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Basicthinking und Web Tourismus

Robert Basic hat auf seinen Blog die VIR Studie über das Online Buchungsverhalten zitiert. Nun ja woran wir wohl noch arbeiten müssen ist, dass Robert uns als Quelle für Tourismus-Informationen im Kopf hat und nicht nur andere „branchenfremde Blog“ zitiert.

Auf was ich eigentlich hinaus will, ist aber die Diskussion, welche sich an den Artikel anschließt:

Sowohl Thomas als auch Jörg schreiben beide, dass ihre „Tourismusbüros“ etwas falsch gemacht haben und sich ungeschickt anstellen. Interessant ist auch festzuhalten, dass immer mehr Gäste, auch ältere Gäste, nach Internetzugang in Ferienwohnung zu fragen scheinen. Dies äußert zumindest Hedwig.

Mein subjektiver Eindruck ist, dass viele Fremdenverkehrsämter sich mit einem mehr oder weniger guten Internet-Auftritt zufrieden geben und wenig Know-How haben, wie das Internet darüber hinaus sinnvoll für Marketing, Akquise und Service Zwecke genutzt werden kann. Welche Erfahrungen wurden mit den Fremdenverkehrsämter gemacht, die über die reine Web-Präsents hinausgeht? Gibt es irgendwelche Best-Practice Beispiele oder innovative Ansätze in den Fremdenverkehrsämtern? Mein Eindruck ist manchmal, dass sich die Angestellten so stark mit innerpolitischen Themen beschäftigen müssen, so dass hier die Zeit fehlt, sich mit anderen wichtigen Themen zu beschäftigen.

JO

16 Kommentare zu
Basicthinking und Web Tourismus

Also, wie schon bei Robert erwähnt, es gibt solche und solche Fremdenverkehrsämter. Für Badenweiler kann ich etwas „aus dem Nähkästchen“ plaudern. Bis vor einigen Monaten herrschte, was das online-Marketing anging, ziemlich tote Hose. Seit Oktober 07 gibt es aber einen brandneuen Internet-Auftritt für die BTT: http://www.badenweiler.de/

Online-Buchung und Crossmarketing
Wenn man sich das so anschaut, dann ist da schon einiges drin, was in der Studie und auch in den Kommentaren bei Robert deutlich wurde – wichtigstes Tool ist und bleibt die Onlinebuchung. Dafür hat die Webseite verschiedene Ansätze. Erstens bieten sie eigene Pakete „Arrangements“ an, allerdings mit den üblichen Verdächtigen (die größten Hotels am Platz). Dann gibt es ein eigenständiges Vermieter-Tool, „Toubiz“ was auch von einigen anderen Gemeinden im Schwarzwald angeboten wird. Dort können sich alle Vermieter eintragen. Drittens, und das ist spannend – auf der Badenweiler-Seite selbst können die Gastgeber aus Badenweiler direkte Anzeigen schalten, um auf ihre Häuser aufmerksam zu machen. Das wird rege genutzt – und wie wir an eigenen Zugriffszahlen feststellen können, auch mit großem Erfolg!

ohne Provision
Seit rund einem Monat hat die BTT mit sanftem Druck das Buchungsangebot noch ausgebaut. Wie das? Durch die Listung der Häuser, die eben über „Toubiz“ buchbar sind. Vorher wurde nach Sternen sortiert, jetzt über Sterne und Onlinebuchbarkeit. Somit fallen gute Häuser raus, die eben nicht online buchbar sind. Im gleichen Zug, und das ist wirklich clever – wurde die Provision für Onlinebuchungen abgeschafft. Also mit Zuckerbrot und Peitsche. Das Ergebnis: rund 50% mehr Häuser, die online buchbar sind.

Das ist die Seite des Tourismusbüros. Die andere, auch sehr spannende Seite wären die Gastgeber selber. Auch da gibt es mittlerweile einige Initiativen. Aber das sprengt den Rahmen des Kommentars. Ich könnte aber gerne im Zuge einer Gastautorenschaft darüber berichten, natürlich allgemeingültig gehalten, damit alle davon profitieren können 😉

Beste Grüße aus Badenweiler!

