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BayTM GmbH und Urlaubertipps – Stand und Strategien des Social Web im Tourismus

Heute habe mich auf die Suche nach Web2.0 Anwendungen gemacht – im deutschen Tourismus. Dazu habe ich die touristische Webseite Bayerns, die von der Bayern Tourismus Marketing GmbH betrieben wird, besucht. Nachdem sich einige Destinationen im nördlicheren Deutschland zunehmend mit dem Thema Social Web auseinander setzen, stellte sich mir die Frage, inwiefern Bayern als wichtige Tourismusregion in Deutschland auf diese Innovation reagiert.

Auf den ersten Blick scheint man sich im Rahmen von www.bayern.by nicht dem Thema Social Web / Web2.0 zu beschäftigen. Erst bei genauerem Hinsehen entdeckt der Besucher der Webseite, dass es eine Möglichkeit gibt, sich zu registrieren. Hinter dieser Registrierung verstecken sich dann Funktionen wie die Möglichkeit der Erstellung multimedialer Urlaubstipps und der Zusammenstellung einer Merkliste. Wer sich nicht registriert sieht zunächst nichts von diesen Urlaubstipps, außer er scrollt auf der Angebote-Seite ganz nach unten und wirft einen Blick auf die Sidebar (siehe Bild). Hier sind Kurzausschnitte von nutzergenerierten Urlaubstipps veröffentlicht, die sich in einem AJAX-Fenster öffnen.

Zunächst ist die Auffindbarkeit dieses Web2.0 Angebots sehr nutzer-unfreundlich gestaltet und auch die Usability des AJAX Fensters und der Navigation zu den einzelnen Tipps ist unglücklich gestaltet: In meinem Fall (mit aktuellen Firefox) wurden sogar Schriften gegenseitig überblendet. Eine zusammenfassende Liste oder Suche nach Tipps scheint es ebenfalls nicht zu geben – das Auffinden von Urlaubstipps gleicht eher einer mühsamen Suche als einem entspannten Suchen nach Freizeitangeboten. Der Zwang, sich zu registrieren, um das Angebot voll nutzen zu können, entspricht auch nicht dem Charakter von Social Web Anwendungen und schreckt sicherlich den einen oder anderen Besucher ab.

Angesichts dieses Angebots stellt sich die Frage, warum hier nicht eine georeferenzierte Darstellung der Urlaubstipps mittels GoogleMaps Mashup erfolgt und warum nicht auf die Einbindung weiterer externer Plattformen zurückgegriffen wurde – In hervorragender Weise hätte man hier externe Contents von FlickR, Panoramio, Youtube, Qype und co. nutzen können, statt dessen gibt es nur die Möglichkeit eigene Fotos und Videos als Dateien upzuloaden. Ein RSS-Feed konnte ich übrigens auf den Seiten der BayTM zunächst auch nicht finden – laut Suche gibt es aber einen RSS-Feed. Die Aggregation von Inhalten aus verschiedenen Web2.0 Plattformen scheint hier auf strategischer Ebene nicht einmal angedacht worden zu sein. Sowohl in der praktischen Umsetzung als auch bei der strategischen Konzeption hat die BayTM bei ihren ersten Schritten ins Social Web meines Erachtens wichtige Potenziale bisher nicht genutzt.

Während sich österreichische Destinationen schon viel länger und teils professioneller Gedanken zum Thema Web2.0 machen (Tourismuszukunft berichtete über diverse Ansätze in Österreich, das Social Web im Tourismus zu nutzen, z.B. über den Social Web Wegweiser für Destinationen und touristische Leistungsträger), machen in Deutschland nur wenige Destinationen die ersten Schritte Richtung touristischer Nutzung des Social Web (Tourismuszukunft berichtete über den Wanderblog oder die Botschafter Ostfrieslands).

