine der Haupt-Zielstellungen für ein Barcamp ist die Vernetzung der Teilnehmer untereinander. Die Gespräche miteinander. Beim Barcamp Niedersachsen hundertprozentig erfüllt. Während der Sessions und der oben genannten Abend-Veranstaltungen.

Da kamen Personen miteinander in Kontakt, die seit Jahren nur 200 m voneinander entfernt arbeiten. Da kamen Kultur-Institutionen verschiedener Städte miteinander in Kontakt, tauschten sich aus, wie bestimmte Abläufe beim jeweils anderen sind etc. „Es liegt offensichtlich nicht an mir / meinem Unternehmen / meiner Stadt, andere haben das gleiche Problem.” Diesen Satz hörte ich im Lauf der Tage mehrmals. Und alleine dieses Bewusstsein ist bereits sehr viel wert.

Egal, ob Austausch über verschiedene Hierarchieebenen oder über verschiedene Sektoren hinweg: Immer schaffen es Barcamps, den eigenen Horizont zu erweitern.

Das prall gefüllte Session-Board beim Niedersachsencamp

Das prall gefüllte Session-Board beim Niedersachsencamp

Wie tief geht so ein Barcamp inhaltlich?

Was die inhaltliche Tiefe anbetrifft, so ist dies bei einem Barcamp generell von dessen Ausrichtung abhängig: Thematisch offenes Barcamp? Thematisches Barcamp? Thematisches Barcamp, konzentriert auf eine bestimmte Region? Das Niedersachsencamp war letzteres.

Inhaltlich werden gerade bei solchen regionalen Barcamps viele Alltagsfragen geklärt, da die Rahmenbedingungen der Teilnehmer doch recht vergleichbar miteinander sind.

Bei unserem seit mittlerweile 2008 organisierten rein thematisch ausgerichteten Tourismuscamp stehen hingegen oft ganz andere Fragen im Raum: Wo geht die große Reise des Tourismus hin? Wo die große Reise der Digitalisierung? Es geht hier stärker um den großen Wurf, weniger um Kleinklein. Ich persönlich sehe bei beiden Formen von Barcamps deshalb auch unterschiedliche Zielsetzungen: Während ein thematisches Barcamp wie das Tourismuscamp dafür sorgt, neue Inspirationen zu erhalten, geht es bei thematisch UND zugleich regional ausgerichteten Barcamps darüber hinaus sehr stark darum, Alltagsprobleme zu benennen und gemeinsam nach konkreten Lösungsmöglichkeiten zu suchen.

Generelle Empfehlung: Nicht nach einem Mal aufhören

Einmal ist keinmal wäre eine falsche Aussage. Denn auch ein einmalig durchgeführtes Barcamp bewegt bereits einiges. Unsere Erfahrungen zeigen jedoch, dass gerade ein zweites oder auch drittes organisiertes regionales Tourismus-Barcamp für wichtige Entwicklungen in der Region sorgt. Das erste Barcamp ist ein sich annähern, beschnuppern, Vertrauen schaffen – und natürlich auch das Format Barcamp an sich kennenlernen.

Beim zweiten Mal kommen die Teilnehmer bereits mit Erfahrungen. Sie trauen sich eher, eine eigene Session zu halten (nicht, dass es prinzipiell ein Problem wäre, die Session-Wand voll zu bekommen!). Sie trauen sich eher, Fragen innerhalb der Session zu stellen. Sie trauen sich eher, eigene Erfahrungen zu teilen. Kurz: Sie können besser bereits vorab einschätzen, was sie erwartet und sich entsprechend hierauf vorbereiten, bringen sich stärker ein. Und: Die Teilnehmer des ersten Barcamps werden zu Botschaftern für das zweite Barcamp, da sie das Format bereits kennengelernt haben.

Welche Teilnehmer braucht es?

Das Niedersachsencamp war thematisch auf die Bereiche Städte & Kultur konzentriert. Die Teilnehmerplätze zum überaus größten Teil unter den Städten der about cities-Kooperation und deren Institutionen verteilt. Im Rahmen einer Session wurden Ideen für ein mögliches zweites Niedersachsencamp gesammelt. Unter anderem fielen hier die Punkte, das Thema offener zu halten und auch Externen deutlich mehr Raum zu geben. Finden wir gut so!

Gerade der Input von außen sorgt dafür, dass die Barcamp-Teilnehmer bei regionalen Barcamps nicht nur „im eigenen Saft schmoren“. Gerade die Fragen von Externen machen deutlich, dass bestimmte historisch gewachsene Abläufe überhaupt nicht logisch und sinnvoll sind. Durch einen Themenschwerpunkt wie „Niedersachsen & Tourismus“ würde dennoch ein deutlicher Akzent gesetzt, welcher zu relevanten Teilnehmern führen.

Es war ganz wunderbar in Wolfenbüttel!

Es war ganz wunderbar in Wolfenbüttel!

Barcamp-Regel: Sprich über das Barcamp

Machen wir hier ja gerade mit diesem Blogbeitrag. Aber auch während eines Barcamps kann man natürlich schön über dieses berichten, zum Beispiel via Social Media.

Rund um das Niedersachsencamp passierte recht wenig digital, d.h. via Facebook oder Twitter. Das ist generell verständlich. Die Teilnehmer selbst sind oft weniger als Person aktiv auf den Social-Media-Kanälen, sondern in erster Linie als Organisation / Institution präsent. Dennoch kommt gerade via Twitter oft auch Input von außen in die Diskussionen hinein und freuen sich Nicht-Teilnehmer über die dort geteilten Informationen. Für mich generell ein Punkt, der deshalb auch bei regionalen Barcamps mehr in den Vordergrund rücken sollte: Die Kommunikation nach außen während des Barcamps. Auch dies ist etwas, was mit einem größeren Anteil Externer deutlich zunimmt.

Fazit

Das Niedersachsencamp hat wieder einmal gezeigt, warum ich persönlich Barcamps so liebe, vor allem aber auch, warum Barcamps schlicht und einfach gut funktionieren. Kein Wunder also, dass wir diese so gerne unterstützen. Beim Niedersachsencamp waren gleich mehrere aus unserem Team im Einsatz: Florian war für die Konzeption und Moderation zuständig, Roland kümmerte sich um die Website, Ben um das Befüllen von dieser sowie um das Logo und die Nachbereitung. Und ich? Ich durfte einfach nur die Teilnahme am Barcamp genießen, wozu bei mir auch Twitter gehört. Perfekte Teamarbeit also!

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Kristine Honig

… ist seit Mai 2014 Netzwerkpartnerin und Beraterin bei Tourismuszukunft. Sie studierte Tourismuswirtschaft, ergänzt durch ein späteres Fernstudium zum Social Media Manager. Praktische Erfahrungen sammelte sie während ihrer 13jährigen Tätigkeit im Tourismusmarketing, u.a. beim Niederländischen Tourismusbüro. Ihre Themen sind Storytelling & Blogs, Personas & Customer Journeys, Barcamps & Seminare.