Zurück nach oben
22. Dezember 2016

Hat Tourismus eine (digitale) Zukunft?

2016 – ein Jahr, das viele nicht gerade in positiver Erinnerung behalten wollen. In westlichen Gesellschaften kommen Populisten an die Macht oder werden salonfähig, klassische Reiseziele erleben politische Erdbeben (z.B. in der Türkei oder in Großbritannien). Die Tourismuslandschaft und -realität verschiebt sich! Terroranschläge auch bei uns wie gerade in Berlin, erhöhte Sicherheitsmaßnahmen überall, Grenzkontrollen im Herzen von Europa – dem Tourismus und der Tourismuswirtschaft wurde es 2016 nicht leicht gemacht. Wohin entwickelt sich also der Tourismus?

Die Zukunft des Reisens; digitalisiert oder nur noch digital? (Foto: GregSnell)

Tourismus, quo vadis?

Toll, egal welche Krise wir in den letzten 20 Jahren erlebt haben – die Reiseintensität der Deutschen ist nahezu konstant, sie bewegt sich immer zwischen 72 und 76 %. Sicherheit ist allerdings einer der wichtigsten Basisfaktoren für Reiseziele. In unsicheren Zeiten erleben sichere Reiseziele ihre Renaissance: Wald- und Wiesendestinationen freuen sich darüber gerade sehr (wie z.B. hier im Allgäu). Die Reiselaune der Deutschen ist trotz aller Krisen positiv, was der aktuelle BTW Tourismusindex aufzeigt (vgl. Grafik unten):

„Die Menschen haben trotz vieler globaler und gesellschaftlicher Herausforderungen ihre Reisefreude nicht verloren – das belegen sowohl die absolvierten Reisetage als auch der aktuelle Indexwert“ (BTW-Präsident Dr. Michael Frenzel)

 

BTW Tourismusindex Winter 2016 – Quelle: btw.de / GfK

Bisher führen also die globalen Entwicklungen zu Verschiebungen der Reiseziele, allerdings nicht zu einer Substitution – zudem wächst der Gesamtmarkt auch dank der Globalisierung des Reisens immer mehr. Aber wird das immer so bleiben?

Virtuelle Realität: eine Alternative zum Reisen?

Oft werden wir in unseren Vorträgen und Workshops gefragt, ob Virtual-Reality-Anwendungen den Tourismus substituieren können. Wir erleben zugegebenermaßen aktuell einen riesen Entwicklungssprung in diesem Bereich – die Brillen werden immer besser bzw. günstiger und sind einer der Renner im Weihnachtsgeschäft. Zudem springt die Gaming-Industrie auf das Thema auf, was der virtuellen Realität einen zusätzlichen Schub geben wird. Vor allem, wenn das Gaming noch mit sportlichen Praktiken kombiniert wird, wie das folgende Video anschaulich zeigt.

Auch das Thema virtuelle Co-Präsenz nimmt zusehends Fahrt auf. Vor allem im Business-Travel-Bereich könnte sich dadurch zeitnah eine Substitution ergeben. Wie das funktioniert zeigt das Holoportation-Projekt von Microsoft (auch hierzu ein schönes Video).

Aber sind wir schon soweit, dass Personen deshalb nicht mehr reisen? Wir glauben das nicht. Es fehlen noch relevante Aspekte – viele Sinne, die beim Reisen angesprochen werden, erreicht die virtuelle Realität noch nicht (z.B. Gerüche, Temperatur-Wahrnehmung, haptische Aspekte, …). Umso unwichtiger diese Aspekte allerdings für eine bestimmte Art des Reisens sind, desto schneller wird eine Substitution eintreten können.  Deutlich schneller aus unserer Perspektive wird aber ein anderer Sachverhalt der Digitalisierung den Tourismus weiter beeinflussen:

