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Neue Content Distributions Möglichkeiten für den Tourismus!? – Apps für Autos

Wer kennt das nicht: Man ist allein mit dem Auto unterwegs und braucht z.B. noch ein Hotelzimmer für die Nacht oder man benötigt spontan Infos über einen Campinplatz in der Nähe, möchte aber tunlichst verhindern das Handy während der Fahrt zu benutzen um damit dann einen möglichen Unfall zu provozieren. Dieses Szenario könnte bald der Vergangenheit angehören.

Freie Entwickler können nun Apps für Automobilhersteller programmieren

Die Kreativität der Masse hat nun auch Einzug in der Automobilbranche gefunden – zumindest bei der Mitgestaltung der Infotainment-Systeme. Die Entwicklung von Motoren und Bremssystemen wollen die Autohersteller doch noch selber machen ;). Im Konkreten heißt das, dass z.B. Ford und GM ihre Softwareschnittstellen (APIs) ihrer Autos im Bezug auf ihre Multimediasysteme für freie Entwickler geöffnet haben.  Von nun an können Apps geschrieben werden, die in den Systemen der beiden Autohersteller laufen.

Bei Ford und GM werden dabei  verschiedene Ansätze verfolgt: Ford will in Zukunft das Smartphone des Autofahrers nutzen. Die Apps werden dort wie gewohnt installiert und laufen dann über eine Schnittstelle  im werkseigenen Infotainment-System. Bedient werden können die Apps dann via Sprachsteuerung. GM geht einen anderen Weg und will die Apps direkt auf dem System installieren. Dazu wird eine eigene Plattform eingerichtet, vom der der User die Programme direkt herunterladen kann.

Bei dieser neuen Thematik stellen sich jede Menge Fragen, die ich versucht habe hier einmal zu sammeln und zu beantworten:

Wo können Entwickler die Schnittstellen nutzen?

Über sogenannte SDKs (Software Development Kits) – also einfacher gesagt Werkzeugkästen für den Programmierer, können Entwickler Anwendungen für die Hersteller schreiben – fast alle Autohersteller verfolgen oder planen derzeit eine solche Strategie. Die entsprechenden Plattformen z.B. gibt’s hier: GM und Ford

Warum gehen Autohersteller diesen Weg?

Mit diesem Schritt versuchen die Konzerne eine derzeit noch vorhandene Lücke im Leben ihrer  digital vernetzten Kunden zu schließen. Bis dato steigt man ja ins Auto und begibt sich in eine „nicht-digitale“ Welt – erst wenn man wieder aus dem Auto steigt, kann man sein digitales Leben wieder weiterführen. Den Herstellern geht es um die Kombination von Mobilität und Konnektivität und um die Integration des eigenen Smartphones in das Fahrerlebnis.

Welche Vorteile ergeben sich dadurch für den Autofahrer?

Naja liegt ja irgendwie ganz klar auf der Hand: Man kann all das machen, was man auch im Büro, beim Warten auf die Straßenbahn, oder auf dem Sofa tut: mobiles Internet in all seinen Facetten nutzen. … und das endlich auch legal! 😉

Nur Edge-Netz und dann?

Schlechter Empfang und dann?  Um diesem Problem aus dem Weg zu gehen und eine schnelle Übertragung für sein Infotainment-System zu gewährleisten, testen einige Hersteller LTE-Datenverbindung in ihren Fahrzeugen.

Unterschiede und Herausforderungen zu normalen Apps?

Der wesentliche Unterschied und auch zugleich die Herausforderung von Apps im Auto besteht darin, dass die Programme so angelegt werden müssen, dass Sie den Fahrer während der Fahrt (und das auch bei höheren Geschwindigkeiten) nicht ablenken dürfen. In der Praxis bedeutet das, dass die App nur die Informationen anzeigt, die der Fahrer im Moment in der jeweiligen Situation braucht. Zum Beispiel eine kurze Information über das nächste verfügbare Hotelzimmer mit einem Buchungsbutton.

Was bedeuten diese Neuen Möglichkeiten für den Tourismus?

Durch diese neuen Entwicklungen ergeben sich nicht nur viele neue Möglichkeiten für den User, sondern auch für Unternehmen aus dem Tourismus: u.A.

