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Google und das Reisen!

Jahrelang hatte der Internet-Riese Google versichert, nicht an einer Erstellung von Inhalten interessiert zu sein, sondern den Nutzern nur die Möglichkeit geben zu wollen, Informationen im Internet zu suchen. Jetzt wurde am Montag bekannt, dass Google den Reise- und Hotelführer-Anbieter Frommer’s übernehmen wird.

Mit dem Ziel „für jeden relevanten Ort auf der Erde eine Bewertung“ anzeigen zu können, hat Google mit Frommer’s nun nach dem Restaurantführer Zagat schon den zweiten Anbieter von Reise-Inhalten und -Rezensionen aufgekauft. Dies wird nicht nur für die Internet-Reise-Branche einige Veränderungen mit sich bringen. Einen entscheidenden Wandel, insbesondere den wachsenden Einfluss von Google im Reisebereich betreffend, hatten wir ja bereits im Januar prophezeit (Blogartikel: 2012 – ein Schicksalsjahr für die Touristik).

John Wiley & Sons, der bisherige Inhaber der Marke Frommer‘s, hatte das Unternehmen im März diesen Jahres zum Verkauf angeboten, weil der Reiseführer-Bereich nicht mehr zur Kern-Strategie gepasst hätte. Laut der „New York Times“ soll der letztendliche Kaufbetrag 23 Millionen US-Dollar betragen haben.

Wie wird Google die erworbenen Inhalte nutzen?

Ob die Inhalte weiter in Buchform erscheinen, hat Google bis jetzt noch nicht entschieden.  Sehr wahrscheinlich werden sie aber bald kostenlos online verfügbar sein. Mit der Übernahme von Frommer‘s stehen Google nun Informationen aus über 350  Reiseführern (darunter zahlreiche Hotel-, Restaurant- und Bar-Rezensionen) zur Verfügung, die gezielt in den Suchergebnissen und Google-Diensten angezeigt werden könnten. Nach dem Aufkauf von Zagat wurden dessen Inhalte bereits wenige Monate später in Google Maps und Google Plus Local veröffentlicht.

Der Kauf ist für Google ein weiterer Meilenstein, auf dem Weg, den Nutzern der Suchmaschine ein breiteres Dienstleistungsangebot im Reisebereich bieten zu können. Je mehr Inhalte Google in seinen Angeboten (wie Google Maps oder Google Plus Local) anzeigt, desto länger bleiben die Nutzer auf den Seiten. So kann Google gezielt den Werbeanzeigenverkauf stärken.

Was bedeutet das für den eTourismus?

Die folgende Grafik von travopia.com zeigt, wie Google derzeit von einem Reisenden genutzt werden kann und wie weit Google bis jetzt bereits in den Reisemarkt vorgedrungen ist:

 

Google-Nutzung eines Reisenden

 

Durch den Aufkauf verschärft sich natürlich die Konkurrenz zu Reise-Internetseiten. Vor allem Intermediäre, wie Preisvergleichs- und Bewertungsportale verlieren hier deutlich an Bedeutung, was bis zum kompletten Wegfall dieser führen kann (Disintermediation).

Google wurde ja bisher schon öfter vorgeworfen, in der Ergebnis-Listung der Suchmaschine eigene Seiten gegenüber Fremd-Angeboten zu bevorzugen. Die Gruppe Consumer Watchdog kritisierte hier, dass Google zwangsläufig bei gleichzeitigem Anbieten von Suchmaschinen-Diensten und Inhalten  einen Interessenskonflikt habe und so nicht mehr objektiv über die Listung von Suchergebnissen entscheiden könne.

Da Google als derzeit entscheidendster Suchmaschinenanbieter nahezu ohne Konkurrenz ist (v.a. in Deutschland), bestehen im Moment schon enorm große Abhängigkeiten der Suchenden und Anbieter von dem Internet-Riesen.

Wenn Google allerdings beginnt, selbst Inhalte anzubieten und immer mehr Zwischenstufen, die derzeit noch über Intermediäre laufen, in sich integriert (vertikale Integration), wird diese Abhängigkeit bis ins Unermessliche steigen – und was macht die Reisebranche dann? Sie jammert jetzt schon über hohe Klickpreise bei Adwords – finanziert sich damit aber die größte Konkurrenz! Es gibt Alternative-Wege aus dieser Abhängigkeit – Social Media, Social CRM, Social SEO, klassische SEO – um nur ein Paar zu nennen! Oder wie seht Ihr das?