Bild: Daniel Amersdorffer - Gedanken zum Social Media Marketing für Destinationen

Das Gespräch und dialogisch aufgebautes Marketing wird zunehmend wichtiger in der Onlinekommunikation. Wie Destinationen richtig mit dem Thema Social Web umgehen können, ist die zentrale Frage in der Nutzung des Social Web durch den Tourismus. Einerseits beinhaltet diese Frage, wo und wie eine Destination mit Nutzern ins Gespräch kommt und andererseits, wie diese neue Kommunikationsform im Gerüst der Marketingziele und der Kostenstruktur zu sehen sind. Weitere Artikel zum Thema Social Web und Destinationen auf Tourismuszukunft finden Sie hier:

  • Thesen zur Informationsflut und zu sozialen Beziehungen als Werbefilter: hier
  • “Social Web Marketing” für Destinationen: hier
  • DMOs und Onlinetourismus – Blickpunkt Marketing: hier

Im Laufe der Woche werden wir noch über zwei Destinations-Communities berichten, um die Beschäftigung von Destinationen mit dem Thema Social Web und die Leistungen der Anbieter von Social Web Anwendungen im Tourismus weiter zu analysieren. Und über weitere Schritte der BayTM Richtung Social Web werden wir ebenfalls berichten.

D.A.

PS. Abschlussfrage für Onlinemarketer:

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11 Kommentare zu
BayTM GmbH und Urlaubertipps – Stand und Strategien des Social Web im Tourismus

Kerstin

Hallo Zusammen,

das die Thematik social web im Tourismus von großer Relevanz ist, wissen wir. Dass sich noch nicht viele Destinationen damit beschäftigen, wissen wir auch. Aber vielleicht sollten wir uns mit dem Gedanken beschäftigen, warum das so ist. Sicherlich ist es nicht für jede Destination sinnvoll externen content aus flickr, youtube und co. zu integrieren, ich denke das muss man abhängig der Destination differenziert betrachten. Auch wenn theoretisch gesehen, der Einsatz eines möglichst breit aufgestellten “social-web” Marketing Mix als Königsweg erscheint, so treten in der Praxis Probleme auf, die eben genau diesen Einsatz nicht unabdingbar zulassen.

Sylt und Tegernsee haben sich für eine eigene Destinations-Community entschieden, die unterschiedlicher nicht sein können, und dass obwohl exakt die selbe Technik dahinter steckt.

Ich freue mich schon über euere Destinations-Community posts diese Woche, bin gespannt ob sich die Ergebnisse mit meiner Website-Evaluation und den Experteninterviews decken.

K

Hallo Kerstin,

Ich hatte mich ja bei meinen Anforderungen dezidiert auf die BayTM bezogen – bei einer dementsprechend großen Destination mit entsprechendem Potenzial an externen mashable Contents macht es durchaus Sinn, Mashups zu integrieren.

Ein breit aufgestellter Marketing mix macht nie Sinn – es kommt darauf an, die richtigen Gespräche und externen Contents zu lokalisieren und einzubeziehen.

Hallo Tourismuszukunftsblogger/leserInnen,

als Anbieter der von Bayern.by benutzten Plattform LoBaMeSh (Location Based Media Sharing) bin ich durch Zufall auf diesen Blog-Beitrag gestoßen und freue mich erst einmal über das Interesse. All news are good news.

Zu zwei Kritikpunkten kann ich eine kurze Stellungnahme geben, die vielleicht die eine oder andere Entscheidung in ein anderes Licht rückt:

Kritik 1: Man habe sich nicht strategisch mit den Social-Web-Möglichkeiten auseinandergesetzt und bestehende Lösungen nicht integriert.

Natürlich sollte ich an dieser Stelle nicht die Strategie des BayernTM offenlegen, aber ein paar Stichworte helfen vielleicht bereits:

– Die AGBs der Betreiber Google Maps + X, Qype, Pointoo, Tripadvisor, Holidaycheck und Co. sehen in der Regel eine unentgeltliche Nutzung ihrer Inhalte nur unter Vorbehalten vor und es ist mittelfristig nicht gewährleistet, dass diese auch für kommerzielle Nutzungen wie bei http://www.bayern.by frei bleiben.

– Die Inhalte der der Plattformen sind qualitativ extrem unterschiedlich und nicht immer zielführend im Sinne des Betreibers BayTM (Stichwort Eigenwerbung, Bewertungsportale allgemein). In einer eigenen Plattform kann BayernTM viel eher die Qualität der Beiträge erreichen, die dem dort angebotenen Tourismus-Portfolio angemessen ist (Bsp. http://www.bayern.by/de/lbm_1385978c.html; wo könnte ich so etwas auf Qype finden?).

