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Google startet eigene eLearning-Plattform in Deutschland

Ende letzter Woche war es soweit: Google hat, in Kooperation mit der Universität Chemnitz, der Hochschule Reutlingen sowie dem Bundesverband e-Commerce und Versandhandel (^^) seine eigene eLearning Plattform gelauncht. Dieser Schritt kam nicht sonderlich überraschend, hat der Konzern doch vorher schon erste Schritte in diese Richtung unternommen (beispielsweise mit der eigenen Lern-App Primer). Der Kurs richtet sich an Studenten, Startups und Mittelständler, welche sich im digitalen Umfeld weiterbilden wollen.

Unsere Bewertung

Und diese neue Plattform habe ich für euch einmal unter die Lupe genommen:

Lernplattform

Zunächst kommt das Ganz einmal sehr leichtfüßig und im klassischen Google Material Design daher. Nach einer Anmeldung kann der Nutzer grob seinen Wissensstand angeben und bekommt darauf basierend Vorschläge für passende Kurse.

Die einzelnen Kurse, beispielsweise zu den Themen Social Media, SEO, Websites, etc. pp, sind in mehrere kurze Videos unterteilt, nach denen jeweils ein kurzer Test kommt. Hat ein Nutzer alle Videos einer Kategorie angesehen, kann er einen Abschluss-Test machen und bekommt bei bestehen den passenden Batch verliehen.

Insgesamt bietet Digital-Workshop 89 Videos, verteilt auf 23 Kurse.

Lernfortschritt

Sobald man alle Batches erworben hat, bekommt man ein Zertifikat, das man sich ausdrucken kann. „Dieses Zertifikat bestätigt, dass Sie Experte rund um das Thema Internet sind.“ (O-Ton).

Das Ganze ist hübsch, hat einige nette Funktionen, und verzichtet auf unnötigen Schnickschnack. An sich eine rundum schöne Angelegenheit, bei der ich mir für die Entwicklung meiner eigenen eLearning-Plattform noch das ein oder andere abschauen kann.

eLearning aus Eigeninteresse – na klar!

Soweit so gut. Der Ansatz, Basiswissen zur Verfügung zu stellen und so oben genannten Gruppen zu helfen, im Web erfolgreich zu sein, ist –nennen wir es einmal- lobenswert. Dass das Ganze nicht aus reiner Barmherzigkeit geschieht, sollte allerdings ebenfalls klar sein: Neue Kundengruppen für Google Produkte werden in den Inhalten ganz massiv angehalten, diese auch zu verwenden. Das sagt natürlich niemand so, die Vorteile werden aber doch schon sehr betont. Das sieht man übrigens auch an den Batches:

Batches

Die Inhalte sind professionell aufbereitet und sehen echt gut aus. Die Beispiele (Hotel, Klempner, etc.) sind in der Regel gut gewählt und machen Themen wie beispielsweise Mobile Marketing verständlich. Allerdings nur in einem Rahmen, in dem man eben einem Klempner und einem Hotelier die gleichen Tipps für das Marketing geben kann.

Thema eLearning ist in aller Munde

Unter dem Strich zeigt diese Neuerung von Google, dass das Thema eLearning wirklich heiß ist! Aber auch, dass alle, die Großen wie die Kleinen mit den gleichen Problemen zu kämpfen haben: Individueller, spannender Content und eine klar definierte Zielgruppe mit realistischen Lernzielen!

Laut Google, habe ich mich unter dem Strich innerhalb von einer Stunde und sechzehn Minuten zum „Experten rund um das Thema Internet“ hochgearbeitet (ja, ich hab vielleicht nicht alle Videos ganz angeschaut). Ich würde sagen, ich habe in eineinviertel Stunden die Google Produktpallette präsentiert bekommen. Das aber wenigstens auf nette Art und Weise.

Liebe Grüße,

euer Bastian

9 Kommentare zu
Google startet eigene eLearning-Plattform in Deutschland

Wenn ich Dich richtig verstanden habe, dann ist das Konzept, welches Google hier wählt– und das ist nicht verwunderlich – eines, welches auf Automatisierung ausgerichtet ist. Also: Videos für die Masse und dann ein standardisierter Test. Dieses Lehrkonzept ist nicht neu und wird gemeinhin auch als MOOC (Massive Open Online Course) bezeichnet. Lange Zeit galten die MOOCs als DIE neue Lehrform und es wurde schon geunkt, dass diese bald die klassische Vorlesung ablösen würden.
Allerdings wurde mit der Verbreitung der MOOCs auch deutlich, dass sich Wissen UND Kompetenzen eben nicht einfach am Fließband vermitteln lassen. Daher denke ich, dass dieses Konzept für Grundlagen Wissen (nicht Kompetenzen) geeignet sein kann. Nicht weniger, aber auch nicht mehr.
Wenn man aber langfristige und qualitative Weiterbildung gestalten möchte, dann kommt man um individuelle Lehrformen nicht herum. Davon sind wir jedenfalls als Anbieter eines Online-Formates, welches sich von diesem Massenkonzept abgrenzt, überzeugt. Denn individualisierter Unterricht kann mittlerweile auch online angeboten werden. In Form von interaktiven Skripten mit Aufgaben, die in kleinen Gruppen gegenseitig und/oder von Lehrpersonen korrigiert werden, in Video-Konferenzen (bei uns Adobe-Connect), in Foren, usw. usw. Für dieses Konzept entwickelt sich übrigens im Moment ein neuer Begriff: SPOCs, was für Small Private Online Course steht und unser Konzept sehr gut wiedergibt. Mehr dazu hier: http://www.zeit.de/2015/44/fernstudium-online-kurse-erfolg-moocs-spocs
Kurz: Das mag jetzt auch ein wenig wie ein Werbetext für das Konzept unseres Online Studiengangs klingen, aber ich bin dennoch davon überzeugt, dass man nur so auch komplexes Wissen und noch wichtiger auch die entsprechenden Kompetenzen lehren kann. MOOCs sind hingegen eine gute Ergänzung. Sie ersetzen aber nicht den individuellen Kontakt zwischen Lehrenden und Lernenden!