Die Digitalisierung des Produkts

Was definitiv DAS Thema der kommenden Jahre sein wird, ist die Digitalisierung des Produktes – wir haben in den letzten Jahren vor allem die Digitalisierung der Inspirations-, Informations-, Buchungs- und Reflektionsphase miterlebt. In diesen Phasen findet zur Zeit eine massive Konzentration der Mächte statt. Globale Player wie Booking, Google, AirBnb und Co. teilen die Felle unter sich auf. Nur eine Reisephase ist, abgesehen von einzelnen Startups bzw. App-Lösungen (z.B. GEIOS, RideOn)  bisher nicht digitalisiert – das touristische Produkt an sich! Pokémon Go hat gezeigt, welches Potential in der Verknüpfung der digitalen und realen Welt steckt. Globale Player sind 2016 erstmals mit ihren Lösungen in diesen Bereich vorgedrungen (z.B. Google Trips oder AirBnB Trips – ohne tatsächlich den Stein der Weisen gefunden zu haben. In diesem Bereich erwarten wir 2017 zahlreiche neue Anwendungen und globale Lösungen. Kennt Ihr noch Lösungen für die Digitalisierung des Produktes – d.h. die Digitalisierung der Reise selbst?

Was kommt, was bleibt?

Früher haben wir immer am Ende des Jahres Tipps für Touristiker gegeben:

7 Trends im eTourismus aus dem Jahr 2009

Social Media Trends im Tourismus 2011

25 Thesen zur Zukunft des Tourismus in digitalen Gesellschaften 2012

8 Thesen zur Zukunft der Online-Touristik 2013

10 Tipps für Touristiker 2014

Im Jahr 2015 haben wir bewusst auf einen Ausblick in das Jahr 2016 aufgrund unseres ersten Digitalen Neujahrsempfang verzichtet. Die Inhalte und Trends, die wir skizziert haben, sind auch heute noch via Präsentation und Video verfügbar.  Zudem konnten wir im Jahr 2016 unseren #Change4Destination – Workshop in Zusammenarbeit mit Innovation Norway realisieren, in dem wir 13 Thesen zur Zukunft von öffentlich finanzierten Tourismusorganisationen entwickelt haben.

Header-digitaler-neujahrsempfang-1200x444

Digitaler Neujahrsempfang mit den Themen des Jahres 2017

Im nächsten Jahr wird es wieder einen Digitalen Neujahrsempfang mit dem Team von Tourismuszukunft geben. Alle Details auch zur Anmeldung findet Ihr auf der zugehörigen Seite. Wir freuen uns sehr auf das kommende Jahr – wir lieben Veränderung und mit einer positiven Einstellung nimmt man diese Veränderungen auch ganz anders wahr. Also gehen wir es an – gemeinsam?

Wir wünschen allen Touristikern, Kunden und Freunden ein frohes und erholsames Weihnachtsfest. Wir wünschen uns von Euch, dass Ihr auch 2017 neugierig und offen den Entwicklungen gegenübersteht, die auf uns zukommen. Dazu passt ein wunderbares Zitat von Georg Lichtenberg:

Es ist nicht gesagt, dass es besser wird, wenn es anders wird. Wenn es aber besser werden soll, dann muss es anders werden!

Florian, im Namen des Tourismuszukunft-Teams.

Florian Bauhuber

... ist Geschäftsführer des Experten-Netzwerks Tourismuszukunft sowie Doktorand am Lehrstuhl für Kulturgeographie an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Bereits seit dem Jahr 2006 berät und begleitet er gemeinsam mit seinen Kollegen touristische Unternehmen und Verbände. In seinem Fokus stehen dabei unterschiedliche Beratungsschwerpunkte: #ServiceDesign #WebsiteRelaunch #ContentStrategie #Marketing #Vertrieb #Change #Innovation

Kommentare

9 Kommentare zu
Hat Tourismus eine (digitale) Zukunft?

Füge einen Kommentar hinzu
Einen Kommentar hinzufügen