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16. März 2011

Die Macht ist mit Facebook – das Social Web auf dem Weg zum Gatekeeper?

Das Internet hat sich hin zum Social Web entwickelt, hinter dessen Ausrichtung Ideale wie Selbstbestimmung, Vernetzung, Offenheit, Ehrlichkeit und weitere Werte standen. Die großen Player des Social Web bohren diese Ideale jedoch auf und verändern das Social Web wieder in Richtung klassischer medialer Mechaniken…

Die Vision und Ideale des Social Web…?

Es war mal eine Vision – das Social Web in seiner “Ur-Form” war geprägt durch den Gedanken einer Selbstbestimmung aller Nutzer und dem Wegfall klassischer Gatekeeper wie z.B. Verlage, Reisemagazine oder Reiseführer. Der Einzelne stand aufgrund der Möglichkeiten, im Web2.0 Inhalte zu produzieren, sich zu vernetzen mit anderen Individuen und offen und ehrlich zu kommunizieren, stark im Vordergrund. Unternehmen waren anfangs abwesend in diesen Vorgängen. Es ging um offene ehrliche, nicht werbende, individuelle Gespräche von vielen mit vielen. Nicht um klassische Gatekeeper, deren Ziele Macht und Zentralität im Netzwerk der Öffentlichkeit sind. Nicht um hierarchische und zentralisierte Kommunikationsstrukturen mit einseitiger (top-down) Ausrichtung.

Der Edge-Rank als Zerstörer von Idealen…?

Seit einiger Zeit hat Facebook den so genannten “Edge-Rank” eingeführt – ein nicht genauer beschriebenes Rankingtool für die Nachrichten im Newsstream eines Facebooknutzer. Also eine Klassifizierung der Nachrichten in dem Nachrichtenfluss aus dem virtuellen Freundeskreis innerhalb von Facebook und der mit Facebook kommunizierenden Social Media Plattformen, den jeder Nutzer auf seiner Facebook-Startseite in Echtzeit sieht. Der Edge-Rank klassifiziert die Nachrichten aus dem Freundekreis anhand von Kriterien wie Interaktionshäufigkeit mit dem entsprechenden Absender, Kommentierungen, Likes, Medientyp (Foto, Video, Text, Link?) und weiteren Faktoren. Manche Nachrichten und Personen schaffen es so immer wieder in den Newsstream, andere fallen völlig heraus. Der Edge-Rank ist total undurchsichtig meines Erachtens und nimmt dem Nutzer die Kontrolle weg – geht also wieder in Richtung Gatekeeper und Machtausübung – ganz untypisch für Social Media eigentlich. Und besonders der Edge-Rank bzw. der Facebook Newsstream sind hoch bedeutsam für die Wahrnehmung von Neuigkeiten aus der virtuellen Sphäre – Facebook führt hier also einen MASSIVEN EINGRIFF in die öffentliche Wahrnehmung und in die Produktion von öffentlichen Bildern und Werten durch.

Was bedeutet dies für den Tourismus ganz konkret…?

Stellen wir uns vor, eine Person wird heute zu einem Urlaub inspiriert aus dem virtuellen Freundeskreis heraus. Vor Einführung des FB Edge-Ranks lief dieser Prozess völlig neutral ab. Heute greift Facebook in diesen Prozess ein – nur bestimmte Inhalte schaffen es noch in den Newsstream und bekommen damit die potentielle Chance andere zu inspirieren. Facebook bekommt, wenn gewollt, auch macht über die Inhalte. Worst Case wäre, wenn eine Destination Geld bezahlen muss, um überhaupt noch im Newsstream Erwähnung zu finden, egal ob durch eigene Posts oder durch andere Nutzer…?? 🙁

Was denkt ihr dazu?

Viele Grüße,

Daniel

PS. Das sind meine ganz persönlichen, teils nicht den Tatsachen entsprechenden Gedanken!

Daniel Amersdorffer

Kommentare

2 Kommentare zu
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