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Second Life – was wurde aus dem Hype?

Jaaa, sie leben noch, sie leben noch… Wie sieht es eigentlich aus mit virtuellen Welten? Leben sie wirklich noch? Wir haben uns mal Second Life als Beispiel herausgepickt und auf den Prüfstand gestellt.

Ein Rückblick: 2003 gründete die Firma Linden Lab die virtuelle Welt, in der die User ihr Wunschleben in einer virtuellen Welt träumen konnten. Jedes Mitglied der Community kann sich hier seinen eigenen Avatar gestalten. Figur, Haarfarbe, Augenfarbe und Aussehen können individuell eingestellt werden. Das Portal schlug damals ein wie eine Bombe und die Userzahlen stiegen schnell an. Immer mehr Unternehmen kamen auf die Idee, sich hier zu vermarkten und richteten sich Cyber Spaces ein. Auch die Presse stürzte sich auf Second Life, in den ersten zwei Jahren hörte man andauernd davon, gerade als die ersten Personen anfingen, Geld mit Second Life zu verdienen, schlug das hohe Wellen. Damals wurde viel spekuliert über die Zukunft von Second Life.

Dargestellt mit dem Hype-Cycle von Gartner, war Second Life auf dem Gipfel der überzogenen Erwartungen.

http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Gartner_Hype_Zyklus.svg&filetimestamp=20090814160850

Doch lässt sich dieser Hype-Cycle auch wirklich für virtuelle Welten anwenden? Betrachtet man nämlich den Verlauf des Hype-Cycles, so würde Second Life einige Zeit nach seiner Entstehung erst den Gipfel der überzogenen Erwartungen erreichen, um danach schnell in das Tal der Ernüchterung zu stürzen. Und genauso war es: 2008 (korrigiert) waren die Userzahlen von Second Life auf dem (relativen) Tiefpunkt. Das Portal wurde uninteressant, Gründe hierfür mag es viele geben. Zum einen war es wahrscheinlich einfach die Tatsache, dass neuere Entwicklungen auf den Markt kamen, die die User anzogen, vielleicht auch die Erkenntnis, dass man eigentlich vom Leben in einer virtuellen Welt überhaupt nichts hat. Auch die Presse verlor das Interesse an Second Life und so mag sich in dieser Zeit wohl mancher gefragt haben, ob es das Portal überhaupt noch gibt. Doch tatsächlich hat es dieses Tal der Ernüchterung gut überstanden. Denn die Userzahlen stiegen wieder an, wenn auch langsam.

Doch lässt sich denn dann der Hype-Cycle von Gartner auch wirklich fortlaufend auf Second Life übertragen? Wir behaupten: Ja kann er, denn die weitere Entwicklung von Second Life verlief ganz ähnlich dem graphischen Verlauf. Die Zahlen nahmen langsam immer weiter zu. Laut dem Google Adplanner stiegen vom Januar 2009 bis zum November 2010 die täglichen User Zahlen bei Second Life von rund 7000 User auf knapp 18 000 Usern an. Wir haben den Verlauf der Daten genauer betrachtet und kommen zum Schluss, dass sich Second Life derzeit im Übergang vom Pfad der Erleuchtung auf das Plateau der Produktivität befindet. Linden Lab investiert nach wie vor viel in seine virtuelle Welt und Unternehmen vermarkten sich auch wieder. Im Gegensatz zu Facebook und Co. finanziert sich Second Life nicht durch Werbung, sondern durch Einnahmen aus den virtuellen Grundstückskäufen. Deshalb kann hier unabhängig vom Werbemarkt agiert werden.

Tourismuszkunft sieht in der virtuellen Welt für die nächsten Jahre durchaus Potential. Auch wenn man nicht viel davon hört, wir glauben fest daran, dass in den nächsten Jahren Second Life oder andere virtuelle Welten wieder vermehrt in den Medien auftauchen aber vor allem häufig genutzt werden. Nur weil Plattformen nicht mehr in den Medien sind, heißt es nicht, dass sie tot sind! Für das Marketing könnte sich in der virtuellen Welt durchaus lohnen, wir werden die Entwicklung auf jeden Fall weiter beobachten und euch über neue Details informieren! 🙂

NACHTRAG: mir ist beim Überarbeiten des Artikels ein Satz aus dem Text gefallen – unsere Zahlen aus dem AdPlanner beziehen sich auf Deutschland – nur auf Deutschland.

