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Digitalisierung der Automobilbranche – warum auch diese Branche den digitalen Wandel verschläft…

Eine Branche verschläft den digitalen Wandel… das ist grundsätzlich nichts Neues. Wie kennen das aus dem Tourismus, aber auch andere Branchen verkennen die Zeichen die Zeit. Vergangene Woche fand die AkTf-Tagung „Auto, Brille, Fon und Drohne – Neues Reisen im 21. Jahrhundert?!“ in Eichstätt und Neuburg statt. Im Rahmen dieser Tagung präsentierte der vermeintliche Technologieführer Audi (Vorsprung durch Technik) seine Vision vom pilotierten Fahren und ihre Zukunft der selbstfahrenden Autos. Warum diese Vision aus unserer Sicht nicht zukunftsfähig ist, zeigt dieser Blogbeitrag.

Wie Audi denkt?

Audi nimmt das Thema pilotiertes Fahren ernst. Es ist ein zentrales Technologie-Thema und wird mit Nachdruck im Vorseriencenter getestet. Sensoren sind bereits jetzt in den Automobilen vorhanden. Erste Funktionen wie Einparkhilfen sind bereits im Auto verbaut – weitere Hilfestellungen sind in der Planung und stehen kurz vor der Einführung in der Oberklasse (d.h. A8):

– Stau-Assistent: Übernimmt das Stop-and-Go z.B. im Stau auf der Autobahn.

– Parkhaus-Assistent: selbstständiges Fahren & Einparken in Parkhäusern

Darüber hinaus gibt es einige öffentlichkeitswirksame Projekte wie z.B. das sportlichste selbstfahrende Auto der Welt.

Ziel ist es hier darzustellen, dass pilotiertes Fahren auch schnell und sportlich stattfinden kann und Audi diese Technologie im Griff hat.

Welchen Fehlannahmen unterliegt Audi?

Audi geht davon aus, dass das Fahren ein zentraler Bestandteil der zukünftigen Mobilität im Kontext selbstfahrender Autos ist und entwickeln und positionieren auch selbstfahrende Autos mit althergebrachten Attributen. Wie sie selbst schreiben, werden sie immer den Fahrer und das Fahren in den Mittelpunkt stellen:

Audi wird niemals Roboterautos bauen, sondern immer den Fahrer in das Zentrum der Entscheidung setzen.

 

Wir wissen bereits heute, dass der Fahrer das Hauptproblem im Autoverkehr ist. Mehr als 90% aller Unfälle sind auf menschliches Versagen zurückzuführen – in einer alternden Gesellschaft wird dieser Anteil sicher noch steigen.

Sollten selbstfahrende Autos auf den Straßen unterwegs sein und beweisen, wie das bereits die Google Autos in den Tests tun, dass sie fehlerfrei agieren, wird es nur eine Frage der Zeit sein, bis die Regulationsregime das aktive Fahren unterbinden werden.

Im Mai 2015 präsentierte Google eine Unfallbilanz. Google hat nach eigenen Angaben mehr als 20 Fahrzeuge im Einsatz. Diese haben in den vergangenen sechs Jahren mehr als 2,7 Millionen Kilometer zurückgelegt, davon gut 1,5 Millionen Kilometer computergesteuert. Während dieser Zeit sei das Google-Auto in elf Unfälle verwickelt gewesen. Dabei habe es sich um Blechschäden gehandelt. Menschen seien nicht verletzt worden. An keinem der Unfälle sei das selbststeuernde Auto schuld gewesen.

 

Aktives Fahren wird vor diesem Hintergrund zum (touristischen) Erlebnis, zum Event der neuen Art z.B. auf abgegrenzten Rennstrecken unter Begleitung. Autos im normalen Straßenverkehr sind dann hingegen reine Transportmittel ohne jeglichen Fahrspaß – was bringen dann noch die Attribute wie sportlich?

Warum andere Unternehmen den Wandel besser verstehen?

Wie wir aus anderen Branchen wissen, sind per se nicht-digitale Akteure mit den Logiken der digitalen Welt überfordert. Die digitale Welt ist durch Kollaboration, Offenheit und Schnittstellen gekennzeichnet. Traditionelle Unternehmen denken in Patenten, Geheimhaltung & Konkurrenz.

In Zukunft werden selbstfahrende Autos miteinender kommunizieren (müssen), um Unfälle zu vermeiden, aber auch den Verkehr fließen zu lassen. In Folge sind gemeinsame Standards & Schnittstellen zentral. Es gab und gibt hier zwar Ansätze wie z.B. Car2Car oder V2V, allerdings immer nur mit ausgewählten Automobilherstellern und mit beschränkter Leidenschaft. Eine wirkliche Offenheit und Kollaboration, wie es im digitalen Kontext notwendig ist, findet unter den etablierten Herstellern nicht statt.

Tesla macht es vor, dass es auch anders geht… Sie haben alle Patente der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt:

Tesla Motors wurde gegründet, um das Aufkommen von nachhaltigen Transportmitteln zu beschleunigen. Falls wir einerseits erfolgreiche Elektrofahrzeuge entwickeln, aber andererseits rechtliche Minen legen, um andere vom Markt abzuhalten, würden wir gegen dieses Ziel verstoßen. Daher wird Tesla keine Patentklagen gegen Andere anstrengen, die unsere Technologien in gutem Glauben anwenden möchten.

 

Für klassische Automobilhersteller unvorstellbar – und darin liegt auch das große Problem. Für Google und Co. sind diese Prinzipien hingegen Alltag – Schnittstellen, Kooperation und Open Source gelebte Realität. In Folge werden sie auch viel einfacher globale Standards setzen können, so wie sie das in vielen anderen Bereichen schon getan haben. Audi und Co. müssten ihre komplette Unternehmensphilosophie ändern um in diesem Wettbewerb zu bestehen… und das wird nicht passieren…

selbstfahrende-google-auto

Das Google Auto

Und was das für den Tourismus heißt?

