Skigebiete im „Social Media“-Fokus

Der Winter neigt sich dem Ende zu – nun ist Umdenken seitens der zahlreichen Skigebiete gefragt: Angebote für die Sommerzeit müssen die leeren Betten füllen! Kreativität, Ideenreichtum und Umsetzungsvermögen sind ein erster Garant für eine erfolgreiche Destination, die auch im Sommer seinen Gästen etwas bieten will. Das allein reicht aber schon lange nicht mehr: ohne eine ausgeklügelte Produktvermarktung und den kontinuierlichen Willen, den Gast stets als König zu behandeln, wird – und das sogar im Winter! – eine Destination lawinenartig von seinen Mitkonkurrenten überrollt werden!

Wie steht es nun um die namhaften Skigebiete? Nutzen Sie eigtl. das Social Web, um das ganze Jahr hinweg in den Köpfen von Stammgast und Co. präsent zu sein? Wir haben den Blick auf vier bekannte Skigebiete geworfen: Ski Amadé, Dolomiti Superski, Planei und Ski Arlberg…

…  und waren überrascht: der Grad an Präsenz und Interaktion im Web 2.0 hätte unterschiedlicher nicht sein können. Während Dolomiti Superski bereits erste Schritte in Richtung Social Web gemacht hat, lässt die Region Ski Amadé im Web 2.0 noch auf sich warten. Wohlbemerkt handelt es sich bei beiden um einen (Marketing-) Verbund! Für Ski Amadé findet man bei Facebook lediglich Community Pages – mit einer Ausnahme: Ein Hotel hat sich der Fanpage Ski Amadé bedient, um damit für ihren Betrieb zu werben! Nur so viel: Auf der Piste findet definitiv mehr Interaktion statt! Twitter wurde zudem noch nicht als Marketingkanal erkannt. Immerhin findet sich bei YouTube ein Kanal mit 23 Videos.

Dolomiti Superski versucht bereits mit Sozialen Logos (auf deren Homepage) auf Ihre Aktivitäten im Social Web hinzuweisen – was sich daraufhin  für Gäste, die dem Italienischen nicht mächtig sind, als schwierig herausstellt. Eine italienische Fanpage lädt so manchen Deutschen leider nicht zur Interaktion ein. Eine Fanpage mit benutzerdefinierten Statusupdates bleibt weiterhin ein Wunschgedanke!

Das „Arlberger“ Skigebiet kann in einem Satz abgehandelt werden: Keine Präsenz bei Twitter, YouTube und Facebook. #fail

Wie sieht es nun mit der Region Planai aus? Siehe da, eine Fanpage auf Facebook mit knapp 11.000 Fans. Das Gebiet glänzt mit seiner Präsenz im Web 2.0: Ein ansprechendes Design in Twitter lädt die sog. Followers ein, die regelmäßigen Tweets zu lesen. Bei YouTube finden Interessierte derzeitig 78 Videos über verschiedenste, regionspezifische Themen.

Fassen wir zusammen: Sicherlich ist die Web 2.0 Präsenz bei allen Skigebieten noch stark ausbaufähig – bei den einen, bzw. großen Skidestinationen mehr, bei der Region Planai weniger. Fazit – es kommt nicht auf die Größe an – vor allem in Social Web!

9 Kommentare zu
Skigebiete im „Social Media“-Fokus

Naja, warum soll denn nun auch noch skiarlberg als Skiverbund twittern und facebook-Seiten pflegen?

Es gibt diverse Fanpages vom Arlberg. Zum Beispiel: http://www.facebook.com/arlbergstar mit 1078 Fans, den Skiclub Arlberg mit 771 Fans, und die Destination Arlberg mit 1616 Fans: http://www.facebook.com/arlberg

Hier kommunizieren echte Fans rund um den Arlberg. Die Bergbahnen sollen sich ruhig um das Produkt kümmern anstatt zu facebooken, oder?

