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22. Oktober 2012

Google Maps im Tourismus – Monetarisierung ohne Folgen?

Wir haben ja vor einiger Zeit schon einmal damit begonnen hier Produkte und Sparten des Internetriesen Google näher zu betrachten. In diesem Artikel wird diese Reihe mit einem Blick hinter die Kulissen der Google Produkte rund ums ThemaKarte“ fortgesetzt. Gerade im Tourismus, oder klassischer, beim Reisen, haben Karten schon immer eine sehr große Rolle gespielt. Und so ist es auch kaum verwunderlich, dass trotz aller Veränderungen und Modernisierungen, die das Internet, bzw. die moderne Technik rund um Computer und Co. uns beschert haben, wir immer noch von der Planung bis zur Nachbetrachtung in sämtlichen Phasen unserer Reisen mit diversen Karten und auf ihnen basierenden Produkten und Diensten in Berührung kommen.

Welche Dienste bietet Google in diesem Bereich? Sicher, am bekanntesten sind hier die Kernprodukte Google Earth und Google Maps. Doch es gibt noch weitere Google Produkte, die in diesen Bereich fallen. Zum einen sind dies natürlich die Ableger der Kernprodukte, wie beispielsweise Google Streetview mit all seinen weiteren Varianten oder die Navigation. Doch kann man zu diesem Bereich auch Produkte wie beispielsweise Panoramio zählen, die man vielleicht nicht sofort mit diesem Themenbereich assoziieren würde.

Betrachtet man die aktuelle Situation, welche Probleme ein Konzern wie Apple damit hat, eine eigene Karten Umsetzung zu entwickeln und zu etablieren, so fragt man sich: Wie hat Google es geschafft hier so gut und dominant zu werden? Basierend auf dieser Frage wird nun ein kleiner Blick auf die Geschichte und Entwicklung dieses Bereichs bei Google geworfen.

Die Geschichte von Google Maps

Google kaufte die Grundlagen für Google Earth 2004, die für Google Maps 2005. Ziel war es hierbei (wie immer bei Google), dass die zusätzlichen Produkte helfen ihren Selbstanspruch „die beste Suchmaschine der Welt zu sein“ zu erreichen, bzw. aufrecht zu erhalten. Die Kartenprodukte und die darin enthaltenen und gewinnbaren Daten sollten also dazu beitragen die organische Suche weiter zu verbessern. Von diesem Standpunkt aus betrachtet, ist es auch wenig überraschend, dass der endgültige Durchbruch für Google Maps mit der offenen Einbindung in die Ergebnisse der Google Suche erfolgte. Auch Google Earth, das heute ja bereits als Layer in Google Maps einbindbar ist, verbreitete sich sehr schnell. Hauptgrund war hier einfach die Qualität des Produkts. Google Earth war einfach sehr sehr gut. So gut, dass es auch außerhalb der Onlinewelt, z.B. im Fernsehen oder in Printmedien ständig präsent war und so dem Aufschwung und der Etablierung der gesamten Google Kartenprodukte zuspielte.

Das API und die Folgen

Heute bietet Google Maps schier unbegrenzte Möglichkeiten durch seine Schnittstellen. So sind Mashups mit weiteren Google-eigenen Daten genauso möglich wie mit Fremd- oder Userdaten. Gelungene Beispiele gibt es hier viele. ABER: Google hat 2012 die Politik und das Geschäftsmodell geändert. Google lässt sich das API nun bezahlen – und monetarisiert die Karte nun ab einer bestimmten Nutzungsmenge! Was heißt das für den Tourismus? Wer ist denn überhaupt betroffen? Wer hat so viele Abrufe (25000 pro Tag bei normalen Karten, 2.500 pro Tag bei Styled Maps)? Eine Abkehr von GoogleMaps ist nicht zu sehen – obwohl Alternativen (z.B. OpenStreetMap) vorhanden wären.

Neuestes Kind, wenn man so will, in der Google Karten Familie ist Streetview. Streetview gibt dem Nutzer die Möglichkeit in die Karte „einzutauchen“ und sich ein Bild der Realsituation an einem Ort zu machen. Natürlich spielt auch dieses Produkt dem eigentlichen Kern Googles, der Suche, zu und rundet das Angebot im Bereich der Kartenprodukte weiter ab. Beeindruckend ist hier vor allem die Experimentierfreude Googles und die Angebote die daraus entstehen. So ist es heute schon möglich, mit der auf Streetview basierenden Technik virtuell am Great Barrier Reef tauchen zu gehen, in diversen Vergnügungsparks zu flanieren, oder sogar indoor durchs Shoppingcenter zu gehen, bwz. Googles Datencenter einen Besuch abzustatten. Beeindruckend!

Genau durch diese gefälligen und technisch ausgereiften Spielereien an der Seite von Google Maps schafft es Google hier die Messlatte immer ein Stückchen höher zu legen und so den Standard zu setzen. Über die letzten Jahre hat sich Google auf diese Art und Weise im Bereich der Online Kartenprodukte eine absolute Vorreiterrolle gesichert. Nach einer weiteren Qualitätsoffensive durch den Kauf öffentlicher Geodaten kassiert Google seit diesem Jahr für die Nutzung seiner Karten Schnittstellen ab einer gewissen Nutzungsintensität ab. So beginnt Google nun diesen riesigen bisherigen Invest zur Cashcow umzufunktionieren. Keine Angst, der Enduser bekommt davon zuerst einmal nicht so viel mit und kann weiter von Googles Kartenrodukten profitieren, außer man ist auf sein Iphone oder Ipad angewiesen… J

Was denkt ihr, wie lange wird Google die Krone im Bereich der Online Kartenprodukte noch behalten? Wer denkt über eine Wechsel nach? Ist das überhaupt ein Thema?

Florian Bauhuber

... ist Geschäftsführer des Experten-Netzwerks Tourismuszukunft sowie Doktorand am Lehrstuhl für Kulturgeographie an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Bereits seit dem Jahr 2006 berät und begleitet er gemeinsam mit seinen Kollegen touristische Unternehmen und Verbände. In seinem Fokus stehen dabei unterschiedliche Beratungsschwerpunkte: #ServiceDesign #WebsiteRelaunch #ContentStrategie #Marketing #Vertrieb #Change #Innovation

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