Apple Keynote – War da auch was für den Tourismus dabei?

Gestern Abend mitteleuropäischer Zeit eröffneten Tim Cook und Craig Federighi die Entwicklermesse WWDC traditionell mit der Apple-Keynote. Weder das von vielen erhoffte iPhone 6 noch die iWatch wurde  vorgestellt, dafür aber unter anderem die neuen Apple-Betriebssysteme iOS X Yosemite für den Mac und iOS 8 für iPad und iPhone. Und bei der Einführung von iOS 8 gab es auch einen Punkt, der mich hellhörig werden ließ – die Vorstellung von HomeKit. HomeKit dient der Heimautomation. So soll es möglich sein, über sein iPad oder iPhone vom Sofa aus alle möglichen Geräte in seiner Wohnung/seinem Haus zu steuern. Rollläden hoch und runter fahren, Heizung an- und ausschalten, Garagentor öffnen, Kaffeemaschine starten, den Garten gießen, etc. pp.

Homekit für Hotels?

Ein spannender Punkt: Wäre das nicht was für die Hotellerie? Stellen wir uns doch mal vor, wir kommen in unser gebuchtes Hotelzimmer. Draußen ist es noch hell bei 31 Grad. Die Sonne scheint direkt ins Zimmer. Das Licht ist natürlich wie immer an, der Fernseher auch. Es hat ungefähr 28 Grad im Zimmer. Die Klimaanlage ist aus. Was machen wir?

Wir schalten erst mal das Licht aus, gehen zum Fernseher und schalten diesen ebenfalls aus, da er uns nur nervt. Wir gehen zum Fenster und fahren die Sonnenjalousie runter. Danach schalten wir die Klimaanlage an und drehen am Rädchen die Temperatur auf 21 Grad.

Und jetzt stellen wir uns mal vor, dass im Hotelzimmer alle elektronischen Geräte mit HomeKit steuerbar sind.

Wir betreten also wieder unser Hotelzimmer. Diesmal mit dem iPhone in der Tasche. Draußen ist es noch immer hell mit 31 Grad im Schatten und direkter Sonneneinstrahlung in das Hotelzimmer. Licht und TV sind an, Klimaanlage aus und es mindestens 28 Grad im Zimmer.

Wir starten Siri einfach durch das aussprechen von „Hey Siri“ (auch eine Neuerung unter iOS 8) und sagen: Licht aus, TV aus, Jalousie herunterfahren, Klimaanlage auf 21 Grad schalten. Dann gehen das Licht und der TV aus, die Jalousie fährt herunter und die Klimaanlage hoch. Das alles während wir unseren Koffer abstellen und die Badehose raus holen.

Jetzt sagt ihr vielleicht: „Brauch ich nicht. Wegen den paar Minuten. Im Urlaub auch egal.“ – Klar, es sind nur ein paar Minuten täglich! Aber angenehmer und einfacher ist es trotzdem, oder? Wenn es das gibt, warum soll ich es nicht nutzen? Auf Geschäftsreisen sowieso. Und eben auch im normalen Urlaub. Aus meiner Sicht absolut denkbar. Vor allem wenn man bedenkt, dass man oft nicht weiß welcher Schalter für welches Licht gedacht ist, man schon im Bett liegt und die Lampe über der Tür dann doch nicht vom Bett aus ausschalten kann….

Und es wäre eine Win-Win-Win-Situation. Ein Win für den Gast, weil er sich nicht mehr mit Nebensächlichkeiten und suchen nach Lichtschalter, Fernbedienung oder anderen Schaltern beschäftigen muss und alles von seinem aktuellen Standpunkt durch Sprache im Zimmer steuern kann. Ein Win für das Hotel, da der Gast zufriedener ist. Und auch ein Win für die Smart-Home-Anbieter, weil der Gast das erste Mal mit ihren Geräten in Kontakt kommt und sich das dann evtl. auch für zu Hause vorstellen kann.

Was das für den Datenschutz bedeutet, möchte ich an dieser Stelle gar nicht erst erörtern. Da reicht ein Blogartikel wohl gar nicht! 😉 Aber davon abgesehen halte ich HomeKit nicht nur für zu Hause sondern auch für den Urlaub als wirklich spannende Möglichkeit den Alltag zu vereinfachen.

Wirklich neu?

