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Datenstandard in der Tourismusbranche: Ist diese Diskussion noch zeitgemäß? Ein Gedanke dazu

Aktuell diskutiert die Tourismusbranche über einen neuen Datenstandard, der notwendig sein soll, um Daten zwischen den einzelnen Akteuren, Veranstalter, Reiseportale, Buchungssystem austauschen zu können. Seit Jahren wird darauf hingearbeitet, dass sich ein neues Datenformat anstelle von INFX und Co. etablieren soll. Unter anderen hat kein Geringerer als der Traveltainment Gründer Ralf Usbeck sein Gewicht in die Waagschale, geworfen um hier für Bewegung zu sorgen. Aber ist die Diskussion notwendig?

Wozu brauchen wir Datenstandards, mal allgemein gesprochen: Ein System des einen Anbieters will mit dem System eines anderen Anbieters die Daten austauschen. In der Regel heißt das Export aus einer Datenbank in einem bestimmten Format, Interpretation dieses Format und anschließender koordinierter Import in die Datenbank des anderen Systems. Warum ist dieses Format notwendig? Die beiden Datenbanken verstehen nichts voneinander und wissen ohne diesen Standard nicht welche Daten sie geliefert bekommen. Der Grund hierfür ist, dass beide Systeme auch als „dumm“ bezeichnet werden können, da die Systeme kein Verständnis davon haben, was sie machen.

Ein anderes Szenario wäre Folgendes: Export der Daten aus einer Datenbank oder Anbieten von Daten in unstrukturierter Form, Interpretation dieser Datensätze und Import dieser ursprünglich unstrukturierten Daten in koordinierter Form in die Datenbank. Dazu ist ein intelligentes System notwendig, welches die Daten auf bestimmte Merkmale hin überprüft und semantisch interpretiert. Der Vorteil wäre, dass es nahezu egal ist in welcher Form die Daten angeboten werden, denn das intelligente System kann diese interpretieren und richtig bzw. konform für jede erdenkliche Datenbankstruktur einordnen. Damit kann die Entwicklung eines aufwendigen Datenstandards erspart werden, die Flexibilität und Vielfalt des Datenangebots erhöht und die Angebotsbandbreite verbessert werden.

Utopie? Es gibt bereits heute Firmen, die aus unstrukturierten Daten Information herauslesen können und damit den Ausgangsdatensatz in eine strukturierte Form überführen können. Das was vor wenigen Jahren noch unvorstellbar und teuer war, wird jetzt möglich und lässt sich für die Erfordernisse der Tourismusbranche anpassen. Aus diesem Blickwinkel könnte die Diskussion über einen Datenstandard wie eine Diskussion aus vergangener Zeit gesehen werden. Einzig den Beweis, dass die neuen Ansätze der Informatik für diese Einsatzzwecke funktionieren, muss noch erbracht werden. Aber vielleicht sollte das mit ersten einfachen Tests schnell abschätzbar sein. Meinungen dazu?

6 Kommentare zu
Datenstandard in der Tourismusbranche: Ist diese Diskussion noch zeitgemäß? Ein Gedanke dazu

Was Du hier in einfachen Worten beschrieben hast, ist eben leider in Wirklichkeit nicht so einfach. Das ist ja auch der Grund warum wir noch immer zahlreiche legacy systems nutzen. Entsprechende Projekte, um Daten automatisiert den Anforderungen unterschiedlichster Systeme entsprechend anzupassen, gab es ja bereits einige. Siehe u.A. Harmonise, HarmoTEN… http://www.ag-nbi.de/archiv/www.xml-clearinghouse.de/reports/Tourism%20Standards.pdf

Hallo Roman,

es stimmt, es war in der Vergangenheit nicht so einfach, weil die Technologie nicht so weit war. Inzwischen entwickeln sich diese Systeme gut weiter und sind in der Lage aus Textpassage relevante Satzabschnitte auszuwählen. Vielleicht ergeben sich über solche Systeme, wenn man diese mit etwas Energie weiterentwickelt neue Möglichkeiten, die sich dann schneller und einfacher realisieren oder weiterentwickeln lassen.
Einen Datenstandard zu etablieren ist auch kein einfaches und billiges Unternehmen und meist ist dieser anschließend sehr unflexibel.

Rainer

hi jens

meiner meinung nach ist die technik dabei der kleinste part. die unterschiedlichsten interessen der einzelnen player haben in der vergangeheit einen einheitlichen standard verhindert – ich erinnere ans tourismuscamp2009!

was ist eigentlich aus der bayern-lösung geworden?

lg
rainer

Natürlich spielt die Politik und das Wollen immer eine große Rolle, aber was ich zum Ausdruck bringe will, ist, dass wir jetzt durch den Fortschritt der Technik neue Optionen haben, über die wir vor Kurzem nicht einbeziehen konnten. Wenn der Computer in der Lage ist, aus einem freien Text die Struktur zu erkennen, dann rutscht die Bedeutung von Standards in den Hintergrund.

Soweit ich bzgl. Bayern die Punkte im Kopf habe, so haben sich einige Regionen auf einen Datenaustausch geeinigt, wollten aber diese Leistung/ Arbeit nicht frei verfügbar machen. Hier muss das Rad wieder neu erfunden werden. 🙁

Grüße
Jens

ToM80

Ich seh das ein wenig anders. Textstellen sind das eine. Hier könnten vor Allem Qualtitäskriterien und Co. herausgelesen werden.
Die Preisgestaltung lässt sich damit aber nicht abbilden. Auch die Verfügbarkeit des Angebots, die ja heute immernoch ein, wenn nicht sogar das Hauptproblem ist kann durch diese Technik nicht verbessert werden.
Hier bedarf es einfach ein besseres Datenformat was es erlaubt die riesen Angebotsmasse in Drittsystemen (z. B. IBEs) besser dastellbar zu machen.

Mit Auslesen und interpretieren von Texten ist es da einfach nicht getan (s. z. B. Zuschlagspreise, Kinderfestpreis,…)

Rainer2

Ehmm…. schon mal real etwas mit IT zu tun gehabt? Eine Schnittstellendefinition soll teuer sein, aber eine sicher funktionierende Analyse „unstrukturierter“ Daten günstiger?! LOL. Sorry. Damit haben sich dieser Blog und der Author vollständig disqualifiziert.

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