David Weinberger – Die Macht der neuen digitalen Unordnung

David Weinberger ist dem einen oder anderen Leser sicherlich ein Begriff. Er ist Mitautor des inzwischen zum Klassiker gewordenen Buchs: Das Cluetrain Manifest. Als Philosoph und Internet Experte schreibt Weinberger u.a. Bücher über Entwicklungen und Auswirkungen der digitalen Medien. In dieser Tradition steht auch sein aktuelles Buch: Das Ende der Schublade: Die Macht der neuen digitalen Unordnung.

Die zentralen Gedanken des Buchs drehen sich um die Weiterentwicklung von 1. und 2. Ordnung durch die digitalen Medien. Weinberges Überlegungen sind, dass im Gegensatz zur analogen Welt die einzelnen Objekte nicht mehr wie Blätter an einem Baum hängen und explizit einem Wissensast zugeordnet werden müssen, sondern dass in der digitalen Welt die Objekte (Blätter) untereinander verknüpft werden können und miteinander in Verbindung stehen. Er kommt zum Schluss, dass die gewohnte Eingliederung von Information in bestimmte, dezidierte Kategorien in der digitalen Welt nicht mehr notwendig ist. Das System der 2. Ordnung, bei dem jedes Objekt genau einen Platz eingenommen hat, war der analogen Welt geschuldet, welche durch physische Körper begrenzt ist.

Die Digitalisierung von Information hebt diese Grenze auf. Information kann beliebig oft kopiert, abgespeichert und verlinkt werden. In dieser 3. Ordnung muss somit ein Objekt nicht mehr explizit einer Kategorie zugeordnet werden, sondern kann mit beliebig vielen Themen und Begriffen verlinkt und verknüpft werden. Damit werden Schubladen überflüssig, das ungeordnete Abspeichern von Information kann mit Hilfe von verschiedenen, bis hin zur individuellen Systematik zugänglich gemacht werden. Weinberger geht noch einen Schritt weiter und sieht durch das Internet die Möglichkeit, dass diese 3. Ordnung nicht von Experten geschaffen wird, sondern jede Person trägt zur Systematisierung bei. So entsteht aus dem Chaos eine neue Ordnung, angepasst an die jeweiligen Vorstellungen der Nutzer.

Diese Gedanken lassen sich sehr gut auf touristische Zwecke übertragen. Als Beispiel dazu sei die Ordnung in den Reisekatalogen erwähnt. Die Gestaltung dieser Kataloge ist ein klassisches Beispiel für eine Systematik der 2. Ordnung. Jedes Hotel wird im entsprechenden Katalog genau ein Platz zugewiesen, eingegliedert nach einer objektiven Systematik, die von Experten entwickelt wird. Von den aktuellen Buchungstechnologien wurde im Großen und Ganzen diese Ordnungsstruktur ins Internet übertragen, ohne zu berücksichtigen, dass neue Wege und Lösungen mit Hilfe der digitalen Medien möglich wären. Folgt man den Überlegungen von Weinberger, so lassen sich neue Entwicklungen und Systematiken für die Tourismusbranche aus dem Buch ableiten.

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1 Kommentar zu “David Weinberger – Die Macht der neuen digitalen Unordnung”

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Interessanter Aspekt. Im Prinzip funktionieren unsere Datenbanken bereits so, nur in unseren Köpfen ist – auch trotz Web 2.0 – noch das lineare Denken im Vordergrund.


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von links: Jens Oellrich, Michael Faber, Daniel Amersdorffer und  Florian Bauhuber

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