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Snapchat Pro & Kontra

Wir haben seit kurzem auch einen Snapchat-Account für Tourismuszukunft – ihr findet uns dort als Tourismusblog. Ganz unumstritten ist Snapchat bei uns im TZeam jedoch nicht. Es gibt drei Fraktionen: Pro, Contra und „Mir Wurscht“. Alle drei Parteien äußern sich im folgenden dazu:

Snapchat TourismuszukunftSnapchat-Account von Tourismuszukunft

Pro-Fraktion

Günter:

Oh nein – wurscht ist mir Snapchat nicht! Doch bis vor kurzem war der Messenger für die Unternehmenskommunikation irrelevant. Snapchat ist eine private Plattform, auf der das Werbe-Gedöns übereifriger Marketer keine Sau interessiert. Das hat sich ein bisschen mit der Einführung von Snapchat Stories geändert: Für eine aktive Community können nun unterhaltsame Geschichten mit guter Sichtbarkeit (und begrenzter Haltbarkeit) gestaltet werden. Was nichts daran ändert: Ohne „Use Case“ und/oder Community zahlt sich der Aufwand kaum aus.
Ein Beispiel: Als Echtzeit-Reiseblogger sah ich bisher wenig Sinn, neben Twitter auch Snapchat zu bespielen. Mit Stories kann ich nun immerhin Kurzstories von meinen Reisen posten – Mein Username: travellivecc

 

Florian:

„Snapchat verändert die Art und Weise der Kommunikation nachhaltig. Die Kombination von Snaps (einzelnen kurzen Bild- oder Video-Sequenzen) zu echten Geschichten ist in dieser Art und Weise eine komplett neue digitale Erzählform. Damit wird Storytelling aus dem alltäglichen Leben für jedermann möglich – natürlich auch über bzw. von Reisen. Um diese nachhaltige Veränderung zu verstehen, macht es Sinn, sich mit dem Kanal bzw. Medium vertraut zu machen. Nur wer die Möglichkeiten kennt, kann sie (muss sie aber auch nicht) in Wert setzen. Ich nutze Spapchat aus genau diesem Grund – mein Username: bauhuber

Contra-Fraktion

Um es an dieser Stelle ganz klar zu sagen: Unsere Contra-Fraktion hat nicht grundsätzlich etwas gegen Snapchat. Es geht uns eher um den zielgerichteten Einsatz in touristischen Unternehmen und Organisationen, dem wir kritisch gegenüberstehen.

 

Kristine:

In nahezu jedem meiner Workshops oder Schulungen ist Zeit ein Thema. Fehlende Zeit, um die bestehenden (Social-Media-)Kanäle so zu betreuen, wie das Unternehmen und auch die Mitarbeiter selbst dies gern hätten. Die Organisationen schaffen es also jetzt schon zeitlich nicht, gute Inhalte zu kreieren, die online stehen bleiben, später noch online auffindbar sind und von anderen Nutzern weitergeteilt werden können. Wozu dann Zeit in einen Kanal investieren, bei welchem die Inhalte automatisch wieder verschwinden und das schon nach 24 Stunden? Ich empfehle, diese Zeit lieber in die Optimierung der bestehenden Kanäle.“

 

Catharina:

Für mich sind drei Punkte entscheidend:

1. Content
2. Content
3. Content

Wie wird man online sichtbar? Was bewirbt man online? Was bildet langfristig eine starke Community? Was zeigt man seinem Freund oder seinen Familienmitgliedern wenn man über die nächste Urlaubsreise nachdenkt? Was teilt man mit seinen Freunden über andere Social Media Kanäle?

Richtig, guten Content bzw. sehr guten Content. Sei es ein Blogpost, ein Bild oder ein Video. Content, der emotionalisiert. Content, der inspiriert. Content, der informiert. Content, den man sich immer wieder anschauen kann und möchte.

Das Gro der Inhalte auf Snapchat ist kurzlebig und das nicht nur, weil der Content max. 24h verfügbar ist. Die Inhalte sind situationsbedingt, stark personalisiert sowie angereichert durch diverse Gimmicks. 

Wenn Ihr viel Zeit habt, in verschiedene Tierrollen zu schlüpfen und zu schauen, ob Euch Zebra-Ohren gut stehen :), dann könntet Ihr Euch einen Account zulegen bzw. diesen weiterführen. Wenn Ihr ein starkes, langfristiges Social Media Marketing weiter aufbauen und nachhaltig gestalten wollt, solltet Ihr Euch auf andere bzw. bestehende Kanäle konzentrieren.

