|

Weiterbildung im Tourismus: Welche Anbieter gibt es und wohin geht’s?

Gerade flatterte der Auftrag für eine Schulung auf meinen Schreibtisch. Schulungen und Seminare im Bereich Onlinemarketing im Tourismus – auch einmal ein schönes Blogthema, oder? Dass sich Online Marketing extrem schnell weiter entwickelt, steht wohl außer Frage. Wie aber schaffen es die Organisationen und Unternehmen im Tourismussektor, dass auch ihre Mitarbeiter mit den für sie relevanten Entwicklungen Schritt halten?

Schauen wir uns deshalb die verschiedenen Möglichkeiten zur Weiterbildung an.

Weiterbildung als individuelle Inhouse-Schulung

Bei dem oben erwähnten Auftrag handelt es sich um eine Inhouse-Schulung für eine Destination. Klarer Vorteil einer solchen Weiterbildungsmaßnahme: Die Inhalte werden an die entsprechende Destination angepasst. Inhalte, welche für die Organisation nicht relevant sind, entfallen im Rahmen der Schulung. Stattdessen können individuelle Fragestellungen, die im Laufe der Schulung auftreten, gemeinsam erörtert werden.

Themensammlung

Themensammlung

Mehrere Mitarbeiter des Unternehmens haben die Möglichkeit an den für sie relevanten Schulungsthemen teilzunehmen. Die Inhalte werden somit an alle Beteiligten direkt vermittelt. Unterm Strich spart eine solche Schulung somit auch noch Zeit: Die Mitarbeiter müssen sich nicht nach einer Schulung gegenseitig auf den neuesten Stand bringen – was im Zweifelsfall im Arbeitsalltag sowieso oft untergeht.

Weiterbildung beim regionalen Anbieter

Nicht individuell auf jedes einzelne Unternehmen zugeschnitten, aber zumindest individuell auf die entsprechende Destination – so präsentieren sich regionale Weiterbildungsanbieter. Die Seminarangebote der Tourismusakademie Rheinland-Pfalz orientieren sich beispielsweise deutlich an der Tourismusstrategie dieses Landes und unterstützen diese somit. Organisationen und Leistungsträger, welche an den Seminaren teilnehmen, können davon ausgehen, dass die spezifischen Belange und Rahmenbedingungen der Destination bekannt sind und in der Ausarbeitung der Seminare berücksichtigt werden.

Barcamp Rheinland-Pfalz: Villa Belgrano

Tourismusakademie Rheinland-Pfalz: Villa Belgrano

Im Gegensatz zur Inhouse-Schulung bieten regionale Angebote zusätzlich die Möglichkeit, sich mit den Vertretern anderer Organisationen auszutauschen.

Die IHKs: Weiterbildung regional für Groß und Klein

Ebenso stark regional verankert sind die Industrie- und Handelskammern. Oft gibt es einen Austausch zur Gestaltung der einzelnen Weiterbildungsmaßnahmen zwischen diesen und den regionalen Anbietern.

Bei den IHKs fühlen sich auch kleinere Leistungsträger aus dem Gastronomie- oder Beherbergungsbereich gut aufgehoben. Die Seminare liefern ein breites Basiswissen. Da die Teilnehmer an den Schulungen jedoch aus den unterschiedlichsten Bereichen kommen, kann hier weniger auf individuelle Fragestellungen eingegangen werden.

Weiterbildung tourismusspezifisch

Neben den diversen regionalen Anbietern gibt es ebenso große Seminaranbieter, welche sich auf den Tourismussektor spezialisiert haben. Sei es das Deutsche Seminar für Tourismus (DSFT) oder die social media akademie für reise und touristik, beide in Berlin ansässig.

Ihre Vorteile liegen vor allem darin, sehr viel Know-how und Erfahrungen aufgebaut zu haben. Ihre Referenten sind renommierte Speaker mit unterschiedlichen Schwerpunktthemen. Der Link zum Tourismus ist Grundlage jedes Seminars. Doch auch hier gilt, dass individuelle Fragestellungen weniger ins Konzept passen.

Eigen-Weiterbildung via Internet

Mal ganz ehrlich: Warum eigentlich irgendwelche Unternehmen für Weiterbildung bezahlen? Es gibt doch alle Informationen bereits gratis online. Ja, aber: Die passenden Informationen müssen hier erst einmal gefunden werden (und Zeit ist ja bekanntlich Geld). Einmal gefunden, stellt sich dann die Frage, wie didaktisch wertvoll die Informationen aufbereitet sind und ob diese tatsächlich für die eigenen Fragestellungen weiterhelfen. Spezifische Fragestellungen sind schwer zu finden und Rückfragen kaum möglich.