19 Kommentare zu
Second Life – was wurde aus dem Hype?

Stephan

Guten Tag! Ich möchte noch ein paar Anmerkungen zu ihrem Artikel machen. Auf dem Tiefpunkt waren Userzahlen nie und schon gar nicht 2005. Die Hype ging ungefähr bis 2008. Auch hier gab es keinen Tiefpunkt, vielmehr begann eine Phase der Stagnation. Die sog. Peak Concurrency bewegt sich seitdem bei ca. 80.000 Usern die gleichzeitig online sind. Das lag daran, das viele Menschen enttäuscht waren hier keine neue Killerapplikation zu finden. Zumindest noch nicht. Die Massen wollen Unterhaltung, Spiele und Fun, und genau dafür ist SL kurz gesagt noch zu langsam. Und so ist Second Life zur Zeit mehr ein Nischenprodukt, das interessant ist für den kreativen Teil der Gesellschaft, Leute die gerne gestalten und die v.a. viel Ausdauer haben und bereit sind zu lernen. Ich vergleiche SL immer mit dem Internet in den 90ern. Das Internet war damals auch eine Spielwiese von Nerds und kein Massenmedium. Dazu wurde es erst später als es benutzerfreundlicher und schneller wurde. Falsch finde ich ihre Anmerkungen zu SL als Werbeplattform für große Unternehmen. Dieser Ansatz ist definitiv auf lange Zeit gescheitert. Second Life ist keine virtuelle Plakatwand und das ist auch gut so. Second Life ist seit jeher ein profitables Unternehmen und benötigt keine Werbung. Vielmehr wird sich SL in Zukunft zu einer universellen Platform für jeglichen 3D Content entwickeln. Die Open Source Abwandlung OpenSim könnte mal eine Art Apache Server für virtuelle Welten werden.

Nadine

Sind Userzahlen von 18.000 bei einem globalen Produkt heutzutage nicht trotzdem Peanuts?

Alex

Ich stimme zwar generell zu, dass sich Gartner’s Modell auch auf Second Life anwenden lässt, aber hier stimmen einige Daten ganz und garnicht – Google =! Recherche 😉

Ich weiss nicht, woher diese 18000 User kommen sollen, im Moment sind z.B. 48699 User online, dieser Wert schwankt an jedem gegebene Tag in einem konstanten Rythmus zwischen 30.000 und 70.000 gleichzeitig eingeloggten Usern. Langfristige Veränderungen sind im Vergleich zu den grossen intra-day Schwankungen sehr schwierig festzustellen.

Auch, dass der Hype 2005 vorbei gewesen sein sollte hört sich sehr nach flüchtiger Nachforschung an – im Deutschprachigen raum wurde Second Life zu dieser Zeit gerade erst bekannt, und 2007 war vermutlich das Jahr mit dem grössten Zuwachs.

Trotz der haarsträubend schlechten Recherche stimme ich aber zu:
Second Life hatChancen, dass Plateau zu erreichen.

Michael

@ Nadine: Im Durchschnitt sind 60.000 User gleichzeitig online. Rund um die Uhr. Es gibt über 20 Millionen angemeldete Accounts bei Second Life. Im Schnitt gibt es !täglich! ca. 10.000 Neuanmeldungen.

Auch ich hatte mich mal intensiver mit SL beschäftigt (http://stefan.waidele.info/category/zzz-blogarchiv/secondlife/ ). Ich denke, dass nicht einmal die “überzogenen”, sondern hauptsächlich die “falschen” Erwartungen (gepaart mit einem Hauch KP-Hysterie) für den tiefen Fall von SL gesorgt haben.

Ein Luxushotel kann man in SL nicht abbilden – zumindest nur in Ausschnitten. Und selbst dann: Die Emotionen lassen sich in Foto & Video besser vermitteln.

Bei Simulationen von Betriebsabläufen etc. wird SL aber anscheinend schon produktiv eingesetzt (z.B. ein virtuelles Krankenhaus zu Schulungszwecken – sorry Link nicht parat). Auch Kommunikation (also im Sinne von Vorträgen, Diskussionen und Gesprächen) ist sicher ein Feld, in dem SL Sinn macht. So, und nur dass ich die Worte zu erst erwähnt habe: “Touristisches Barcamp in Second Life” 😉

Ganz generell lässt sich aber wohl sagen, dass im ersten SL-Hype die allgemeine Herangehensweise eher zu sehr an der “Realität” angeleht war, und deshhalb keine neuen Nutzungskonzepte entwickelt wurden. Im Gegensatz zum damals schon starken Web2.0 waren die Konzepte eher ein Rückschritt.

