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Wiedergeburt eines Dinos – das neue Bahnportal ist online

Fast zeitgleich mit dem Relaunch der TUI Reisen Webseite ist auch das neue Portal der deutschen Bahn online gegangen, realisiert von der Agentur Namics. Im Vergleich zum alten Bahnportal ist das neue inhaltlich sehr abgespeckt worden und die wichtigsten Inhalte sind sehr schnell zugänglich. In Bezug auf den Innovationsgrad ist die neue Bahnwebseite aber, mal abgesehen von verbesserten Schnittstellen und Buchungsprozessen, ein Dinosaurier geworden: Der Innovationsgrad der neuen Seite bewegt sich leider in einem geringen Rahmen. Und aus Abmahnungs-Abneigung: Dieser Artikel ist meine persönliche Meinung!

Wie komme ich zu dieser persönlichen Meinung? Außer den Buchungsstrecken, die ich sehr gelungen finde und der Personalisierungsfunktion “meine Bahn” wurden kaum innovative Features integriert – warum gibt es keine Google Map mit Zugstrecken, oder sogar Zugpositionen? Ist das Social Web noch nciht zu den Entscheidern durchgedrungen, oder warum wurde auf eine Bewertungs- und Kommentarfunktion verzichtet? Warum eigentlich keine Facebook Applikation für Bahnbuchungen entwickeln (z.B. “Daniel hat heute ein Zugticket von A nach B um 16 Uhr gebucht – Platz neben ihm buchen hier”)? Reiseberichte? Twitter-Integration? Das Thema Internet im Zug ist ebenfalls nicht repräsentiert. Irgendwie ziemlich lauwarm dieser Relaunch aus meiner Sicht.

Das Bahnportal ist sicherlich eine der zentralsten Webseiten für viele deutsche Internetnutzer, wenn es um das Thema Mobilität geht. Neben den Kunden hat die Bahn aber natürlich noch weitere Stakeholder, deren Ansprüche erfüllt werden müssen: Hotels, Partnerprogramme, Geschäftskunden, Tourismusanbieter, Tourismusdestinationen und viele mehr. Für diese externen Stakeholder gibt es auf der Bahnwebseite kein erkennbares Extranet, in dem deren Wünsche und Ansprüche erfüllt werden könnten… sei es das Anbieten eines Widgets für andere Webseiten zur Buchung von Zügen oder Fahrplanauskunft oder sei es die Möglichkeit, aktuelle Angebote selbst einzupflegen. PR-Portal im Sinne eines Social Media Newsrooms? Fehlanzeige. Vielleicht habe ich es aber auch nur nicht gefunden? Ah – Korrektur – es gibt doch ein Extranet des DB Konzerns – dieses erfüllt aber offensichtlich die oben genannten Anforderungen nicht oder nur teilweise.

Und auf crowdsourcing im Entwicklungsprozess, offene API und co. wurde scheinbar gänzlich verzichtet, wie Helge richtig bemerkt – ich hoffe nur es wurde bewusst darauf verzichtet. Wenn man das Thema nicht erkannt hat bei der zuständigen Agentur Namics, dann ist diese Agentur meines Erachtens ein Genosse der Dinosaurier 😉 .

Screenshot der Webseite www.bahn.de

Liebe Bahn-Onlinemanager – ruft uns doch bitte einfach an, wir würden euch gerne helfen…

D.A.

7 Kommentare zu
Wiedergeburt eines Dinos – das neue Bahnportal ist online

Ebenfalls nur private Meinung…

Also mich überrascht die Seite mit vermehrten Fehlermeldungen, auch mag sie Firefox unter Linux nicht wirklich, zickt dort mit der für Linux aktuellen Flashversion rum.

So lange ich aber anstehen muss (am Telefon, im Reisecenter, …) und die Bahn erstmal neue ICEs beschaffen muss um der Kundenflut Herr zu werden, wundert mich nicht, dass die “Web 2.0” nicht verstehen. Immer dran denken, das kostet Personal. Und das ist ja wohl das, woran Herr Medorn zuerst spart, damit er sich sein Gehalt rechtfertigen kann?

Insgesamt war ich mit der alten Funktion zufriedener. Sie funktionierte vor allem zumindest gefühlt schneller. Aber klar, davon habe ich sicherlich keine Ahnung, bietet die Bahn doch mit der neuen Seite viel buntere Spielereien, wen interessiert schon Usability. Die Züge sind doch eh voll…

Konstruktiv: Redet mal mit Tourismuszukunft. Oder irgendeinem Vielnutzer Eurer Website… Usability-Lab wäre nicht schlecht – Herr Medorn kann sich das bspw. bei Amadeus sicher mal ansehen?
Ach ja – und “Auslandsfahrschein” klappt immer noch nicht besser und meine Nutzerdaten sind weg, muss ich neu eingeben… Sicher nur ein Versehen.

