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Facebook im touristischen Vertrieb – ein Missverständis auf ganzer Linie

Facebook im Vertrieb – in vielen Kommentaren oder Blogartikeln, aber auch in der täglichen Arbeit wird die Rolle von Facebook im touristischen Vertrieb missverstanden.

Beispielsweise der heutige Artikel von Dirk Rogl auf dem fvw eblog, der Folgendes in Bezug auf Facebook formuliert:

“Facebook stößt an Grenzen: Viele Unternehmens-Fanpages dümpeln dahin. Erfolgsmeldungen über nennenswerte Verkäufe im Social Web sind mir nicht bekannt”

Ein anderes Beispiel hierfür ist die Untersuchung der Falkensteiner Hotelgruppe, die aus der Frage “Welche Webseiten werden vor der Online-Buchung genutzt?” folgende Aussage ableiten.

“Wer aber dachte, das weltweite Gerede in Facebook, Twitter und Co sei für die Urlaubsentscheidung wichtig, wird vom Ergebnis dieser Befragung klar widerlegt. Gerade mal für 1% spielt das überhaupt eine Rolle. Statt sich auf die Diskussionen über weniger Wichtiges und und völlig Unwichtiges im Netz einzulassen, sollten Hotels lieber noch ein Augenmerk auf die professionelle und benutzerfreundliche Gestaltung ihrer Website legen sowie die on- und offline Weiterempfehlung.”

Eine kapitale Fehlinterpretation aus unserer Sicht. Facebook und die Gespräche in Facebook wirken im touristischen Entscheidungsprozess an einer vorgelagerten Stelle – beim Punkt “Inspiration” – Schaffung von Imaginationen zu einem Produkt!

Und hier liegt das große Problem. Wenn man Neuromarketing-Experten glauben will, fällen wir Menschen 80 % unserer Entscheidungen unbewusst. Bei einer Befragung können wir Menschen nicht nachvollziehen, ob wir auf Basis von Informationen & Gesprächen in Facebook uns drei Wochen später für ein Produkt, z.B. ein Hotel entscheiden! Deshalb funktioniert ja auch klassische Werbung und sie ist z.B. für Konsumguthersteller unerlässlich. Auch die Technik lässt uns in vielen Fällen im Stich – siehe unseren Artikel zur fehlerhaften Zuweisung von Buchungen aus Social Media-Kanälen! Zudem ist der Reiseentscheidungsprozess ein hochkomplexer – durchschnittlich werden 13 Webseiten besucht, bevor man eine Entscheidung über einen Urlaubsort oder ein Hotel trifft.

Was ist die Konsequenz? Ganz klar – neue Bewertungsmaßstäbe und Kennziffern müssen für die Arbeit in Facebook genutzt werden – ja, es gibt sie bereits – im klassischen Marketing-Bereich uns durchaus bekannt – der TKP (Tausend-Kontakt-Preis) kann auch im Social Media-Bereich Anwendung finden. Aber auch spezielle Kennziffern gibt es. Sie heißen z.B. Share of Voice (Anteil der Gespräche zu einem bestimmten Themenfeld) oder der Net Promoter Score (Index der Weiterempfehlungswahrscheinlichkeit eines Produktes).

Wir haben bereits mehrere Kampagnen (z.B. die virale Kampagne zur Oberösterreich Botschaft) auf diese Weise analysiert – es ist keine Hexerei! Dadurch entstehen neue Bewertungsmaßstäbe und Erfolgskennziffern, die aber auch der Kunde, Auftraggeber, Chef & Politiker im Hintergrund verstehen muss. Zu diesem Sachverhalt fällt mir immer ein Zitat von Albert Einstein ein: “Gott würfelt nicht!” Erfolg im Social Web ist kein Zufall, sondern hart erarbeitet! Erfolg im touristischen Vertrieb folgt dem im Social Web direkt nach – jedes Gespräch über ein Produkt zeigt Wirkung – positiv und negativ!