Ich denke, dass SL nun im Stillen die Möglichkeit hat, sich zu entwickeln, und dass es dann vielleicht doch noch auf breiter Ebene sinnvoll werden könnte.

Danke für Euer Feedback – die Zahlen stammen vom GoogleAdPlanner und nicht direkt vom Portal.

Uns ging es nicht um die Aussage zu bestimmen Zahlen, sondern um die generelle Einschätzung: Second Life ist nicht tot – sondern bewegt sich aus dem Tal der Tränen heraus auf den Pfad der Erleuchtung!

Joshua

Die angeführten Zahlen sind leider durch die Bank weg falsch – mal abgesehen vom Jahr der Eröffnung 2003 .

Der Hype war 2007, nicht 2005. 7.000 tägliche User gab’s vielleicht lange vor dem Hype, aber sicher nicht mehr 2009. Und heute im Jahr 2010 sind 50.000-80.000 User GLEICHZEITIG aktiv, was deutlich mehr ist als die angegebenen 10.000 täglich.

Dies mag für eine globale Plattform tatsächlich wenig erscheinen, aber wie Stephan bereits verdeutlicht hat handelt es sich bei Second Life nach wie vor um ein Nieschenprodukt.

@Stefan ich darf dich kurz zitieren? […} Ein Luxushotel kann man in SL nicht abbilden – zumindest nur in Ausschnitten. Und selbst dann: Die Emotionen lassen sich in Foto & Video besser vermitteln. […]
Nur einmal als Gedankenspiel:
Bau dein Luxushotel in Second Live nach, mit allem was dazu gehört und lass die Leute durch die Original Zimmer in SL laufen, den Fitnessraum besichtigen und die Geräte nutzen, die Außenanlagen bewundern, durch den Pol schwimmen, sich mit anderen in der Lobby treffen. All das ist heute mit etwas Aufwand schon möglich. Lade SL – Residents zu einer Tagung dorthin ein und berate sie an der Rezeption zu einer realen Buchung, biete reales Infomaterial an usw. All das macht Sinn und ist realisierbar.
Gerade in Branchen wie der Erlebnis-Gastronomie, Discos, Hotels, Reisen kann man, etwas Fantasie und gute Beratung vorausgesetzt, vieles in SL zeigen – emotional erfassbar machen.
Und richtig, von der Mitarbeiterschulung ganz zu schweigen um Abläufe in “realer” Umgebung zu zeigen und zu trainieren – zu unvergleichlich moderaten Kosten.

@David: Das mit dem Nachbauen und Erlebenlassen ist ein guter Ansatz, der aber nicht “als Ganzes” funktioniert. In Teilen sicher.

Das liegt wohl hauptsächlich daran, dass Räume in SL anders sein müssen als in RL, um zu funktionieren. Die Deckenhöhe muss größer sein, und auch sonst braucht ein Avatar mehr Platz um sich wohl zu fühlen.

Somit kann man das Hotel nicht einfach 1:1 Nachbauen. Die Stimmung einzelner Räume oder Bereiche wohl schon. Aber nachmessen darf dann kein Gast.

Oder man baut die Hülle des Gebäudes nach, dann hat die Funktion innen aber kein Platz. (Siehe ‘el Arab’ Nachbau mit kahlen Zimmern)

Ich sage nicht, dass es gar nicht geht, aber SL und RL haben andere Konzepte. Wie WWW und Print. Und genau diese Konzepte müssen zunächst Teil eben erst noch getestet (bzw. Akzeptiert) werden.

SL ist nicht RL. Wenn man das beherzigt, dann kann man Spannendes erschaffen…

Davi

@Stefan – das ist mir klar das kein gast nachmessen darf – es geht auch nur ums Zeigen und “Begehen”.
Sl und Rl haben genauso andere Konzepte wie TV und RL – auch das wir akzeptiert ads in der Kiste keine Liliputaner rumlaufen. (weis dofer Joke). Aber SL kann genauso Emotionen hervorrufebn wie großes Kino. Sogar besser.
Ich durfte in SL kürzlich auf eienm Drachenavatar über das Land fliegen – Rl ausschalten – in Sl eintauchen – es war ein grandioses Erlebnis. Wie der Ritt auf Fuchur dem Glücksdrachen – nur eben doch ein Tick “realer”.
Hm, schwer rüber zu bringen.