Autonome selbstfahrende Autos werden kommen: das steht für uns fest. In anderen Bereichen des touristischen Transports kennen wir diese Technologie bereits (Autopilot im Flugzeug oder den ICEs). Neue U-Bahnen funktionieren bereits fahrerlos.

Wir werden zudem in Zukunft unsere Autos nicht mehr besitzen müssen… warum denn auch? Mit digitalen Diensten à la Uber können wir uns ein beliebiges selbstfahrendes Auto bestellen und am Zielort aussteigen – das Auto wird dann vom nächsten Kunden benutzt (Collaborative Consumption). Das Auto als Statussymbol verliert jetzt schon kontinuierlich an Relevanz. Die Folge ist klar: deutlich weniger Autos werden benötigt, da sie ja ständig in Betrieb sein werden – auch kein schönes Zeichen für die Massenhersteller, oder?

Für den Tourismus heißt dies, dass Car Sharing-Konzepte nicht nur in einzelnen Destinationen wie im Hochschwarzwald Realität werden. Wir werden mit dem geliehenen Auto in den Urlaub gefahren werden und dort wohl mit einen anderen Auto unsere Ausflüge machen – und das mit weniger Stau, ohne Stress und mit viel Quality Time mit der Familie. Sind das nicht tolle Aussichten?

5 Kommentare zu
Digitalisierung der Automobilbranche – warum auch diese Branche den digitalen Wandel verschläft…

Hallo Herr Bauhuber,

vielen Dank für diesen guten Artikel, der sich vor allem durch Weitsicht auszeichnet. Ich teile die Auffassung, dass Audi da in eine falsche Richtung steuert. Der Fahrer wird zweifellos in Zukunft an Bedeutung verlieren und ganz richtig stellt sich die Frage, warum man dann noch ein Auto besitzen muss, das ggf. über Jahrzehnte mühsam abgezahlt wird und „sportlich“ scheint. Kosten und Nutzen werden dann zunehmend in keinem Verhältnis mehr stehen.

Die Zahlen von Google sind auch sehr interessant. Spannend wird sein, wie die Integration in den Straßenverkehr konkret verläuft und ab wann in großen Stückzahlen produziert wird.

Herr Brandt, herzlichen Dank für das Feedback… freut mich sehr! Viele Grüße, Florian Bauhuber

Hallo Florian
Finde deinen Beitrag sehr interessant. Insbesonders, weil dieser auch im Kontext von „Tourismus“ betrachtet wird > „Aktives Fahren wird vor diesem Hintergrund zum (touristischen) Erlebnis, zum Event der neuen Art,“

Zu Tesla:
Ich fuhr unlängst ein Model S P85D (700 PS, Null Co2). Das einzige Geräusch war das begeisterte Lachen meiner Frau am Beifahrersitz. Seit diesem Seitensprung nehme ich meinen (fast neuen) X3 irgendwie als Oldtimer wahr. Und ich poste mittlerweile aus Leidenschaft gegen die BezinbrüDEr und für die große Energiewende, die trotz der Politik geschehen wird.

Zu „Autos werden nicht mehr besitzen…“:
Das betrachte ich aus meiner Egoperspektive etwas anders. Das eigene Auto, mit meinem Wunschinterieur und all dem Gewohnten, das mir darin vertraut ist, scheint mir ein bestimmtes Maß an Individualität zu geben. Auf diese möchte ich nicht verzichten. Vielleicht wird dieser „Egotyp“ (wie ich) einer neben dem Sharingtyp und dem Racingtyp oder dem Offroadtyp künftig die Marktanalysten der eCars beschäftigen.

Wünsch dir alles Gute – auf dass diese Fahrzeuge mit 2 oder 4 Kaminen am Arsch in Bälde der Vergangenheit angehören. Und in der Hoffnung, dass Audi, BMW, Mercedes… nicht weiterhin ihre alte, superoptimierte Technik, der meine Hochachtung galt, beibehalten und den Quantensprung noch rechtzeitig schaffen.

Barcamp: Autos und Verkehr der Zukunft

Hallo,

ich halte es für wichtig, dass sich die Akteure der Zukunftsmobilität vernetzen und daher will ich dieses barcamp veranstalten. Ob es ums Elektroauto, elektrische Nutzfahrzeuge oder das autonome Auto geht, auf diesem barcamp können Sie neue Akteure und neue Ideen kennen lernen.

Nutzen Sie die Möglichkeit und gestalten Sie dieses barcamp mit, gerne können Sie auch Sponsor werden!

http://elektroautovergleich.org/barcamp-autos-der-zukunft-de-stimmen-sie-an-und-werden-sie-sponsor/

Viele Grüße

Jürgen Vagt

Es ist schon eigenartig, dass die vermeintlich innovativste Branche praktisch künstlich versucht dem digitalen Wandel entgegenzuwirken. Daher unterstütze ich persönlich auch sehr gern Tesla, da man dort ganz anders damit umgeht!

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Florian Bauhuber

... ist Geschäftsführer des Experten-Netzwerks Tourismuszukunft.. Bereits seit dem Jahr 2006 berät und begleitet er gemeinsam mit seinen Kollegen touristische Unternehmen und Verbände. In seinem Fokus stehen dabei unterschiedliche Beratungsschwerpunkte: #ServiceDesign #WebsiteRelaunch #ContentStrategie #Marketing #Vertrieb #Change #Innovation