– Die Einbindung verschiedener Contents müsste entweder durch Übernahme der Rohdaten in ein einheitliches Format erfolgen (API!, Kosten, AGB) oder der Nutzer wird mit 3 verschiedenen Interfaces konfrontiert.

– Die neu entwickelte LoBaMeSh-Technologie nutzt eine semantische Engine, um bereits bei niedrigen Teilnehmerzahlen das komplette Portal (ca. 10.000 Pages) mit sinnvollen Beiträgen zu bedienen. Das können die anderen noch nicht. Bereits nach wenigen Tagen konnten wir bereits ganz Bayern abdecken.

Kritik 2: Die Usability ist teilweise noch suboptimal.

Natürlich hat die aktuelle Lösung noch “Potenzial” in Sachen Usability (selbst Usability-Anbieter bei http://www.uid.com wissen meine Kollegen und ich das recht genau 😉

Bitte beachten sie aber, dass die vorliegende Lösung so kosteneffizient realisiert wurde, dass sie vom ersten Tag kostendeckend ist. Darauf warten die Mitbewerber bis heute 😉

Vieles Angesprochene wird nun sukzessive ohnehin nachgeholt, manches zähneknirschend akzeptiert und manches ist tatsächlich auch so gewollt. Bugs (Darstellungsfehler) sind natürlich auch nie ganz zu vermeiden.

Seien sie versichert, dass wir in den nächsten Monaten noch erhebliche Ergänzungen vornehmen werden und auch noch ein paar Überraschungen in petto haben. Ich denke, die Zukunft des Socil Web liegt in dem Bereich wo es für Leser- und nicht für die Schreiber optimiert ist.

Stay tuned 🙂

ps: Und entschuldigen sie / entschuldigt bitte die momentan veraltetet Page zum Thema unter http://www.lobamesh.de. Die wird in kürze renoviert und dann auch ein bisschen informativer. Für Fragen stehe ich per Mail gerne zur Verfügung (siehe dort).

Hallo Ronald

vielen Dank für diese ausführliche Hintergrundinformation zu unseren Kritikpunkten und Gedanken zu bayern.by.

Unterm Strich gesehen, freut es uns natürlich, dass sich einzelne Regionen mit dem Thema beschäftigen und Erfahrungen mit dem Social Web sammeln.

“stay tuned” werden wir wörtlich verstehen und uns bei Gelegenheit mit den Neuerungen beschäftigen und über diese berichten. … und lobamesh interessiert uns auch 🙂

Grüße
Jens

Guten Abend,
sorry für den kurzen OT aber kurios finde ich daß bei der offiziellen Bayern-Tourismus-Seite die tld .by verwendet wird, kommt diese doch aus Weißrussland.
Ich habe zwar gehört daß dot by für Bayern verwendet wird, aber ich frage mich manchmal trotzdem ob so etwas Sinn macht.
Ist wohl weltweit einzigartig, empfehlenswerter wäre m. E. hier wohl “bayern.travel” 😉

Viele Grüße aus Berlin

Chris

Ok,
ich hab gerade festgestellt daß die bayern.travel bereits von Bayern Tourismus genutzt wird, ich denke es wäre wohl langfristig sinnvoller die .travel im Marketing hervorzuheben, es machen ja bereits einige Länder so. 😉
Nur meine Gedanken dazu, nochmals viele Grüße aus Berlin,

Chris

@Ronald… danke für deinen ausführlichen Post zu meinem Artikel über die Empfehlungsplattform der BayTM. Dazu habe ich noch ein paar Gedanken:

Ich fange mal mit dem Ende deines Kommentars an 😉 : Die Zukunft liegt dort, wo es für die Leser optimiert ist – nein. Definitiv nein. Kommunikation ist social web. Und Kommunikation ist nicht lesen alleine. Der Erfolg des Web2.0 beruht zu einem ganz großen Teil auf Breitbandinternet UND V.A. vereinfachten Möglichkeiten Contents zu produzieren – eine der wichtigsten “Basis”-Voraussetzungen Kommunikation zu schaffen ist einfache Usability.

