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Filmtourismus – beschäftigen wir uns mit den falschen Medien?

Am vergangenen Mittwoch fand in München der Bayerische Tourismustag zum Thema Filmtourismus statt. Wir wissen seit Jahren in der Forschung, dass Filme massiv touristische Imaginationen prägen. In Folge werden Reiseentscheidungen zumeist unterbewusst beeinflusst.  Bayern investiert hier laut Aussagen vor Ort 30 Millionen Euro pro Jahr in Filmförderung – 30 mal so viel als das in der Branche bekannte Beispiel Tirol – mit CineTirol.

Film das Leitmedium?

Mal abgesehen davon, dass ich es gut finde, dass Tourismus und Filmförderung aneinander gekoppelt wird und integrativ gedacht wird, möchte ich gern auch die provokative Frage stellen – beschäftigen wir uns eigentlich gerade mit dem Leitmedium der Jugend? Sollten wir uns nicht lieber mit Medien beschäftigen, in denen wir tatsächlich die Imaginationen zukünftiger Generation prägen können?

Aber zuerst mal ein Video:

Computerspiele statt Filme… eine Überlegung wert, oder?

Dieses Video zeigt Szenen aus Computerspielen – starke Bilder, oder? – leider ohne realen Kontext. Die Computerspielebranche hat bereits im Jahr 2010 den Umsatz der Filmbranche übertroffen. 8 von 10 Personen unter 30 sind Gamer.  Wann findet Prägung auf Landschaft statt – ja, in der Kindheit und in der Jugend. Warum kümmern wir uns nicht darum, dass touristische Landschaften Teil von Computerspielen werden? Warum investieren wir das Geld nicht in Computerspielförderung – mit konkreten Vorgaben zum Abbild von echten Landschaften?

Freu mich auf Eure Gedanken und Meinungen,

Florian

P.S.: Ich bin heute beim Content Strategy Camp #cosca14 – mal sehen ob andere Branchen das Thema auf dem Radar haben – ich wette ja! Für die Konsumgüter-Industrie ist das doch selbstverständlich, oder?

5 Kommentare zu
Filmtourismus – beschäftigen wir uns mit den falschen Medien?

Harald Köhler

Hallo Florian!

Sehr interessanter Ansatz, vor allem wenn es um Investitionen in dieser Höhe geht. Es sollte sich meiner Meinung nach aber keines dieser Medien gegenseitig ausschließen. Ist einfach eine Frage der Zielgruppe, wen will ich ansprechen. Ich würde sogar soweit gehen, das man mit Computerspielen Personen bis +40 anspricht. Bester Beweis dafür sind die Spiele auf FB!

LG aus dem Innergebirg

Daniela

Die rund 30 Mio. Förderung beinhalten bereits seit 2009 auch die Förderung von (gewaltfreien) Games.

Interessant in diesem Zusammenhang ist auch der Blick zu den Rennspielen. Da haben die Strecken ja inzwischen einen so starken Realitätsbezug, dass man beim Formel-1 schauen mehr als ein mal denkt: „Hey, in der Kurve bin ich auch schon oft rausgerutscht“. Oder auch die Strecken der Asphalt-Reihe auf den Handys: Die führen schön an realen Sehenswürdigkeiten und virtuellen Werbebannern vorbei.

Ich meine mich zu erinnern, dass bei Travian große Tirol-Werbeflächen eingeblendet waren. Kann aber sein, dass das über normale Web-Werbung da reinkam und nicht spielespezifisch gebucht war.

Asassin’s Creed spielt u.a. in Rom – keine Ahnung ob wegen Handlung oder Sponsoring.

An manchen Stellen klappt das also anscheinend schon ganz gut. Eine vituelles Autorennen um den Zeller See, ein WoW-Extensionpack Oberstaufen, Wolfteam Berlin, MyLittleFarm Kartoffelhotel-Edition, Ischgl-Dancestar etc. wären tatsächlich denkbar 🙂
Allerdings immer eine Frage, welche Markenbotschaft da vermittelt wird/werden soll.

Und genau da sehe ich das Problem: Die Region muss zum Spiel passen. Und „Urlaub“ gibt kein gutes Spielkonzept ab. (Außer bei Leisure Suit Larry, aber das ist dann auch wieder problematisch…). Und die typischen „Spielehandlungen“ sind i.d.R. nichts, mit dem sich Tourismusdestinationen brüstenwollen. Bleibt eigentlich fast nur Product-Placement in unverfänglilchen Titeln…

Hallo Daniela,

das ist ja eine tolle Nachricht. Gibt es hierfür konkrete Beispiele? Warum war das auch nicht Teil des Bayerischen Tourismustags?

Viele Grüße,
Florian

robert adler

Die Eingangsfrage ist einfach zu beantworten: Es ist das Leitmedium der politischen Verantwortlichen und Funktionäre. Diese haben einfach mal wieder ein Ankündigungs-Thema für den Tourismustag gebraucht, obwohl das Thema nicht neu ist – auch nicht in Bayern gibt es seit gut 10 Jahren einschlägige Aktivitäten. Aber in Österreich, wo der Tourismus nicht nur rhetorisch wichtig ist, gibt es dafür echte Strukturen. Die Filmförderung von Tirol liegt bei der Tirol Werbung. Das ist ganz was anderes als ein Alibiprojekt.

Solange die Konjunktur für die richtige Konsumfreude sorgt, werden auch in Bayern die selbstgefälligen Funktionäre den Tourismus nicht kaputt bekommen.

Es ist aktuell wie in der früheren DDR. Wenn wir nur behaupten, wie gut alles ist, wird´s wohl so sein. Da umarmen wir alle, da kommt auch die Konkurrenz nicht auf die Idee, einen Schritt nach Vorne zu machen. Bayern ist in der Tourismusorganisation aktuell wieder in der Steinzeit und es gibt auch niemanden, der hier was aufreisst. Dafür wird schon das Wirtschaftsministerium sorgen, dort ist “Vision” das Synonym für “Pension”.

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Florian Bauhuber

… ist Geschäftsführer des Experten-Netzwerks Tourismuszukunft sowie Doktorand am Lehrstuhl für Kulturgeographie an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Bereits seit dem Jahr 2006 berät und begleitet er gemeinsam mit seinen Kollegen touristische Unternehmen und Verbände. In seinem Fokus stehen dabei unterschiedliche Beratungsschwerpunkte:
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