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Twitter im Tourismus – Übersicht

Twitter im Tourismus – das soll das Thema dieses Artikels sein. Wir hatten im Juni 2007 das erste Mal über den Microblogging Dienst Twitter auf Tourismuszukunft berichtet. Anfang 2008 haben wir vom Tourismusblog uns dann intensiver mit Twitter und dem Thema Microblogging auseinandergesetzt und starteten unsere eigenen Twitteraccounts (Florian, Jens, Daniel).

Der Dienst Twitter ist in der Onlinewelt, wenn auch insgesamt als Nischenmarkt anzusehen, stark auf dem Vormarsch und legt rasch an Nutzerzahlen zu. Wie mein Beispiel vom Freeride-Urlaub zeigt, führt Kommunikation auf Twitter durchaus zu realen Effekten – extrem gut sichtbar auch anhand der Flugzeuglandung im Hudson River oder dem Buzz auf Twitter nach den Anschlägen in Indien. Twitter ist verglichen mit dem Blogging ein schnelleres und flexibleres Medium mit meist größerer Reichweite. Die Wichtigkeit dieses Dienstes erkennen nun mehr und mehr Akteure, sowohl aus allen Wirtschaftsbranchen als auch aus dem Tourismus. Als Beispiel möge die deutsche Bahn angeführt sein, die relativ früh ihren Twitteraccount startete.

Aus wissenschaftlich-theoretischer Sicht ist eines der interessantesten Phänomene von Twitter das Aufbrechen des tradierten Freundschaftsbegriffes, dazu im Artikel zum Thema Weakties und ambient awareness mehr Informationen.

Wilhelmus aus Kanada hat kürzlich einen interessanten Artikel über Twitter im Tourismus veröffentlicht, dessen zentrale Aussagen ich hier kurz darstellen möchte:

My hypothesis that there’s a difference between what people expect from a local or a far away tourism board seems to be true. Locals are interested in current information while long haul visitors look for ideas, deals and help in trip planning. Makes sense, people’s needs depend on the level of knowledge about a destination.

Auf diese Schlussfolgerung kommt Wilhelmus, indem er etwa 100 Twitterer in einer kleinen Studie zur Nutzung von Twitter im Tourismus befragte – statistisch natürlich nicht valide, aber dennoch tauglich um eine Grundrichtung zu erkennen. Basierend auf den Ergebnisse identifizierte er vier Funktionen welche Twitter im Destinationsmarketing übernehmen kann:

  • Twitter als Serviceangebot – Twitterer können die Destination per Twitteraccount kontaktieren und zeitnah Antworten auf Fragen zum passenden Hotel etc. erhalten – eine gute Ergänzung zu Hotelbewertungsportalen und Reisecommunities.
  • Twitter als Informationsangebot – Die Destination veröffentlicht Insidertipps zu Veranstaltungen, lokalen Attraktionen und günstigen Pauschalangeboten etc. auf ihrem Twitteraccount als zusätzlichem Informationskanal.
  • Twitter zum Social Networking – Die Destination kann ihre Kundenbindungsmaßnahmen durch Social Networking Strategien auf Twitter unterstützen.
  • Twitter für Marktforschung – Fragen oder Probleme können in Twitter gepostet werden und erhalten meist sehr zeitnah eine Antwort.

Twitter kann also als weitere Informationskanal im Social Media Marketing von Destinationen und im Tourismus genutzt werden. Wie bei allen social media gilt auch Twitter, dass der soziale Charakter und die Notwendigkeit zum Aufbau eines social networks in der Twittersphere in der Kommunikationsstrategie beachtet werden muss.

D.A.

11 Kommentare zu
Twitter im Tourismus – Übersicht

Wir nutzen seit einigen Tagen testweise Twitter als Social Media Marketingkanal und haben in den wenigen Tagen eine überaus positive Resonanz bekommen. Wenn die positive Tendenz anhält – wovon wir ausgehen – werden wir das Angebot mit Servicedienstleistungen weiter ausbauen. Follower werden derzeit von uns mit einem Rabatt belohnt: http://twitter.com/reisencom

Ein großes und interessantes Thema. Ein paar Anmerkungen zum erreichbaren automatisierten Medienmix:

a) Der zitierte Twitter Account der Bahn ist rein RSS Feed gefüttert. Das ist einerseits schlecht, weil kein Kommunikationsangebot (Postet mal eine Reply/Anfrage zu einer Baustelle…). Andererseits kann man so per Twitter Informationen gut an einen weiteren Interessentenkreis pushen.

b) Twitter ist primitiv einfach. Das ist extrem positiv, s.o. weil man extrem einfach pushen kann.

c) Im Tourismus- bzw. Kommunikationskontext sollte man allerdings Rezepturen entwickeln, die etwas weiter greifen. Vor allen Dingen sollten auch weitere Medien angeboten & eingebunden werden (Fotos, Videos, etc.).