Liebe Grüße,

Florian und Tanja

9 Kommentare zu
Google und das Reisen!

Denke auch das dies für die Reiseseite eine große Auswirkung haben wird. Der Konkurrenzkampf bei den Internetreisen hat ohnehin schon enorme Formen angenommen. Es wird auch im Internet nicht einfacher !!!

Google hat natürlich viele Möglichkeiten, nicht zuletzt weil es ihnen finanziell gut geht. Aber es gibt ja besonders im E-Commerce das Phänomen des Long Tails, bei dem viele kleine Nischenangebote in Summe viel mehr Umsatz bringen als wenige Top-Produkte.

Häufig wird schneller gejammert, weil es ja viel einfacher ist, die Verantwortung auf jemend oder etwas anderes abzuwälzen anstatt eigenverantwortlich aktiv zu werden.
Google wird seinen Weg weiter gehen. Und was sie anpacken, wird (mit wenigen Ausnahmen) zum Erfolg.

Google ist das größte Mißverständnis der jüngeren Wirtschaftsgeschichte: ‘Don’t be evil’ ist kein Firmenmotto – es ist ein Imperativ für den Rest der Welt. Wird irgendwann ersetzt durch ‘don’t be sad’.

Die genannten Alternativen sind aus meiner Sicht nur bedingt welche. Denn gerade in der Hotellerie ist klassisches SEO gleichbedeutend mit dem “füttern” von Content an Google (Places). Im Bereich Social SEO wird auch Google Plus relevant, wenn man Google+Local sowie die Relevanz von +1s bedenkt…

Die Konkurrenz wird natürlich immer grösser, wir beobachten es schon seit Jahren, aber keine Angst wenn wir gute Arbeit leisten, dann die Besucher werden es zu schätzen wissen. Es genügt nicht mehr die Datenbank durchforsten zu lassen. Portale die eher ein Telefonbuch darstellen als Ratgeber haben sicher keine Zukunft.

@Eric – ich sehe das etwas anders. Es gibt definitiv im klassischen SEO vor allem im Longtail Möglichkeiten ohne Places Sichtbarkeit zu erreichen – auch für Hotels! Und alle Kundenkommunikationsinstrumente (Social Media oder Social CRM) funktionieren doch wunderbar – an Google vorbei oder auch über Google Kommunikationstools – nur ohne dafür Google zu bezahlen…

Gut, der Long-Tail mag funktionieren. Und ist in der Tat effektiv, da man eine sehr gezielte Ansprache erreicht. Im Bereich Social Media bzw. CRM stimme ich zu – passt!
Grundsätzlich denke ich aber (muss ich mal genauer zu bloggen), dass sich der Vertrieb langfristig auf einige starke Portale konzentrieren wird. Und da wird Google dazu gehören. Der Grund dafür ist, dass die Nutzer sich beim Vergleichen sehr viel besser orientieren können, da es immer eine einheitliche Oberfläche gibt. Das ist bei Places so, beim Hotelfinder und auch bei Portalen wie HRS, Booking, etc. Google hat den Vorteil, dass man die Seite nicht mehr verlassen muss. Denn Karten, Bewertungen, etc. – alles schon da. Im Moment noch nicht ausgereift, aber langfristig wird das schon schwer, da von der Usability gegen anzukommen.
Die Frage stellt sich dann: Versuche ich weiterhin den Direktvertrieb, oder aber versuche ich mich auf den relevanten Plattformen gut zu positionieren. Damit spiele ich zwar den Portalen Content zu und stärke diese, habe aber selbst auch einen Wettbewerbsvorteil.

Ich bin gespannt wie sich das in der nächsten Zeit entwickelt und wer noch so von Google geschluckt wird.
Über die Alternativen muss jeder nachdenken und diese dann auch umsetzen. Das kostet aber Zeit und Geld und davon haben viele Unternehmen zu wenig, um viel bewegen zu können.

Denke auch das dies für die Reisebranche eine große Auswirkung haben wird.

Der Konkurrenzkampf ist ohnehin schon enorm groß, es geht doch fast nur noch über den Preis !

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Florian Bauhuber

... ist Geschäftsführer des Experten-Netzwerks Tourismuszukunft sowie Doktorand am Lehrstuhl für Kulturgeographie an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Bereits seit dem Jahr 2006 berät und begleitet er gemeinsam mit seinen Kollegen touristische Unternehmen und Verbände. In seinem Fokus stehen dabei unterschiedliche Beratungsschwerpunkte: #ServiceDesign #WebsiteRelaunch #ContentStrategie #Marketing #Vertrieb #Change #Innovation