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3. Februar 2009

Smart Information Systems: Interview mit Markus Linder

Markus Linder ist CEO der Firma Smart Information Systems und als solcher in dem Projekt ebsemantics eingebunden. Hier wird mit der Wirtschaftskammer Österreich und der Österreich Werbung Weg entwickelt werden, wie kleine und mittlere touristische Betriebe vom Semantischen Web profitieren können.

Tourismuszukunft: Bitte stellt kurz euer Unternehmen vor.

Smart Information Systems entwickelt digitale Beratungsassistenten die Benutzer im Internet bei Produkt- und Dienstleistungsentscheidungen unterstützen. Der „Smart Assistant“ erhebt dazu die Bedürfnisse der Konsumenten in einem interaktiven Prozess und empfiehlt jene Produkte aus dem Sortiment des Anbieters, die am besten zu diesen Wünschen passen. Eingesetzt werden die auf Semantic-Web-Technologien basierenden Lösungen in Online-Shops und Portalen von großen E-Commerce-Anbietern, Herstellern und Preisvergleichsportalen, in Bereichen wie Consumer Electronics, Weiße Ware, Mode aber insbesondere auch im Tourismus. Zu den Kunden des Unternehmens zählen führende E-Commerce-Anbieter wie Otto.de, Quelle.de, Neckermann, Conrad-Electronics oder BAUR-Versand.
Unser langfristiges Ziel ist der Ausbau unserer Technologie zu einer E-Commerce Such- bzw. Beratungslösung für Semantic-Web-basierten E-Commerce. Wir wollen also User nicht nur wie heute auf geschlossenen Portalen dabei unterstützen die für sie optimalen Produkte und Dienstleistungen zu finden, sondern werden in Zukunft dabei alle Angebote mit einbeziehen können, die im Internet der nächsten Generation – dem Semantic Web – von Anbietern angeboten werden.
Um den Know-How-Vorsprung des Unternehmens weiter auszubauen investieren wir auch massiv in interne und externe Forschungs- und Entwicklungsprojekte. Zwei zentrale, von uns initiierte Projekte sind ebSemantics und myOntology.

Tourismuszukunft: Ihr seid ein Partner vom ebSemantics mit der Wirtschaftskammer Österreich zusammen. Was ist das Ziel von ebsemantics? Beschreibt doch einfach das Projekt und eure Tätigkeit.

Ziel ist es, alle Voraussetzungen zu schaffen, um die Vorteile von Semantic-Web-basiertem E-Commerce (Web 3.0) für die heimische Wirtschaft, insbesondere für die vielen kleinen und mittleren touristischen Betriebe, einfach und ressourcenschonend nutzbar zu machen. Im Zuge des Projektes sollen Voraussetzungen geschaffen werden, um die Eintrittsbarrieren für Unternehmen zu minimieren. Bestandteil des Projektes sind daher Entwicklung und Aufbau der erforderlichen Infrastruktur, die Realisierung von Demonstrationsprojekten bzw. Anwendungsfällen, welche die Vorteile der Technologie für KMUs anhand von praktischen Beispielen verständlich machen sowie darauf abgestimmte Kommunikationsaktivitäten.

Tourismuszukunft: Das Semantische Web, häufig auch schon als Web 3.0 bezeichnet, gewinnt weiter an Bedeutung. Welchen Nutzen hat das Semantische Web für die Tourismusbranche?

Das Semantic Web ermöglicht es etwa Angebote von Unterkünften, Gastronomen und Event-Anbietern einmal im Web in einer strukturierten, maschinen-interpretierbaren Form zu veröffentlichen und in Folge mit ihren Angeboten, auf einer großen Anzahl von Portalen intelligent integriert werden zu können.

Die Zielgruppe kann damit wesentlich besser erreicht werden und die Aufrufe der eigenen Website erhöht werden, weil das jeweilige Angebot in wesentlich mehr Portalen als bisher aufgefunden wird und auf die Website des Anbieters verlinkt.
Auch ein besseres Ranking bei konventionellen Suchmaschinen wird erzeugt. Ein Angebot ist auf viel mehr Webseiten und Portalen verlinkt. Somit erhöht sich mittelfristig in Google und Co automatisch auch das Ranking.
Die bessere Spezialisierungsmöglichkeit und neue Chancen in Nischen-Märkten sollte man auch nicht außer Acht lassen. War es bisher kaum möglich ein Nischenangebot im Internet effizient zu vermarkten, so kann durch die semantischen Beschreibungen auch auf Nischenplattformen das Angebot dargestellt werden, von deren Existenz man noch gar nicht gewusst hat. Somit lohnt es sich in Zukunft stärker auf Nischen zu setzen und neue Zielgruppen anzusprechen.
Zu guter Letzt ist die bessere Differenzierung von Mitbewerbern ein wesentlicher Faktor, da Touristen ein immer individuelleres Angebot verlangen. Semantic-Web-Technologien ermöglichen Destinationen, die dem individuellen Gast am besten entsprechen, sich von der besten Seite zu zeigen.