Ich habe vor ein paar Tagen meinen etwas komplexeren Microblogging Workflow gebloggt, den ich für sehr stabil und einfach handelbar halte. Darin enthalten ist identi.ca, Twitter und FriendFeed

Info: Statt identi.ca kann man zielgerichtet weitere vernetzte (!) Laconica Installationen verwenden wie z.B. bleeper.de.

Der Artikel: Microbloggen: Identi.ca, Twitter, Facebook und ‘Alles’ in Friendfeed
http://sankt-georg.info/artikel/733/mikrobloggen-identica-laconica-twitter-friendfeed-microblogging

d) Ich gehe im Artikel nicht weiter auf soziale Nachrichtennetzwerke ein, aber zusätzlich sehr interessant finde ich das Konzept von SocialMedian, das gerade von XING als zukünftige Nachrichtenkomponente aufgekauft wurde.

Die Schaffung eigener lokalisierter Nachrichtennetzwerke mittels ausgesuchter Quellen (Sources) und Themen (Topics) ist sehr einfach möglich.

Siehe: Hamburg & HH St. Georg News
http://www.socialmedian.com/network/hamburg-hh-st-georg-news
Ich: http://www.socialmedian.com/Markus_Merz

Wer mehr über den Aufbau eines solchen social media bzw. microblogging Workflow wissen möchte, der kann mich gerne kontakten. Die Einstiegshürden im Sinne von ‘was arbbeitet wie zusammen’ sind recht komplex, aber das Ergebnis ist hoch automatisiert und liefert einen mächtigen Output.

Hallo Markus,

Vielen Dank für den langen Kommentar. Der Bahn Account ist RSS gefüttert, ich weiß. Eine Social Media Stratgie muss mehr können, siehe unsere Artikel zu Social Media Marketing.

Ein Workflow im Tourismus aufzubauen ist nochmal leicht anders gelagert als bei einem x-beliebigen Wirtschaftsunternehmen, grundsätzlich geht es jedoch, wie du richtig anmerkst, darum auf der einen Seite des Social Webs Inhalte zu pushen, die dann verteilt werden bzw. vernetzt werden.

Ich schreibe gerade Dipl Arbeit zu dem Thema und beschäftige mich durch aus auf einer tieferen Ebene damit, nur fehlt uns leider die Zeit, dieses Wissen so wie du so ausführlich darzulegen, vielen Dank für die Hinweise. Demnächst werde ich mal ein paar Kapitel aus meiner wissenschaftlichen Forschung zum Thema Twitter und Tourismus posten, die noch einige weitere interessante Rückschlüsse zulassen. Besonders für Destinationen interessant. #geheimnisvoll

LG Daniel

@Daniel gerne doch 🙂

Im Rahmen des Themas halte ich die automatische Vernetzung diverser Medien, die einmalig auf spezifischen Medienseiten eingestellt werden, für sehr wichtig. Die meisten Tourismusbüros werden keine Ressourcen haben, um das Alles händisch zu erledigen und erst recht nicht die Kommunikation auf allen Kanälen zu überwachen bzw. dort Konversation zu betreiben.

Na ja , diese neuen sozialen Medien sind extrem spannend und Twitter ist nur die Spitze des Eisbergs.

Anna

Ein spannendes Thema. Ich beschäftige mich in meiner Diss. (fast fertig) im letzten Kapitel “Recommendations” mit neuen Marketingmethoden. Twitter wäre da eine Möglichkeit. Ich habe ein thematisches Segment im Tourismus (forest-based tourism and recreation) per Clusteranalyse (nach Porter nicht multivariat) untersucht, ein Akteursnetzwerk und Schwerpunktthemen erstellt. Über Komplementaritäten komme ich zu dem Punkt, dass in der diagonalen Clusterdimension noch sehr viel Platz für supplementäre Kommunikationsinstrumente ist, besonders in ruralen Gebieten, wie es z.B. die deutschen, waldreichen Mittelgebirge nun einmal sind. (Dummerweise ist dort DSL auch noch nicht sehr weit verbreitet). Während aber die eine Destination auf Fun- und Eventsport setzt (Bike Arena, Snowboard competitions etc.) ist die andere dem 45+ Wanderpublikum zugewandt. Twitter mag für Locals mit spontan-antrieb perfekt sein. Das treu wiederkehrende Wanderpublikum greift auf so etwas (noch) nicht zurück. Die wären auch nur genervt.

Für sehr wetterabhängige Sportarten wäre Twitter mit tweets über das regionale Desti-management allerdings ein Riesenvorteil. Schneehöhe, Temperatur und Anzahl der gespurten Loipen 3 x pro Tag neu auf Handy: wie cool ist das denn?

Andere Ansichten? Vorschläge? Meinungen?

Seid ihr auf der ITB?

Natürlich – jederzeit zu einem Treffen bereit – einfach nur Kontakt aufnehmen!

übrigens danke für Deinen Beitrag!

Florian

@Anna – schöner Beitrag, herzlichen Dank. Twitterst du auch? Treffen auf der ITB – super. LG Daniel

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