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20. Dezember 2008

ABeDi – das erste deutsche Reise-Woot! ein Jahr später – das Interview!

ABeDi Nicolas Götz Geschäftsführer des ersten deutschen Reise-Woot! ABeDi.de stand uns für ein ausführliches Interview zur Verfügung. Nic, herzlichen Dank, dass Du Dir in der Vorweihnachtszeit die Zeit genommen hast!

Tourismuszukunft: ABeDi, das erste deutsche Reise-Woot!, ist vor kurzem ein Jahr alt geworden. Wie beurteilt Ihr nach den Erfahrungen dieses Jahres die Anwendbarkeit des Woot!-Konzeptes für den Tourismus?

Nicolas Götz: “Ein liveshopping-Konzept, das ja auf Spontanität setzt speziell für Reisen aufzuziehen ist natürlich erstmal ein kleiner Widerspruch: Eine Reise will ja wohl oder übel doch meist geplant werden: Beim Chef Urlaub nehmen, den Termin mit dem Partner abstimmen, die Anreise nach xy organisieren usw. Außerdem muss der Käufer ja auch selbst noch aktiv werden: Er muss nämlich reisen! Einen Memorystick bestell ich mit 2, 3 Klicks, der kommt bequem per Post ins Haus, fertig.

Das alles unterscheidet Reisen neben dem meist höheren Preis doch stark von den sonst üblichen liveshopping-Produkten.

Dennoch lassen sich Reisen auch via liveshopping verkaufen, wenn das Angebot gefällt und zusätzlich Zeit (also die verfügbaren Reisetermine) und Ort (des Hotels) für den Kunden passen. Ob ein Hotel bzw. die Stadt gefällt oder nicht ist natürlich weitgehend Geschmackssache. Eine wichtige Stellschraube ist daher der Termin, daran werden wir demnächst kräftig drehen und weit mehr und flexiblere Reisezeiträume anbieten.

Die conversion-rate liegt einiges unter derer von “klassischen” Online-Reisebüros wie Nix-wie-weg.de. Aus den genannten Punkten zeigt sich, dass sich Reisen erheblich schwieriger an den Liveshopper bringen lassen als Playstation, Akkuschrauber & Co.

Wahnsinnig aufwendig waren zum Teil die Verhandlungen mit Hotels. Manchmal braucht man ewig, bis ein Hotelier wenigstens in Grundzügen verstanden hat, um was es beim liveshopping geht. Andere – leider wenige – waren dagegen regelrecht begeistert von unserem Konzept und hatten Spaß dran, neue Dinge auszuprobieren.”

Tourismuszukunft: Sind weitere Entwicklungsschritte oder Klone geplant?

Nicolas Götz: “Wir werden unser Augenmerk bei den Angeboten stärker in Richtung “Inspiration” ausrichten. Täglich tolle Reisen, die man sich einfach gerne ansieht – das muss nicht unbedingt immer das billigste Angebot sein. Wir haben zahlreiche Nutzer, die aktuell NULL Buchungsabsichten hegen, aber sich einfach an den schönen Angeboten erfreuen und schon mal im Gedanken Urlaub machen. Wenn bei denen dann ein realer Urlaub ansteht sollen die uns immer noch auf der Rechnung haben.

Tickets und Konzerte werden wir aus diesem Grund nach dem relaunch auch nicht mehr anbieten. Was auch kommen wird ist eine white-label-Version und widgets für Partner, um die Reichweite zu erhöhen. Klone für einzelne Nischen sind aber nicht geplant.”

Tourismuszukunft: Welche Hürden sind für Woot!-Konzepte speziell im Tourismus zu überwinden, die in anderen Branchen nicht der Fall sind?

Nicolas Götz: “Während es bei tausend Varianten eines mp3-players einen Mehrwert darstellt, nur einen ausgewählten Angeboten zu bekommen verhält sich das bei Reisen anders – unsere Produkte existieren einfach in unzähligen Varianten: Für jede Reise gibt es zahlreiche An- und Abreisetermine, verschiedene Aufenthaltsdauern, bei Flugreisen rund 20 mögliche Abflughäfen usw. Zu sagen, ich verkauf einfach nur “ab Berlin” hilft einem Stuttgarter wenig…”

Tourismuszukunft: Schutzgeld.de der erste deutsche Live-Shoppping-Anbieter hat mittlerweile die Pforten geschlossen. Wie beurteilt Ihr vor diesem Hintergrund die zukünftige Entwicklung von Woot!-Konzepten im allgemeinen?

Nicolas Götz: “Die Problematik beim liveshopping allgemein wurde seit dem Aus für Schutzgeld ja ausführlich diskutiert. Der Pate hat sicherlich Recht, dass ein stand-alone-Angebot kaum wirtschaftlich zu betreiben ist. Auch wir werden im Frühjahr mit ABeDi in diese Richtung gehen und ABeDi in eine größere Plattform integrieren, um den Nutzern mehr bieten zu können. Das ist natürlich ein Stückweit eine Abkehr von der reinen Liveshopping-Lehre, den wir aber als natürliche Evolution des Konzeptes ansehen. Die mediale Aufmerksamkeit in 2008 war ja insgesamt relativ groß, im nächsten Jahr wird sich zeigen, wer tatsächlich überleben wird.”

FB

Florian Bauhuber

... ist Geschäftsführer des Experten-Netzwerks Tourismuszukunft sowie Doktorand am Lehrstuhl für Kulturgeographie an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Bereits seit dem Jahr 2006 berät und begleitet er gemeinsam mit seinen Kollegen touristische Unternehmen und Verbände. In seinem Fokus stehen dabei unterschiedliche Beratungsschwerpunkte: #ServiceDesign #WebsiteRelaunch #ContentStrategie #Marketing #Vertrieb #Change #Innovation

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