Ole

Wofür benötigt man denn heutzutage noch Fremdenverkehrsämter? Der Großteil der Kunden informiert sich doch vorher schon im Internet was vor Ort gemacht werden kann. Die wenigen Rentner die noch „offline“ sind, sind eh zu bratungsintensiv und somit uninteressant.

Hallo Hedwig, vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar! Ein interessanter Weg den Badenweiler hier geht und der Weg ist sicherlich richtig. Mit der Gastautorenschaft melde ich mich nach Ostern noch mal. Spontan fällt mir ein: Du bist Gast bei uns, wir sind Gast in deinem schönen Haus 🙂

@Ole:
Ich interpretiere deine Antwort so: Fremdenverkehrsämter sind nicht überflüssig, aber ein Teil ihres klassischen Aufgabefeldes fällt weg. FVA müssen sich daher umorientieren und neue Aufgaben übernehmen und neu ausrichten, um entsprechend auf die neuen Rahmenbedingungen zu reagieren.

@ Ole:
Ich glaube nicht, dass diese überflüssig sind – sondern dass sie sich in dem Sinne umorientieren müssen und stärker vernetzt sein sollten. Auch wenn ich das jetzt selbst als schmerzhaft ansehe – wem vertrauen potenzielle Gäste als erstes: dem einzelnen Haus oder dem Fremdenverkehrsamt. Oder anders gesagt: ich schaue doch erst bei der Quelle, wo ich eine große Auswahl habe, und dann pick ich mir die Rosinen raus. Und nicht anders herum 😉

@ Jens: Gut, meld Dich einfach (E-Mail dieses Kommentars) – um es noch mal etwas deutlicher zu machen. Ich könnte einige „practice“-Beispiele zum Thema Web 2.0 und Anbieter machen (wie setze ich Flickr, Google und Youtube sinnvoll ein, wie komme ich an Backlinks, wie pflege ich Gästelisten etc.)

Reinhard

Als Tourismusdirektor einen kleinstrukturierten Destination im Salzburger Land beobachte ich sehr intensiv – und auch kritisch – die Entwicklung. Für manche (Standard)angebote scheint das online Buchen durchaus eine interessante Option. Ich kann aber auch der These folgen dass die Urlaubsvorbereitung als Teil der Vorfreude gerade NICHT effizient ablaufen soll. Die Auseinandersetzung mit den Mitreisenden welches Ferienziel, welche Aktivitäten usw… ist eine wichtige Komponente der Urlaubsplanung und bereits Teil des Erlebnisses. Derzeit wird das Thema „Online buchen“ in manchen kleinstrukturierten Betrieben überbewertet.

@ Ole: den Kommentar find ich ja schon ein wenig unqualifiziert. Zu glauben das Rentner uninteressant sind zeigt von schlechter Recherche, bitte nachlesen – gibt genügend Literatur und Infos über demografische Entwicklungen.
Zweitens ist „Urlaub“ an sich ein hochkomplexes Produkt dass in vielen Fällen ausgesprochen beratungsintensiv ist. Ferienangebote inszenieren und Gäste beraten werden auch zukünftig zentrale Aufgaben der Mitarbeiter im Tourismus sein, Maschinen können nur Standardaufgaben effizient erledigen, sobald es um Emotionen geht sind Menschen unverzichtbar.

Als (noch nicht) in einer DMO Arbeitender könnte es einem von außen manchmal leicht fallen, daraufhinzuweisen, dass eine Zielorientierung besser ist, um die Aktivitäten im Onlinebereich zu hinterfragen. Ziele einer DMO lauten in der Regel: Ankünfte und Übernachtungen der Zielgruppe vergrößern, Ausgaben der Touristen vor Ort steigern und alle Leistungsträger vor Ort einbeziehen.

Hinter diesem Ziel stehen verschiedenste Strategien. Eine unter mehreren Strategien ist der Bereich E-Tourismus. Stellt man oben genanntes Ziel in der Vordergrund der e-tourism Konzeption einer Destination und vermischt das ganze mit den aktuellen Entwicklungen des Internets, ergeben sich daraus für vordergründige Konsequenzen:

1. Gesprächsstoff schaffen – hier geht es genau um das, was Reinhard angesprochen hat. Es geht nicht mehr nur darum einseitige Informationen bereit zu stellen, es geht darum, in das Gespräch potenzieller Gäste zu gelangen, Aufmerksamkeit zu erregen.