PS: Das Einzige, was an Snapchat wirklich neu ist, ist, dass es Snapchat heißt. 🙂 Nein, Spaß beiseite. Grundsätzlich ist die Art des Contents aber auf diversen anderen Social Media Kanälen schon vorhanden und könnte in ähnlicher Form platziert werden. Nur hätte das wohl weniger junge Leute überzeugt.“

„Mir Wurscht“-Fraktion

„Mir Wurscht“ heißt in diesem Falle übrigens nicht, dass uns Snapchat egal ist, dieser Ausdruck steht eher dafür, dass wir weder auf der Pro-, noch auf er Contra-Seite stehen.

 

Johannes:

„Ich kann es euch gar nicht sagen, wie sehr es mich inzwischen langweilt, wenn wieder einmal so etwas wie Snapchat als „der nächste heiße Sch****“ gehyped wird. Berater, Marketer und Kommunikationsexperten tigern durch die Gegend wie eine Armee von Duracellhäschen auf Drogen und viel zu viele Verantwortliche in Unternehmen und Organisationen verfallen einmal mehr in blinden Aktionismus.

Leute, Snapchat ist schlicht eine neue Spielform technologiebasierter Kommunikation, die altbekannte Contentformate geschickt miteinander kombiniert und einen frischen Zugang dazu bietet. Damit ist Snapchat im Kern einer von heute schier unzählig vielen Kanälen, über die Menschen mit Informationen erreicht werden können. Nicht mehr aber auch nicht weniger.

Und genau so sollte Snapchat auch behandelt werden. Jede Marke, bzw. jedes Unternehmen sollte sich fragen: Erreiche ich darüber diejenigen, die ich erreichen möchte? Kann ich darüber die Message transportieren, die ich transportieren möchte? Habe ich die Ressourcen, um das vernünftig umzusetzen? Bei 3 Mal „Ja“ wird Snapchat in die Content- und Kommunikationsstrategie integriert und entsprechend umgesetzt, ansonsten wird schlicht ein Haken dahinter gesetzt und sich um andere Dinge gekümmert. Es gibt ja meistens ohnehin viel genug zu tun. Fertig. In diesem Sinne:“

Keep Calm and Carry OnKeep Calm and Carry On

Ben:

„Eigentlich hat Johannes schon vieles gesagt, was meiner Meinung entspricht. Kurz gesagt, halte ich Snapchat durchaus für einen geeigneten Kommunikationskanal. Allerdings mit einer großen Einschränkung: wie bei jedem anderen Kommunikationskanal muss die Zielgruppe im Kanal aktiv sein. Wenn eine Destination also vor allem ein ältere Gästestruktur hat oder ein Reiseveranstalter hochpreisige Luxuskreuzfahrten verkauft, ist Snapchat (zumindest aktuell) kein geeignetes Netzwerk. Hier sollte, wie Johannes schon sagte das Geld und die Zeit lieber anders investiert werden.

Wenn man aber als Zielgruppe vor allem Jugendliche und junge Erwachsene bedient, dann – ich will nicht sagen muss, aber – sollte man über Snapchat als zusätzlichen Kommunikationskanal zumindest nachdenken.

Und wie stehe ich zum Einsatz von Snapchat bei Tourismuszukunft? Nun ja, als Beratungsunternehmen, das viel im digitalen Bereich unterwegs ist, sollten wir uns auch mit den neuesten Entwicklungen beschäftige, um diese zu verstehen – auch wenn unsere Zielgruppe nur wenig auf Snapchat vertreten ist. Nur so können wir unser Wissen und unsere Erfahrung auch an euch, unsere Kunden, weiter geben.“
 

Was haltet ihr denn von Snapchat und unserer Diskussion? Wir sind auf eure Meinungen gespannt.

Viele Grüße

Florian, Günter, Kristine, Catharina, Johannes und Ben

7 Kommentare zu
Snapchat Pro & Kontra

Finde ich eine gute Pro- und Contra-Zusammenstellung. Wobei ich natürlich die Contra-Seite üüüüüüberhaupt nicht verstehen kann… 😉

Allgemein sollte es bei der Diskussion um Snapchat im touristischen Bereich viel weniger darum gehen, ob eine Destination, ein Hotel etc. selbst snappen muss. Dafür fehlen den meisten im deutschsprachigen Raum einfach die Ressourcen (oder auch Kompetenzen). Bzw. redet man sich gern damit heraus, denn sooooo viel Zusatzaufwand ist es gar nicht, wenn man eine vernünftige Content-Strategie hat.

Ganz davon abgesehen, dass der Großteil der (jungen) Nutzer gar nicht so unbedingt Inhalte von Unternehmen konsumieren will, sondern hauptsächlich von Freunden/Bekannten, aber auch Influencern (hier sehe ich einen Ansatzpunkt, wie man als Destination über Snapchat Nutzer sehr gut erreichen kann, ohne selbst zu snappen).

