Social Media im Tourismus – Welcher Content für welches Netzwerk?

Bevor das Tourismuscamp 5 ganz aus meinen Gedanken gerät, möchte ich in diesem Artikel noch ein paar weiterführende Gedanken zur  Session „Welcher Content für welches Netzwerk?“ von Jochen Hencke, alias “Schneeengel“, festhalten.

Ausgangslage ist eine weit verbreitete Überforderung durch die Vielzahl an sozialen Plattformen und den weitreichenden Möglichkeiten, die das Social Web bietet. Bei teilweise recht ähnlich erscheinenden Plattformen und einer oft sehr dünn gestrickten Personaldecke und entsprechend hoher Arbeitsbelastung, ist die Verlockung enorm groß Statusupdates, Posts, Bilder und Co. einfach eins zu eins von einer Plattform zur Anderen zu übernehmen. Zumal man ja oft den Drang verspürt auf möglichst allen Plattformen aktiv zu sein, da man keinen Trend verschlafen möchte oder sich oftmals noch nie ernsthaft Gedanken gemacht hat, welche Plattformen für mich wirklich Relevanz besitzen und welche vernachlässigt werden können.

Eine gesunde Basis um sich überhaupt tiefer mit der Thematik auseinanderzusetzen sollte daher zumindest eine ansprechende, thematisch und technisch aktuelle und vernetzte Website, ein gekonnter Umgang mit UGC (User Generated Content) und vor allem ein gewisses Maß an Verständnis, Interesse und Sachkenntnis für das Social Web allgemein sein. Erst darauf aufbauend kann und muss ich mich dann mit den einzelnen Plattformen beschäftigen.

Hier nützt, wie immer, kein blinder Aktionismus. Gerade durch die große Diversifizierung der sozialen Plattformen und Netzwerke muss ich mir mehr denn je klar werden, was will ich wo(mit) erreichen, auf welche Art und Weise will ich das umsetzen und für wen tue ich das hauptsächlich. Ich brauche also eine strategische Herangehensweise an das Thema Social Media. Womit wir wieder bei der Ausgangsfrage wären: Welcher Content für welche Netzwerke? Und ich muss Euch enttäuschen, eine pauschale Antwort gibt es hier natürlich nicht. Trotzdem möchte ich Euch hier einen kleinen Leitfaden und zentrale Fragen mit auf den Weg geben, womit man sich dieser komplexen Problematik systematisch nähern kann.

Der Content, den ich auf einer Plattform platziere und vor allem die Art und Weise, wie ich ihn dort präsentiere, muss sich nach dem Blickwinkel ausrichten, aus dem ich diese bestimmte Plattform betrachte – und vor allem nach dem Blickwinkel und der Erwartungshaltung meiner angestrebten Kontakte die dort aktiv sind. Um sich hier längerfristig sinnvoll und gut aufzustellen hilft eine Betrachtung unter den Gesichtspunkten der fünf Phasen einer Reise: Inspiration, Information, Buchung, Durchführung und Reflektion. Dabei wird bereits ersichtlich welche Plattformen sich überhaupt für welche Bereiche eignen, wodurch sich auch der Content, der dort sinnvoll platziert werden kann schon einschränken lässt. Die Grafik ist dabei nur beispielhaft zu betrachten und kann durchaus von Einzelfall zu Einzelfall variieren.

Reisezyklus in fünf Phasen mit passenden Social Media Plattformen

Ein weiterer interessanter Ansatz, der mir bei der Herangehensweise an die Frage weiterhelfen kann, ist Servicedesign. Dabei muss ich mir die Frage stellen welche Touchpoints der Kunde in den oben gezeigten fünf Phasen seiner Reise mit meiner Organisation, bzw. meinem Unternehmen hat. Und weiter, was ich wie tun muss, um ihn dabei so zu bedienen, dass er mit meinem gebotenen Service zufrieden ist. Dabei wird sich eventuell an der einen oder anderen Stelle herausstellen, dass bereits aus anderen Quellen genug Content vorhanden ist, bzw. geliefert wird, so dass sich für mich hier dann nur noch eine koordinierende oder ergänzende Funktion ergibt.

Weiter einschränken lässt sich der „richtige“ Content ganz einfach durch die technischen Möglichkeiten und die Grundausrichtung, die die einzelnen Plattformen besitzen. Ich werde also beispielsweise eine Neuigkeit bei Facebook und Twitter in kurzer Textform ankündigen, auf dem Blog einen längeren Artikel dazu schreiben und bei Youtube das Video dazu veröffentlichen. Hier ergibt sich gleich die nächste Frage: Darf ich nun den Post aus Facebook so wie er ist zu Google+ übernehmen, oder soll ich hierfür doch etwas Eigenes formulieren? Das ist abhängig von der eigenen Zielsetzung, die ich auf einer Plattform verfolge. Möchte ich wirkliche Interaktion erreichen, dann sollte ich auch eigenen Content dafür liefern. Verfolge ich andere Ziele, wie beispielsweise auf einigen Foto-Plattformen, dann darf ich auch mal (automatisiert) mehrere Kanäle mit demselben Content beliefern.

Auch die Frequenz, mit der ich in den unterschiedlichen Netzwerken aktiv sein sollte ist sehr unterschiedlich. Hier muss ich mir einerseits die Gewohnheiten der Nutzer ansehen und mich danach orientieren, anderseits muss ich auch eine gewisse Rentabilität erreichen. Je mehr Return on Brand, bzw. Return on Investment (Buchungen) mir eine Plattform liefern kann, desto mehr Budget und Zeit sollte ich dafür logischerweise verwenden.

Abschließend würde ich es so formulieren: Will ich den Gast oder Kunden erreichen und an mich binden, dann zählen heute mehr denn je Qualität, Kreativität und individuelle, gut umgesetzte Konzepte, die konsequent für alle Berührpunkte mit dem Gast durchdacht werden müssen. Im Idealfall gehen hier On- und Offline Strategie Hand in Hand. Letztendlich muss jeder individuell für sich entscheiden, welche Plattformen ihm hierbei was bieten können und wofür man diese dann konkret nutzen möchte.

Wie habt Ihr diese Frage für Euch gelöst?

Viele Grüße,

Johannes und Daniel

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2 Kommentare zu “Social Media im Tourismus – Welcher Content für welches Netzwerk?”

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Ich denke, im Endeffekt setzt sowieso ein gewisser “Selbstreinigungsprozess” für jedes Unternehmen ein.
Wer sich ernsthaft und professionell mit Social Media beschäftigt, der wird auch mal Fehler machen. Man darf nur nicht müde werden, neue Wege auszuprobieren und selbst Erfahrungen zu sammeln.
Das Bauchgefühl bestimmt sicherlich oft mit, wo man seine zeitlichen bzw. budgetären Ressourcen aufwendet. Der Response / Die Interaktivität bzw. der ROI geben einem dann schnell Recht oder strafen falsche Entscheidungen ab.
Geduld ist aber wohl in allen Belangen die größte zu erhaltende Tugend!

[...] fvw-Akademie hat es sich zur Aufgabe gemacht die Weiterbildung der Reisebranche zu unterstützen. Das eigene [...]


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