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14. April 2009

Tandem und Gedanken zum Umgang mit touristischem Content in Destinationen

Eine Destination ist ein soziales Netzwerk, dessen Knoten zahlreiche verschiedene Akteure sowie die Entscheider und Mitarbeiter einer Destination Management Organisation selbst sind – in einer erweiterten Perspektive können sogar die Gäste zu diesem Netzwerk gerechnet werden. All diese Knoten sind verbunden über Kanten, die für Kommunikationsprozesse, betriebswirtschaftlich motivierte Interaktionen oder andere soziale Beziehungen stehen. Das Netzwerkmodell bewirkt, dass alle Akteure sich in gewisser Weise gegenseitig beeinflussen durch ihre Handlungen – auch der Gast kann hier als Handelnder gesehen werden.

So, jetzt aber Schluss mit abstrakter Perspektive und los mit praktischen Gedanken zum Management von Informationen in einer Destination

Gestern erreicht mich eine Email von unserem Freund Prof. Roman Egger von der FH Salzburg über ein neu entwickeltes und nun nutzungsbereites Projekt namens TANDEM zur Verwaltung von touristischen Informationen in einer Destination. Der Gedanke dahinter ist, all die Informationen, die Attraktionspunkte und Sehenswürdigkeiten einer Destination produzieren, nicht mehr auf all den einzelnen Webseiten getrennt aktualisieren zu müssen.

Fiktives Beispiel… Ein Museum im Salzburger Land möchte das Internet nutzen, um dort Informationen zu Lage, Öffnungszeiten und eine Beschriebung des Museums zu publizieren. Normal täte es das nun auf der eigenen Webseite und jeder Akteur, vom Hotel über Gasthof, Pension und DMO würde sich diese Inhalte dort manuell herunterkopieren und umformuliert auf der eigenen Webseite wieder einfügen. Einige Wochen später muss die Info unter Umständen bereits neu aktualisiert werden.

Das Problem… Im Netzwerk der Destination verfügt jeder Akteur über eigene Informationen zu sich, die aber wiederum jeder andere Akteur in gewisser Weise nutzen möchte. Diese Informationen werden bisher wie eben beschrieben auf der eigenen Webseite veröffentlicht und von allen Interessierten manuell auf die eigene Webseite kopiert. Gäste produzieren ebenfalls Inhalte, die in externen Web2.0 Plattformen liegen, möglicherweise getaggt mit Namen des Akteurs oder der Destination.

Lösungsansätze… Eine DMO ist zukünftig nicht mehr Informationsproduzent, sondern die Spinne im Netzwerk einer Destination, die über ihr funktionierendes und stabiles Netz Informationen von Akteuren und Gästen sowie eigene Inhalte zentral sammelt, bewertet, sortiert und dezentral verfügbar macht – Managing Feeds and Flows of Information.

Tandem… Das Projekt Tandem versucht genau dieses und sammelt Informationen der teilnehmenden Sehenswürdigkeiten / POIs und stellt diesen Content den Teilnehmern zur Einbindung auf der eigenen Seite über eine Schnittstelle zur Verfügung. Der hoheitliche Content des Destinationsnetzwerks wird somit effektiv genutzt, muss nicht mehrmals kopiert/ eingefügt werden, sondern wird zentral und damit stets aktuell gepflegt. Die Anzeige der Inhalte auf den Webseiten der Teilnehmer kann bezüglich Auswahl der POIs und Darstellungsform individualisiert werden.

Kritik… Momentan mag dieses Projekt einen existierenden Bedarf abdecken und Kostenreduktionen zu verwirklichen helfen, da es die Inhaltsverwaltung erleichtert. Das Web2.0 bleibt aber, so scheint es zumindest, außen vor bei diesem Projekt. Der Social Graph des Gastes, der als zusätzliche Hilfe bei der Konsumation von Informationen, bei der Bewertung von Informationen auf Glaubwürdigkeit hilft, wird nicht in Wert gesetzt.

Weitere Player… Tripadvisor, TripsbyTips und weitere Akteure (zb. Qype, MaptoolKit, EMWA, ?Bytes@Work?) versuchen ebenfalls in den Markt der Destinationen einzudringen, nur eben aus Sicht der Web2.0 Schiene. Die Vereinigung von hoheitlichen Inhalten und gästegeneriertem Content in einer zentralen Datenbank, erscheint als optimale und langfristige Lösung – es bleibt also spannend.

Wilde Gedanken… gibt es zu diesem Thema auch noch einige… Wie werden sich Copyright und Lizenzen hier als Hemmnis erweisen, was muss sich im Lizenzrecht im Idealfall sogar ändern? Welche gästegenerierten Inhalte kann die Destination nutzen ohne in die Lizenzfalle zu tappen bzw. wie lässt sich die Lizenzfalle umgehen? Welche Rolle spielt Geolokalisierung von Inhalten und wie lässt sich dies nutzen über eine zentralisierte Contentsteuerung hinweg? Gibt es bereits Destinationen, die solche Modelle fahren? Wie wichtig ist UGC? Wie lässt sich die Nutzung von UGC automatisieren / filtern / eingrenzen? Wie lässt sich der monetäre Erfolg einer solchen Zentralverwaltung messen?

D.A.

Daniel Amersdorffer

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