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Enhanced Content: "Digitale" Ortsprospekte am Beispiel Oberstaufen

Gerade eben stellt Oberstaufen Tourismus mit dem Gastgebermagazin 2012 den neuen Urlaubskatalog vor und mit ihm einige Innovationen, die wohl mit Schlagwörtern wie CrossMedia, Augmented Media oder Enhanced Content umschrieben werden können.

Schlägt man den Katalog auf, bemerkt man gleich: Damit die eingeschlagene Strategie konsequent in allen Medien (Social Media, Homepage, Print, vor Ort) umgesetzt wird, ist der komplette Katalog auf “Du” gemacht. Ok, das war ja eigentlich zu erwarten. Auch sonst ist der Katalog ganz schön mit vielen Bildern aufbereitet. Worin liegt jetzt aber die innovative Neuheit? Die liegt praktisch in den Bildern: Die 150 gedruckten Seiten enthalten “151 Videos, interaktive Animationen und Verknüpfungen mit weiterführenden Inhalten” und dienen somit als digitale Ergänzung der Fotos und Texte des Kataloges. Durch das Abfotografieren der Bilder mit einem Smartphone ist man direkt dabei beim Almabtrieb der Hirten oder dem Schuhplatteln der Vokstanzgruppe.



(So sehen die Bilder mit hinterlegten Online-Inhalten im Gastgeberverzeichnis von Oberstaufen aus – Blau markierte Ecken und das Google Goggles Logo)

Über die iPhone-App “Google Goggles” werden die Bilder aber nicht nur zu YouTube-Videos, sie werden auch um Informationen wie inspirierende Annimationen, Webinfos von oberstaufen.de sowie Routenplaner und digitale Tourist-Infos erweitert. Es sind also nicht nur Imagefilme, Infoclips oder Animationen enthalten, sondern auch weitere Informationen aus dem gesamten Webauftritt von Oberstaufen. Zudem können Anzeigen von Gastgebern digital erweitert werden. “Fotografiert man mit der Goggles-App das jeweils größte Foto der Hoteldarstellungen auf den Seiten 48 bis 103 des Katalogs, wird der umfassende Eintrag des Gastgebers auf oberstaufen.de eingeblendet – und von dort kann man direkt ins Buchungstool weiterklicken.” Das Ganze wird ermöglicht durch die erneute enge Zusammenarbeit mit Google. Aber, und das ist das Entscheidende, diese “Innovation will das Erleben vor Ort nicht ersetzen.” Der Gast soll “sich [nur] ein umfassendes Bild von Oberstaufen und [seinen] Gastgebern” machen können. (Quelle: Pressemitteilung Oberstaufen Tourismus, 03.11.2011)

Neu ist die Idee von Offline-Inhalten auf Online-Inhalte mit Hilfe der Smartphonekamera zu verweisen ja nicht, QR-Codes erfahren gerade ja sozusagen eine Renaissance. Dass hierzu aber keine hässlichen Pixel mehr nötig sind, sondern der selbe Effekt durch das Abfotografieren von schön anzuschauenden Bildern ermöglicht wird, ist absolut positiv zu vermerken – somit ist dem Team von Oberstaufen in Zusammenarbeit mit dem ehemaligen Online-Verantwortlichen Benni Buhl eine Innovation gelungen. Zwar sind QR-Codes noch immer nicht in der breiten Masse angekommen und für diese auch noch viel zu kompliziert, allerdings dürften sich die meisten “normalen” Smartphone-User auch mit Google Goggles schwer tun. Eine separate App muss man für die Nutzung beider Alternativen downloaden. Auch dürfte die Funktion eher für Tablet-Nutzer interessant sein, da man daheim beim Betrachten eines Kataloges mit der Familie sicherlich nur ungern das sehr kleine Display seines Smartphones nutzen möchte. Es wird also doch eher eine kleine, aber stetig wachsende Gruppe an potenziellen Gästen angesprochen.

Neben der deutlich ansehnlicheren Integration der Verweise auf Online-Inhalte bietet das Konzept von Oberstaufen aber auch den Vorteil, dass alle Bilder direkt im Google Index verzeichnet sind und so zusätzlicher Traffic beim Fotografieren ähnlicher Bilder generiert werden kann. Für Oberstaufen ergibt sich ein weiterer Vorteil: In dieser Form (Foto machen und ein Klick auf den Link) ist die Geschichte nur durch die Kooperation mit Google möglich. “Nachahmer” werden wohl ein bis zwei Klicks mehr brauchen.

