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Vergessen Sie Blogs! Nutzen Sie Twitter und co.! Wirklich?

Die englischsprachige Zeitung “Wired” hat vor ein paar Tagen einen Artikel veröffentlicht, der in Frage stellt, ob Blogs im Social Media Bereich noch ein aktuelles und lohnendes Kommunikationsinstrument sind.

Writing a weblog today isn’t the bright idea it was four years ago. The blogosphere, once a freshwater oasis of folksy self-expression and clever thought, has been flooded by a tsunami of paid bilge. Cut-rate journalists and underground marketing campaigns now drown out the authentic voices of amateur wordsmiths. It’s almost impossible to get noticed, except by hecklers. And why bother? The time it takes to craft sharp, witty blog prose is better spent expressing yourself on Flickr, Facebook, or Twitter. Twitter — which limits each text-only post to 140 characters — is to 2008 what the blogosphere was to 2004.

Blogging wurde mittlerweile in den USA als Marketingkanal erkannt und wird in zunehmenden Maße genutzt. Damit rücken die von Privatpersonen geführten Blogs, besonders im Bereich von Themen, die für eine große Öffentlichkeit von Interesse sind, in den Hintergrund und werden durch professionelle Magazine oder Marketingblogs verdrängt, so Wired. In der Liste der englischsprachigen Top-100-Blogs ist dieser Trend schon wesentlich deutlicher erkennbar als in den deutschen Blogcharts.

Einzelne Hobby-Autoren können nicht mehr gegen die Konkurrenz aus Autorenkollektiven (vgl. Techcrunch) mit professionellem Hintergrund antreten – der Blog verändert sich vom persönlichen Tagebuch/ Gedankensammlung hin zu einer professionellen Nachrichtenplattform, bewegt sich damit also vom Ursprungsgedanken weg. Zudem bietet eine vernetzte Kommunikation über Twitter, Facebook, Youtube, FlickR und co. mehr Effizienz und Geschwindigkeit:

Medien können schneller verlinkt / veröffentlicht werden, wer im Twitterstream nach Informationen sucht, muss nicht erst auf die Indizierung von Blogposts durch Google warten, die Reibungsfläche zur Kommunikation vergrößert sich, es wird in kürzeren Botschaften und Intervallen kommuniziert, die Botschaften können noch zielgerichteter abgesetzt werden.

Gewöhnlich verhält sich der deutsche Markt etwas schwerfälliger als der amerikanische Raum, adaptiert aber nach einiger Zeit durchaus die Trends des amerikanischen Marktes in mehr oder weniger abgewandelter Form. Bedeutet dies, dass die momentan zunehmende Nutzung von Twitter, Facebook und co. mittelfristig Blogs verdrängen wird? Werden professionelle Magazine die “normalen” Blogger aus dem Markt bzw. den Google SERPs drängen?

Gegen die Annahmen des Artikels spricht beispielsweise die Vernetzung in der Blogosphäre, die ja nicht nur online, sondern auch offline in Form von Barcamps und Bloggertreffen stattfindet. Über diese Offlinevernetzung können private und von Kleinunternehmern geführte Blogs weiterhin gegen den Druck von großen Blogging-Kollektiven Stand halten. Twitter, Facebook und co. nutzen aber genau diesen Aspekt der persönlichen Kommunikation als strategischen Vorteil gegenüber Blogs. Der Nachteil dieser “verkürzten Kommunikation” liegt aber in der geringen Informationstiefe.

Meine These ist daher, dass Blogs die nächsten Jahre und besonders in Nischenthemen, so z.B. für bestimmte Themen im Tourismus (“Geocaching”, …) durchaus aktuell bleiben werden. Die Kommunikation wird sich nicht verlagern, sondern tendenziell wird sie sich um Instrumente wie Twitter und Facebook erweitern. Das Ziel der Kommunikation muss bei dieser Betrachtung in den Vordergrund gestellt werden: Geht es um tiefgehende Informationen, die ich via Blogs aus meinem sozialen Filter beziehe, oder geht es darum, sich aus kurzen Informationsschnipseln (Twitter, Facebook-Kommentar, …) inspirieren zu lassen, um eine weitere Recherche zu betreiben? Als Fazit bleibt zu sagen, dass die “schnellen Kommunikationsinstrumente” sich besser in den Alltag und die Mobilität integrieren lassen, die Nutzungshäufigkeit steigt und somit eine digitale Nähe zwischen den Nutzern entsteht.

D.A.

5 Kommentare zu
Vergessen Sie Blogs! Nutzen Sie Twitter und co.! Wirklich?

Die Gefahr bei “professionllen” Blogs liegt aus meiner Sicht im Verlust der Authentizität. Also entscheidend ist wie und mit welcher Sprache, Transparenz, Offenheit und Ehrlichkeit kommuniziert wird. Besteht das Interesse einfach nur schneller News zu verbreiten oder doch Mehrwert für Leser und Kompetenz der Autoren aufzubauen. Es ist offensichtlich, dass immer mehr Corporate Blogs als hervorragendes, strategisches Marketinginstrument entstehen. Das heißt aber nicht, dass sich “private” Blogs nicht behaupten werden. Es sei denn sie verlieren die klare Fokusierung auf ein wertvolles, nützliches Thema (Spezialisierung)für die Leserschaft.

Ich denke das Thema ist zwar ein wichtiger, aber nicht der relevante Aufhänger, denn das Problem ist, dass die großen Blogs ihr Kuchenstück am Netz zu vielen Nischenthemen sukzessive auf Kosten der kleineren Blogs vergrößern. In Folge sind die kleinen Blogs schwieriger auffindbar. Und daraus lässt sich schließen, dass Vernetzung zwischen den Bloggern eines der zentralsten Kriterien des Blogger-Erfolges ist. Wir selbst können das bei Tourismuszukunft auch bestätigen – Vernetzung trägt wesentlich zum Erfolg bei und macht außerdem unsere Tätigkeit spannend – sie wird spannend durch den Kontakt zu anderen Menschen, durch Meinungen, durch Beziehungen. Insofern danken wir unserer Leserschaft und freuen uns über den regen Kontakt via Kommentar, Barcamp und co!

Was meint ihr, welchen Zweck haben Twitter und co im Vergleich zu Blogs?

Blogs und Twitter sind einfach 2 Paar Stiefel.

Von kommerziellen Blogs halte ich recht wenig, da Blogging immer etwas mit Herzblut zu tun hat. Kommerziellen Blogs fehlt dies meistens in der Schreibe, daher finde ich diese eher langweilig zum Lesen. Eine Ausnahme bilden Blogs, die temporär einen Event begleiten. Damit haben wir ganz gute Erfahrungen gemacht, da der Blog hier eine prima Plattform zur Darstellung und Interaktion sein kann.

Wir experimentieren gerade mit Twitter und sind begeistert. Über die API lässt sich Twitter einfach in die Webseite einbinden und nutzen.

Mit Twitter können wir sehr einfach kurze Infos aus dem Portal streuen. Auf Wunsch können sich Nutzer die Tweeds auf das Handy holen. Außerdem ist die Twitter-Community ein interessanter Kanal. Im Moment macht uns das Twitter Experiment einfach Spass.

@Mirko – wo nutzt ihr das mit dem Info streuen aus dem Portal? Ich beschäftige mich aus wissenschaftlicher Sicht mit dem Thema und würde das gerne als UseCase untersuchen…

Wir haben diese Woche die Twitter API auf Castogo aufgeschaltet:

http://www.castogo.com/twitter_list.php

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