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Das Outernet im Tourismus

Das Internet revolutioniert gerade die Art und Weise wie wir untereinander interagieren und kommunizieren. Diese Entwicklung wird unter dem Begriff Social Web zusammengefasst. Seit einigen Jahren zeichnet sich nun ein weiterer Trend ab, der das Social Web überlagert, verstärkt und räumlich verlagert – nach Draußen – ins Outernet.

Trend One, eine Micro-Trendforschungsunternehmen aus Hamburg hat nun ein WhitePaper zum diesem Macrotrend veröffentlicht, in dem sie das Outernet wie folgt beschreiben:

„Die physische Welt wird zur Website, auf der Objekte wie Autos, Plakatwände und S-Bahnen „angeklickt“ werden können, um auf Informationen, Dienstleistungen und Kommunikationsangebote zuzugreifen. Dementsprechend müssen Alltagsobjekte zukünftig als Schnittstelle oder potentielle Verkaufsfläche verstanden und gestaltet werden. Physische Orte werden zu Ankerpunkten, an denen sich Gemeinschaften bilden und Informationen ausgetauscht werden. Computer werden unsichtbar, bzw. so klein, dass sie in Alltagsgegenstände, unsere Kleidung und sogar unsere Körper integrierbar sind. Diese allgegenwärtigen intelligenten Alltagshelfer sind auch für technisch unerfahrene Nutzer leicht zu bedienen, wie z.B. der Autoreifen, der meldet, wenn er Luft verliert.“

Diese Entwicklung wird ohne Frage touristische Praktiken nachhaltig verändern. In Folge werden vorhandene touristische Strukturen & Angebote in Frage gestellt. Wer braucht dann z.B. noch Tourismusinformationen? Reiseführer? klassische Beschilderung? etc. oder?

6 Kommentare zu
Das Outernet im Tourismus

Also eine gut informierte und mit netten Menschen besetzte Touristinfo hat schon etwas für sich…

Neulich habe ich jedoch etwas erlebt, das mich auch an der Notwendigkeit eine physischen Touristinfo zweifeln ließ: auf die Frage, welches Lokal man mir empfehlen könne, wenn ich regionale Kost probieren möchte, antwortete man mir, man dürfe keine persönlichen Empfehlungen abgeben, um nicht einen Wettbewerber zu bevorzugen. Da schaue ich dann doch einfach lieber ins Netz…

Alexander

Ich stimme da schon Hr. von Halem zu. Allerdings möchte ich anfügen dass ich es für legitim halte dass eine Touristinformation keine Empfehlung ausspricht. Es liegt in der Hand der Gastronomen vor Ort sich zu organisieren und einen Gastronomieführer herauszubringen. Darin kann jeder sein Haus und seine Küche beschreiben. Selbstverständlich sollte dieser dann in der Touristinformation aufliegen und für die Gäste zugänglich sein.

Bsp: Kulinarische Wanderkarte / Ortsplan vom Gastro-Forum Reit im Winkl http://www.gastroforum-riw.de
PS: Die Seite wird demnächst überarbeitet.

@Josef schon, das machen wir Gastronomen ja in der Regel auch.

Aber hier zeigt sich eben das große Manko der „Empfehler“. Sie können / dürfen nicht menschlich, also als die Menschen, die sie sind, empfehlen. Einen Gastroführer kann jeder türken. Wenn ich jemanden frage, was er/sie persönlich empfiehlt, will ich ja deren Meinung als MENSCH. Wenn die TIs das nicht zu leisten vermögen (oder dürfen), braucht man sie vll. wirklich nicht. Broschüren versenden kann schließlich auch ein Robotor. In Theorie.

Es fehlt an Menschen. Überall. Ausser vll. im Netz.

Ich hoffe ich habe Unrecht…

Alexander

Die technologische Entwicklung ist schon beeindruckend.
Aber bei vielen Diskussionen wird zu sehr verabsolutiert. Auch hier.
Augmented reality, geo location based services und vieles andere spricht einen Teil der Kundschaft an – nie alle. Auch in Zukunft nicht.
Als Destination muss ich ständig abwägen – wer ist mein Kunde, wie kann ich ihn ansprechen, wo kann ich ihn „abholen“.
Die Posaunen von Jericho, die ein Ende der Touristinfo einläuten, sollten wir schnell wieder einpacken. Funktionen und Marketing- und Servicewege ändern sich. Das sollte die Botschaft sein, die wir verbreiten. Und sie ändern sich relativ langsam. Auch von der Kundennachfrage her.
Es gab schon immer schlechte und gute TI, es wird auch in Zukunft schlechte und gute TI geben. Da liegen die Ursachen aber nicht in dem „Siegeszug“ von Innovationen, sondern in schlechtem Management, fehlender politischer Unterstützung und vielen anderen uns gut bekannten Gründen und menschlichen Unzulänglichkeiten.
Richtig ist auch – wir (die Leser dieses Blog, Besucher von Tourismuscamp oder Castlecamp oder BloggerSummit@ITB) sind nicht DER TOURIST. Wir sind zahlenmässig im unter 1 Promille-Bereich. Also Vorsicht bei Verallgemeinerungen und Schlussfolgerungen.

Danke Detlev Meyer.
Ich erweitere die Fragestellungen von Florian und frage hypothetisch: „Wozu brauchen wir und gibt es heute immer noch Expedienten, wo doch alle Informationen zum Direkt- und Durchbuchen bereits im Netz sind und warum?“

Irgendwie antiquiert diese Intermediäre und doch nicht tot zu kriegen 😉

Das ist der bekannte Konflikt, der hier auf diesen Seiten immer wieder aufbricht und der letztlich zwischen Theoretikern und Praktikern entflammt.

Um auf die hypothetische Frage zurückzukommen, kann ich nur immer wieder betonen und wiederholen… Es gibt menschliche Eigenschaften und Qualitäten, die kein Gadget und kein noch so faszinierendes technisches Gerät herstellen kann. Menschen zum Anfassen, Ideen, Kreativität, Vertrauen und Vertrautheit, eine Anlaufstelle, Gewohnheiten, Sicherheit, Unterhaltung, Vorsprungswissen, Bestätigung, Egokitzeln und und und … all die zwischenmenschlichen soft skills, die Intermediäre noch lange NICHT überflüssig machen.

Ganz genau. Intermediäre werden immer sehr wichtig sein. Es fragt sich nur, wie / wo sie präsent sein werden und mittels welcher Medien sie kommunizieren werden bzw. sie verstehen / bedienen können müssen, um der ihr abverlangten Leistung gerecht zu werden.

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Florian Bauhuber

... ist Geschäftsführer des Experten-Netzwerks Tourismuszukunft sowie Doktorand am Lehrstuhl für Kulturgeographie an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Bereits seit dem Jahr 2006 berät und begleitet er gemeinsam mit seinen Kollegen touristische Unternehmen und Verbände. In seinem Fokus stehen dabei unterschiedliche Beratungsschwerpunkte: #ServiceDesign #WebsiteRelaunch #ContentStrategie #Marketing #Vertrieb #Change #Innovation