Zusammenfassen lässt sich sagen, dass die Umsetzung der Integration von Online-Inhalten in einen Urlaubskatalog gut und äußerst innovativ gelungen ist und Oberstaufen Tourismus mal wieder als Vorreiter gelten darf. Diesmal im Bereich einfache Verknüpfung von Offline- mit Online-Inhalten. Was haltet ihr vom Vorgehen in Oberstaufen?

3 Kommentare zu
Enhanced Content: "Digitale" Ortsprospekte am Beispiel Oberstaufen

Andreas Polle

Ich persönlich begrüße den Ansatz aus Oberstaufen. Die Einbindung neuer Technik in ein ansonsten klassisches Medium ist ein schöner Ansatz.

Eins würde mich allerdings noch interessieren. Wie nimmt der Gast die neuen Möglichkeiten an? Wenn ich mich an den Ortseingang von Oberstaufen stelle und die ersten 50 Gäste anhalte und denen die neue Möglichkeit zeige, dann befürchte ich wird kaum einer sein Smartphone zücken. Ich denke hier wurde die Zielgruppe etwas vergessen. Den Gast zu duzen alleine macht aus 50+ noch keinen Smartphone-User in der Masse. Vielleicht hat sich hier der Wunsch nach neuer Technik gegenüber den Wünschen der Zielgruppe durchgesetzt.

Schwer zu bewerten, aber ich werde mir den Katalog mal bestellen.

Vielen Dank für das Kompliment, Andreas. Ich freue mich sehr, dass nicht nur die Tourismusbranche unsere Digitalität begrüßt, sondern in erster Linie auch unsere Gäste – für die wir das ganze letztendlich machen.

Seit wir das kostenlose WLAN bei uns im Haus des Gastes anbieten, gab es schon einige emotionale Erlebnisse – z.B. wenn Gäste mit ihren Lieben in Amerika skypen und Geburtstagslieder singen.

Unsere Urlauber sind im Durchschnitt 45,9 Jahre alt und Du würdest Dich wundern, wie viele mit Smartphones unterwegs sind. Ich behaupte, wir sind der Kurort mit der größten iPhone-Dichte in Deutschland. Ein interessanter Gedanke ist der mit der Zielgruppe. Was ist aus Deiner Sicht die Zielgruppe von Apple? Ich kann das nicht nach Alter, Geschlecht, Herkunft oder sonstige klassische Kriterien definieren. Jeder hat ein iPhone oder will zumindest eines. Und genauso geht es uns mit unseren Gästen. Wen wollen wir? Wer ist unsere Zielgruppe? Wir haben keine mehr. Übrig geblieben sind die Werte. Und wer gerne auch im Urlaub online sein will, der ist bei uns genau richtig. Soviel ich weiß sind das mittlerweile über die Hälfte der Deutschen…

Und was ist mit denen die kein iPhone haben, nicht online sein wollen und die die digitale Welt nicht interessiert? Diese Gäste fühlen sich bei uns genauso wohl. Weil wir eine atemberaubende Natur, Spitzenhotels, vielseitige Gaumenfreuden sowie echte Traditionen haben und Gastfreundschaft aus Leidenschaft lieben. Einen Vorgeschmack gibt das neue Oberstaufener Gastgebermagazin – mit oder ohne Smartphone.

Ich freue mich sehr auf Deine Rückmeldung, sobald Du unseren Katalog erhalten hast.

Sonnige Grüße aus dem Allgäu
Bianca

Also ich find´s prima. Und nachahmenswert. Es kann ja auch nicht sein, dass Heute immer noch überall mit dem gleichen Aufwand wie vor 15 Jahren Kataloge produziert werden (sprich: Geld verbraten wird) und gleichzeitig kein / kaum “Online-Budget” da ist. Ist aber in der Realität in den meisten Destinationen so. Für 50.000 Auflage werden 6-stellige Beträge bewegt. Im Gegenzug ist für eine ordentliche Web-Site, Menschen in der “social-media-Redaktion/lfd. Kommunikation” oder gar Suchmaschinen-Optimierung kein Geld mehr da, obwohl weit mehr als 50.000 Besucher/Monat auf die Web-Site kommen.

Deshalb: Respekt vor der mutigen Entscheidung in Oberstaufen, erheblich Geld in “Online” zu investieren. Respekt vor den Ideen und der Konsequenz der Umsetzung durch die in- und extern Verantwortlichen dafür.

Andernorts ist DAS schwer vorstellbar.

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Florian Bauhuber

… ist Geschäftsführer des Experten-Netzwerks Tourismuszukunft sowie Doktorand am Lehrstuhl für Kulturgeographie an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Bereits seit dem Jahr 2006 berät und begleitet er gemeinsam mit seinen Kollegen touristische Unternehmen und Verbände. In seinem Fokus stehen dabei unterschiedliche Beratungsschwerpunkte:
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