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Big Data im Tourismus auf den VIR Online Innovationstagen 2013

Hallo :)!

Aktuell bin ich auf den Online Innovationstagen des VIR (Verband Internet Reisevertrieb) in Berlin und bin gespannt auf das heutige Programm voller Vorträge, Diskussionen und Sessions zum Thema “Multi Cross-Channel” im Tourismus. Mit einer kurzen Eröffnung von Michael Buller ging es gerade los – den Tag über geht es um 3 große Themen:

  1. BIG DATA (um das Thema Daten und Analyse soll es hier im Blogartikel gehen)
  2. Cross Channel
  3. Customer Journey

Kurz zur Keynote zu Big Data, Cross Channel und Customer Journey im Tourismus…

In der Keynote von Professor Wippermann vom Trendbüro gab es einen Blick auf aktuelle Entwicklungen und Applikationen im Onlinebereich. Mir fehlte neben der umfangreichen Vorstellung aktueller Unternehmen und Ideen teilweise der rote Faden im Vortrag – die tiefen Auswirkungen auf die Strukturen der touristischen Produktion und des Vertriebs im Tourismus. Neue Entwicklungen sind das Eine, jedoch bleibt das große Fragezeichen ungelöst, wo und an welchen Stellen, diese neuen Ansätze in bestehende und zukünftige Business Cases etablierter Großkonzerne im Tourismus auf welche Weise integriert werden könnten. Selbst wenn es nur Ideen wären, wäre dies ergänzend zu dem gründlichen Überblick noch ein spannender Einblick gewesen.

Die Zusammenfassung traf dann den Nagel auf den Kopf und brachte einige spannende Aspekte mit:

  • Das Netzwerk wird zur Familie (mit 38% aller Onliner, die auf Facebook sind beispielsweise) und damit hoch relevant für Entscheidungsprozesse.
  • 76% der Facebook User nutzen Facebook zur Planung Ihrer Reisen. 
  • Facebook wird als Datenquelle zur Zielgruppenanalyse immer relevanter und Großbanken (beispielsweise), die über ihre Transaktionssysteme auch viele Konsumvorlieben ihrer Kunden kennen, sehen Facebook in diesem Bereich Consumer Big Data als (künftigen) Mitbewerber.

Thema 1: Big Data im Tourismus und im Reisevertrieb

Im weiteren Verlauf des Vormittags ging es dann rund um das Thema Big Data. In Deutschland und auch in der deutschen Tourismusbranche gibt es zahlreiche Ansätze, bei denen vorrangig Daten gesammelt werden. Jedoch sind nicht viele Ansätze bekannt, bei denen dieses Daten sammeln auch in einen standardisierten Prozess mündet, mit welchem im Sales oder Produktmanagement (in realtime) bessere Ergebnisse erwirtschaftet werden – provokativ gesagt braucht es eine Abkehr vom Sammeln zum Nutzen. Vorher ist man auf die bisherigen Modelle zur Entscheidungsfindung angewiesen – sobald Big Data anwendungsbezogen wirklich funktioniert, werden viele Modelle nicht mehr so stark benötigt werden bzw. können deutlich präzisiert werden – bisher sind Modelle oftmals zwar nützlich aber nur teilweise korrekt.

In einer spannenden Session der Uni Lüneburg wurden 4 zentrale Fragen für Big Data Projekte herausgearbeitet:

  1. Was ist das Problem? – welche Kernfrage soll mit dem geplanten Big Data Projekt gelöst werden? Es reicht nicht, sich zu fragen “Wie machen wir mehr Gewinn?” – es braucht konkrete Fragen. Erst dann kann Big Data seine Power wirklich auf die Straße bringen. 
  2. Wie kommt man zur Lösung? – was ist die Hypothese und der damit verbundene Lösungsweg? Welche Daten werden benötigt und mit welchen Fragen müssen diese Daten analysiert werden? Muss es in realtime mit der entsprechenden Rechenpower passieren, oder handelt es sich um eine einmalige Analyse?
  3. Wie gut ist die Lösung? – Wie gut und sicher ist die Prognose, welche durch die Analyse vorgenommen wird? Hier geht es um die Qualität der Analyse, der verwendeten Daten, der Komplexität der Analyse und der vorausgehenden Problemstellung.
  4. Wie ist das Kosten-Nutzen-Verhältnis? Lohnt sich das Ganze überhaupt, oder übersteigen die Kosten den wirtschaftlichen Nutzen durch mehr Umsatz bzw. reduzierte Kosten? Was ist die Amortisationszeit und was sind Betriebsrisiken, die neuerliche Kosten oder Disfunktionen verursachen können?