Tourismuszukunft: Gibt es bereits Projekte, bei denen Technologien des Semantischen Webs verwendet werden?
Eine wesentliche Anwendung ist der von uns entwickelte Urlaubsberater. Dieser ermöglicht es Gästen eine dynamische Produktbündelberatung zu nutzen. Ein Gast kann dabei etwa in einem interaktiven Prozess definieren, dass er vom 20.2.-26.2. in Kärnten auf Schi-Urlaub möchte, kann seine Anforderungen an die Unterkunft definieren und festlegen, dass er sich für klassische Konzerte, für Brauchtumsveranstaltungen und für asiatisches Essen interessiert. Der Beratungsassistent empfiehlt dann in Form von dynamisch-generierten Produktbündeln jene Orte, an denen zum gewünschten Zeitpunkt eine optimale Kombination aus Unterkunft, Events und gastronomischen Angeboten vorkommt.
Zahlreiche Portale sind derzeit dabei Ihre Angebote „Semantic-Web-tauglich“ zu exportieren und somit für andere Portale verfügbar zu machen. So wird etwa bis Mai 2009 das Firmen A-Z der Wirtschaftskammer Österreich um ein Semantic-Web-Plugin erweitert. Ab diesem Zeitpunkt können Unterkünfte, Gastronomen und Eventanbieter ihre Angebote einmal dort in einem einfachen Formular beschreiben und diese Informationen können in Folge von einer großen Anzahl von Portalen weiterverarbeitet werden. So kann etwa ein Web 2.0-Portal das Radtouren beschreibt automatisch Restaurants mit der Möglichkeit im Freien zu sitzen entlang der Strecken anzeigen und empfehlen.

Tourismuszukunft: Ihr seid nicht nur in der Tourismusbranche aktiv. An welchen Stellen kann die Tourismusbranche von anderen Branchen lernen?
Vordergründig setzen wir unsere Beratungsassistenten heute im Versandhandel ein. Dort können sich Konsumenten bei der Auswahl von Digitalkameras, Fernsehern, Waschmaschinen und ähnlichen Produkten beraten lassen. Die Erfahrung zeigt, dass Konsumenten die sich online beraten lassen, eine deutlich höhere Kaufwahrscheinlichkeit aufweisen. Unsere Kunden differenzieren sich mit Hilfe eines professionellen Online-Beratungsangebots stark vom Mitbewerber und stellen somit sicher, dass der Konsument auch wirklich jene Angebote findet, die seinen Interessen am besten entsprechen. Gerade im Tourismus ist dies von entscheidender Bedeutung! Es reicht nicht, für jeden Gast das optimale Angebot an Events, Attraktionen und Unterkünften parat zu haben, man muss auch sicherstellen, dass Gäste im Online-Auftritt von Destinationen jene Angebote finden, die für Sie buchungsrelevant sind. Unsere digitalen Urlaubsberater, agieren dabei wie ein guter Berater im Reisebüro – sie erheben die Wünsche des Kunden und empfehlen dann jene Angebote einer Region oder Destination die diesen Wünschen optimal entsprechen. Damit können Destinationen sicherstellen, dass Ihre Assets auch dementsprechend bei der Zielgruppe ankommen.

Tourismuszukunft: Der Durchbruch des Semantic Webs wurde immer wieder prophezeit, hat sich aber bis jetzt in Grenzen gehalten. Wie ist eure Meinung dazu und könnte sich das jetzt ändern?

Der Durchbruch des Semantic Web hat den Aufbau von Infrastruktur vorausgesetzt, die mittlerweile geschaffen ist. Es war ein breiter Weg, bis dies tatsächlich gelungen ist, doch heute stehen skalierbare Systeme zur Verfügung, die den breitflächigen Einsatz möglich machen.

Tourismuszukunft: Vielen Dank!

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