Ähnliche Lösungen  für Hotelzimmer gibt es übrigens schon. Hier möchte ich mal CitizenM-Hotels  erwähnen – in deren Zimmern kann ich viele der obig definierten Funktionen bereits via digitaler Devices steuern. Es gibt aber zwei aus meiner Sicht große Unterschiede zu HomeKit:

1. Bieten die bisherigen Lösungen kein All-In-One-Paket.

2. Muss der Gast immer  – und das ist für mich der größte Unterschied – mit einem Tablet, das im Zimmer zur Verfügung gestellt wird, die Steuerung übernehmen bzw. Informationen abrufen. HomeKit bietet ihm erstmals die Möglichkeit mit dem eigenen Smartphone/Tablet zu aggieren und nicht erst das zimmereigene Tablet suchen zu müssen.

Was haltet ihr von der Idee der Integration von HomeKit in Hotelzimmern? Könntet ihr euch vorstellen, dass ein Hotel mal eine Art Pilotprojekt zusammen mit Apple und den kooperierenden Anbietern startet? Oder spielt da Apple keine Rolle, sondern bereits bestehende Anbieter? Und wird sich das überhaupt in Hotels durchsetzen (können)?

Viele Grüße,

Ben.

8 Kommentare zu
Apple Keynote – War da auch was für den Tourismus dabei?

Nette Idee – ich bin auch auf mehr Details zum HomeKit gespannt. Letztlich wird sich aber erst noch heraus stellen müssen welcher Standard sich durchsetzt. Bei der Heimautomation sind ja viele namhafte Unternehmen im Ring (Google, etc.).
Was aus meiner Sicht bisher noch garnicht im Tourismus betrachtet wird sind iBeacons. Im Handel werden sie jetzt langsam entdeckt. Ich glaube allerdings, dass sich damit sehr spannenden (und bezahlbare) Projekte für den Tourismus realisieren lassen.
Sei es der interaktive Museumführer, eine neue Form von Stadtrundgang oder auch das ‘selbsterklärende’ Hotel.

Hallo Frank,

ja, da müssen wir wohl noch etwas abwarten. Aber die Möglichkeiten scheinen vielversprechend zu sein.
Allgemein finde ich, dass diese Thematik und die Möglichkeiten im Tourismus alle noch viel zu wenig Beachtung finden. Dabei wären die Möglichkeiten so vielfältig.

Grüße,
Ben.

Dies setzt voraus, dass dem Kunden ein entsprechendes Gerät bereitgestellt wird oder er aber direkt über ein iPhone verfügt (man kann ja nicht davon ausgehen, dass Android auf dieselben “Standards” setzen wird) und alles fertig eingerichtet ist. Zudem müsste man davon ausgehen, dass bei solchen vorkonfigurierten “Szenen” alle Parameter bereits so gesetzt sind, wie sie der Kunde wünscht (Temperatur etc.) – und da ist sicherlich jeder anders eingestellt. Ist dies nicht der Fall, dann ist der Status Quo wohl wesentlich schneller und weniger fehleranfällig. Heimautomatisierung in der eigenen Wohnung ok, denn dort spielt sich eine Routine ein und man weiß, was man genau mag. Aber in einfachen Hotelzimmern sehe ich dabei keinen großen Vorteil. Von der Werbewirksamkeit für die ersten Anbieter mal abgesehen.

Eigentlich müsste es doch so sein, dass alles schon richtig eingestellt ist, wenn ich ins Zimmer komme… 🙂

Tim

Toll wäre es schon, wenn man den Zugang damit erleichtern könnte. Wir haben mit Ferienhausvermietung zutun. Bei 130 Objekten heißt das 130 verschiedene Schlüsselsysteme ! Hier würde man es nicht nur dem Gast einfacher machen … sondern auch dem Hausmeister und dem Reinigungspersonal.

Hallo,

Ziemlich weit hergeholtes Szenario. Zudem gehört es in guten Hotels zum Standard, ein Zimmer entsprechend für die anreisenden Gäste vorzubereiten. Etwas weiter gedacht wäre das konzept aber sehr spannend. Nämlich dann wenn ich die Technik nutze um HR Kosten zu sparen oder die – nennen wir es Komfortdetails – via CRM an die Vorlieben der Gäste zu koppeln.