2. Basisleistungen bereitstellen – hier muss sich das Verständnis noch grundlegend ändern. Die Buchung eines Betriebes über die Destinationsseite ist eine Basisfunktion aus Sicht des Gastes. Ebenso wie ein gut aufgebautes und gut zu verstehendes Informationsportal.

@ Ole: „Compressed morbidity – Das alt werden fängt heute dank medizinischer Technik und erleichterter Lebensumstände später an als früher, die alterbedingte Degeneration verkürzt sich auf eine zunehmende kleinere Zeitspanne am Lebensende. Folge dessen ist, dass der Anteil der Älteren an den Erwerbstätigen steigt und diese Zielgruppe attraktiver für den Verkauf wird – sie erfordert jedich auch ihre ganz eigenen Mechanismen der Angebotsgestaltung. Die industrielle Biographie ist einer „Multigraphie“ des postmodernen Lebens gewichen.“ (Quelle: http://tourismus-skandinavien.blogspot.com, Vortrag von Zukunftsforscher Matthias Horx am Bayerischen Tourismustag)

@ Hedwig: Möchtest du die nicht schonmal als „Schnupperangebot“ ein paar, deiner Meinung nach als Best Practice fungierende, Beispiele posten, wie von dir für einen Gastpost offeriert? Ich bin neugierig, was ein Player aus der realen Welt in diesem Bereich besonders schätzt, welche Faktoren dir wichtig sind etc.

Prolog: Ich habe gesehen, dass den Links hier ein nofollow hinzugefügt wird. Deshalb nehme ich mir die Freiheit, zur Erläuterung meines Kommentars ein paar Links zu setzen. Wer sich dadurch belästigt fühlt, möge die Links bitte einfach ignorieren.

Kommentar: Gerne gebe ich als u.a. Vermieter von Ferienwohnungen und Entwickler eines Internetsystems für Beherbergung meinen Senf dazu.

Zu den Aufgaben einer Kurverwaltung (egal wie sie sich heutzutage nennt) gehört imho nicht der Vertrieb. Das können private Unternehmen besser und effizienter. Volkswirtschaftlich betrachtet ist hier ein Markt, der kein staatliches Handeln erfordert, im Gegenteil wird der Markt dadurch nur behindert oder zumindest gestört.

Staatliche / örtliche / regionale Aufgaben sollten auf Dinge beschränkt sein, die der Markt nicht regelt. Dazu gehört die Verständigung zumindest mit den Nachbarorten auf eine Verbesserung des Gesamtangebots der Region durch ernsthafte Kooperation, Spezialisierung und Abstimmung sowie Bau und Pflege der örtlichen Infrastruktur, vielleicht noch (Koordination von) Veranstaltungen. Vor allem sollte hier gemeinsam mit den Nachbarn an USP statt Me-Too gearbeitet werden, um das Beste aus der Region zu machen. Die EU zwingt durch die Förderpraxis mittlerweile dazu …

Wenn die Maßnahmen beim Gast ankommen, wird er bei Google nach einer Unterkunft und dergleichen in dem Ort oder der Region suchen. Finden wird er reichlich, auch ohne die Vermieterdatenbank auf der Homepähtsch der Kurverwaltung.

Wir vermieten seit fast 10 Jahren ausschliesslich über eine gute Platzierung bei Suchmaschinen, ohne Anzeigen, Prospekte etc. Mir ist aufgefallen, dass die meisten unserer Gäste einen Urlaub an der Ostsee suchen. Viele sind darunter, die erst am Tag der Anreise genau wissen, wo ihr Urlaubsort eigentlich liegt.

Beim Regionalmarketing vermisse ich mehr Sinn für ernsthafte Profilierung und mehr Verständnis für Spezialisierung, Kooperation und USP.

Ferienwohnungen mit Internetzugang (LAN, kein WLAN!) haben wir jetzt in der vierten Saison. Die Nachfrage danach nimmt ständig zu.

