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9. Mai 2011

Curation und social magazines im Tourismus – der social Graph als Filter

Im Einleitungsartikel unseres Buches Social Web im Tourismus haben wir uns ausführlich mit der Veränderung des Internets unter der Perspektive der Tourismusbranche und den daraus resultierenden Veränderungen beschäftigt.

Der Artikel skizzierte mehrere Evolutionsstufen des Internets:

  • Durch das zunehmend aufkommende Social Web und zudem die Möglichkeiten und Schnittstellen der Webseiten, sozialen Netzwerke und Reisewebseiten untereinander, findet eine zunehmende Erweiterung bzw. gar Auflösung der klassischen Webseiten statt.
  • Auf der anderen Seite explodiert die Menge des Contents im Internet jeden Tag um ein Vielfaches – getrieben durch kommerzielle aber noch mehr durch private Personen, welche auf Basis der Web2.0 Plattformen Content erstellen.
  • Weiters bemühen sich zahlreiche Akteure darum, auf Suchmaschinen durch diverse Tricksereien und hohen Kapitaleinsatz möglichst weit ob präsent zu sein – um Umsatz zu generieren.
  • Auf Konsumentenseite entsteht zudem zunehmend der Wunsch nach ehrlichen, authentischen Informationen und einer selbstbestimmten Informationssuche – einhergehend mit einer wachsenden Frustration durch die Bombardierung mit Werbung an allen Stellen und zu allen Zeiten des menschlichen Alltags.

Daraus resultieren zwei große Problemstellungen, denen auch der Tourismus im Internet gegenübersteht: Erstens wird es immer schwieriger über den klassischen Mechanismus der Suchmaschine zu den gewünschten Informationen zu gelangen. Zweitens haben die Konsumenten ein geringeres Interesse an Informationen die von Firmen und traditionellen Gatekeepern bereitgestellt werden und ein größeres Interesse an authentischen Informationen anderer Reisender oder aus ihrem sozialen Netzwerk.

Es stellt sich also die Kernfrage, wie die richtigen bzw. relevanten Informationen zukünftig vom Gast gefunden werden bzw. zum ihm kommen. Wir haben hier 4 relevante Filter klassifiziert, die zukünftig ganz erheblich bestimmen werden, welche Informationen wir im Internet wahrnehmen – die absteigende Reihenfolge steht auch für eine absteigende Bedeutung im Informationsprozess:

  1. Der wichtigste Filter sind die sozialen Netzwerke einer Person. Innerhalb dieser Netzwerke konsumiert der Gast Personen, die einen sozialen Kontext und damit einen höheren Wert haben – vorgefiltert sind.
  2. Der nächste Filter ist der Aufenthaltsort des Gastes. Über IP-Tracking oder GPS Sensoren im mobilen Endgerät wird der Suchende lokalisiert und bei entsprechenden Suchbegriffen werden Informationen aus der Umgebung höher priorisiert angezeigt als weiter weg befindliche Informationen (location based services bzw. information wäre dann das passende Buzzword).
  3. Dem Standortfilter folgen zukünftig intelligente Browser, SaaS-Browser oder Endgeräte, die auf Basis semantischer Technologien oder neuronaler Netze das Suchverhalten der Suchenden / des Users erfassen und ihm darauf basiert die Informationen aus dem Internet bereits personalisiert vorsetzen und anpassen.
  4. Der letzte, nicht wirklich zentrale Filter, ist das entsprechende Endgerät. Idealerweise ist dies ein mobiles Endgerät mit LTE Standard und rasend schnellen Datenraten über das Mobilfunknetz… kein alter lahmer Heim-PC. Die Grafik müsste eigentlich mal um ein schönes Tablet verbessert werden – das uralt Klapphandy trifft es nicht ganz.

Grafik Filter im Tourismus im Internet

In der Grafik vermerkt steht der Begriff “CURATION“. Und dieser Begriff ist auch der Anlass des heutigen Artikels. Das Magazin T3N hat hierzu einen interessanten Artikel geschrieben. Curation beschreibt den Prozess des Kuratierens von Informationen: Freunde stellen in ihrem Facebook und anderen Medien interessante Inhalte zusammen – die dann ein Individuum als sozial gefilterter Content in spezialisierten Anwendungen konsumiert werden.

Der Markt dieser Anwendungen war in den letzten Jahren immer wieder Anlass zu Neugründungen und großer medialer Aufmerksamkeit. Zu nennen sind hier Anwendungen wie StumpleUpon – man markiert Fundstücke im Netz für seine Freunde, Flipboard – welches gesharte Facebook Inhalte übersichtlich und direkt aggregierend auf den iPad bereitstellt, und viele weitere ähnliche Applikationen.

Eigentlich ist Curation schon ziemlich spannend. Es beschreibt genau den ersten Filter, den wir am Ende der gegenwärtigen (!) Webentwicklung sehen. Er bringt etwas Assoziatives, Inspirierendes in den sonst eher suchorientierten Informationsprozess im Internet – zugleich werden Informationen anch einem neuen Muster – nämlicher ihrer sozialen Attribution – gewichtet. Curation bringt klassische mediale Muster der Informationszustellung zu den Endkunden ins Wanken, entzieht es doch den medialen Gatekeepern die Kontrolle über die Wege der Informationen. Konnte früher ein Verlag genau sagen, wer seine Zeitung liest, werden Informationen heute in Flüssen entlang des virtualisierten sozialen Netzwerkes von Menschen delokalisiert, zerschnippselt, rekombiniert und an unbekannten Stellen konsumiert.

Für den Tourismus stellt sich natürlich die Frage, ob Curation nicht auch für das Thema Reise wichtig ist. Bisher gibt es noch keine App, die sich genau diesem Themenbereich widmet. Gibt es noch keine Destination, deren Webseite einen Curation-Dienst für den User bietet. Informationen über eine Destination aus dem Freundeskreis des Users zusammenstellt und dem Gast bereitstellt – auf Wunsch und nach Login. Also ein Flipboard für Themen. Glatt eine Geschäftsidee für touristische Webagenturen?

Was denkt ihr über diesen neuen Trend?

Viele Grüße,

Daniel

Daniel Amersdorffer

Kommentare

4 Kommentare zu
Curation und social magazines im Tourismus – der social Graph als Filter

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