Nachtrag: Über die entscheidenden Einsatzpunkte von Facebook im touristischen Vertrieb, spricht übrigens kaum einer! Um wie viel genauer können wir mit Hilfe von Facebook Connect Produkte auf unserer Webseiten anbieten und für unsere Kunden persönlich zuschneiden? Das richtige Produkt zum richtigen Kunden – wenn das mal nicht ein Mehrwert im Vertrieb ist?

11 Kommentare zu
Facebook im touristischen Vertrieb – ein Missverständis auf ganzer Linie

Nun, ich nutze Facebook mehr als z. B. die Plattform Xing. Jedoch nicht nur zur Werbung, sonder vor allem zur Kommunikation.
Facebook bietet auch für mich viele Informationen und ich kann selbst entscheiden, welche ich für mich nutze.
Jedoch halte ich es nicht zwingend für nötig, auf FB zu sein. Für den einen passt es, für den anderen nicht. Einer hat Erfolg damit, ein anderer mit einem Schild an der Haustür. Wir sollten uns nicht immer einreden lassen, was wir tun müssen. Viele Jahre mußte ich mir anhören, du musst ein deutsches Auto fahren. Ich war aber stets mit meinen “Japanern” glücklich.
Und wer heute ohne FB auskommt, umso besser. Morgen kann es anders sein, dann muss man sich eben anpassen.
Ich habe z.B. kein Handy. Das Leben funktioniert trotzdem!

Habe gerade heute Vormittag nochmal das Cluetrain Manifest überflogen. #74 passt ganz gut.

Egal ob FB oder SL – wer mit den alten Ansätzen das “werte Publikum” mit Werbung berieseln will, wird enttäuscht werden.

Also, wie im Artikel gefordert: Neue Ansätze – und wie im Kommentar beschrieben: Gespräch statt Werbung.

Das Kommentar von Einstein bezog sich auf die Quantenmechanik:

http://de.wikipedia.org/wiki/Gott_w%C3%BCrfelt_nicht

Und die Quantenmechanik ist tatsächlich nicht-deterministisch – nur wollte das Einstein damals noch nicht akzeptieren.

In diesem Sinne: Gott würfelt doch – wenn es denn einen gibt.

Ob das mit Social Web was zu tun hat: keine Ahnung 😉

Danke für die Erwähnung, allerdings recht kompakt und vielleicht etwas verwirrend.
Das erwähnte Zitat geht sinngemäß so weiter: Gerade weil so wenig Verkäufe über Facebook stattfinden, muss eine stringente Vernetzung zum klassischen Marketing, aber auch zum Produkt, zum Vertrieb, PR, Unternehmensleitung, usw her. In diesem Sinne stößt Facebook also in den Unternehmen an Grenzen. SM erfordert eine ganzheitliche Betrachtung. Und da sehe ich noch jede Menge Neuland zu erschließen. Kurzum: ich bleibe bei meinem “Mißverständnis” 😉

Ohne viel zu theoretisieren oder Ansprüche an FB zu stellen die gar nicht nötig oder möglich sind: Man kann (schnell und flexibel) mit Besuchern des eigenen Auftritts in Kontakt treten die sonst unsichtbar geblieben wären. Man erhält Feedback, lernt viele neue Leute kennen. Man hat auch einfach selber Spaß daran.

Hab mir mal die Studie von Falkensteiner im Detail angesehen! Die Art und Weise der Fragestellung gibt Sozialen Netzwerken überhaupt keine Chance.

Detailfrage lautete: “…In welcher Reihenfolge vor Ihrem Entschluss zur Hotelbuchung nutzen Sie folgende Online-Anwendungen?” Es wurde nur die aktive Reiseentscheidungsplanung abgefragt – keinesfalls die vorgelagerte Produktion der Imagination!

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Florian Bauhuber

… ist Geschäftsführer des Experten-Netzwerks Tourismuszukunft sowie Doktorand am Lehrstuhl für Kulturgeographie an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Bereits seit dem Jahr 2006 berät und begleitet er gemeinsam mit seinen Kollegen touristische Unternehmen und Verbände. In seinem Fokus stehen dabei unterschiedliche Beratungsschwerpunkte:
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