Viel wichtiger ist es, dass jede Person, die sich mit Kommunikation beschäftigt, sich mit diesem Netzwerk auseinandersetzen und wissen sollte, was dort passiert. Und dass dort inzwischen etwas passiert, sollte klar sein – 10 Milliarden Video-Abrufe pro Tag sprechen Bände.

Gerade Destinationen sollten die Infrastruktur schaffen, dass die Nutzer gerne und viel snappen können und somit Bilder aus ihrer Destination an den Freundes-/Bekanntenkreis weitertragen. Freunden oder Influencern glauben wir eh mehr, als Unternehmen. Das fängt an bei WLan-Hotspots (Snapchat braucht sehr viel Datenvolumen und das ist gerade im Ausland mitunter rar) und hört auf bei Geo-Filtern, die bei Snapchat eingereicht werden können. Gibt es schon Geo-Filter für meine Region? Wenn nein, Geo-Filter erstellen. Das ist die einfachste Möglichkeit, damit meine Destination bei Snaps mitkommuniziert wird. Die User sind bereit, die Geo-Filter zu verwenden, selbst, wenn sie grafisch nicht so schön sind (was aber natürlich nicht der Anspruch sein sollte).

Florian Bauhuber

Danke Jochen, Du unterstützt ja indirekt mein Statement. Ich sehe die Nutzbarkeit ähnlich. Geofilter sind sicher ein riesen Thema – und auch noch ein kostengünstiges im Moment. Aber auch die LiveStories sind für große Destinationen sicher eine tolle Geschichte. Die Geschichte gestern von Dubai fand ich super gemacht – und auch genau richtig umgesetzt. Die Kosten sollen zwar astronomisch sein, aber ich denke da wird sich noch was tun (vor allem in der Kontextsensitivität der Aussteuerung – und damit auch der Kosten).

Liebe Grüße, Florian

Moin, ich stimme Euch allen zu. Insbesondere Günter, Catharina und Ben. Ich spiele derzeit auch etwas mit Snapchat rum. Insbesondere beobachte ich, was ein paar internationale Travelblogger produzieren. Zum Teil echt gutes Storytelling. Während einige Beautybloggerinnen nur dämlichen Schmarrn liefern. Der Vorteil liegt u.a. auch darin, dass man die Stories auf das Smartphone laden kann, um sie anschliessend auch bei Youtube hochzuladen. Damit sind die 24 Std. ausgeschaltet. Es ist nicht ganz live, wie Periscope und Facebook Live. Es ist aber auch nicht so potentiell ganz alt wie Youtube. Ja, die Zielgruppe sind die ganz jungen. Es ist spontan, ungeplant, unvorhersehbar. Es ist eine riesige Spielerei. Und die diversen Gimmicks kann man auch ignorieren. Also mal dran bleiben, lernen, wie das Ding funktioniert – aber nicht den Schwerpunkt der Arbeit drauf legen…

Sehr interessante Pro und Contra-Liste!

Pro für mich ist einfach mit der Zeit und dem Social Media Flow mitzugehen statt züruckzubleiben, gerade da die Generation Y fast ausschliesslich über Social Media zu erreichen ist -> hier sind Social Influencer besonders wertvoll!

Ich nutze Snapchat überhaupt nicht. Finde es ehrlich gesagt sogar eher anstrengend. Denke es ist eher etwas für die Jugend, aber für Business? Vielleicht wenn junge Leute die Zielgruppe sind. Habe Snapchat dreimal installiert, ein paar Leuten gefollowed die mich interessieren und dann auch wieder deinstalliert. Der Mehrwert ergibt sich mir nicht, die Videos waren albern und haben nur meine Zeit geraubt. Gibt sicher einige die darauf stehen, aber ich werde es mir nicht nochmal installieren.
Lg

Tavabu

Ich kenne Snapchat noch gar nicht. Werde es mal ausprobieren.

Kann mir jedoch vorstellen, dass es im Tourismus Bereich interessant sein kann.

Super Artikel! Die Generation Y hat ihre eigenen Gesetze.

Diese zu erkennen erfordert Koennen.

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Benjamin Gottstein

...ist Netzwerkpartner im Bereich Market Research bei Tourismuszukunft. Er studierte den Bachelor Geographie mit Schwerpunkt Freizeit, Tourismus und Umwelt an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Seit 2010 arbeitet er als Praktikant, Werkstudent und seit 2012 als Projektleiter im Bereich Market Research bei Tourismuszukunft. In seiner Bachelorarbeit beschäftigte er sich mit dem Thema Crowdsourcing. Seine Schwerpunkte sind im Bereich Keywordanalysen, Markenwerte, KPIs, Potentialanalysen und Crossmedia.