Bastian Hiller

Lieber Eric,

zunächst einmal vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar.
Ich kann dir nur zustimmen, mit einem MOOC wie Google oder seit neuestem ja auch wir es anbieten, können wir Wissen, nicht Kompetenzen schaffen. Wie du am besten weißt, ist die Konzeption und Vorbereitung eines SPOCs immens viel Arbeit, die Systeme sind komplex und intrinsische Motivation der Lernenden muss auf jeden Fall deutlich höher liegen, als bei einem „simplen“ MOOC!
Für euren Anspruch und das tolle Programm, das ihr auf die Beine gestellt habt, kann natürlich ein standardisiertes eLearning-Produkt wie das von Google niemals ausreichend sein. Dennoch denke ich, dass diese durchaus ihre Berechtigung haben. Letztendlich kommt es, meiner Meinung nach, wie immer auf den konkreten Fall und die Zielsetzung an…

In jedem Fall wünsche ich dir, lieber Eric, mit dem SPOC wie privat alles erdenklich Gute für das kommende Jahr und fröhliche Weihnachten!
Bastian

Sehr genial was Google wieder auf die Beine gestellt hat. Den Kurs werde ich auf jeden Fall mal durcharbeiten.
Danke für deinen Kommentar, Eric. Hilft mir für meine Zukunftsplanung weiter, da brauch ich so ein System – ich wusste nicht wie das heißt, damit ich mich näher damit beschäftigen kann.

Bastian Hiller

Hallo Frank,

ja, es ist schon beachtlich, was die Großen in so kurzer Zeit auf die Beine stellen können! Ich bin sehr gespannt, wie es dir mit den Kursen geht!
Darf ich denn fragen, zu welchem Zweck du ein eLearning System brauchst? Wir haben die Erfahrung gemacht, dass wir mit komplexen Systemen, Einsteiger und digital Unerfahrene schnell überfordern, weswegen unser System (im Artikel verlinkt) auch deutlich simpler aufgebaut ist. Dafür nehmen wir auch bewusst die Einschränkungen in Kauf, welche uns Eric aufgezeigt hat.
Ich bin sehr gespannt auf deinen Erfahrungsbericht zur Google Plattform und freue mich auf einen weiteren Austausch zu diesem Thema!

Liebe Grüße und fröhliche Weihnachten,
Bastian

Das liest sich für mich als Kleinunternehmen doch sehr spannend. Ich brauche zwar kein Zertifikat, bin aber an einer Weiterbildung sehr interessiert. Leider merke ich nämlich immer wieder, dass ich in Sachen Internet an meine Grenzen stoße. Ich werde das auf jeden Fall mal ausprobieren und bin sehr gespannt darauf. Danke für den prima Tipp.
Herzliche Grüße
Monika

Bastian Hiller

Liebe Monika,

vielen Dank für dein Feedback! Ich bin sehr gespannt, wie es dir mit dem eLearning von Google geht und würde mich über eine Meldung diesbezüglich sehr freuen! Wie ich schon geschrieben habe, sind die Inhalte allerdings sehr wenig auf den Tourismus abgestimmt. Genau für diesen Fall haben wir ja vor Kurzem unser eigenes eLearning-System ins Leben gerufen und hoffen, dass wir bald auch in deiner Region tourismusspezfische Inhalte kostenlos zur Verfügung stellen dürfen!

Liebe Grüße und fröhliche Weihnachten,
Bastian

Die Machart erinnert mich an Jimdo, der Websiten-Baukasten geht ähnlich vor, ist aber ebenso lehrreich. Hab jetzt nur mal reingeschnuppert, nach Weihnachten werde ich mit intensiv damit beschäftigen. Es gibt da nämlich noch so einige Fragen, mal sehen, ob ich dazu eine Lösung finde.

Fröhliche Weihnachtstage
und liebe Grüße
Monika

Die Platzierung von Google Produkten fällt schon deutlich auf. Von daher ist der Slogan „Engagement für Deutschland“ ein wenig schwierig für mich, denn letztlich startet Google das eLearning Tool zum Eigenmarketing.

Stört man sich daran nicht weiter, ist die Plattform gut umgesetzt.

Die individuelle Zusammenstellung vom Lernkatalog wirkt smart. Die Fragen sind einerseits „an der Oberfläche“ andererseits für das Grundverständnis unverzichtbar. Die schnell erreichbaren Badges wirken zwar sehr spielerisch, sind aber dennoch wohl ein guter Motivator.

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Bastian Hiller

... ist seit 2013 Berater bei Tourismuszukunft und begleitet touristische Organisationen im In- und Ausland. Seit dem Jahr 2014 beschäftigt sich Bastian primär mit dem Thema eLearning im Tourismus. Er war somit einer der ersten im deutschen Tourismus, der sich mit der professionellen digitalen Aufbereitung und Distribution von Wissen beschäftigt hat und steht branchenintern und -extern im engen Austausch mit weiteren Anbietern. Seine weiteren Schwerpunkte liegen in der Aufbereitung von Video-Content in Form von Erklärvideos und der Konzeption von Webseiten auf Basis innovativer Service Design Prozesse.