In der Tat sind die Regionen alle auf einem unterschiedlichen Stand. Ich kontrolliere regelmäßig ob sich bei den verschiedenen Feriengebieten in Südtirol etwas tut, bzw. in den Nachbarregionen.
Doch “leider” ist es meistens so, dass einige Wenige etwas vormachen und nach und nach ziehen Andere hinterher.

Wenn man die Strukturen der Regionen/Gebiete intern kennt, denkt man sich oft warum dort nicht mehr dabei rauskommt. Ausreichend Personal ist meistens vorhanden, sodass man meiner Meinung nach extrem viel erreichen kann.
Die Regionen sollten sich Jemanden ins Team mit aufnehmen der lediglich für die “Kreativität” zuständig ist und auch ausreichend Erfahrung etc. aufweist. “Lediglich” einen Blog zu starten, ein Twitter und Facebookprofil aufzusetzen reicht nicht mehr aus, um Vorne dabei zu sein.

Durch das einbinden der Social Media Logos auf den Webseiten sieht man zwar einen guten Willen, doch schlussendlich gehen die meisten nur mit der Masse mit.
So, get Inspiration or ask Tourismuszukunft 😉

@holger: weil sie im Nicht-Social Media-Bereich auch Werbung machen? Warum effizient agieren, wenn es ineffizient auch geht! ^^

Auch im Nicht-Social Media-Bereich sind es die Destinationen, nicht immer die Bergbahnen. Ausser die Bergbahn = Destinationsmarketing. Wollte einfach sagen: Vielleicht machts auch Sinn, sich in Destinationen besser zu überlegen, wer was macht. Und nicht einfach alle aufs Social Web stürzen (genausowenig wie es Sinn machen würde, wenn sich alle auf klassische Medien stürzen). Ich beobachte immer mehr unkoordinierte Aktionen, die viel Geld kosten, weil Agenturen einfach gute Verkäufer sind….

yep – da stimm ich dir zu 100% zu! Nicht jeder muss im Social Web agieren – allerdings sollte man wenigstens Kommunikationskanäle für Feedback anbieten (auch wenn man nicht selbst aktiv agiert) – nicht mal das passiert!

Und ja – unkoordiniert ist natürlich sehr schlecht! Deshalb versuchen wir immer ganzheitliche Destinationsstrategien zu implementieren! Schlimm wirds dann dort, wo die Skiverbünde andere räumliche Ausdehnungen haben wie die touristischen Einheiten. Aber alles ist machbar – mit der richtigen Strategie!

@Florian: Was genau ist schlimm an Skiverbünden mit anderen räumlichen Ausdehungen als touristische Einheiten? Die Realität zeigt leider, daß v.a. bei den großen Regionen (Ötztal, Zillertal, Saalbach-Hinterglemm-Leogang, Wilder Kaiser, Ski Amade u.a.) immer mehrere Bergbahn-Unternehmen engagiert sind. Wie im Fall von Amade übernehmen diese Aufgaben und Funktionen von Destinationen durch die sinnvolle Bündelung von Marketing-Ressourcen.

Aus meiner Sicht – ja Ski Amade & Co könnte es auch gut tun sich mit Gästen und v.a. den Potentiellen auf Augenhöhe zu unterhalten. Das leicht messbare Ziel wäre Stammgäste durch Word of Mouth Marketing-Instrumente zu gewinnen.

Allerdings ist es für mich auch ok, wenn Dialog und Kommunikation mit Gästen auf möglichst direktem Weg erfolgt – und der ist dort wo der Gast am nächsten ist: Im Betrieb oder im Tourismusort. Deshalb sollte die Social Web Präsenz möglichst auch bei Tourismusverbänden anstatt Destinations Marketing Organisationen sein – wie im Salzkammergut. Stimmst du mir bei?