SEOLUPE_1

Wohin geht die Reise beim Thema Weiterbildung?

Es gibt zwei große Gruppen im Tourismussektor: die einen, die sich bereits seit Jahre mit Online Marketing beschäftigen, und die anderen, die jetzt feststellen, dass sie um dieses nicht herum kommen.

Vielen Mitarbeitern in DMOs und bei den Leistungsträgern ist die Basis komplett vertraut. Sie haben diverse Veranstaltungen besucht und die erlernten Inhalte – mehr oder weniger – auch tatsächlich umgesetzt. Jetzt geht es für diese deshalb weniger um das große Ganze, sondern um spezifische und konkrete Fragen. Auch die unzähligen verfügbaren Informationen im Web können diesen Wunsch nach einer individuellen Beratung nicht erfüllen. Zwar „machen“ viele Organisationen bereits Online Marketing und Social Media. Aber gerade in der strategischen Ausrichtung und der operativen Umsetzung ist noch immer Luft nach oben. Perfekt hierfür geeignet: die Inhouse-Beratung.

Auf der anderen Seite sind all die meist kleineren Unternehmen, welche sich in den vergangenen Jahren erfolgreich aus dem Internet herausgehalten haben. Bis sie irgendwann Blogbeiträge über sich fanden, auf Yelp Bewertungen über sich lasen, auf Instagram Fotos von sich sahen… Mittlerweile müssen auch sie endlich der Realität ins Auge schauen: Eine eigene Präsenz im Web ist wichtig. Gerade die regionalen Seminaranbieter und IHKs unterstützen diese Unternehmen bei ihren ersten Schritten im Internet und sorgen für die benötigten Grundkenntnisse.

Weiterbildung gewünscht? Dann am besten folgende Fragen in genau dieser Reihenfolge stellen:

1. Was genau brauche ich eigentlich?

2. Wer bietet dies an, d.h. welche Anbieter stehen hierfür generell zur Auswahl?

3. Wie unterscheiden sich die verschiedenen Anbieter voneinander? Liegen bereits Erfahrungswerte zu den Weiterbildungsmaßnahmen vor?

Und dann heißt es: auswählen, anfragen, buchen.

 

Welche Erfahrungen habt ihr mit verschiedenen Weiterbildungsangeboten gemacht? Was sind eure Favoriten?

Viele Grüße, Kristine

 

12 Kommentare zu
Weiterbildung im Tourismus: Welche Anbieter gibt es und wohin geht’s?

Interessante Übersicht über die Weiterbildungsmöglichkeiten!

Wer sich für eine Ausbildung in der Touristik interessiert, der kann sich unter http://www.thomascook.de/karriere-blog/lerninhalte über die Lerninhalte aus erster Hand informieren. Unsere Azubis aus den verschiedenen Bereichen berichten von ihren Erfahrungen.

Viele Grüsse,
Michael

Hallo Kristine!

Vielen lieben Dank für die Erwähnung der social media akademie für reise und touristik in Deinem Beitrag! Hat uns sehr gefreut! Eine kleine Richtigstellung möchten wir dazu noch abgeben: Da unser Konzept vor allem auf der Interaktion eines Workshops beruht und wir nur kleine Gruppen zwischen 5 und 10 Teilnehmern anbieten, haben wir den Vorteil, auf jeden Teilnehmer im Vorfeld konkret einzugehen und uns vorab ein Bild vom Ist-Zustand der Online Aktivitäten unserer Workshopteilnehmer zu machen. Zudem ermuntern wir ausdrücklich in jedem Workshop, individuelle Fragen jederzeit während und auch im Nachgang des Workshops zu stellen!

Liebe Grüße
Maike

Das wichtigste bei der Weiterbildung ist, dass man einen Referenten findet, der selbst direkt aus der Praxis kommt und dort auch einen ordentlichen persönlichen Track-Record hat, den er auch weitergeben will.

Ein Referent von einer Online-Marketing-Agentur will ja oftmals eher seine Agenturleistungen anbieten, als die Teilnehmer auf eigene Beine zu stellen.

Hallo Michael, wobei sich die Azubis (bis auf Lisa M.) hier ziemlich zurückhalten. Da geht noch was, oder?

Hallo Maike, danke für die Ergänzung. Wenn mehrere Unternehmen gemeinsam ein solches Seminar besuchen, können diese auf jeden Fall auch von den Erfahrungen der anderen profitieren. Die Frage bleibt für mich jedoch, ob man in solch einem Rahmen tatsächlich auf die personellen, finanziellen und technischen Rahmenbedingungen aller einzelnen Teilnehmer eingehen kann.