DMOs müssen sich von dem Gedanken verabschieden, Contents nur auf dem eigenen Server zu haben. Eine konsequent nutzerzentrierte Social Web Strategie ist für mich, im Web auffindbar zu sein, dort wo die Nutzer sind, die über mich sprechen. Und das ist nicht nur die eigene Webseite. So dmo-zentriert zu denken erscheint mir nicht zukunftsfähig in einem Zeitalter großer und integrativer Plattformen und in einem Zeitalter, in dem ein Gast mal seine Reiseziele jährlich oder zumindest immer wieder wechselt.

Qualität – ein schönes Stichwort. Was ist Qualität? Wird sie durch Authentizität, Emotion und Persönlichkeit untermauert? Qualität einer Urlaubsempfehlung setzt sich meines Erachtens zusammen aus dem passenden Ort (Zielregion), dem passenden Thema (Wandern für Ältere), den passenden Gastgebern vor Ort (Menschen) und möglichen Erlebnissen (Attraktionen). Die von dir vertretene Logik geht davon aus, dass der Ort (Bayern) das erste Kriterium der Suche nach einem Reiseangebot ist. Das kann und wird oft anders sein. Folglich ist eine Urlaubsempfehlung auch in den anderen 3 Themenbereichen bzw. entsprechenden Web2.0 Plattformen gut aufgehoben.

Ich kann mir vorstellen, dass hier experimentiert wird, so sieht die Anwendung momentan zumindest noch aus. ABER der Gast weiß das nicht. Und das perpetual beta typische Testen neuer Features ist eine Stufe weiter anzusiedeln, nämlich dann, wenn die Grundfunktionen gewährleistet und gut benutzbar sind.

Urlaubsempfehlungen und Portalseiten nach wenigen Tagen umfassend zu verknüpfen ist nur eine Frage der Enge des aufgelegten Rasters. Und das scheint mir in dem Fall sehr weit definiert zu sein.

Ich bin auf jeden Fall gespannt, wie LoBaMeSh die Thematik location based information und externe Contents zukünftig bearbeiten wird – eine umfassende Lösung für den Tourismus fehlt noch, es gibt aber meines Erachtens Ansätze, welche die BayTM aufgreifen könnte, um ihr Portfolio im Social Web zu verbessern.

Daniel

Anmerkung: Habe heute bei der BayTM um einen Beitrag zu dieser Diskussion angefragt… *gespannt*.

@Chris
Die TLD .by ist tatsächlich die offizielle TLD von Weissrussland und das hat uns zunächst auch grosses Kopfzerbrechen bereitet (wegen politischer Instabilität etc.), aber während unter http://www.tirol.at die Tourismus-Website kommt, kann man das von http://www.bayern.de nicht behaupten und das war auch nicht zu ändern. Deswegen mussten wir uns was anderes ausdenken. Eine Domainstrategie, die alle unsere Marken mit einschliesst (WellVital, Kinderland, Gipfeltreffne etc.). Mit .by (das ist die offizielle Abkürzung für Bayern, wie CH für die Schweiz) konnten wir den Mega-Trend der Lokalisierung von TLDs aufgreifen (.la für Greater Los Angeles etc., Bestrebungen .berlin für Berlin, siehe http://www.dotberlin.de) und alle unsere Marken und die Dachmarke Bayern mit einer stringenten und einprägsamen Domain-Strategie versehen: http://www.bayern.by, http://www.wellvital.by etc. Und: ob das Sinn macht und passt entscheiden eh nicht “wir”, sondern die Kunden und der Markt. Aber wenn selbst der alterhwürdiger Schichtl von der Wies’n sich unter http://www.schichtl.by anpreist sind wir denke ich nicht soooo ganz falsch unterwegs. Denn der Schichtl ist in München, in Bayern und auf der Wies’n eine Instution und gegen den Schichtl hat noch nie niemand was g’sagt: “Auf geht’s beim Schichtl”, “Auf gehts nach Bayern!”

