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24. Oktober 2008

Vergessen Sie Blogs! Nutzen Sie Twitter und co.! Wirklich?

Die englischsprachige Zeitung “Wired” hat vor ein paar Tagen einen Artikel veröffentlicht, der in Frage stellt, ob Blogs im Social Media Bereich noch ein aktuelles und lohnendes Kommunikationsinstrument sind.

Writing a weblog today isn’t the bright idea it was four years ago. The blogosphere, once a freshwater oasis of folksy self-expression and clever thought, has been flooded by a tsunami of paid bilge. Cut-rate journalists and underground marketing campaigns now drown out the authentic voices of amateur wordsmiths. It’s almost impossible to get noticed, except by hecklers. And why bother? The time it takes to craft sharp, witty blog prose is better spent expressing yourself on Flickr, Facebook, or Twitter. Twitter — which limits each text-only post to 140 characters — is to 2008 what the blogosphere was to 2004.

Blogging wurde mittlerweile in den USA als Marketingkanal erkannt und wird in zunehmenden Maße genutzt. Damit rücken die von Privatpersonen geführten Blogs, besonders im Bereich von Themen, die für eine große Öffentlichkeit von Interesse sind, in den Hintergrund und werden durch professionelle Magazine oder Marketingblogs verdrängt, so Wired. In der Liste der englischsprachigen Top-100-Blogs ist dieser Trend schon wesentlich deutlicher erkennbar als in den deutschen Blogcharts.

Einzelne Hobby-Autoren können nicht mehr gegen die Konkurrenz aus Autorenkollektiven (vgl. Techcrunch) mit professionellem Hintergrund antreten – der Blog verändert sich vom persönlichen Tagebuch/ Gedankensammlung hin zu einer professionellen Nachrichtenplattform, bewegt sich damit also vom Ursprungsgedanken weg. Zudem bietet eine vernetzte Kommunikation über Twitter, Facebook, Youtube, FlickR und co. mehr Effizienz und Geschwindigkeit:

Medien können schneller verlinkt / veröffentlicht werden, wer im Twitterstream nach Informationen sucht, muss nicht erst auf die Indizierung von Blogposts durch Google warten, die Reibungsfläche zur Kommunikation vergrößert sich, es wird in kürzeren Botschaften und Intervallen kommuniziert, die Botschaften können noch zielgerichteter abgesetzt werden.

Gewöhnlich verhält sich der deutsche Markt etwas schwerfälliger als der amerikanische Raum, adaptiert aber nach einiger Zeit durchaus die Trends des amerikanischen Marktes in mehr oder weniger abgewandelter Form. Bedeutet dies, dass die momentan zunehmende Nutzung von Twitter, Facebook und co. mittelfristig Blogs verdrängen wird? Werden professionelle Magazine die “normalen” Blogger aus dem Markt bzw. den Google SERPs drängen?

Gegen die Annahmen des Artikels spricht beispielsweise die Vernetzung in der Blogosphäre, die ja nicht nur online, sondern auch offline in Form von Barcamps und Bloggertreffen stattfindet. Über diese Offlinevernetzung können private und von Kleinunternehmern geführte Blogs weiterhin gegen den Druck von großen Blogging-Kollektiven Stand halten. Twitter, Facebook und co. nutzen aber genau diesen Aspekt der persönlichen Kommunikation als strategischen Vorteil gegenüber Blogs. Der Nachteil dieser “verkürzten Kommunikation” liegt aber in der geringen Informationstiefe.

Meine These ist daher, dass Blogs die nächsten Jahre und besonders in Nischenthemen, so z.B. für bestimmte Themen im Tourismus (“Geocaching”, …) durchaus aktuell bleiben werden. Die Kommunikation wird sich nicht verlagern, sondern tendenziell wird sie sich um Instrumente wie Twitter und Facebook erweitern. Das Ziel der Kommunikation muss bei dieser Betrachtung in den Vordergrund gestellt werden: Geht es um tiefgehende Informationen, die ich via Blogs aus meinem sozialen Filter beziehe, oder geht es darum, sich aus kurzen Informationsschnipseln (Twitter, Facebook-Kommentar, …) inspirieren zu lassen, um eine weitere Recherche zu betreiben? Als Fazit bleibt zu sagen, dass die “schnellen Kommunikationsinstrumente” sich besser in den Alltag und die Mobilität integrieren lassen, die Nutzungshäufigkeit steigt und somit eine digitale Nähe zwischen den Nutzern entsteht.

D.A.

Daniel Amersdorffer

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