Online-Buchung ist für die meisten Anbieter von Ferienwohnungen, die ich kenne (auch ueber mein Verzeichnis für Bauernhofurlaub an der Ostsee) uninteressant. Kaum einer (mich eingeschlossen) möchte es sich zumuten, mehrere Belegungspläne / Kontingente bei verschiedenen Anbietern zu pflegen. Zweitens möchte nicht jeder, dass seine / ihre Belegung öffentlich einzusehen ist. Drittens ist es natürlich erstrebenswert, lückenlos zu vermieten. Gerade bei Ferienwohnungen mit tendenziell eher längerer Aufenthaltsdauer. Hier wäre es schön, wenn sich irgendein Standard für das Format von Belegungsplänen bildet, um den Datenaustausch zu erleichtern.

Bei uns ist es für eine Aufnahme in die öffentlichen Systeme unabdingbar, dass man seine FEWO nach TIN klassifiziert hat. Im Prinzip eine gute Sache, die dem Gast die Orientierung erleichtert. Allerdings muss die Klassifizierung alle drei Jahre kostenpflichtig wiederholt werden. Da freuen sich die Klassifizierer, aber imho ist diese ständige Wiederholung der Klassifizierung in so kurzen Abständen rausgeschmissenes Geld. Vorsichtig formuliert grenzt es IMHO an Mafiamethoden, mit denen unseriös Geld gescheffelt wird.

Sorry, war vielleicht etwas lang. Danke für die Geduld.

@ HelG

Ihr Posting enthält m. E. einige Widersprüche. Ich möchte nur einen besonders auffälligen herausgreifen:

„Zweitens möchte nicht jeder, dass seine/ihre Belegung öffentlich einzusehen ist. Drittens ist es natürlich erstrebenswert, lückenlos zu vermieten.“

Man muss schon Prioritäten setzen. Die Möglichkeit zur Anzeige eines Belegungsplans – mitsamt der Lücken! – empfinden die meisten Nutzer als großen Vorteil, da sie auf diese Weise sofort erkennen, ob der gewünschte Termin überhaupt verfügbar ist, ohne erst persönlich anfragen und möglicherweise auf Antwort warten zu müssen. Merke: Das nächste Objekt ist immer nur einen Mouseclick entfernt … 😉

@ Helge: Gut, dass sehe ich etwas anders. Hier nur in aller Kürze ein paar Bemerkungen:

„Zu den Aufgaben einer Kurverwaltung (egal wie sie sich heutzutage nennt) gehört imho nicht der Vertrieb.“

Die Kurverwaltung bekommt Geld, viel Geld (z.B. Kurtaxe) das soll sie in die Förderung und Entwicklung des Ortes stecken. Und zu so einer Entwicklung zählt nun einmal auch die Nutzung und Zurverfügungstellung von online-Dienstleistungen wie z.B. Online-Buchungen. Ich wiederhole mich noch einmal – und tue dies nur aufgrund unserer eigenen Zahlen. Die Gäste nutzen häufiger die Angebote der Kurverwaltung als die von privaten Urlaubsportalen. Warum? Erstens weil sie denken, eine Buchung über badenweiler.de ist „seriöser“ und sicherer… zweitens weil sie eben durch die Internetsuche dorthin geleitet werden… drittens weil sich gerade auch im Schwarzwald viele viele Anbieter tummeln, die nicht wirklich seriös sind. (wir reden jetzt nur von Online).

Womit wir gleich zu Punkt zwei kommen. Um bei Google und Co weit oben gelistet zu werden, braucht man eine gute On- und eine noch bessere Off-Page-Optimierung. Zweitere soll ja durch tolle Eintragungen auf eben diesen Seiten die Du/Sie präferierst, möglich sein. Zumindest behaupten das die Betreiber ja immer. ABER – es bringt den wenigsten Vermietern etwas, sich dort zu beteiligen. Warum? Weil keine echten Links weitergegeben werden (Google-Juice), kaum Möglichkeiten zum Hinterlegen von zusätzlichen Daten (Fotos / Videos) und dann sind die Verzeichnisse auch noch teilweise sehr teuer.

