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Quo Vadis Tourismus-Barcamps – unsere „konservative“ Sicht der Dinge!

Herzlichen Dank lieber Uwe (Frers), dass Du nach dem Castlecamp eine Diskussion über die Weiterentwicklung von Barcamps angestrengt hast. Ich kann die Veränderungen (alte Hasen halten sich zurück, Exekution statt Innovation), die Du skizziert hast durchaus nachvollziehen – trotzdem gehe ich nicht mit Deinen Ideen konform. Nein – noch mehr – ich verwehre mich gegen Veränderungen bei touristischen Barcamps. Mit Tourismuszukunft in der Organisation wird es diese geplanten Veränderungen nicht geben – gerne erkläre ich auch warum dem so ist.

 

Relevanz entsteht nicht durch Koordination

Eine aktive Gestaltung der Themen „relevantere Sessionthemen“ durch den Organisator halte ich für nicht sinnvoll. Eine Vorbereitungssession sehe ich ebenso problematisch – Barcamps haben nicht umsonst klare Regeln – die Teilnehmer definieren die Sessions. Hier gibt es aus meiner Sicht eine einzige Stellschraube – und das ist die Beschreibung durch den Moderator vor der Sessionplanung. Uwe, wenn ich mich recht entsinne, hast Du beim Tourismuscamp im Januar noch zu mir gesagt, dass Du es inhaltlich sehr stark fandest. Wir nehmen uns beim Tourismuscamp und ebenso beim Hotelcamp immer die Zeit auch den Neulingen zu erklären, dass sie auch eine Frage als Session anbieten können und sich eine Moderator suchen sollen, falls sie das nicht selbst moderieren wollen – lieber Rainer Edlinger – evtl. musst Du Dir hierfür beim Castlecamp einfach mehr Zeit nehmen. Das Ergebnis ist, dass zwar auch für die älteren Hasen „banale“ Themen diskutiert werden – aber auch die alten Hasen können diese Frage stellen und sind nicht gezwungen sein, immer etwas Neues zu präsentieren. Daniel Steiner von der Österreich Werbung hat in einem Gespräch mit ihm über dieses Thema einen schönen Satz gesagt: „Wer will eine Session zu einem Thema anstoßen ist besser als wer will eine Session zu einem Thema halten.“

Kritik: Mut statt Unmut

Ich bin auch der Meinung, dass es keine festinstallierten Kritiker bei einem Barcamp geben sollte – denn dann wird diese Reflektion auf zwei Personen ausgelagert, die eine Rolle spielen müssen. Aus meiner Sicht muss sich hier jeder an die eigene Nase fassen – traut Euch einfach Eure Gedanken bei den Barcamps los zu werden. Von vielen Personen habe ich nach den Sessions unter vier Augen offene Kritik zu Themen und Statements gehört (z.B. „wieso stellt die ÖW eine Projekt vor, traut sich aber nicht was zu den Kosten zu sagen“; „diese Reiseblogger überschätzen sich maßlos“; „ich hätte ja gern was gesagt, aber irgendwie hat es dann nicht mehr gepasst“) – nur keiner hat sie im Plenum ausgesprochen. Warum? Es mangelt nicht an Kontroverse – es mangelt an Mut die Kontroversen zu äußern.

 

Der unnötige Schrei nach anderen Branchen

Gerne wird bei touristischen Veranstaltung nach anderen Branchen gerufen, da eine Innovationsarmut im Tourismus identifiziert wird. Dem ist aber nicht so… wir sind innovativer als viele andere Branche – wir durchleben Trends, Technologien und Innovation oft viel früher als das in anderen Branchen der Fall ist – der Mythos, dass der Tourismus nicht innovativ ist – lasst ihn uns gemeinsam begraben. Lasst uns lieber unsere gemeinsamen Wissenschatz heben – dafür braucht es schon wieder Mut. Mut zur Transparenz – auch eigene Fehler offen zu legen, oder einfach nur die eigenen Erfahrungen – nur dann können wir voneinander lernen. Wenn andere Veranstaltung aufgrund der starren Organisation diesen Input brauchen – touristische Barcamps brauchen ihn nicht.

Unser Fazit: Die wahrgenommenen Probleme liegen nicht im Format begründet – nein, Ihr habt es in der Hand!

Freu mich auf Eure Gedanken… und natürlich auf ein Wiedersehen beim größten Hotelcamp aller Zeiten in Bendorf, Touristikcamp in Köln oder beim 8. Tourismuscamp in Eichstätt!