VG Daniel

@Robert: Das ganze setzt natürlich erst mal voraus, dass der Kunde ein iPhone hat. Oder man ihm eben eins zur Verfügung stellt.
Wieso müssen die vorkonfigurierten „Szenen“ denn alle Parameter gesetzt sein? Das ist doch eben das schöne daran, dass der Kunde die für ihn passenden Parameter selbst setzen kann.
Hier sehe ich übrigens einen Vorteil in Verbindung mit der Heimautomation: Nutze ich HomeKit zu Hause, kennt mein iPhone meine Vorlieben schon und kann diese (vielleicht sogar schon vor Anreise bzw. während der Anreise) auf mein Hotelzimmer anwenden. Das Hotelzimmer greift praktisch auf die Routine von zu Hause zurück.

@Ulrike: Ja klar. Das Beispiel ist ja auch bewusst etwas extrem gewählt. Aber während du vielleicht lieber 23 Grad im Zimmer hast, habe ich eher 19 Grad im Zimmer. Außerdem nervt es mich jedes mal, dass der TV an ist. Du findest das aber vielleicht gar nicht so schlecht. „Richtig“ liegt eben im Auge des Betrachters! 🙂

@Tim: Unbedingt! Der erste Schritt für euch wäre hier aber erst mal ein einheitliches Schlüsselsystem! 😉 Das dann vielleicht auch wahlweise mit dem eigenen Smartphone oder mit einem separaten Gerät (falls wer kein Smartphone hat) zu bedienen ist. Ich denke NFC ist hier ein gutes Stichwort.

@Daniel: Das Szenario ist vielleicht etwas extrem, sicher aber nicht weit her geholt. In Deutschland trifft es vielleicht etwas weniger zu – das stimmt. So oft haben wir ja nicht über 30 Grad. Aber geh doch mal ins Ausland. Da ist es oft so, dass sich die Klimaanlage im Hotelzimmer ausschaltet, wenn man die Schlüsselkarte zieht, da der gesamte Strom im Zimmer abgeschalten wird. Es kann nach einem langen Strandtag also doch 28 Grad im Zimmer haben. Und wenn das nicht der Fall ist, dann könnte die Klimaanlage aber zum Beispiel runter fahren, wenn der Gast das Hotel verlässt. Spart (Energie-)Kosten für das Hotel. Ich denke hier gibt es sehr viele denkbare Szenarien auch über HR hinaus.
Die Komfortdetails, wie du es nennst, sind ja eben genau die, auf die dieser Blogartikel abzielt. Eben nicht aufstehen zu müssen um doch noch ein Licht aus zu machen und erst noch den richtigen Lichtschalter zu finden.
Was du ein ziemlich weit hergeholtes Szenario nennst, habe ich leider alles schon erlebt – nicht unbedingt alles in ein und demselben Hotel, aber in verschiedenen Hotels ist mir das alles schon unter gekommen. Ansonsten verweise ich nochmal auf meine Kommentare zu deinen Vorschreibern.

Viele Grüße und ein schönes Pfingstwochenende euch allen,
Ben.

Ich bin davon überzeugt, das sich auch in der Tourismusbranche die Technik und die Möglichkeiten von SmartHome-Systemen durchsetzen werden. Ist momentan nur eine Frage der Zeit, aber der Markt im Home-Bereich boomt momentan. Ob nun gerade HomeKit und Apple eine große Rolle spielen, ist noch dahin gestellt. In den letzten Wochen strömen immer mehr Anbieter und Systeme auf den Markt. Worauf man achten sollte, ist die Kompatibilität zu anderen Geräten und die Möglichkeiten zur Erweiterung des Systemes. Hier gibt es momentan schon gute Ansätze, welche aber erst noch umgesetzt werden müssen.

Gruß Gregor

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Benjamin Gottstein

...ist Netzwerkpartner im Bereich Market Research bei Tourismuszukunft. Er studierte den Bachelor Geographie mit Schwerpunkt Freizeit, Tourismus und Umwelt an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Seit 2010 arbeitet er als Praktikant, Werkstudent und seit 2012 als Projektleiter im Bereich Market Research bei Tourismuszukunft. In seiner Bachelorarbeit beschäftigte er sich mit dem Thema Crowdsourcing. Seine Schwerpunkte sind im Bereich Keywordanalysen, Markenwerte, KPIs, Potentialanalysen und Crossmedia.