Hallo Mad, deinen Kommentar habe ich gesehen, allerdings nicht freigeschaltet. Ein Klarname sollte bei Kritik an Unternehmen schon drin sein.

Schönes Wochenende, Kristine

Hallo Reisender,
gerade die Tourismusbranche ist ja relativ übersichtlich und gut vernetzt. Da spricht es sich schnell herum, wenn Seminare die Teilnehmer nicht wirklich voran bringen.
Wobei Praxiserfahrung auf jeden Fall von Vorteil ist! Diese sehe ich allerdings generell etwas weitergefasst. So tragen gerade bei Online-Agenturen auch die Erfahrungen, die diese mit ihren verschiedenen Kunden machen, zu Erfahrungen bei.
Viele Grüße, Kristine

Spannendes Thema und guter Artikel Kristine. Ich unterstreiche die Aussage vom Reisenden. Leider gibt es zuviele online Marketing Seminare, die als teaser funktionieren. Komischerweise werden diese sehr oft von Interessensvertretungen angeboten (Hintergrund ist meist Kostenersparnis). Die Teilnehmer verlassen solche Trainings aber meist ratlos.

Ich breche daher eine Lanze fuer die bezahlten Trainingsanbieter, nicht weil wir selbst dazugehoeren, sondern einem wahren Spruch folgend “there is no free lunch”. Manchmal hat man das Gefuehl Schulungen wollen absichtlich Verwirrung stiften, um dahinter teure Projekte zu verkaufen.

Wir selbst wurden eigentlich von unseren Kunden dazu gedraengt Kurse anzubieten. Dem sind wir natuerlich gerne gefolgt, aber mit einem Mantra: die Kurse muessen mit einem Blueprint abschliessen, um das Gelernte daheim replizieren zu koennen. Was unsere Kunden dazu sagen koennt Ihr hier nachlesen: http://www.omp-group.at/produkte/online-marketing-training-tourismus/

Es gibt einfach komplexe Materien, Google adwords sei hier als Beispiel erwaehnt, da brauche ich Anleitung von Leuten, die sich taeglich damit auseinandersetzen. Das kostet etwas Geld ist aber oft besser investiert als staendig fuer die Betreuung zu bezahlen und das meist mit schlechter Performance.

Hallo Zusammen
und Danke Kristine für die Anregung dieses wichtigen Themas.

Wir sind als Trainer rein auf Seminare im Bereich eTourism für Hotellerie und Touristik spezialisiert. Mit unseren Hotelbewertungs-Seminaren, die wir sowohl öffentlich als auch als Inhouse-Variante anbieten, haben wir inzwischen weitreichende internationale Erfahrung gemacht, sowohl in eigenen Workshops als auch für Hotelketten, Destinationen, IHKs, Wirtschaftskammern, Hotelverbänden und Reiseveranstalter.

Unsere Erfahrung daraus teile ich gerne:

> kleine Gruppen (Workshop-Charakter) machen am meisten Sinn. Da kann ich Frau Ovens nur bestätigen. Wir machen gute Erfahrung bis zu 15 Teilnehmer, bei Kooperationen mit Destinationen auch mal bis zu 20
> So kann auch in öffentlichen Seminaren sehr stark auf die einzelnen Fragen und Bedürfnisse eingegangen werden
> Ja, bei den Inhouse-Varianten gelingt eine noch stärkere Individualisierung und Anpassung der Seminar-Inhalte.
> Aktualität der Präsentation ist wichtig. Wir halten unsere Trainings laufend aktuell. Große Updates quartalsmäßig, laufende Änderungen, neue Beispiele jederzeit aktuell.
> Praxiserfahrung macht sehr viel Sinn. Wir haben in unseren Seminaren eine große Bandbreite an Teilnehmern, von Fewo-Besitzern zu CEOs aus der internationalen Kettenhotellerie bis hin zum eCommerce-Manager. Deswegen nutzen wir unsere Seminarreisen auch immer für Location-Scoutings und einen starken Austausch mit Verantwortlichen vor Ort. Die Teilnehmer merken sofort, wenn man nur theoretische Tipps gibt, die in der Praxis kaum umsetzbar sind. Auf Augenhöhe mit den Betrieben, Inhabern und Hotelprofis zu diskutieren ist ein riesiger Vorteil. Wichtig für den Erfolg von Schulungen, gerade in Destinationen ist es, praktikable Tipps zu geben. Sonst gehen diese Tipps nie in die Umsetzung. Ich selbst bin bei uns “der Praktiker”, arbeite nach wie vor täglich an der Touristik- und Hotel-Front als Unternehmer.
> Wissenschaftliche Erkenntnisse müssen aber auch einfließen, um z.B. Effekte, Verhaltensweisen anhand von Studien abzustützen und der Praxis Grundlagen zu geben. Mein Partner bei den Seminaren kommt aus dem Hochschulbereich. Unseren Teilnehmern fällt diese Kombi aus Praxis und Wissenschaft sehr positiv auf.
> Unabhängigkeit: Ja, die sollte gegeben sein. Frei von Systemen/Produkten im Hinterkopf oder Verkaufsabsichten für die nächste Beratung. Denn nur so kann man wirklich Praxis-Tipps und eine Auswahl an Alternativen bieten. Wir machen diesbezüglich sehr gute Erfahrungen mit unseren “HolidayCheck Trainings”. Hier sind wir für die HolidayCheck AG bewusst externer Schulungspartner. HolidayCheck setzt darauf, dass wir in den Trainings mit den Hoteliers nicht als Mitarbeiter des Portals, sondern neutral diskutieren können und durchaus auch Portal-kritisch mit dem Thema umgehen. Das Feedback der Teilnehmer: “überraschend neutral”, “keine weitere Werbeveranstaltung”.

