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Social Graph im Tourismus und im Marketing – Abbildung von sozialen Netzen bedeutet Kapital

Heute habe ich einen Artikel auf SocialNetworkStrategien über Geschäftsmodelle von Social Networks gelesen. Der Autor verweist im Wesentlichen auf die enorme Bedeutung der sozialen Verbindungen zwischen den Nutzern von Social Networks, auf die Werthaltigkeit dieses digital abgebildeten Beziehungsnetzwerkes. Und er führt an, dass Geschäftsformen wie WoM, Crowdsourcing, Social Commerce und co. in Zukunft noch besser nutzbar und attraktiver werden.

Zunächst war ich aus mehreren Gründen verwundert – einerseits, weil in dem Artikel doch einige wesentliche Aspekte fehlen, die ich wichtig finde – mehr dazu gleich – andererseits auch, weil das Thema erst jetzt durch die Blogs geht. Die Abbildung sozialer Netzwerke ist meines Erachtens das Stichwort, wenn man über Social Media Marketing spricht.

Jetzt aber zu meinen Eindrücken zum besagten Artikel. Das Web2.0 ist eine Technologie, welche basierend auf den Architekturen der Kommunikation, Vernetzung und Mitwirkung und dem Vorhandensein einer zunehmenden Nutzerzahl zum Social Web geführt hat. Zunehmend mehr Internetnutzer nutzen die Errungenschaften des Web2.0 und tragen so ihren Teil zum Aufbau eines gigantischen Social Web bei – ob in Form von Freundesnetzwerken, Mediacontent, Meinungen oder anderen Inhalten sei zunächst egal.

Viel zentraler ist, dass hier Menschen miteinander interagieren. Es entstehen soziale Netzwerke entweder, weil sich reale Netzwerke in digitalen Social Networks abbilden, oder weil virtuell neue Netzwerke entstehen (Stichwort digitale Nähe). Es gibt also Knoten (Menschen im Web) und Kanten (Beziehungen zwischen Menschen). Die Kanten können Freundeslisten, Kommentare, Blogs, Blogposts, etc. sein – Dinge eben, welche Menschen verbinden. An dieser Stelle wird es richtig interessant, denn erst durch diese Kanten werden Informationen mit einem sozialen Wert attribuiert. Lese ich, dass mein virtueller Freund im Hotel XY zufrieden war, hat das für mich eine andere Bedeutung, als wenn irgendjemand (vielleicht das Hotel selbst?) auf Holidaycheck eine Bewertung schreibt.

Übertragen auf wissenschaftliche Ansätze der Netzwerkanalyse resultiert daraus die Notwendigkeit, den Blickwinkel zu ändern weg von Buzzwords wie Evangelism, WoM und Crowdsourcing hin zur sozialen Netzwerkanalyse. Welche Struktur haben Netzwerke in Social Networks? Welche Kanten lassen sich für eine Inwertsetzung durch Geschäftsmodelle nutzen, welche nicht? Welchen Einfluss könnte sozial attribuierte Information zukünftig haben? Welche Rolle spielen Closeness zwischen den Akteuren eines Social Networks bzw. In-Betweeness der Akteure? All diese Fragen sind mir bisher fast nie im Zusammenhang der Social Media Diskussion begegnet, obwohl sie dringend in den Vordergrund gestellt werden müssten.

Dass Advertising und Meinungsmanipulation langfristig nicht funktionieren können war mir schon vorher klar 😉 – So gesehen ist es für mcih auch keine Neuigkeit, dass eben diese sozialen Netzwerke, die ich erwähnt habe, das Kapital von Facebook, Google und co sind. Aber welche Rolle soziale Verbindungen und Gebilde konkret spielen können, wie sie sich quantifizieren lassen , das wird noch interessant werden!

D.A.

10 Kommentare zu
Social Graph im Tourismus und im Marketing – Abbildung von sozialen Netzen bedeutet Kapital

Also erstmal: Web 2.0 ist NICHT allein die Technik. Sondern genau das, was sie beschreiben: die Menschen, die es nutzen! Das soziale Geflecht.
Und: viele Manager, Markenverantwortliche, KMU wissen bisher noch nicht, was sie damit anfangen sollen.
Und auch die Social Networks, wenn man sie als Unternehmen betrachtet, die “funktionieren” müssen, also Gewinn erwirtschaften, wollen sie langfristig ökonomisch überleben, sind händeringend auf der Suche nach den Erlösmodellen.
Darum gings in dem Artikel 😉
Viele Grüße aus Berlin.

