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Skihallen: Co-Branding im Wintersport – aber warum nur "One Way"?

In der letzten Woche habe ich mich privat in Norddeutschland aufgehalten und dabei den Snow-Dome in Bispingen (zwischen Hamburg und Hannover) besucht. Für mich als gefühlten Alpenländer ist natürlich das Skierlebnis viel zu kurz und unter künstlichem Licht einfach nicht das, was ich von Kindheit als Bergerlebnis gewohnt bin. Die Insolvenz einer Skihalle in Mecklenburg-Vorpommern zeigt, wie wichtig zum einen der Standort (Ziel: hohe Bevölkerungsdichte in 100 km Umkreis) als auch das Marketing der jeweiligen Skihalle für ihr Überleben ist.

Co-Branding, das heisst im engeren Sinne, die systematische Markierung einer Leistung durch mindestens zwei Marken, kann hier eine sinnvolle Marketingstrategie sein. Im Gegensatz zum insolventen Snow Funpark in Wittenburg, haben alle anderen relevanten Skihallen in Deutschland diese Notwendigkeit erkannt: z.B. die Jever Skihalle in Neuss (Salzburger Land) oder das alpincenter Bottrop (Kärnten Tourismus).

Idealtypisch ist dies aber meines Erachtens im Snow Dome realisiert. Nicht nur, dass das Ötztal bzw. Sölden als Marke kontinuierlich präsent ist (auch im Internet natürlich): nein! Zusätzlich sind alle Bars und Restaurants authentisch benannt sowie die Ötztaler Bergkulisse als Leinwand kontinuierlich präsent. Flyer und Ortsprospekte liegen darüber hinaus bereit und laden zum Besuch des Ötztals ein. Ich habe keine konkreten Zahlen, aber ich denke diese Zusammenarbeit ist für beide Seiten eine klassische “win-win”-Situation! Das Ötztal erhält zielgruppenorientierte Aufmerksamkeit im Kernmarkt (Hamburg ist einer der wichtigsten Skimärkte in D) und der SnowDome nicht nur wahrscheinlich eine Stange Geld, sondern auch authentisches Flair. Zudem funktioniert die Co-Branding-Strategie: beide Marken stärken sich gegenseitig!

Nachtrag: Nach Reinhard ist dies beim Snow Dome logisch, da das Kapital des Snow Dome aus dem Ötztal kommt – trotzdem toll umgesetzt!

Aber wieso funktioniert das umgekehrt nicht? Wieso gibt es keine Ötztal Mercedes-Arena oder keinen Audi-Arlberg? Ich denke, dass das nur noch eine Frage der Zeit ist, bis Skidestination den Mehrwert des Co-Brandings auch im eigenen Haus schätzen lernen.

FB

3 Kommentare zu
Skihallen: Co-Branding im Wintersport – aber warum nur "One Way"?

Reinhard

Hallo Florian, schau dir mal die Eigentumsverhältnisse an. Bispingen ist Ötztal, d.h. die sind nicht nur die Initiatoren sondern auch die Finanziers. Das Ambiente ist übrigens von Salzburger Tischlern (ich muss dass so sagen)

Wittenburg ist ein ambitioniertes Projekt eines “Kühlmaschinenherstellers” – sehr gut subventioniert aus diversen Töpfen, ausgestattet mit sehr guten, engagierten Managern war aber von Anfang an die Visitor/day und Revenue/day nicht realistisch. Viel Kulissenbau und liegt nicht entlang der “Ameisenstraße” (was Bispingen schon tut)

Neuss holt sich den Revenue (zum sehr großen Teil) als Partylocation, Bottrop erwähn´ ich aus betriebswirtschaftlicher Perspektive gar nicht (keine echten Infos, nur Hörensagen).

Für alle hoffe ich: das Immobiliengeschäft kombiniert mit EU-Förderungen möge funktionieren, das Erlebnisweltenkonzept spielt in maximal einem der Fälle die Betriebskosten herein, die AfA rechne sich gar nicht. Leider.

< Aber wieso funktioniert das umgekehrt nicht? Wieso
< gibt es keine Ötztal Mercedes-Arena oder keinen Audi-
< Arlberg? Ich denke, dass das nur noch eine Frage der
< Zeit ist, bis Skidestination den Mehrwert des Co-
< Brandings auch im eigenen Haus schätzen lernen.

Also das nenne ich einen guten Ansatz.
Wenn man als Skiregion einen derart namhaften Partner habe, dann nehmen mich die Gäste auch anders wahr und ich müsste nicht Preisdumping betreiben. Ganz abgesehe davon was die jeweilige Marke aus so einer Kooperation herausholen könnte. WIN-WIN! sage ich da nur.

für unser Portal guiders.de ist das Thema Co-Branding naturgemäß auch ein wichtiger und nicht zu unterschätzender Aspekt. Ich würde mich freuen, wenn eine Skiregion eine Art Co-Branding eines unseres Skichannels übernehmen würde. Etwa http://www.guiders.de/tirol/ski

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Florian Bauhuber

... ist Geschäftsführer des Experten-Netzwerks Tourismuszukunft sowie Doktorand am Lehrstuhl für Kulturgeographie an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Bereits seit dem Jahr 2006 berät und begleitet er gemeinsam mit seinen Kollegen touristische Unternehmen und Verbände. In seinem Fokus stehen dabei unterschiedliche Beratungsschwerpunkte: #ServiceDesign #WebsiteRelaunch #ContentStrategie #Marketing #Vertrieb #Change #Innovation