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29. April 2008

Neuere Studien zum Thema Corporate Blogs bzw. welche Rolle Blogs in deutschen Unternehmen spielen

Soeben lese ich in der Maiausgabe der Zeitschrift “Absatzwirtschaft” zwei Artikel über Blogs in deutschen Unternehmen und über die Jugendstudie “Circuits of Cool” (PDF-Zusammenfassung) von MTV, Viacom Brand Solutions und MSN Microsoft.

Zuerst werde ich ein paar zentrale Aspekte aus dem Artikel über Blogs in deutschen Unternehmen wiedergeben. Von den 133 300 aktiven Blogs in Deutschland (nach Blogcensus) sind einige sehr erfolgreich und realisieren teilweise über 100 000 Seitenabrufe pro Monat. Während der Blog in Deutschland als privates Tagebuch bereits den Markt erobert hat, ist die Verbreitung bei Unternehmen bisher gering: Momentan soll es 600 Weblogs deutscher Unternehmen geben – im Vergleich zu den USA laut Absatzwirtschaft eine verschwindend geringe Zahl. Laut Experten und auch nach meiner Meinung pflegen Blogs eine besondere Art der Kommunikationskultur, ausgemacht durch Offenheit, Persönlichkeit und eine spezifische Präsentation der Inhalte (Layout, Sprache). Wie Absatzwirtschaft berichtet, hat die ISM Dortmund eine Studie durchgeführt (500 Blogs verglichen mit 500 Printkommentaren) und bestätigte die oben genannten Aspekte von Blogs durch eine semantische Analyse hinsichtlich der Verwendung bestimmter Wörter / Anglizismen. Als weiteres Ergebnis der Studie wird ein Feldversuch der ISM vorgestellt, der prüfen sollte, ob negative Kommentare die Glaubwürdigkeit eines Blogartikels vermindern. So wie ich die etwas unklare Ergebnisbeschreibung der Absatzwirtschaft interpretiere, blieb dabei der negativ kommentierte Testkandidat in Bezug auf die Glaubwürdigkeit nur sehr wenig hinter dem positiv kommentierten Test-Blog zurück. Dieser Test ist für den Tourismus insofern interessant, als dass er bedeuten würde, dass selbst einige negative Kritiken in Blogs nicht unbedingt zu einer starken Benachteiligung hinsichtlich des Markterfolgs führen müssen. Liebe Hoteliers und Touristiker – Vorsicht, denn die Schilderung im Artikel war etwas unklar und es ist nichts über die Anwendbarkeit auf den Tourismus bekannt. Wir werden das Thema selbstverständlich im Auge behalten und beizeiten mehr Aufschluss darüber geben.

Absatzwirtschaft, Ausgabe Mai 2008, S. 33, nennt 10 Erfolgstipps für Unternehmensblogs, die ich im folgenden in teils leicht abgewandelter Form wiedergebe: Sprache, Ansprache der Leser, persönlicher Charakter, toleranter Umgang mit kritischen Kommentaren, Aktualität, Unternehmensblogs als solche Kennzeichnen, Vernetzung von themenaffinen Contents, Hintergründe recherchieren, mindestens ein Beitrag pro Woche, Monitoring und Reaktion auf Gerüchte (siehe auch hier). Zu Kritisieren an dem Artikel ist übrigens beispielsweise der fehlende Hinweis auf die SEO Potenziale von Blogs, auf die Integration von Blogs in Social Communities über entsprechende Applications und so einiges mehr ;).

Außerdem wurde in derselben Ausgabe über die Cool Circuits Studie berichtet, die das Verhalten von Jugendlichen hinsichtlich Medienkonsum und nicht zuletzt auch Internetnutzung untersucht. Nach Absatzwirtschaft (vgl. Mai 2008, S. 38ff) glauben 83 % der Jugendlichen ohne Internet nicht leben zu können, 53 % gehen nach der Schule sofort online und machen nebenbei 3,6 andere Dinge. Hier spiegelt sich ein wesentlicher, in der Studie identifizierter Trend wieder: Jugendliche wollen ein Umfeld, das reich an Reizen ist und obwohl sie nur eine Sache gleichzeitig tun, springen in schneller Folge von einem zum nächsten interessanten Reiz. Beliebt sind vor allem Instant Messenger, Google, E-Mail, Chatrooms, Foren – Kommunikation und der schnelle Austausch / Weiterleitung von Contents wird allgegenwärtig. Die Kommunikationshäufigkeit steigt, der Freundeskreis vergrößert sich (bis zu 11 reine Onlinefreunde pro Jugendlichen). In dieser kurzlebigen Welt selektiver Wahrnehmung gibt es offensichtlich zwei Steuerungsgrößen für das Marketing: auffällig-interessante Botschaften (bestenfalls mit Kultfaktor) in Kurzform nutzen und Word-of-mouth-Marketingkanäle ins Marketingportfolio aufnehmen. Das Internet steht aber noch immer in starker Konkurrenz zu den dominierenden Medien Musik und TV. In der Kommunikation fällt aber ein signifikanter Zusammenhang von TV und Meinungsaustausch übers Netz auf. Für Jugendreisen enthält diese Studie sicherlich interessante Implikationen, die im Rahmen einer konsequenten Markenführung unbedingt ins (Online-) Marketing integriert werden sollten.

D.A.

Daniel Amersdorffer

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