Oder? Food For Thought 😉

ToM80

Ganz ehrlich, was soll der Ruf nach Google Maps Anwendungen und Zugpositionen??
Das ist ja so, all wenn jeder Laden in den man hingeht nun Actionflächen anbieten muss.
Gehe ich z. B. in die Musikabteilung eines Kaufhauses müsste ich enttäuscht sein, dass hier kein Proberaum vorhanden ist, in dem ich mich so richtig austoben kann. Oder aber zumindest jeden Tag ein Musikstar sitzt, der Autogramme gibt.
Oder erwaret mich jetzt jede Sportabteilung mit einem angeschlossenen Fitnesscenter??
Ich gehe auf bahn.de weil ich eine Zugfahrkarte buchen möchte oder mich über die Zugfahrzeiten informieren.
Alles weitere gedöns erwarte ich da nicht und würde mich stören.
Auch jetzt finde ich die Seite immernoch überladen. Ich hatte nun schon das Vergnügen die Seite gestern für eine Buchung zu testen.
Und ich muss sagen, die Suche ist einfacher geworden, wenn man sich auch erstmal an die leicht geänderte Bedienführung gewönen muss.
Der Merkzettel ist eine nette Idee, aber zumindest gestern noch fehlerhaft umgesetzt gewesen (ließ sich nicht öffen, geschweige denn ausdrucken).
Wie auch immer, die Socialkomponenten haben sicherlich ihre Berechtigung im Netz, aber bitte sehr nur dort wo sie auch Sinn machen. Ansonsten sind wir bald wieder dort, wo wir zu Zeiten des DHTML oder Flashstarts schon einmal waren, bei lauter unnützen Gadgets. Überall blinkt es und es ist alles “verinteraktivietiert” um ja Hipp zu sein. Denke darauf kann man gut und gerne im Sinne von kiss (Keep it simple and stupid) verzichten.
Den Fokus aufs wesentliche legen und fertig ist die Sache.

mgs733

ich denke die bahn hat andere probleme und interessen als ein social media auftritt… .

Daniel

@tom & mgs733 – Im wesentlichen ist es ja so, dass die Bahn ein riesiger Konzern mit einem ziemlich großen Marketingbudget ist (zufällig bin ich da ganz gut informiert :). Vor diesem Hintergrund fragt man sich schon, warum nicht 10-30 000 EUR mehr in die Hand genommen wurden, um die Seite optimaler zu gestalten, auch in bezug auf innovative Social Media Anwendungen.

Klar sind diese nicht die Hauptfunktion einer Bahn.de-Seite, aber sie dürfen heute auch nicht fehlen, schließlich WILL die Bahn ja nicht nur Fahrkarten verkaufen, sondern auch Kunden binden, Erfahrungen vermitteln, Erlebnisse schaffen und co. Um beim Sportgeschäft zu bleiben – also ich gehe lieber in ein Sportgeschäft mit Atmosphäre, sozialem Flair und guter Kundenbindung.

Den Fokus auf das wesentliche muss die Seite trotzdem nicht verlieren, das lässt sich durchaus dementsprechend gestalten.

@Barthel.eu – tendenziell würde ich dann doch eher nach der von Helge.at vorgeschlagenen Weise verfahren: Crowdsourcing des Konzeptes…

mgs733

Es mag durchs diskussionswürdig sein Sinn und Effektivität von SMM zu beurteilen. Letztendlich macht die Bahn das einzig Richtige: Solange keine nachhaltigen Effekte bekannt sind gehören diese SMM Experimente nicht auf die Buchungsseite eines Milliardenkonzerns die mittlerweile einen großen Teil der Buchungen abfängt. Zudem müsste die Gesamtkommunikation der Marke darauf abgestimmt sein.

ToM80

@Daniel.
Klar soll Atmosphäre und Flair herrschen, aber bei der Bahn will man nicht stöbern, zumal es da nix zu stöbern gibt, sondern will schnell, effektiv und Kosten günstig (Zeit ist Geld) seine Reisebuchen.
Ich kann mich mgs733 nur anschließen.
Für Bahnliebhaber kann die Bahn über eine separate Seite nachdenken, sicher, aber auf bahn.de gehört so ein Tinnef erstmal nicht.

Hans

@Daniel
Kann meinem “Vorschreiber” Daniel nur zupflichten. Auch wenn ich gerne Twitter usw. nutze, was soll das auf bahn.de? Wie wäre es mit ein paar Vorschlägen für die sinnvolle Nutzung von SM auf bahn.de?
Solange die Bahn es nicht einmal für notwendig hält, die Rückerstattung für Online-Tickets auch online zu ermöglichen, muss man sich über ‘Social Media’-Anwendungen keinen Kopf machen.
Innovativ ist man bei der Bahn, wenn es um die Benennung ihrer Counter, Service Points, Fullfillment Centers etc. geht. Das reicht mir persönlich.
Ansonsten halte ich es mit ToM80. Let’s kiss Keep it simple and stupid).

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