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29. Mai 2008

Datenaustausch in der Touristik

Ein erhebliches Problem für die Online-Welt der Touristik ist der Datenaustausch. Um Reisen im Internet buchbar zu gestallten, müssen viele einzelne Schritte und Datenumformatierungen vorgenommen werden. Jeder Schritt, jede Änderung kostet Zeit, Geld und Ressourcen. Diese komplexen Strukturen sind durch die Historie gewachsen und durch das schrittweise Erweitern der Vertriebswege.

Dienste – wie zum Beispiel Hotelbuchungsseiten- , welche erst in jüngerer Zeit entstanden sind, wählen hier einen anderen Weg. Diese lassen sich die Daten direkt in ihrem System von den Hoteliers bereitstellen. Was für die einen Seite ein Vorteil ist, ist für die Hoteliers ein Nachteil. Jeden Dienst, den sie nutzen wollen, müssen sie einzeln betreuen und pflegen. Dies erfordert einen großen manuellen Aufwand. Auch neu aufkommende Lösungen, mit denen mehrere Schnittstellen gleichzeitig bedient werden können, sind hier nicht der passende Lösungsansatz.

Das Problem liegt in der Datenhoheit und in der Datenverwaltung. Diese liegt im allgemeinen bei den Diensten, welche die Reisen im Internet anbieten und nicht bei den Leistungsträgern, welche die Daten erstellen und damit auch pflegen müssen. Nicht derjenige, welcher die Reisen anzeigt, darf die Daten verwalten, sondern derjenige, welcher die Daten erstellt, muss die Hoheit über die Daten haben. Andere Dienste sollte darauf zurückgreifen können, die Daten abholen und weiterverarbeiten. Um diesen Schritt realisieren zu können, sind allerdings einheitliche Standards notwendig und die gibt es in der Tourismus-Branche nicht. Zwar versucht sich die Open Travel Alliance seit längeren daran, einheitliche Formate zu definieren, allerdings ist diese Organisation sehr langsam und die Standards sind sehr komplex. Noch gibt es nur wenige Dienste, die darauf zurückgreifen und -nach meinem Wissen – sitzen diese Dienste nicht zwischen Leistungsträger und Datenverarbeiter.

Für die Lösung dieses Problem könnte zukünftig eine Technologie interessant werden: Techniken aus dem Bereich des semantischen Webs. Diese Techniken bauen darauf, unstrukturierte Daten mit zusätzlichen Informationen so anzureichern, dass diese sinnvoll weiterverarbeitet werden können. Damit lässt sich mit geringen Aufwand aus einem “normalen” Text ein strukturiertes Dokument gestalten, welches automatisiert weiterverarbeitet werden kann.

Dies könnte in Zukunft ein Weg sein, wie der Datenaustausch zwischen den beteiligten Akteuren in der Branche erleichtert werden kann und viele Prozesse vereinfacht werden können. Leistungsträger haben die Möglichkeit ihre Daten, angereichert mit Meta Daten, auf einem Server abzulegen und jeder Zugriffsberechtigte kann sich diese Daten abholen und weiterverarbeiten. Damit bleibt die Datenhoheit bei den Erstellern, welche die Daten leicht und schnell aktualisieren können. Das Abholen und Weiterverarbeiten liegt in den Händen der Dienste, welche die Verantwortung über die zeitnahe Verarbeitung haben. Damit fallen sämtliche Zwischenschritte weg, Anbieter und Verarbeiter stehen im direkten Kontakt zueinander.

Erst wenn dieser Schritt vollzogen ist, ist aus meiner Sicht die Tourismusbranche vollständig im Internet angekommen. Bis dahin bleibt es Stückwerk, welches Schritt für Schritt erweitert und damit auch komplexer wird.

JO

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