Nicht zu vergessen im Rahmen dieser ganzen Diskussion sind meines Erachtens zwei wichtige Erfolgsfaktoren rund um das ganze Thema Big Data:

  • Geeignete HR – nur mit den richtig qualifizierten Mitarbeitern gibt es die Chance solche Projekte umzusetzen. Es gibt bisher wenig Studiengänge und am Arbeitsmarkt wenig Personen mit diesem Kompetenzprofil – eine große Lücke für die Zukunft.
  • Geeignete IT und neue Strukturen für realtime big data usage – nur wenn es gelingt, a) geeignete Modelle zur Nutzung von Big Data in spezifischen Kontexten / nach Erfordernissen zu erarbeiten / zu konzeptionieren und nur wenn es gelingt, diese Modelle mit den zugehörigen Rechenoperationen in die Produktions- und Vertriebssysteme, speziell im Bereich X-Veranstalter, einzubetten, bestehen Chancen auf Realisierung. Hier warten große technische Projekte auf Konzeption und Umsetzung in der Zukunft, die vermutlich noch die Komplexität touristischer Buchungssysteme übersteigen bzw. exponentiell erweitern.

Tourismus & Big Data Podiumsdiskussion …

  • Eher Evolution wie Revolution: Big Data ist ein stark gehyptes Thema von zukünftig hoher Relevanz, aber bislang gibt es wenig fundierte Entwicklung und nur erste Ansätze mit Qualität aus der Wissenschaft.
  • Datenschutz ist ein Thema und ist auch großen Akteuren wie Facebook wichtig. Natürlich versucht man aber bestehende Limits einvernehmlich mit der Gesetzgebung auszuschöpfen, um den Kunden zu helfen ihr Business möglichst gut zu machen und die CPO (cost per order) zu minimieren.
  • Datenschutz – naja, also Facebook sitzt nicht ohne Grund in Irland und Datenschutz Gesetze sind nicht dazu gemacht worden, Werbetreibenden zu helfen, so Hanjo Vogel von Beiten Burkhardt, einer wirklich renommierten Onlinerecht-Kanzlei. Das Argument sobald man online geht sowieso den Schutz persönlicher Daten aufzugeben von Prof. Wippermann sieht er nicht so und vergleicht mit dem Auto, das ja auch tödlich sein kann – in wenigen % der Fälle aber nur.
  • Big Data hilft Modelle zu entwerfen – wer sind meine Kunden, was muss ich ihnen zeigen, um mehr zu verkaufen? Jedoch scheitert das vor allem an der physischen Struktur der momentan üblichen eCommerce- und Tourismusvertriebssysteme.
  • Schlechte Erfahrung mit Echtzeit-Aussteuerung von Media Displays hat sich im letzten halben Jahr stark innoviert und damit sind schlechte Erfahrungen aus der Vergangenheit Geschichte – heute gibt es eine stark veränderte technische Basis.

Das als Schlaglicht auf das Thema Big Data zur heutigen Veranstaltung des VIR in Berlin. Ich freue mich über weitere Inputs, Beispiele und Anregungen, hier in den Kommentaren.

Liebe Grüße,

(XING)

 

3 Kommentare zu
Big Data im Tourismus auf den VIR Online Innovationstagen 2013

klingt spannend. Big data im Tourismus kommt mir irgendwie bekannt vor. Ich schätze, dass die Herausforderung auch darin liegt, die Datensätze sinvoll zu verbinden: Sprich, ein interlligentes Social CRM zu implementieren, das von der Buchungsseite bis zum Social Media Traffic Daten anreichert. Natürlich hat man in Deutschland dann immer das Veto mit der Datensparsamkeit. Insofern bleibt vorerst den Unternehmen nicht viel anderes als cluster-arbeit zu betreiben.

Viel Spaß und Grüße aus der berliner Nachbarschaft.