Da sind wir uns einig. Wenn ich eine Weile in SL unterwegs war, und anschließen bei Youtube ein Video angesehen habe, musste ich immer wieder Feststellen, dass man dort mischt mit gedrückter Strg-Taste den Kamerawinkel und Zoom verändern kann 😉

@Florian: Wenn es Euch nicht um die Aussage zu bestimmten Zahlen ging, warum packt Ihr dann welche in den Artikel? Ich muss ganz ehrlich sagen, dass Ihr Euch den Artikel hättet sparen können, denn er ist weder von journalistisch hohem Wert, noch von besonderer linguistischer Qualität. Ich bitte, diese Kritik nicht als persönlichen Angriff, sondern als konstruktive Anmerkung zur erbrachten Arbeit zu verstehen. Mit ein bisschen Recherche in den Artikeln aus der Hype-Zeit Ende 2006/Anfang 2007 hättet Ihr eine weit bessere Arbeit abliefern können. An diesem Artikel sind einzig ein paar Kommentare hilfreich, die aber auch woanders gepostet werden (können). Es ist in der Regel besser, keinen Artikel zu schreiben, wenn man keine Zeit oder Lust zu guter Recherchearbeit hat.

Danke Christoph – auch für Dein Feedback – wir haben Zahlen des Google Adplanners verwendet – diese Zahlen sind genauso glaub- oder unglaubwürdig wie diejenigen der Plattform selbst.

Die Aussage, dass Second Life nicht tot ist, sondern kontinuirlich wächst ist eine Aussage die Wertigkeit hat. Vor allem im Tourismus ist dies wenigen klar. Auf vielen Konferenzen und Tagungen wird Second Life immer als Fallbeispiel für verfehlte Investitionen im Social Media-Bereich genannt. Wir wollten mit dem Artikel ausdrücken, dass die Investitionen durchaus positiv zu werten sind – es wurden Erfahrungen bei virtuellen Welten gesammelt. Und virtuelle Welten sind aus unserer Sicht nicht tot, sondern erwachen gerade aus dem Tal der Tränen. Das war die Kernaussage unsere Artikels – deshalb auch Fett!

Liebe Grüße,
Florian

Hinzufügen möchte ich noch, dass in Eurer Skizze der Anstieg in die Produktivität sehr beschönigt wurde; in der Originalkurve von Gartner ist der slope viel flacher, und in der Realität fühlt es sich leider auch so an…

In diesem Sinne viele Grüße an all die bekannten Namen und Gesichter in diesem Thread, die Second Life und den neueren Virtuellen Welten wie Opensimulator seit 3, 4 oder mehr Jahren “die Stange halten”! Es kann nur besser werden! 😉

Cheers,
Torrid

Second Life? Das ist nicht wirklich Euer Ernst. Oder?

Nachtrag zu oben: unsere Zahlen beziehen sich auf Deutschland – aus dem Adplanner!

ich bin nicht mehr so häufig in SL, aber ich finde das diese Vrtuelle Welt auf keinen Fall vor dem Aus steht. Obwohl vor einem halben Jahr sah es nicht sogut aus. 2006 wo ich nach SL kam, fing der ganze Hype so langsam in Deutschland und wurde durch die Medien aufgeheitzt.

Leider wurde von LL Seite zuviele Fehler gemacht, sonst würde bestimmt nicht so ein Artikel wie dieser nun geben.

Und OpenSimulator ist nun aber einer der Nutzniesser, da LL immer noch nicht ganz die Kurve bekommen hat.

Was ich lustig finde, es haben sich in der Vergangenheit leute zu Wort gemeldet, die von SL keinen Schimmer hatten, aber trotzdem meinten sich als Experten auszugeben und auch Bücher zu über SL zu schreiben.
SL wird es noch lange geben, in der jetztigen oder in welcher Form auch immer, es ist alles im Fluss der Zeit.

@Gruss an Torid Luna ;D

Tino

Weg mit dem Mist! SL braucht kein Mensch!

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Florian Bauhuber

… ist Geschäftsführer des Experten-Netzwerks Tourismuszukunft sowie Doktorand am Lehrstuhl für Kulturgeographie an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Bereits seit dem Jahr 2006 berät und begleitet er gemeinsam mit seinen Kollegen touristische Unternehmen und Verbände. In seinem Fokus stehen dabei unterschiedliche Beratungsschwerpunkte:
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