@martin – nur zum Teil – die Kommunikation ja – die Steuerung & Kordination der Kommunikation muss auf DMO-Ebene passieren.

aber genau deshalb müssen Bergbahnen auch kommunizieren – wenn es um Ihr Produkt geht! z.B. die Kommunikation aktueller Schneehöhen und Liftstati. Wieso nicht via Twitter rausschießen – sind ja eh im Feratel CPS vorhanden (jedenfalls in Ö). Wieso die Infos verbergen und nicht dort hingehen wo potentielle Gäste auf sie warten!

lg Florian

Florian, von der Struktur her alles nicht ganz so einfach mit dem “rausschießen”. Wer soll denn rausschießen? Einer der x Einzellifte, der Skigebietsverbund (der meist aus zig Einzelgesellschaften besteht) oder die Destination oder der Ort oder der Hotelier? Also da denke ich, liegt die Aufgabe bei der Destination, nicht bei den Leistungsträgern und Einzelbetrieben. Die Koordination ist wichtig.
Bei Hotelbetrieben finde ich, macht Twittern nur Sinn (zumindest bei den Familienbetrieben), wenn der Unternehmer oder ein leitender Mitarbeiter selbst sowieso gerne twittert. Meine Erfahrung ist: Die Hotellerie weiss gar nicht, wann sie auch noch twittern soll. Daher gibt es eben einige, die selbst social-web-affin sind und das ganz gut ausnutzen und ganz viele, die das gar nicht können und wollen. Auch nicht alle Zielgruppen twittern und Facebooken. Ganz ehrlich: Mehr und mehr überfordern Agenturen die Gastgeber mit dem Thema Twitter und Facebook.

Ich bin ganz beim Florian. Es geht nicht darum SOZIAL zu sein. Entscheidend ist welchen NUTZEN man mit Website, Email-Newsletter, RSS, Google Maps – Darstellung, Facebook-Page, Tweets usw. stiftet.

In den meisten Fällen vergisst man zu hinterfragen “Stifte ich Nutzen?”.
Oder die Agentur vergisst ob des Revenue-Streams …

Meine Empfehlung an Kunden – Hinsetzen und Nachdenken. Und mit sieben Antworten seine persönliche (Social) Web Strategie finden:

1. Wer sind meine Gäste/User heute?
2. Wie gut ist deren Online-Kompetenz?
3. Welche Gäste will ich morgen haben?
4. Wie und womit kann ich denen Nutzen stiften?
5. Wer ist sonst noch Stakeholder?
6. Welche Aufgaben bringen mir Nutzen? Und kann ich mir leisten?
7. Erst ganz zum Schluss: Mit welchen Tools erreiche ich dies?

Je mehr Instrumente ich einsetze – umso besser: Je öfter ich dort vertreten bin wo die User sind, desto höher ist die Chance einer Buchung.

Je weniger Instrumente dafür nötig sind – umso besser! Nicht für die Agentur. Aber für die Geldbörse des Auftraggebers. Weniger weil wir so teuer sind. Vielmehr weil es Menschen in den Unternehmen braucht die diese Aufgabe übernehmen. Und das bedeutet – Know How und Personal!

Fazit – ein ausgewogenes Verhältnis der (Social) Web Präsenz von TouristikerInnen ist v.a. betriebswirtschaftlich betrachtet sinnvoll! Deshalb bin ich wieder ganz bei Holger – Destinationen sind die Koordinatoren der (Social) Web Präsenz der Tourismusbetriebe ihrer Region. Entweder sie übernehmen diese Aufgabe für Orte, Hotels, Bergbahnen, Freizeitbetriebe. Oder sie aggregieren intelligent deren Inhalte. In beiden Fällen garantieren sie aber in jedem Fall eines – sie stiften damit Nutzen.

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Florian Bauhuber

… ist Geschäftsführer des Experten-Netzwerks Tourismuszukunft sowie Doktorand am Lehrstuhl für Kulturgeographie an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Bereits seit dem Jahr 2006 berät und begleitet er gemeinsam mit seinen Kollegen touristische Unternehmen und Verbände. In seinem Fokus stehen dabei unterschiedliche Beratungsschwerpunkte:
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