Hallo Zusammen! Ich bin Mitgründer eines Start-Ups mit Namen Qaribu.com. Wir arbeiten seit mittlerweile 1 1/2 Jahren an einer neuartigen Online Travel Agency und unser Ansatz sieht zusammengefasst wie folgt aus:

Der Schlüssel liegt in der Verbindung und Auswertung von Reiseprodukten aller Art auf der einen Seite und sozialem und kommerziellen Verhalten der Nutzer auf der anderen Seite. Durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz in Form von Algorithmen werden Angebote auf das Nutzungsverhalten passgenau zugeschnitten.

Sämtliche touristischen Angebote auf nur einer Website, ein innovatives Dashboard zur übersichtlichen Planung jeden Reisetages, öffentlich sichtbare Reisetagebücher zur Inspiration, passgenaue Angebote durch die Auswertung sozialer Daten und des Nutzerverhaltens – alles in einem Netzwerk.

Qaribu.com….

…demokratisiert Reisen. Reiseverläufe beinhalten ein intelligentes und authentisches Feedback von Usern und können vollständig (auch bei Facebook) publiziert werden. Dies gibt uns die Möglichkeit Reiseverläufe anzubieten, die demokratisch vom sozialen Pool erstellt, verändert und bewertet wurden.

…bietet die Möglichkeit, ganze Reiseeabläufe mit mehr als nur einer Person zu planen. Reisepartner können in die Planung, auch nachträglich, einbezogen werden, wodurch die Reise gemeinsam modifiziert, geteilt und gekauft werden können.

…sozialisiert das Reisen. Gemeinsam erstellte Reiseverläufe dienen gleichzeitig als gemeinsames Reisetagebuch. Reisende die sich zur selben zeit in den selben Hotels, Destinationen oder Touren aufhalten, können sich nach Freigabe schon im Vorfeld kontaktieren. Fotos und Videos können ganz simpel über das Dashboard mit den Reisepartnern oder einer ganzen Community in anderen sozialen Netzwerken geteilt werden.

…speichert Reiseverläufe. Preise von Reisen, welche oft unternommen werden oder von denen geträumt wird, werden bei jedem Log-In automatisch aktualisiert. Anhand dessen kann der optimale Kaufzeitpunkt abgeschätzt werden. Wichtige Dokumente, Tickets und anderes Reisematerial können in einem gesicherten Bereich hinterlegt und bei Bedarf aufgerufen werden.

…belohnt. Affiliate Programme ermöglichen den Usern, publizierte Reiseverläufe bei Klick automatisch zu laden oder selbst mit Reiseverläufen auf z.b. Reiseblogs zu Affiliates zu werden. Die Reiseverläufe bleiben dynamisch und können weiter modifiziert werden.

Das ist Qaribu.com – die erste soziale Online Travel Agency.

Mittlerweile haben wir ein marktreifes Produkt entwickelt, welches aber zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht online ist. Durch einen bereits integrierten direkten Anschluss zum Sabre Travel Network (http://www.sabretravelnetwork.com) haben wir Zugriff auf eine enorme Datenbank touristischer Dienstleistungen (mehr als 93.000 Hotels, 400 Airlines, 25 Rental-Car Marken etc.), die fertig zum Verkauf stehen. Eine Schnittstelle zu Foursquare (http://www.foursquare.com) stellt die Einbindung sämtlicher touristischer Attraktionen sicher. Die Einbindung kleinerer Unternehmen bis hin zu Privathaushalten über ein internes System ist in der Entwickelung.

Wir sind ein junges Team bestehend aus Analysten, Webdesignern, Programmierern, Tourismusmanagern und BWL’ern und programmieren und designen seit nunmehr 15 Monaten an unserer Website. Um einen zeitnahen Markteintritt planen und finanzieren zu können, sind wir nun auf der Suche nach branchenaffinen Interessenten, Investoren und Business Angels, die uns durch Know-How und/oder Investitionskapital unterstützen möchten.

Bis heute haben wir uns durch Eigenkapital und Subventionen eines Innovationsfonds finanziert, fühlen uns aber mittlerweile in der Lage größeres Kapital aufzunehmen und mit ein wenig Hilfe den Launch anzugehen.

Habe ich Ihr Interesse geweckt? Sind sie Investor? Business Angel? oder haben Zugriff auf Kapital? Zögern Sie nicht, mich anzuschreiben!

Oliver Schroeder

Scheint, obwohl zum Teil keine neuen Ansätze gezeigt wurden, eine interessante Veranstaltung gewesen zu sein. Ich konnte diesmal leider nicht dabei sein. Der Blogbeitrag fasst es aber denke ich gut zusammen. Danke dafür.

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