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9. Januar 2010

Das Slow Media Dingsda.

Vor einigen Tagen habe ich ES – nach verdienter Weihnachtspause – das erste Mal gelesen: “Das Slow Media Manifest”. Es beschreibt ganz grob zusammengefasst den Wandel der Medienlandschaft in der zweiten Häfte des 21. Jahrhunderts weg von schnellen, oft oberflächlichen, unidirektionalen, omnipräsenten Medien hin zu einer Medienlandschaft von neuer, bewusster Qualität, deren Teilnehmer mehr Qualität fordern, deren Technik mehr Qualität ermöglicht und deren Medienkultur diesen Anspruch widerspiegelt.

Ehrlich gesagt – der zugrunde liegende Gedanke geht teilweise in die richtige Richtung, aber erstmal wirkt das ganze wie ein schlechter oberflächlicher neudeutscher Profilierungsversuch (wie sie aktuell sehr typisch für den Kommunikationswandel im Netz sind). Warum? Pseudopoesie, Sinnfreiheit, Wichtigtuerei, ?Abkupfern?… Aber eigentlich haben andere mir schon vorweg genommen meine Meinung zu sagen: Ralph Schwartz, Ulrich Rosenbaum, Heiko Walkenhorst, usw. – danke für diese sinnhaltigen, fundierten und brauchbaren Diskussionsbeiträge. Mehr bleibt da nicht zu sagen. Vor allem die Kommentare der jeweiligen Artikel nicht vergessen zu lesen :).

PS. Einen Link ist mir das Ding echt nicht wert. Und enttäuscht bin ich auch von den Autoren, die teils in der Münchner Social Media Runde sitzen. Da ist Luft nach oben.

PS2. Kritik ohne Begründung ist eigentlich unüblich, aber die Redundanz dieser Diskussion ist eh schon so hoch – und: verlinken ist doch “in”?!!

PS3. Save your time. Danke @ Markus Bösch (einfach mal Googlen!)

Naja, ich lass es mir nicht nehmen… hier Teile des “Manifests” mit Kommentaren in kursiver Schrift.

Im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts, den so genannten Nuller-Jahren, haben sich die technologischen Grundlagen der Medienlandschaft tiefgreifend verändert: die wichtigsten Schlagworte lauten: Vernetzung, Internet und soziale Medien. Im zweiten Jahrzehnt wird es weniger darum gehen, neue Technologien zu finden, die das Produzieren von Inhalten noch leichter, schneller und kostengünstiger gestalten. Stattdessen wird es darum gehen, angemessene Reaktionen auf diese Medienrevolution zu entwickeln – sie politisch, kulturell und gesellschaftlich zu integrieren und konstruktiv zu nutzen – bis hierhin meine volle Zustimmung, aber: wussten wir das nicht alle schon?. Das Konzept “Slow” – Slow wie in Slow Food und nicht wie in Slow Down – ist ein wichtiger Schlüssel hierfür – Namen sind Schall und Rauch – also mal weitergelesen im Folgenden, vielleicht erlange ich dann eine neue Erkenntnisstufe der Social media Weisheit. Analog zu Slow Food geht es bei Slow Media nicht um schnelle Konsumierbarkeit, sondern um Aufmerksamkeit bei der Wahl der Zutaten und um Konzentration in der Zubereitung. Slow Media sind auch einladend und gastfreundlich. Sie teilen gerne. – Was hat den einladend und gastfreundlich mit einem erhöhten Anspruch im Medienkonsum einzelner zu tun? Medien sollen gastfreundlich sein? Medien sind nicht gastfreundlich. Ihre Produzenten, Konsumenten und co. sind es vielleicht. Ist das wirkliche Gastfreundschaft oder oberflächliches “ich connecte mich mit dir und führe eine horizontale-Oberflächendiskussion”?

1. Slow Media sind ein Beitrag zur Nachhaltigkeit: Nachhaltigkeit bezieht sich auf die verwendeten Rohstoffe und Prozesse und die Arbeitsbedingungen, auf deren Grundlage ein Medium produziert wird. Ausbeutung und Niedriglohnsektoren können ebenso wie das bedingungslose Ausschlachten der Nutzerdaten keine nachhaltigen Medien zum Ergebnis haben. Zugleich bezieht sich der Begriff auch auf den nachhaltigen Konsum von Slow Media. – gleich beim ersten Absatz hauts mir den Vogel raus. Das kann es doch nicht sein. Da zerbrechen sich weltweit klge Köpfe ihre Hirne zum Thema Nachhaltigkeit und dann so ein medial schwangeres Gerede… Hilfe. Ob der Qualitätsanspruch der Menschen an die von ihnen genutzten und bedienten Medien wirklich mit ihrer Lebenssituation oder politischer, ökosozialer und anderer Unausgeglichenheit korreliert – ich melde mehr als Zweifel an. Nachhaltig und Medien. Was heißt das denn???

2. Slow Media fördern Monotasking: Slow Media lassen sich nicht nebenbei konsumieren, sondern provozieren die Konzentration der Nutzer. So wie die Herstellung eines guten Essens die volle Aufmerksamkeit aller Sinne eines Koches und seiner Gäste erfordert, können Slow Media nur in fokussierter Wachheit mit Genuss konsumiert werden.  Wie bereits gesagt… Pseudopoetisch. Sehr sogar. Irgendwie unnötig seltsam geschrieben. Ja, ich stimme zu, zukünftig wird eine Rückbesinnung auf klare und strukturierte Informationen und Konversationen stattfinden, zumindest teilweise.

3. Slow Media zielen auf Perfektionierung: Slow Media zeichnen sich nicht notwendig dadurch aus, dass sie etwas ganz Neues auf dem Markt darstellen. Viel wichtiger ist der Aspekt eines immer weiter verbesserten und bewährten Benutzerinterfaces, das robust, zugänglich und perfekt auf die Mediennutzungsgewohnheiten der Menschen zugeschnitten ist. also Medienkonvergenz und Usablity sind alte Hüte, die halt noch immer gelten und gelten werden. Na und?

4. Slow Media machen Qualität spürbar: Slow Media messen sich selbst in Produktion, Anmutung und Inhalt an hohen Qualitätsmaßstäben und heben sich dadurch von ihren schnellen und kurzlebigen Pendants ab. Sei es durch eine hochwertige Oberfläche oder ein ästhetisch begeisterndes Layout. Aha. Wer definiert denn die Qualitätsmaßstäbe? Und wer empfindet die Qualität? Bzw. welche Erwartungs-Realitäts-Vergleiche werden angestellt, von wem und wie bildet sich hier ein Durchschnitt pro Medium?

Buha. Den Rest schenke ich mir.

Daniel Amersdorffer

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