  • Neue Möglichkeiten für die Contentdistribution
  • Buchbarkeit von Hotels und Angeboten direkt im Auto
  • Inspiration der Mitfahrer über den Zielort, oder für einen spontanen Aufenthalt/Erlebnis
  • gezielte Werbekampagnen für den Autofahrer
  • Live-Informationen z.B. über Flugplanänderungen, oder ob das Hotelzimmer schon früher bezugsfertig ist
  • usw. usw.

Was denkst ihr über diese aktuellen Entwicklungen? Wo seht ihr die Herausforderungen? Kennt ihr schon konkrete Best-Practices?

LG

Euer Daniel S.

 

8 Kommentare zu
Neue Content Distributions Möglichkeiten für den Tourismus!? – Apps für Autos

Marco Riederer

Ich bin zwar selbst ein Freund von digitaler Information – vor allem immer und überall. Aber ich stehe dieser Entwicklung mit meinem derzeitigen Wissensstand noch eher kritisch gegenüber, da ich den „Ablenkungs“-Faktor als sehr hoch einschätze. Und sollten die Informationen derart gekürzt werden, dass die Ablenkung vom Straßenverkehr auf ein Minimum reduziert wird, dann ist vermutlich auch der generierte Nutzen eher weit hinten anzuordnen!

Aus touristischer Sicht würde ich sagen: Viel heiße Luft – wie bei so vielen „Digitalisierungen“. All die genannten Dinge kann ich nur anwenden, wenn der Wagen steht – ansonsten würde ich mal gerne hören, was die Versicherer dazu sagen oder die Oma, die gerade vor mir über die Straße geht, während ich mir eine Werbekampagne reinziehe oder ein Hotelzimmer buche. Das ist doch Unsinn bzw. verboten. Und wenn der Wagen steht, kann ich mein Smartphone benutzen. Mitfahrer können das ohnehin. Ich denke, die Autoentwickler haben da überwiegend anderes im Sinn als den Tourismus.

Natürlich haben Autoentwickler überwiegend anderes im Sinn als den Tourismus. Andererseits könnte die Technik dennoch auch Vorteile für den Tourismus bringen. Genau sagen kann man das jetzt natürlich noch nicht.

Was die Nutzung angeht: Da sehe ich ebenfalls die Gefahr, dass man sich nicht mehr auf den Verkehr konzentriert. Allerdings hatte man solche oder ähnliche Befürchtungen zur Einführung von Navi und später von Infotainment-Systemen in Fahrzeugen doch sicherlich auch, oder? Und mit den selbstfahrenden Autos, die derzeit von Audi, Toyota und auch Google (sowie weiteren Herstellern), könnten Apps in Fahrzeugen noch interessanter werden.
Hier kommt dann sicherlich auch das Argument Smartphone ins Spiel. Aber vielleicht kann das Auto ja mehr, oder manches besser (größerer Bildschirm!?) als das Smartphone.

Ich finde die Entwicklung auf jeden Fall äußerst spannend und wir werden sehen, wie sich das weiter entwickelt und ob das Auswirkungen auf den Tourismus haben wird/kann.

Ich stimme aber vor allem Marco Riederer zu: Mit meinem DERZEITIGEN Wissensstand sehe ich es auch (noch) kritisch. Vor allem im Hinblick auf die Sicherheit.

Ich denke nicht, dass sich da irgendetwas durchsetzen wird, was das Lesen längerer Texte vorraussetzt – die wird man sich doch wohl hoffentlich vorlesen lassen können. Was ich mir vorstellen könnte wäre aber, dass Musikstreamingdienste und die schon genannten Benachrichtigungen kommen werden.

Da die Leute ungern mehr Geld an der Tanke ausgeben als nötig, wäre auch möglich, den Spritstand, geplante Routen und die Spritpreise auf dem Weg liegender Tankstellen zu verknüpfen.
Etwas das Google machen könnte wäre, dem Auto mitzuteilen wie stark Steigungen und Gefälle auf der Strecke sind, um so direkt Schalt-Empfehlungen für das erst noch kommende Gelände zu geben. Man darf nicht vergessen: Google sammelt jetzt schon Bewegungsprofile und wertet sie per Google Now aus! 2020 hat Google dann vielleicht das selbstfahrende Auto entwickelt.

