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17. Oktober 2008

Zell am See – Kaprun Tourismus. Interview mit Rainer Edlinger

Rainer Edlinger arbeitet im Bereich Marketing, neue Medien für die Zell am See – Kaprun Tourismus GmbH. Er ist Organisator und Initiator des Castlecamps. Darüber hinaus vermarktet er die Region über Podcasts, Video-Beiträge oder Blogs.

Tourismuszukunft: Du arbeitest für die Tourismusregion Zell am See-Kaprun. Was genau ist deine Aufgabe und seit wann machst du das?
Ich bin seit 2002 für die Region als Mitarbeiter, zuvor bereits 6 Jahre als Externer, tätig. Mein Aufgabengebiet umfasst den Bereich Neue Medien und PR. Aber als Generalist bringe ich mich auch in anderen Bereichen wie Events und Produktentwicklung ein.

Tourismuszukunft: Wie sieht der Tourismus bei euch in der Region aus und mit welcher Positionierung setzt ihr euch von euren Mitbewerbern ab?
Die Region Zell am See-Kaprun ist eine der wenigen echten Ganzjahresdestinationen. Nirgendwo sonst im Alpenraum bildet eine atemberaubende Naturlandschaft, gepaart mit exzellenter touristischer Infrastruktur, eine derart einzigartige Symbiose auf engstem Raum wie in Zell am See-Kaprun. Deshalb proklamieren wir voller Stolz ‘Das ist Österreich’ und können dieses Claim exklusiv für uns beanspruchen.

Tourismuszukunft: Ihr habt für eure Region einen Podcast, Ihr habt das Castlecamp veranstaltet und ihr habt ein Video mit dem Aufruf gedreht, sich für eine Web2.0 Stelle bei euch zu bewerben. Mit anderen Worten, ihr macht einiges anders. Welche Ziele verfolgt ihr damit und wie sind bis jetzt Eure Erfahrungen?
Ich glaube nicht, dass wir so vieles anders machen. Vielleicht machen wir Dinge, die unsere Branche (noch) nicht macht. Ein wenig über den Tellerrand zu spähen und nützliche Ideen in den Tourismus zu übertragen, ist dabei unsere Devise. Seit dem Vorjahr betreiben wir den Podcast, seit letztem Winter die beiden Blogs und im Moment setzen wir uns mit weiteren Möglichkeiten im Social Web auseinander. Für uns ist das eine logische Weiterentwicklung unserer erfolgreichen Kommunikation über neue Medien, welche bereits 1996 begann. Damals waren wir z. B. die ersten in Österreich mit einem Online-Reservierungssystem.

Die Erfahrungen sind bis jetzt durchweg positiv. Natürlich hätten wir einiges besser machen können, aber wir haben zumindest schon mal damit begonnen ;-). Es ist weniger eine technische Herausforderung, als eine organisatorische – die Funktionalitäten müssen in den Tagesablauf einer DMO halt erst integriert werden. Aber seit dem ‘castlecamp’ wissen wir ja alle: ‘Wer putzen kann, kann auch bloggen.’ (© Reinhard Lanner)

Tourismuszukunft: Habt ihr bereits Resonanz auf euer Bewerbungs-Video erhalten?
Wir haben mehr (positives) Feedback zum Video an sich als Bewerbungen erhalten ;-). Der Effekt des Videos war weit größer als wir es angenommen hatten, wie die Posts in zahlreichen Blogs belegen. Auch im Team war es ein zusätzlicher Motivator, weil es gemeinsam produziert wurde.

Tourismuszukunft: Einen Monat nach dem Castlecamp, wie ist die Veranstaltung in der Region aufgenommen worden und gab es hier schon Effekte?
Der Nutzen dieser Veranstaltung für uns war und ist enorm. Der Grund, warum ich das ‘castlecamp’ initiiert habe war, dass mich die meisten Konferenzen in den letzten Jahren nicht weitergebracht hatten. Daher suchte ich nach einer Alternative und wurde mit dem Format eines ‘barcamps’ fündig. Inspiriert habt Ihr mich mit Eurem Tourismuscamp in Eichstätt. Dort konnte ich zwar nicht teilnehmen – studierte ja selbst noch zu der Zeit berufsbegleitend – aber die Berichte in diversen Blogs haben mich überzeugt.

Wir haben uns einige Punkte mitgenommen und werden diese auch nach und nach umsetzen. Besonders fasziniert hat mich die Atmosphäre bei dieser Veranstaltung. Es wurde auf Augenhöhe diskutiert und „genetzwerkt“. Keiner war der Star, jeder hat etwas dazu beigetragen.
Für nächstes Jahr wünsche ich mir mehr Teilnehmer unserer Leistungsträger, da muss von unserer Seite mehr Aufklärung geschehen.

Tourismuszukunft: Du hast jetzt schon einige Erfahrung gesammelt mit Web2.0/Social Web für eine Tourismusregion. Was würdest du jetzt noch mal machen, was würdest du das nächstemal anders machen?
Gute Frage. Grundsätzlich würde ich alle Bereiche wieder angehen, die bis Dato angegangen wurden, nur mit mehr Manpower und mit mehr interner Aufklärung. Damit würden wir mehr Leistungsträger mit im Boot haben und die gesamte Region würde noch mehr davon profitieren.

Tourismuszukunft: Welche technologische Entwicklung wird in den nächsten 2-3 Jahren einen Einfluss auf deine Arbeit ausüben und welchen Entwicklungsschritt würdest du dir wünschen, damit deine Arbeit leichter geht?
Dass uns in Zukunft technologische Entwicklungen so beeinflussen werden wie in den letzten Jahren, würde ich nicht so sehen. Eher sehe ich die Veränderungen im gesellschaftlichen Bereich als die große Herausforderung für alle, die etwas bewerben wollen. Der Kunde hat gelernt, mit den Werkzeugen, die durch das WWW entstanden sind, umzugehen. Der Kunde hat definitiv eine neue Rolle oder sogar Macht. Nun heißt es für die Werber, den neuen Kunden verstehen zu lernen und dabei authentisch zu bleiben. Besonders der Tourismus müsste im Bereich des Social Webs bevorzugt sein. Keine andere Branche hat so viel direkten Kundenkontakt wie wir, also sollten wir mit allen Situationen bestens umgehen können – theoretisch!

Hier ein Zitat von Tom Alby, welches dazu gut passt:

‘Wenn wir den gegenwärtigen Entwicklungsstand des Webs mit der Versionsnummer 2.0 versehen, dann konnte die Version 1.0 nicht fehlerfrei laufen, weil die Systemanforderungen dieser Version nicht erfüllt worden waren. Die Systemanforderungen an das Web 2.0 waren der Benutzer 2.0, welcher selbst Zugangsgeschwindigkeit 2.0 und Zugangskosten 2.0 erforderte.“ (Alby 2008, S. 2.)

Das Web und damit die Benutzer werden sich stetig weiterentwickeln und deshalb werden die Anforderungen für den Verkäufer im Web immer höher werden. Der Kunde der Zukunft wird, noch mehr als heute, eine hohe Kompetenz im Umgang mit den Tools des WWWs voraussetzen.

Tourismuszukunft: Wo siehst du deine Aufgaben als Tourismusmanager in den nächsten 2-3 Jahren?
Immer am Puls der Zeit zu sein, sich auch weiterhin in fremden Branchen umzuschauen und auch ab und zu etwas kreativ zu zerstören, um Neues schaffen zu können!

Vielen Dank an Rainer Edlinger für die Bereitschaft beim Interview mitzumachen und die Fragen zu beantworten!

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