Fazit – und das ist ein Trend, der viele Urlaubsportale betrifft: Professionalisierung von Google (Stichwort Google-Maps als „gelbe Seiten“, Abwertung von Urlaubskatalogen) und gestiegene Ansprüche / Erfahrungen der Internetnutzer machen Vermittlungswebseiten häufig obsolet. Gewinnen werden nur die wirklich großen Anbieter (Booking.de etc.). Aber die Chance ist auch da: wer Mehrwert bietet und Geld in SEO steckt, kann auch mit den neuen Vorzeichen gut leben… Schwierig wird es halt für den Gemischtwarenhandel 😉

ms

Sehr interessante Diskussion – @ Reinhard: du sprichst mir aus der Seele. @ Daniel: Punkt 1 + 2 sehe ich detto. Auch allen anderen Kommentatoren kann ich das eine oder andere abgewinnen. @ Helge: auch du hast recht: Bisher sollten Destination Management Companies vor allem dort tätig werden wo der Markt versagt. Das ist aber heute vorbei: es geht nämlich um Gäste. Und die sind ja mündig zu entscheiden, über welche Website sie sich Informationen zu den wichtigsten Wochen im Jahr holen wollen, damit sie sich definitiv darauf verlassen können, dass der Urlaub mit ihrer Familie auch kein Reinfall werden wird. Und da besteht bei privaten Anbietern oder Tour Operators auch die Gefahr einfach „abgezockt“ zu werden …

Mein Fazit: Ergebnisse unserer Tourismusforschung zeigen nachwievor, dass die Urlaubsentscheidung noch immer überwiegend von der Wahl der Destination abhängig ist. Erst in zweiter Linie wird sie von der Urlaubsaktivität und erst zum Schluss von der Auswahl eines Hotels beeinflusst. Somit sind meiner Ansicht nach Destination Management Companies (DMC) auch künftig nicht verzichtbar. Allerdings wird sich deren Aufgabenportfolio auch weiterhin stark verändern. Wohin geht die Reise meiner Meinung nach:

* Metabuchungs-Engines aller Online-Touroperator-Angebote über die DMC-Website
* Mashup aller Online-Posts im web über die DMC-Website
* und – wie schon Daniel gut skizzierte – DMC müssen in einen Dialog mit Gästen, Stammgästen, potentiellen Interessenten aber auch Nicht-Mehr-Urlaubern und Destinations-Verweigerern treten. Erstens weil es die beste touristische Marktforschung ist. Zweitens weil es das mitmach-web erfordert mitzudiskutieren und mit potentiellen Kunden in einen Dialog zu treten, der auch unadressiert von potentiellen Dritten wahrgenommen wird. Und schließlich drittens weil „be part of the game“ die einzige Chance ist seine Marke im Web zu führen, die künftig vor allem abseits eigener Websites und Banner-Werbung stattfinden wird.

@ Hedwig

Das mit der Kurverwaltung war einer der anderen Punkte in HelGs Posting, die mich sehr irritiert haben. Aber man kann sich ja nicht um alles kümmern. 😉

Was ich aber eigentlich sagen wollte: Ihre Website gefällt mir außerordentlich gut. Hut ab! Ich habe die URL unter „Gastgeber -> TOP-Sites“ gespeichert (da sind noch nicht so viele drin 😉

@ms – Hallo Martin,

Du schreibst, dass der primäre „Filter“ der Urlaubsentscheidung die Wahl einer Destination ist. Dann folgen die Urlaubsaktivität und die Wahl weiterer Dienstleistungen, die für den Urlaub notwendig sind. Aus meinem persönlichen Empfinden heraus würde ich dir da voll und ganz beistimmen, mal abgesehen von solchen Personen, die preisorientiert einen Last-Minute-Urlaub etc. buchen.

Die Wahl einer Destination wird wohl stärker als alle anderen Teile einer Urlaubsentscheidung von Images beeinflusst. Images sind Vorstellungen des Urlaubers von dem was ihn in der Destination erwartet, sie müssen nicht mit der Realität übereinstimmen.

Wie aber entstehen diese raumbezogenen Images? Spielen hier nicht ganz stark auch andere Medien in den Imagebildungsprozess, darunter insbesondere persönliche Kontakte (vorschwärmen von etwas macht neugierig)? Selbst wenn ein Tourist im Marktforschungsfragebogen angibt, er hätte sich über das Internet informiert, heißt das ja noch lange nicht, dass die „attention building information“ auch online wahrgenommen wurde – zumeist stammt sie wohl aus den grauen Tiefen der Erinnerung ;).

