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15. Dezember 2010

Second Life – was wurde aus dem Hype?

Jaaa, sie leben noch, sie leben noch… Wie sieht es eigentlich aus mit virtuellen Welten? Leben sie wirklich noch? Wir haben uns mal Second Life als Beispiel herausgepickt und auf den Prüfstand gestellt.

Ein Rückblick: 2003 gründete die Firma Linden Lab die virtuelle Welt, in der die User ihr Wunschleben in einer virtuellen Welt träumen konnten. Jedes Mitglied der Community kann sich hier seinen eigenen Avatar gestalten. Figur, Haarfarbe, Augenfarbe und Aussehen können individuell eingestellt werden. Das Portal schlug damals ein wie eine Bombe und die Userzahlen stiegen schnell an. Immer mehr Unternehmen kamen auf die Idee, sich hier zu vermarkten und richteten sich Cyber Spaces ein. Auch die Presse stürzte sich auf Second Life, in den ersten zwei Jahren hörte man andauernd davon, gerade als die ersten Personen anfingen, Geld mit Second Life zu verdienen, schlug das hohe Wellen. Damals wurde viel spekuliert über die Zukunft von Second Life.

Dargestellt mit dem Hype-Cycle von Gartner, war Second Life auf dem Gipfel der überzogenen Erwartungen.

http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Gartner_Hype_Zyklus.svg&filetimestamp=20090814160850

Doch lässt sich dieser Hype-Cycle auch wirklich für virtuelle Welten anwenden? Betrachtet man nämlich den Verlauf des Hype-Cycles, so würde Second Life einige Zeit nach seiner Entstehung erst den Gipfel der überzogenen Erwartungen erreichen, um danach schnell in das Tal der Ernüchterung zu stürzen. Und genauso war es: 2008 (korrigiert) waren die Userzahlen von Second Life auf dem (relativen) Tiefpunkt. Das Portal wurde uninteressant, Gründe hierfür mag es viele geben. Zum einen war es wahrscheinlich einfach die Tatsache, dass neuere Entwicklungen auf den Markt kamen, die die User anzogen, vielleicht auch die Erkenntnis, dass man eigentlich vom Leben in einer virtuellen Welt überhaupt nichts hat. Auch die Presse verlor das Interesse an Second Life und so mag sich in dieser Zeit wohl mancher gefragt haben, ob es das Portal überhaupt noch gibt. Doch tatsächlich hat es dieses Tal der Ernüchterung gut überstanden. Denn die Userzahlen stiegen wieder an, wenn auch langsam.

Doch lässt sich denn dann der Hype-Cycle von Gartner auch wirklich fortlaufend auf Second Life übertragen? Wir behaupten: Ja kann er, denn die weitere Entwicklung von Second Life verlief ganz ähnlich dem graphischen Verlauf. Die Zahlen nahmen langsam immer weiter zu. Laut dem Google Adplanner stiegen vom Januar 2009 bis zum November 2010 die täglichen User Zahlen bei Second Life von rund 7000 User auf knapp 18 000 Usern an. Wir haben den Verlauf der Daten genauer betrachtet und kommen zum Schluss, dass sich Second Life derzeit im Übergang vom Pfad der Erleuchtung auf das Plateau der Produktivität befindet. Linden Lab investiert nach wie vor viel in seine virtuelle Welt und Unternehmen vermarkten sich auch wieder. Im Gegensatz zu Facebook und Co. finanziert sich Second Life nicht durch Werbung, sondern durch Einnahmen aus den virtuellen Grundstückskäufen. Deshalb kann hier unabhängig vom Werbemarkt agiert werden.

Tourismuszkunft sieht in der virtuellen Welt für die nächsten Jahre durchaus Potential. Auch wenn man nicht viel davon hört, wir glauben fest daran, dass in den nächsten Jahren Second Life oder andere virtuelle Welten wieder vermehrt in den Medien auftauchen aber vor allem häufig genutzt werden. Nur weil Plattformen nicht mehr in den Medien sind, heißt es nicht, dass sie tot sind! Für das Marketing könnte sich in der virtuellen Welt durchaus lohnen, wir werden die Entwicklung auf jeden Fall weiter beobachten und euch über neue Details informieren! 🙂

NACHTRAG: mir ist beim Überarbeiten des Artikels ein Satz aus dem Text gefallen – unsere Zahlen aus dem AdPlanner beziehen sich auf Deutschland – nur auf Deutschland.

Florian Bauhuber

... ist Geschäftsführer des Experten-Netzwerks Tourismuszukunft sowie Doktorand am Lehrstuhl für Kulturgeographie an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Bereits seit dem Jahr 2006 berät und begleitet er gemeinsam mit seinen Kollegen touristische Unternehmen und Verbände. In seinem Fokus stehen dabei unterschiedliche Beratungsschwerpunkte: #ServiceDesign #WebsiteRelaunch #ContentStrategie #Marketing #Vertrieb #Change #Innovation

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