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Destinationsvertrieb im Wandel?

Expedia, Trivago, HRS und Co. ersetzen oder ergänzen die altbekannten Destinationsinformationssysteme (DIS) . Für diese neue Strategie gibt es einige Beispiele: Dresden mit Expedia, München mit HRS und jetzt setzt sogar die Tirol Werbung auf Trivago als Metasuche!

Warum das Ganze? Keine Lust mehr auf die ganze Arbeit mit dem eigenes Reservierungssystem? TechnologieGAP zwischen den Anbietern? Mehr Einnahmen statt Kosten für die Destinationen?

11 Kommentare zu
Destinationsvertrieb im Wandel?

McNet

Ich kann nur den Kopf schütteln. Die Branche beklagt seit Jahren die Übermacht der (10 wichtigsten) Buchungsportale und deren hohen Provisionen. Die Destinatinationsorganisationen geben damit noch mehr Marktmacht ab, da Sie noch mehr in die elektronischen Vernetzungslösungen dieser Anbieter aufgesogen werden. Vielleicht ersparen sich dieses Verbände damit im ersten Anlauf Kosten und können deren Budgets damit erstmal schönern, aber “on the long tail” zahlen die Mitglieder (Hotels, …) dieser Verbände durch die Abgabe von Marktmacht mit Sicherheit drauf. Es wird also am Ende noch teurer kommen…

Die finanziell angespannte Lage der Verbände ist ja bekannt und wird sich sicherlich aufgrund der Sparzwänge der Länder und Komunen in den kommenden Jahren noch verstärken. Es ist nachvollziehbar, dass hier Technologiepartner ins Boot geholt werden, damit die Kosten für eigene Lösungen nicht noch weiter ausufern. Allerdings sollten sich die Destinationsorganisationen auch ihrer Marktstellung (Auffindbarkeit im Internet, Mehrwerte auf den eigenen Webseiten durch Veranstaltungskalender, Messetätigkeit und Prospektversand, etc.) bewußt sein. Diese starken Marketingmaßnahmen für 3 – 5% Provision und hohen Buchungskosten für Hotels den etablierten Marktmachern auf dem Silbertablett zu servieren, ist sicher ein einfacher aber kein nachhaltiger Weg.

Auch aus Sicht der Hotels ist dann eine Beteiligung an den Broschüren (die ja aber aufgrund der angespannten Haushaltslage häufig notwendig ist) kaum noch zu vermitteln, wenn der Buchungsweg des Kunden dann über die Webseite der Destination läuft und dort für das Hotel nochmals enorme Buchungskosten entstehen. Da gibt es dann nur einen Gewinner.

Steveb

Eine sehr spannende Entwicklung. Meines Erachtens kommt es auf die Destination an. Ist eine Destination stark und hat genügend Nachfrage, würde ich selbstverständlich versuchen, die großen Buchungsportale zu umgehen (diese Provision ist verschenktes Geld). Doch ist eine Destination nicht bekannt, hat wenig Nachfrage und leidet an schwachen Auslastungszahlen, muss jedes große Buchungsportal recht sein.
Ob ich als Hotelier nun 10 % Provision an die Destination (bei Buchung über Destinationswebseite) od. 12-14 % an das Buchungsportal abtrete, spielt auch schon keine große Rolle mehr.
Generell sollte eine Destination aber immer bestrebt sein, nach Möglichkeit alle Betriebe einer Region darzustellen – und nicht nur die Mitgliedsbetriebe eines bestimmten Portals.

Naja, bahnbrechend ist diese Information ja nicht. Ich habe das bereits Anfang 2010 mal gepostet: http://twitpic.com/17det5

Ab dem Zeitpunkt, als die Tirolwerbung (TW) ihr Flagschiff Tiscover verkauft hat, war dieser Schritt absehbar. Ein DCMS nachhaltig zu betreiben und zu finanzieren erfordert viel Arbeit, Geld, Geduld und Überzeugskraft. Hatte die TW früher wenigstens als Haupteigentümer signifikante Mitsprachrechte beim (ehemals) größten Buchungsportal Österreichs, sind sie nun nur mehr Bittsteller im Konzert der Mächtigen Europas.

@Steveb Bin ganz bei Dir: Ob das den zwanzigtausend Unterkünften Tirols schmecken wird, bleibt abzuwarten. Für die zahlreichen nicht online buchbaren Betriebe gibt es ja bekanntlich gute Alternativen *gg*

@Thomas Mein Aufhänger für die Diskussion war Dresden, das aktuell Expedia integriert hat. Danke für Deinen Kommentar!

@Florian Irgendwie ändern sich die Standpunkte dieser Diskussion auch über einen längeren Zeitraum nicht 😉 Ich hatte bereits vor sechs Jahren die Streitgespräche, darf/soll/muss eine Destination von ihren Betrieben Buchungsprovisionen verlangen, die über die Destinationswebseite generiert werden, die ja wiederum in Wahrheit mit dem Cash der Leistungsträger finanziert wurde?

Spannendes Henne/Ei Problem. Speziell in Zeiten, wo der TVB in der Regel weniger Geld als früher bekommt und dabei manchmal mehr Aufgaben erledigen darf.

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Florian Bauhuber

… ist Geschäftsführer des Experten-Netzwerks Tourismuszukunft sowie Doktorand am Lehrstuhl für Kulturgeographie an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Bereits seit dem Jahr 2006 berät und begleitet er gemeinsam mit seinen Kollegen touristische Unternehmen und Verbände. In seinem Fokus stehen dabei unterschiedliche Beratungsschwerpunkte:
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