Soweit von meinen Erfahrungen. Viele spannende Seminarthemen und Trainings wünsche ich!

Holger

Hallo Matthias und Holger,
vielen Dank für eure umfangreichen Einblicke in eure Erfahrungen!
Ich denke, ein ganz wichtiger Aspekt, der hier mit genannt wurde, ist die Glaubwürdigkeit. Für diese ist auf jeden Fall Unabhängigkeit von eigenen Angeboten oder anderen Agenturen nötig. Übrigens auch ein Punkt, der bei der Umstrukturierung von Tourismuszukunft eine Rolle spielte. Heißt: nicht mehr selbst die Umsetzung von Facebook-etc.-Aktionen anzubieten, um genau diese Unabhängigkeit und Objektivität gewährleisten zu können.
Viele Grüße, Kristine

Zum Thema Weiterbildung Online: Ich komme ja ursprünglich aus dem Weiterbildungssektor und E-Learning kann unterstützend eine tolle Sache sein. Sich aber ausschließlich auf online verfügbare Informationen zu berufen und ohne externe Einflüsse (Lernende, Lehrende etc.)? Das halte ich vor allem bei komplexen Sachverhalten für äußerst schwierig. Sicherlich möglich aber auch effizient und zielführend? Schwierig. Zumal ja nicht jedem online verfügbarem Inhalt wirklich vertraut werden kann.

Hallo Michael,
absolut d’accord! Die im Beitrag genannten Angebote konzentrieren sich deshalb auch alle (mit Ausnahme von „Eigen-Weiterbildung via Internet“) auf Seminare mit Anwesenheit und persönlichem Austausch vor Ort.
E-Learning haben sicherlich auch ihre Berechtigung – aber definitiv nicht bei komplexen Sachverhalten.
Viele Grüße, Kristine

Vielen Dank für die kurze Einführung und den Überblick über die Weiterbildungsmöglichkeiten im Tourismus. Auch wenn die Angebote mittlerweile zum großen Teil wirklich gut sind, habe ich in den letzten Jahren zunehmend gemerkt das einige Seminare immer mehr zu Verkaufs- und Werbeveranstaltungen verkommen. Des Weiteren habe ich das Gefühl, das einige Seminarbesucher häufig sehr unmotiviert sind und keine Lust haben. Dann macht einem Selbst die Veranstaltung auch keinen Spaß mehr. Auch wenn dies zum größten Teil die Ausnahme ist, bin ich dazu übergegangen mir vieles, insbesondere im Online-Marketing und Verkauf, selber beizubringen, da die Fülle im Internet so gut wie unerschöpflich ist. Bin aber gespannt, was sich im Weiterbildungsbereich, besonders seitens der großen Veranstalter, noch so tut.

Alexander

Eigen-Weiterbildung ist heutzutage eigentlich fast schon das Wichtigste, was die Weiterbildung angeht. Da stimme ich voll zu! Man bräuchte nur genug Sitzfleisch und Zeit: So gut wie alle Infos für jeden Bereich findet man im Netz!

Einen Kommentar hinzufügen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Kristine Honig

… ist seit Mai 2014 Netzwerkpartnerin und Beraterin bei Tourismuszukunft. Sie studierte Tourismuswirtschaft, ergänzt durch ein späteres Fernstudium zum Social Media Manager. Praktische Erfahrungen sammelte sie während ihrer 13jährigen Tätigkeit im Tourismusmarketing, u.a. beim Niederländischen Tourismusbüro. Ihre Themen sind Storytelling & Blogs, Personas & Customer Journeys, Barcamps & Seminare.