Facebook Städtenamen – ein Appell an Facebook!

Facebook Städtenamen Ade! unser Blogbeitrag von gestern schlägt gerade Wellen nicht nur im Internet sondern auch Offline. Aber lasst uns doch mal gemeinsam etwas darüber nachdenken! Was macht Facebook hier gerade! Laut Facebook: „kann niemand eine Stadt oder ein Land für sich beanspruchen.“

Ist dem so? Was passiert hier gerade?

Facebook nimmt gerade jeder Stadt oder Region, die durch eine Mail verständigt wurde, den Markennamen weg und zwingt ihn diesen zu verändern (innerhalb 3 Wochen)! Die Regionen und Städte werben jedoch in der Realität nicht mit Visit Nürnberg – nein, sie werben mit Nürberg! Das wäre doch genauso, wenn Sie zu Bayern München sagen würden, bitte wirb nicht mit Bayern München, da niemand Städtenamen und Ländernamen beanspruchen darf.

Nürnberg, München und Dortmund sind Marken – und sie haben jahrelang diese Marken hart und mit viele Geld und Zeit aufgebaut. Die Äußerungen z.B. von Matthias Rothermund – GF von Dortmund Tourismus – sind nur allzu verständlich:

“Grundsätzlich ist die Richtung, in die das Ganze geht, meiner Meinung nach sehr betrüblich: Wir schaffen mit unserer Arbeit guten Content und viel Traffic. Facebook nimmt sich nun den Ortsnamen, akkumuliert die wertigsten Inhalte zu der jeweiligen Destination unter diesem Namen und schafft sich somit die Facebook-Destinationsplattform überhaupt. Das Geldverdienen fällt dann natürlich wesentlich leichter. Wir “füttern” also deren Destinationspage und machen somit einen Großteil der Arbeit für die. Es ist halt ein großer Unterschied, ob ich eine Stadt “like” oder nur den touristischen Zweig. Ich bin gespannt, ob wir grundsätzlich auch von dieser Entwicklung profitieren können.”

Deshalb hier unser klarer Appell an Facebook – natürlich hat jemand Anspruch auf Städtenamen – die offizieller Inhaber und Vertreter der Marke! Es macht überhaupt keinen Sinn – auch für Euch nicht, wenn folgende Aussage auf der Fanpage von allfacebook stimmt: “Facebook hat uns gegenüber gerade klar gestellt, dass man diese Seiten nicht selbst nutzen wird.”

 

Wie seht Ihr das?

 

 

10 Kommentare zu
Facebook Städtenamen – ein Appell an Facebook!

Also ich stehe absolut zur Strategie von Facebook. Denn: Ja klar sind Städte auch Marken – aber ohne klaren Besitzer. Wer hat Anspruch? Nur der Tourismus? Oder auch die Wirtschaftsagentur einer Stadt? Oder gar die Bilundgseinrichtungen die für ihre Universitäten werben wollen?

Klar, aus eurer Tourismus-zentrierten Perspektive ist das alles nicht so toll, aber eigentlich ist es sinnvoll und fair. Der Städtename gehört nämlich der Allgemeinheit (allen Bürgern) und sollte in seiner Reinform nicht für ein Teilinteresse vereinnahmt werden dürfen. Zumal das auch die Namens-Hoheit vorgaukelt, was nicht der Realität entspricht.

Und überhaupt: Was ist so schlimm daran, wenn man eben statt “Wien” einfach “Wien Tourismus” oder “Visit Vienna!” verwendet?

Warum gibt Facebook keine klare und einheitliche Empfehlung für die Bezeichnung einer alternativen Seite? Das gibt nen riesiges Durcheinander. Und am ende weiß wieder keiner, wo er touristische Informationen auf Facebook findet und sucht sich durch diverse Fanpages…ohne, dass man der jeweiligen DMO einen Vorwurf machen könnte…

@Hannes – danke für deinen Kommentar. Aber ist das Aufgabe von Facebook hier Regeln zu schaffen – ich sehe das nicht! User sind mündig – und wenn es 5 Seiten zu Wien gibt, kann der User nach wie vor entscheiden, welcher Seite er folgt. Ausserdem wir das doch über die Beschreibung, den Header und das Profilbild deutlich, oder?

@Eric: auch hier bin gegen eine Empfehlung – es gibt ja Organisationen, die einen klaren Namen haben (z.B. VisitBerlin) aber der Rest? Müssen dann alle Visit heißen? Quasi Standard? Auch für Städte die gar keine Werbung ausserhalb von Deutschland haben?

Ist schwierig. Stimmt. Nur so, wie es im Moment ist sehe ich schon wieder die “Domain” Sicherer im Anmarsch. Erst mal alles registrieren und dann meistbietend verscherbeln? Wenn Facebook schon Fanpagenamen “enteignet”, dann muss dafür eine adäquate Alternative her. Und da müssen die DMOs gestützt werden. Meinetwegen kann es auch ein Bündel von Namen sein, aus der ausgesucht werden darf. Nur wenn dann Namen schon belegt sind…

Ich denke ein guter Grund für das, was Facebook tut ist einfach: Die Klarheit von geografischen Namen, die man eben zum “einchecken” braucht. Das nimmt zu und wir normal werden – vor allem bei Bild-Postings. Da hat man derzeit schnell die Frage: Welches Wien nehme ich dann als “ORT” , wenn ich via smartphone einchecke? Will ich beim Wien Tourismus einchecken, oder bei der Stadt Wien (Verwaltung).