Hallo zusammen!

Schön, dass sich eine Diskussion um dieses Thema „Social Web im Tourismus“ entwickelt. Ein sehr wichtiges, weil zukünftig elementares Thema. Die „Jungen“ wachsen mit Internet auf, wie wir (bzw. meine auch schon ältere Generation) mit Matchbox-Autos, C64 oder „Daktari“. Wenn diese Generation mal den Hauptanteil der Bayern-Urlauber stellt sollten wir definitiv weiter sein als jetzt. Unbestritten. Aber so weit ist es noch nicht. Die Zielgruppe Bayerns ist eine andere. Außerdem sagen neueste Untersuchungen, dass maximal 1% aller Internet-Nutzer aktiv Texte, Bilder etc. postet. Und das sind ALLE Internet-Nutzer. Wenn ich in Reit im Winkl oder Garmisch eine Umfrage machen würde, wer schon mal UGC bereitgestellt hat, bloggt oder Bilder, Texte und Videos hochgeladen hat…

Aber der Reihe nach.

Zunächst 2 Anmerkungen zu Kern-Feststellungen

„Wer sich nicht registriert sieht zunächst nichts von diesen Urlaubstipps, außer er scrollt auf der Angebote-Seite ganz nach unten und wirft einen Blick auf die Sidebar (siehe Bild). Hier sind Kurzausschnitte von nutzergenerierten Urlaubstipps veröffentlicht, die sich in einem AJAX-Fenster öffnen.“

Richtig & beabsichtigt. Bayern.by besteht aus sehr hochwertigem, handverlesenem redaktionellen Content: hochwertige Angebote, die zur Profilierung Bayerns beitragen. Teilweise echte „Marken“-Angebote (Kinderland, WellVital, Lust auf Natur, Gipfeltreffen). UGC und Tipps ergänzt diesen Content an geeigneter Stelle. D.h. die Tipps werden themen- und ortsbezogen im Kontext dem User angeboten. Dabei liegt der Schwerpunkt eindeutig auf dem redaktionellen Content.

„Eine zusammenfassende Liste oder Suche nach Tipps scheint es ebenfalls nicht zu geben – das Auffinden von Urlaubstipps gleicht eher einer mühsamen Suche als einem entspannten Suchen nach Freizeitangeboten.“

Ebenfalls beabsichtigt. Eine „Liste“/Übersicht von allen Tipps werden wir über eine neue Kartenlösung abfangen. Dort werden wir auf einer Bayern-Karte die Tipps mit den bewährten „Bubbles“ anbieten und somit bayernweit zusammenfassen.

Eine losgelöste Liste von Tipps ist zunächst kein primäres Ziel der Website, zumindest momentan noch nicht. Das machen andere besser.

Außerdem gibt es schon genügend Angebote, die UG-Tipps, -Bilder etc. sammeln und aufbereiten, eine endlose Menge solcher Portale ist gerade im Entstehen und tlw. (wegen Überangebot) wieder am Verschwinden.

…sollte das eine Destination auch machen, ein „me-too-Produkt“ entwickeln???? Oder sollte eine Destination nicht an ihrem Angebotsprofil und der Qualität arbeiten, um mittelfristig im verstärkten Wettbewerb eine Chance zu haben, Kunden & Käufer zu erreichen?

Wenn ich Hotelbewertungen suche, gehe ich zu Holidaycheck, wenn ich Tipps suche, zu Tripadvisor, wenn ich ein Hotel suche, gebe ich das gleich in Google ein. Wenn ich Bilder suche, gehe ich zu Flickr, wenn ich Videos suche zu YouTube (unbestritten sollte man dort jeweils mittelfristig vertreten sein). Aber wenn ich ein hochwertiges, innovatives Angebot für eine tollen Bayern-Urlaub suche, ggf. aus einer gewissen Bedürfnislage heraus („Familienurlaub garantiert ohne Stress“, „Einzigartiges Angebot zum Naturerleben“, ein Kulinarisches Erlebnis von und mit bayerischen Meisterköchen, ein „echtes“ WellVital- oder Präventionsangebot und kein x-beliebiges Wellness-Angebot von der Stange in einem Wald. und Wiesen „Wellness“hotel ), dann gehe ich…. auf bayern.by.
Aber stimmt schon, mittelfristig reicht das nicht aus im Sinne der Authentizität. Schöne Sprüche und Marketing-Texte müssen durch Qualität bestätigt werden und durch Bestätigung (“UGC”) andere Urlauber / Käufer für mich als potenziellen Käufer glaubhaft sein.