Wozu das Ganze? Mich interessiert einfach, wo die Onlinemedien gezielt in den Markenbildungsprozess eingreifen können… Und zwar so effektiv, dass der Kunde entweder unbewusst „programmiert“ wird, oder dass Empfehlungen von Freunden etc. ausgenutzt werden. Das Experten-Ratschlag-Konzept des B2C Blog der ÖTW geht ja schon in diese Richtung.

Langsam schwirren mir hier zuviele englische Fachbegriffe herum 😉

Aber kurz zum Gedanken-ordnen. Die These, die im Raum steht, besagt: Urlaubsort – Urlaubsaktivität – Unterbringung. In dieser Reihenfolge.

Ich glaube, an Punkt 1 wird online nicht ansetzen zu brauchen/müssen. Das ist im Kopf bereits drin (gewonnen entweder durch Mundpropaganda / Fernsehen / Reisemagazine etc.). Also muss es darum gehen, Punkt zwei („warum genau dieser Ort?“) mit Punkt 3 (wo soll ich übernachten?) gekonnt zu verknüpfen und als Verstärkung die positive „Aufladung“ des ersten (Image des Reiseziels) ebenfalls zu erreichen. Puh, eine harte Aufgabe.

Als gutes Beispiel wäre da: http://www.schwarzwald.de gegenüber http://www.schwarzwald-tourismus.info zu nehmen. Während erstere Seite das Pferd von hinten aufzäumt (die Übernachtungsmöglichkeiten), macht die Info-Seite es besser – die Reisethemen im Vordergrund.
Aber auch dort – eher das unidirektionale Kommunikationsmodell: Input, Input, Input. Der Leser/Tourist hat keine Möglichkeit, Einfluss zu nehmen. Somit ist die Seite weiterhin eine Web1.0-Präsenz.

Aber – und jetzt stelle ich die ketzerische Frage: wenn, und darum ging es ja eingangsweise – die online-Buchungen innerhalb von 5 Jahren um 30% steigen, und das sozusagen der „letzte Schrei“ unter den Möglichkeiten der Internet-Nutzung ist…
…ist dann der „gemeine Urlauber“ schon bereit für all die feinen Sachen des Mitmachwebs?

Bislang spielen sich Urlaubserinnerungen online auf privaten Homepages ab (Unser Toskana-Trip 2006 etc.) – die jüngeren haben vielleicht schon Flickr entdeckt um dort ihre Bilder „abzuladen“. Aber dann ist auch erst einmal Schluss…

Zwei untermauernde Beispiele:
1. Reiseberichte verfassen auf Badenweiler.de
–http://tinyurl.com/2ytunq Bisherige Berichte/Fotos: 0
2. Urlaubsvideos aus dem Schwarzwald
–http://www.touri-movie.tv/ Wird bislang durch Videos von Häusern die von der Agentur gemacht werden dominiert sowie Touristen-Videos aus youtube eingebunden…

Wir selbst freuen uns über all die Möglichkeiten des Web2.0 und nutzen so viel wie möglich davon. Aber es geht schon dabei los, dass wir bislang kaum Gäste überreden konnten, dass sie ihre Eintragungen in unser Hausbuch (offline natürlich) zur Verfügung stellen für die Webseite. „Das können dann ja alle sehen“. Ändern wird sich das erst, wenn die Leute, die heute mit StudiVZ und Co agieren und keine Hemmungen haben, sich im Web zu „outen“, Familien gründen und richtige Urlaubsreisen unternehmen – und das kann noch ein paar Jahre dauern.

Wie gesagt – bei aller Wissenschaft nicht die Praxis aus den Augen lassen 😉

Mein Fazit: Web2.0 bietet viele Chancen, aber diese werden zuerst von den großen „Playern“ genutzt, die dadurch ihren Content dezentral anbieten und somit weiterhin einen großen Publikum präsentieren können. Die Gäste werden erst in einigen Jahren (wenn die „always-on-Generation“ genügend Geld für Urlaub verdient 🙂 ebenfalls das partizipatorische Web für sich entdecken und somit umkrempeln. Erste Anzeichen (Nutzung von Bewertungsplattformen und Urlaubsvideos auf youtube und Co) sind aber bereits da.