mgs733

“Dass Advertising und Meinungsmanipulation langfristig nicht funktionieren können war mir schon vorher klar” – das ist schon eine mutige Ansicht hier einen Paradigmenwechsel für eine Branche einzuläuten dessen eigenständige Geschäftsmodelle bislang nur durch verbrennen von VC Capital geglänzt haben und deren Bedeutung möglicherweise stark überbewertet ist 😉 Es wird sicherlich einige Produkte geben die über SMM ideal vermarktet werden können – z.B. Rapidshare. Wobei der Vermarktungsansatz trotz aller Innovation nicht immer funktioniert – z.B. Stumbleupon. Letztendlich wird SMM als Marketinginstrument für einen gewissen Produkttypus funktionieren, auf breiter Front betrachtet aber nicht die Performance und Anwendbarkeit der bisherigen Marketinginstrumente erreichen.

Neben der sozialen Nähe zwischen Akteuren halte ich v.a. die Fachkompetenz, also die Authority (um im webzweinullhippen Buttworddeutsch zu bleiben), die man einer Quelle zutraut für sehr wichtig.

Kann es sein, das sie meinen Kommentar von gestern wieder gelöscht haben?
Auch eine Möglichkeit mit Kritik umzugehen, vor allem wenn sie vom Autor des Artikels kommt, den sie hier wiederum versuchen in eine Ecke zu drängen, die nicht fair ist aus meiner Sicht.
In Zeiten des Web 2.0 ist das sicherlich nicht die cleverste Variante.
Schade.
Viele Grüße

Hallo Herr Roskos,

Ihr Artikel wurde nicht gelöscht sondern war nur noch nicht freigeschaltet – deshalb die Verzögerung! Wir stellen uns sehr gerne der Kritik – Daniel wird Ihnen sicher bald antworten!

Viele Grüße,
Florian

Hatte mich auch sehr gewundert!
Aber war eigenartig, weil ein Kommentar, der nach meinigem abgegeben wurde, schon zu lesen war.
Da war ich davon ausgegangen, das sie den meinigen gelöscht hatten. 🙂

Daniel

Hallo Herr Roskos,

Sorry für Ihre Unannehmlichkeiten mit dem Kommentar, war keinesfalls beabsichtigt. Ich habe mich vlt in dem Artikel etwas falsch ausgedrückt – web2.0 ist nicht die Technologie alleine, das stimmt, Einwand akzeptiert. Es ist aber auch nicht das daraus entstehende soziale Netz. Web2.0 ist für mich eine Basis aus Anwendungen, technischen Neuerungen und konzeptueller Veränderung zu den genannten 3 Architekturen.

Social Web ist was daraus entsteht, so meine Differenzierung der Begriffe. Oder wie würden Sie sonst die Abrenzung Social Web und Web2.0 ziehen?

Die Erlösmodelle müssen sich langfristig auf die soziale Attribution von Informationen stützen, alles andere braucht kein Social Network System?

Cheers, Daniel

Hallo Daniel,
dem kann ich voll und ganz zustimmen. So habe ich in meiner Präsentation auf der Xtopia in Berlin letzten November zum Beispiel auch das Web 2.0 beschrieben. Technische Möglichkeiten (inklusive der hohen Bandbreiten) plus die sozialen Verbindungen, das aktive Agieren der Nutzer, die das Netz mit neuem Leben erfüllen.
Da gehen wir dann zu 100% konform!

Und auch was die Erlösmodelle anbelangt, die nunmal existentiell wichtig sind für die Inhaber und Investoren der Social Networks, liegen wir wohl gar nicht so weit auseinander. Das eine bedingt das andere.

Also: kein Wundern notwendig! 😉

Daniel

Hallo Matias,

gerade die sozialen Verbindungen sehe ich einen Schritt weiter, nämlich im Social Web verankert. Web2.0 ist fürmich nur der Auslöser dessen, der Diskursbegriff zur Untersuchung der sozialen Netze wird m.E. aber mit Social Web besser gewählt sein…

VG Daniel

Klar – Social Web sind nicht nur Social Networks. Es gibt ja auch Blogs, Microblogging ala Twitter, Bewertungsplattformen wie Qype und und und.
Gar kein Thema.
Aber in meinem Artikel ging es halt nunmal einzig und allein um die Erlösmodelle von Social Networks. Um nicht mehr und nicht weniger! 😉

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