Wenn ich aber anfange eine me-too-Seite zu bauen, d.h. alles nur kopiere oder mash-up-mässig einbaue (was jeder x-beliebige Webmaster und Programmierer auch „von heute auf morgen“ kann), wo bleibt da mein USP? Dann habe ich aufgehört, selber Marketing zu machen, sondern habe mich dem Web 2.0-Hype verschrieben und bin dem Mash-Up-Gedanken verfallen.

Natürlich gilt es ständig zu prüfen, externe Quellen einzubinden. Ich habe auch gerade eine Anfrage von Tripadvisor vorliegen, um von Bayern.by auf die Tripadvisor-Bayern-Tipps zu verweisen bzw. diese zu integrieren. Aber was bringt es z.B. im deutschen Auftritt, wenn ich die Tripadvisor-Tipps einbaue und dort auf den TopTen-Liste Highlights erscheinen wie „Mike’s Bike Tours“ oder „Schloss Neuschwanstein“? http://www.tripadvisor.de/Tourism-g187293-Bavaria-Vacations.html

„Mike’s Bike Tours“ ist eine ziemlich coole Bike Tour in Englisch durch den Englischen Garten und durch die Münchner Innenstadt und Schloss Neuschwanstein… na ja, ist das zur Hochsaison ein (Geheim-)„Tipp“????

Es kommt also immer darauf an, die externen Quellen sinnvoll einzusetzen und nicht hypegemäß einzubauen, ohne Ziel und Strategie, hauptsächlich dem Hype und der Pressemitteilung zuliebe…

Deswegen muss man sich bei uns registrieren und die Tipps durchlaufen bei uns eine kurze Prüfung, bevor sie online gehen. Das müssen wir machen, da wir dem Steuerzahler, unseren Kunden, Business-Partnern und Urlaubern das schuldig sind. Man glaubt ja gar nicht was die Leute alles posten (würden), wenn sie es könnten: Da wird Dresden nach Bayern verlegt, da wird auf dreisteste Weise Eigenwerbung betrieben und da werden belangloseste Dinge gepostet. Das wertet ein Internet-Angebot nicht auf, sondern ab.

Außerdem muss man immer die Zielgruppe im Auge haben, für die ein Angebot gemacht wird. Es ist eben so, dass die Zielgruppe, die Bayern besucht, noch eher eine webmässig „gemächlichere“ Klientel ist. Das wird sich auch noch ändern, aber erst langsam. Zwischen Frau Müller aus Castrop-Rauxel und einem Blogger Ausgang 20 liegen eben teilweise Welten. Wir wollen nicht der Blogger- und Mash-Up-Szene primär gefallen, sondern unseren Kunden und potenziellen Gästen. Wenn ich, wie Österreich, um junge Snowboarder, Trendsportler und Party-People a la Ischgl, Sölden, Saalbach und Obertauern werbe, sieht das ganz anders aus. Da habe ich genau DIE “Web 2.0-Zielgruppe”.

Neueste Analysen zeigen, dass der Marketing-Effekt von Web 2.0-Anwendungen noch sehr gering ist. Dieser wird sich erst langsam entwickeln. Auf Grund unserer Business- und Profilierungsziele ist ein zu progressives bzw. prominentes Vorantreiben des Social Web und die Einbindung von diversen externen Quellen über Mash-Ups reiner (technischer) Selbstzweck. Dass das Social Web immer wichtiger wird, keine Frage. Man muss sinnvolle Entwicklungen einbinden, entweder über Mash-Ups, Integrationen oder über eine Eigenentwicklung. Z.B. wäre ein aktueller, guter, lebendiger „Bayern-Urlauber-Blog“ mittlerweile aus verschiedenen Gründen (SEO) sinnvoll. Nur scheitert das momentan am Budget und an den HR.