3 Kommentare zu
Quo Vadis Tourismus-Barcamps – unsere „konservative“ Sicht der Dinge!

Liebe Touristiker, lieber konstruktiv schimpfen als gar keinen Meinungsaustausch!
1. Ich habe volles Verständnis für Uwe und Kollegen: Was nützt es, wenn ich auf Barcamps im Sinne der Sache bereitwillig mein Wissen preisgebe, um anschließend meine Ideen von anderen „gebenchmarkt“ unter fremder Flagge im Markt wieder zu finden? Dann hält man(n) zunehmend einfach den Mund und tauscht sich nur mit Vertrauten/Freunden aus.
2. Was spricht dagegen Barcamps weiterzuentwickeln? Das bedeutet nicht, dass Nischenthemen ausgelassen werden sondern dass man das Auditorium im Vorfeld abfragt und (Trend-)themen nicht erst am Starttag die Punkte – weitestgehend sinnvoll – verknüpft. Damit würden den Schüchternen unter den Teilnehmern ggf. auch ein bisschen das Lampenfieber genommen 😉
3. Der interessanteste Punkt dürfte sein: Wie schafft man es neue Interessenten am Barcamp xy auf Augenhöhe abzuholen und das Dauerhaft?
Ansonsten läuft sich (wahrscheinlich) diese geniale Idee tot.
4. Führt bitte auch eine Teilnahmegebühr ein, die im Sinne der Sache auch nicht mehr zurückerstattet wird. Es wurmt mich jedes mal erneut, wenn ich die 20-40 Namensschilder der Nichtgekommenen sehen muss, die anderen damit eine Teilnahme unmöglich gemacht haben.

Gruß Michael

Hi Michael,

danke für Deinen Input. Ich fange mal von hinten an – die Anzahl der Namensschilder entspricht nicht den No Shows. Wir drucken die Namensschilder schon ca. 2 Wochen vor dem Camp. Da sind viele dabei, die vor dem Camp abgesagt haben. Nichts desto trotz kann ich das Argument mit der Teilnahmegebühr verstehen. Die Hürden das gemeinsam mit der Uni durchzuführen (Bürokratie) haben uns bisher davor zurückschrecken lassen.

deinen 3. Punkt: wie oben geschrieben – meine Meinung – durch gute Moderation

zu deinem 2. Punkt: inhaltlich bin ich voll bei Dir – inhaltlich darf und soll es sich weiterentwickeln – nur das Format, der Rahmen soll gleich bleiben.

zum ersten Punkt: das ist eine Frage der Einstellung – warum stellt z.B. Tesla sein komplettes Wissen via Patente bereitwillig zu Verfügung – weil sie wissen, dass sie schneller und agiler in ihrer Kernkompetenz sind als alles anderen. Wissen ist vergänglich, die Fähigkeit neue Praktiken und neues Wissen zu implementieren nicht – darin liegt die tatsächliche Stärke von innovativen Unternehmen. Deshalb haben wir keine Angst unser Wissen preiszugeben.

Liebe Grüße,
Florian

Hi fellows,
ich war zwar heuer nicht dabei, daher nur 2 Anmerkungen…
@ Michael: you are, what you share, schon vergessen? Deine Denke kommt aus der Zeit 1.0 (außerdem: Ideen können nur immer Inspirationen sein, muss ohnehin jeder auf Herz und Nieren prüfen, ob das überhaupt für ein anderes Produkt passt…)
@ Florian: dass die touristische Branche weiter vorne ist, hab ich gemerkt, als ich mal vorübergehend für eine Werbeagentur gearbeitet habe und dort mit zig anderen Branchen konfrontiert war.
Das Problem ist jedoch: wir sind zwar in der Denke innovativ (viele, nicht alle….), aber in den Strukturen uralt und das hemmt….
Ich hoffe halt immer bei so manchem auf einen Generationswechsel…:-)

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Florian Bauhuber

... ist Geschäftsführer des Experten-Netzwerks Tourismuszukunft sowie Doktorand am Lehrstuhl für Kulturgeographie an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Bereits seit dem Jahr 2006 berät und begleitet er gemeinsam mit seinen Kollegen touristische Unternehmen und Verbände. In seinem Fokus stehen dabei unterschiedliche Beratungsschwerpunkte: #ServiceDesign #WebsiteRelaunch #ContentStrategie #Marketing #Vertrieb #Change #Innovation