Angela

facebook zwingt durch diese Maßnahme, wieder in den “alten Kategorien” zu denken und zu arbeiten. Es hat gedauert, bis bekannt war, dass social media ein anderes Arbeiten ist als in der üblichen Denke in Marketingkanälen und nun – schwupps – fallback szenario, wo wir es nicht erwartet haben. Kann es sein, dass offizielle Authoriäten, die möglicherweise mit viel Verzögerung jetzt auf den Zug aufspringen wollen, sich mit alten Mitteln der Macht durchsetzen. Facebook, wir haben wirklich geglaubt, dass du hier Stand hältst!

Markus Kapfer

Dass man sich in die Abhängigkeit von fb begibt, ist eine freie Entscheidung gewesen.
Die Aktion von fb finde ich nicht unlogisch oder unfair, anders gesagt: Wenn ich mich von der (subjektiven) Perspektive der betroffenen Destinationen löse und die Sache etwas neutraler betrachte (soweit möglich, es geht ja um eine einzelne Firma), dann finde ich diese Aktion/Strategie ok.
Ich sehe das ähnlich wie Johannes Offenbacher (erster Kommentar).
Wenn eine Marketing Organisation kommuniziert, sollen sie auch mit ihrem Namen dazu stehen und sich klar zu erkennen geben! (Denn genau das verlangt Florian auch vom einzelnen User!)
@Angela: das Argument “in alten Kategorien denken” überzeugt mich überhaut nicht. Es steht Keinem (Touristiker) zu, unter dem Namen “München” zu posten, zu liken, etc.
Wer sich vor Jahren für die geografische Bezeichnung entschieden hat, der hat leider die falsche Entscheidung getroffen und muss halt jetzt mit den Folgen leben…
Ich konnte diese allgemeine Namenswahl nie nachvollziehen, hätte mich damals auch anders entschieden und fühle mich momentan einfach bestätigt.
Das Bsp mit “Bayern München” ist schlecht gewählt. Denn die Wort-Kombi “Bayern München” ist unique und steht für den Verein.(Korrekterweise sollte es aber “FC Bayern München” heißen…)
Bayern alleine, München alleine ist etwas komplett anderes.
Was tun?
Ich halte eine Namensänderung für kein Problem:
1. Diejenigen, die meinen, dass sie einen Schaden haben, werden vllt. etwas vorsichtiger.
2. Wenn die DMOs und Tourismus-Organisationen künftig nicht mehr “unter falscher Flagge” operieren, sondern auch unter echtem Namen ihre hervorragende Arbeit fortsetzen, wird (unsere?) ganze Branche (=Tourismus) davon profitieren und Wertschätzung erfahren!
Qualität wird sich durchsetzen: Die mündigen User werden die richtige Wahl zwischen allen verfügbaren München-Seiten treffen! …und da hab ich keine Angst um die DMOs!

Stephan

@Hannes: Man sollte vielleicht dazu sagen, dass die Marketingagenturen einer Stadt entweder selbst ein Teil der öffentlichen Verwaltung sind oder zu einem Großteil von den Städten finanziert werden. Diese Organisationen sind also “rechtmäßige” Vertreter der Namensinhaber (den Städten).

Ich glaube auch weniger an eine nutzerzentrische (Check-In) Motivation von Facebook. Was genau sie mit den Städtenamen vorhaben ist erst einmal noch etwas unklar aber ein großer Vorteil für Facebook ist der erhöhte Sichtbarkeitsdruck für die nun umbenannten Seiten der Tourismusorganisationen. Diese werden dadurch regelrecht dazu gezwungen Anzeigen bei Facebook zu schalten um nach wie vor gefunden zu werden und ausländischen Besuchern die Informationen und Inhalte zu liefern, die diese für eine Reiseplanung benötigen.

Angela

@Markus Kapfer: fb hat uns etwas Hervorragendes gezeigt = es geht ums Miteinander und Trennendes, in alten Hierarchien und Strukturen gedacht, ist obsolet. Deine Anmerkung “Es steht Keinem (Touristiker) zu, unter dem Namen “München” zu posten, zu liken, etc.” entlarvt eine Sichtweise, von der wir gedacht haben, dass wir sie nicht mehr brauchen: einen Obersheriff, der sagt, wer was darf…Also ich für meinen Teil lehne das ab – aus den schon genannten Gründen: alte Welt, alte Denke. Da kommen wir nicht voran. Lass uns doch an den neuen, wohltuenden Ufern sozialer Interaktion weitermachen…

Im Moment macht Facebook so einige Dinge, die für mich nicht ganz nachvollziehbar sind. Aus Sicht von Facebook machen die Dinge Sinn, aber ob sie dafür Sorgen, dass die User auf Dauer FB treu bleiben, ist die Frage. Neuerungen wie Email Adressen nur noch von FB, Werbung direkt im Stream usw werden meiner Meinung nach für viel Unmut sorgen.

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Florian Bauhuber

... ist Geschäftsführer des Experten-Netzwerks Tourismuszukunft sowie Doktorand am Lehrstuhl für Kulturgeographie an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Bereits seit dem Jahr 2006 berät und begleitet er gemeinsam mit seinen Kollegen touristische Unternehmen und Verbände. In seinem Fokus stehen dabei unterschiedliche Beratungsschwerpunkte: #ServiceDesign #WebsiteRelaunch #ContentStrategie #Marketing #Vertrieb #Change #Innovation