Auch wenn wir die Ansprüche von außen an ein „Tourismus Portal Bayern“ gut verstehen können, so fußt die Entscheidung wie sich die Website entwickelt immer auf den strategischen und ökonomischen Zielen der Marketing GmbH. Aus meiner Sicht kann „Web 2.0“ (momentan!) nur eine Ergänzung des hochwertigen Bayern.by-Angebots sein. Die Qualitätssicherung von UGC ist schwierig, noch schwieriger, wenn man externe Quellen über Mash-Ups einbindet. Das verwässert die lange und mit viel Know-how aufgebauten Marken und die dazugehörigen Angebote. Die Gefahr, eine „me-too-Seite“ zu werden ist ebenfalls groß. Man könnte natürlich fragen, wozu braucht es eine Destinations-Website überhaupt noch? Ich kann schon „über Google“ mein Hotel buchen etc. Die Antwort: Hochwertiger redaktioneller Content, hochqualitative Angebote, ein Leistungsversprechen über geprüfte, etablierte Marken. Kein Massenangebot al la „ab-in-den-urlaub.de und PLUS“. Und diesen USP, den wir (noch) haben bzw. weiter ausbauen müssen, um uns im Markt zu halten, können wir durch Social Web bzw. UGC nur behutsam und ausgewählt anreichern.

@Markus,

Vielen Dank für deinen langen Kommentar und die Erklärungen aus Sicht der BayTM. Zusammenfassend verstehe ich deinen Kommentar zunächst in der Weise, dass die BayTM den Internetauftritt Bayern.BY hinsichtlich Qualität deutlich vor den UGC Portalen einstuft. Außerdem schreibst du, dass die Contentrs auf externen (Web2.0-) Portalen dieser Qualitätsanforderung nicht gerecht werden. Und weiterhin führst du die geringe Nutzung von Web2.0 ins Feld.

HInsichtlich des Qualitätsaspekts einige Anmerkungen: Natürlich ist der eigene Content noch immer der Beste, zumindest aus subjektiver Sicht der Destination. Hier machen Kenner Angebote für den Gast. Aber Social Media Optimization heisst ja nicht das bloße Einbeziehen externer Contents in den eigenen Internetauftritt. Social media ist für mich in erster Linie das, was das Wort ausdrückt: Es it sozial – hier spricht jemand zu jemand. Individuell. Emotional. Nicht in der Werbesprache. Und das schließt den Dialog mit ein – er ist gerade zu notwendig um Emotionen einzubauen. Und Dialog heißt für mich Social Web (eigentlich ein viel besserer Begriff als Web2.0).

Qualität heißt aber auch, die Web2.0 Plattformen, über die auch gesucht wird, und auf denen Aufmerksamkeit erworben werden kann, zu bedienen. Das Netzwerk redet über Bayern, mit oder ohne die BayTM. Aber wenn sie die BayTM neben ihrem normalen Auftritt auch hier einschaltet, kann sie zusätzliche Potenziale generieren. Social Media Strategie heißt das Stichwort. Und hier nur an Mashups zu denken ist zu wenig. Und mit me-too Seiten hat das auch nichts zu tun, denn eine Social Media Strategie sehe ich als, wie diverse Kampagnen bisher bereits bewiesen haben (so auch Seaworld in den USA), eine effiziente Erweiterung der Marketingstrategie, die vgl.weise billig ausfällt im Vergleich zu “herkömmlichem” Marketing. Social Media bedeutet auch, seine Informationsaktivität und die Möglichkeit zur Ansprache durch den Gast auf eigenen UND auf externen Seiten zu betreiben. Bayern.by kann seinen Qualitätsanspruch ja über entsprechende Socialvertizer 🙂 (also Personen, die für Bayern werben möchten) auch auf externen Plattformen durchsetzen – vgl. dazu auch den Artikeln mit den Juist-Botschaftern.

Ich freue mich dieses Thema hier noch weiter und kontrovers zu diskutieren!!! Weitere Kommentare auch unabhängig von der BayTM erbeten 😉 ! Dieses Thema betrifft jede Destination!

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