Beste Grüße aus Badenweiler!

PS: tourino: Oh, vielen Dank – das freut uns sehr *rotwerd*

Schoene Diskussion.

@ tourino:

> großen Vorteil, da sie auf diese Weise sofort
> erkennen, ob der gewünschte Termin überhaupt
> verfügbar ist, ohne erst persönlich anfragen und
> möglicherweise auf Antwort warten zu müssen.

Richtig, dafuer braucht man aber keine Belegungsplaene. Wir muessen diesen Punkt aber nicht weiter vertiefen.

@ Hedwig:

> Die Kurverwaltung bekommt Geld, viel Geld
> (z.B. Kurtaxe) das soll sie in die Förderung
> und Entwicklung des Ortes stecken.

Stimmt, was die einzelnen Aufgaben sind, da koennen wir ruhig unterschiedlicher Meinung sein. Aber es steht ja nirgendwo geschrieben, dass es nicht erstrebenswert waere, durch ein paar weniger Aufgaben auch die Kosten der DMO und damit die Abgaben zu senken.

> geleitet werden… drittens weil sich gerade auch
> im Schwarzwald viele viele Anbieter tummeln,
> die nicht wirklich seriös sind. (wir reden jetzt
> nur von Online).

Was macht diese konkret zu unserioesen Anbietern? Fuer mich sind diese Anbieter dann wertvoll, wenn sie mir meßbar konkrete Gäste bringen. Es ist richtig, dass die meisten das nicht tun. Wenn Du das mit unserioes meinst, stimme ich Dir zu.

@ Martin:

Klar haengt die Urlaubsentscheidung von der Destination ab und nachrangig erst von anderen Faktoren. Das habe ich auch so gesagt. Eine wichtige Frage an dieser Stelle ist: wie definiert sich eine Destination? In Deutschland häufig durch politische Grenzen und damit anders als in den Köpfen der Gäste. Zum Beispiel laufen durch den Harz, an der Ostsee- und Nordseeküste politische Grenzen. Dadurch haben wir in Deutschland mehr DMO als aus der Sicht der Destination eigentlich notwendig wäre. Da gibt es aber auch andere Meinungen (vor allem kommen die aus den DMO. 😉 )

Um nicht vom Thema abzukommen: wenn Online-Vertrieb eine Aufgabe fuer die DMO ist, warum muss es dann mehrere Buchungsplattformen geben, nur weil die Destination zufällig über politische Grenzen hinaus geht? Private Unternehmen haben diese politischen Grenzen in der Regel nicht, sondern richten sich nach dem Gast. Und um den geht es natürlich. Soll aber keine Grundsatzdiskussion werden.

@Helge – Hinsichtlich deiner Worte zu Destinationen sprichst du mir aus der Seele :). Besonders in Räumen, in denen Tourismus schon seit längerer Zeit eine wichtige Branche ist, sind die politischen und administrativen Strukturen sehr fest und oft nicht den Erfordernissen angepasst. Dazu kommen dann die Ängste der verschiedenen DMOs einer Region, an Status zu verlieren oder möglicherweise in eine übergreifende DMO eingegliedert zu werden. Folge: Kooperation nahezu unmöglich. Und wenn dann doch Projekte ausgearbeitet wurden scheitern sie meist an politischen Barrieren, da die Politik viel zu wenig in die konkrete Tourismusentwicklung eingebunden ist.

Politische Barrieren führen im Regelfall ja auch dazu, dass eine Destination nicht über die Kundensicht – welche Angebote gehören aus Kundensicht zu einem räumlich abgrenzbaren „Nachfrage-Gebiet“? – sondern über politische/ administrative Funktionen ausgegliedert wird. Folge sind mehrsträngige Marketingstrategien, mangelnde Kooperation und folglich erhöhte Kosten bei geringeren lokalen Effekten.

So manch motivierter Touristiker hat angesichts dieser Barrieren bestimmt schon seine Motivation auf der Strecke gelassen…?

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