Zunächst werden aber wohl zuerst die Dinge kommen, die heute schon von teuren Navis beherrscht werden oder auch aufs Auto zugeschnittene Smartphone-Apps.

Also wenn Google bis 2020 das selbst fahrende Auto entwickelt, dann gebe ich meinen Führerschein ab: Oder machen die das dann etwa nicht als Beta-Version, um mal zu testen, ob es auch funktioniert?

Ok, ich spiele hier jetzt gerne mal den bad guy: Eure Beispiele sind hanebüchener Unsinn oder schlichtweg schon verfügbar. Buchen kann ich heute schon direkt im Auto – per Freisprecheinrichtung. Dazu brauche ich keinen Buchen-Button – schon gar nicht während der Fahrt. Gezielte Werbung für Autofahrer? Gibt es schon – nennt sich Schilder und sie stehen am Straßenrand. Da kommt mal der ein oder andere spontane Aufenthalt zustande. Es soll ja noch Autofahrer geben, die raus gucken, sogar Mitfahrer, die das tun.
Und die Schaltempfehlungen gucke ich mir vor der Fahrt an, oder was? Damit ich weiß, dass ich in 250km in den 4-ten schalten muss. Klar. Also, mein Auto zeigt mir jetzt schon Schaltempfehlungen an – permanent und immer aktuell, ganz ohne Google. Übrigens auch den Tankstand, den ich mit dem Navi (oder der tanke am Straßenrand) per Augenkontakt locker mal eben korrespndieren kann.

Und im selbst fahrenden Auto kann ich doch dann mein Tablet nutzen. Ist doch viel bequemer als immer auf das Display des Autos zu starren. Vielleicht lenke ich das Auto ja auch mit meinem Tablet? Obwohl: ich könnte ja dazu auch das Lenkrad nehmen. Wird es aber dann wohl nicht mehr geben, oder?

By the way: Wenn das selbst fahrende Auto einen Unfall baut, wer bekommt dann eigentlich die Punkte in Flensburg? Der Autohersteller oder der Programmierer der App oder Google? Muss Larry Page dann ständig den Führerschein abgeben? Ich mein, ich kann doch nix dafür, oder?

Ich vermute, die neuen Apps werden einige intelligentere Lösungen bringen. Das hoffe ich zumindest.

Daniel

@bad guy: Innovationen brauchen Mut zu Neuem… :).

Und hier noch meine Meinung: ich glaube, der ganze Bereich ist HOCH INTERESSANT. Letztendlich stellt sich immer die Frage nach dem Haupt-Device das ich nutze. Aber wir sprechen hier ja auch über Funktionen, die gar keinen Text erfordern… einen Hinweis wenn FB Freunde in der Nähe rumfahren, meine Musik von Soundcloud.com, Webcambilder zum Zielort oder von Verkehrskameras um die Wetterbedingungen zu checken, Overlays mit Informationen über das Kamerabild meines AR Navigationssystems, Mailaccounts verbinden, etc. pp. Und bei Fahrzeugen wie einem aktuellen Mercedes mit Abstandswarner und entsprechend intelligentem Tempomat kann ich die ganze Fahrt bei 230 auf der linken Spur ziiieeemlich relaxed bleiben. Und lesen. Möglich ist das. Die Frage für mich ist, wo ist die Verbindung zum Smartphone und wie sieht diese aus? Was ist mein „personal hub“ für alles. Liegt der gar im Netz, und ich logge dann mein KFZ / iPhone / PC / Badspiegel nur noch daran ein?

@Daniel: Genau das wollte ich – auf diese Art – zum Ausdruck bringen.

Wobei sich mir die Frage der Haftung bei selbst fahrenden Autos wirklich mal interessieren würde – auch bei 230 auf der linken Spur mit Abstandswarner. Das ist doch auch ein versicherungstechnisches Problem.

@Matthias: Das selbstfahrende Auto ist gar nicht mal so weit weg, wie Du denkst – inzwischen ist man da weniger in der Alpha-, als eher in der Betaphase, s. http://www.wired.com/magazine/2012/01/ff_autonomouscars/all/

Dass das mit der Haftungsfrage kompliziert ist, wird im Artikel übrigens auch angesprochen.

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