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Long Tail und Tourismus

Spätestens seit dem Buch vom Chris Anderson “The Long Tail – Der lange Schwanz” wird dieser Begriff und dieser Markt stark diskutiert. Was ist der Long Tail? In seinem Buch beschreibt Chris Anderson eine Entwicklung, weg von den Hits – hin zum Long Tail. Am Beispiel der Musik- und Buchindustrie zeigt Chris Anderson auf, wie sich die Kosten durch die Digitalisierung und das Internet reduziert haben. Das hat zur Folge, dass eine beliebig große Menge an Produkten von Geschäften wie Amazon oder ITunes bereitgestellt und dem Kunden sinnvoll präsentiert werden können. Im Gegensatz dazu stehen die traditionellen Geschäfte, welche eine Auswahl an Produkten treffen müssen, da die Verkaufsfläche effektiv genutzt und diese Verkaufsfläche teuer bezahlt werden muss. Unternehmen mit der traditionellen Kostenstruktur sind an Hits interessiert, welche sich gut verkaufen lassen, Unternehmen mit einer “digitalen” Kostenstruktur können den Long Tail bedienen, da es nahezu egal ist, ob 1.000, 10.000 oder 100.000 Produkte angeboten werden. So kommt es, dass Amazon oder ITunes einen Großteil des Umsatzes nicht mit den Hits machen, sondern mit den Artikeln, die nur 1 oder 2 mal verkauft werden.

Nach und nach wird der Begriff des Long Tails auch auf die Tourismusbranche übertragen. Aber was ist damit genau gemeint? Von welchem Long Tail ist die Rede, wenn vom Long Tail in der Touristik gesprochen wird?

  • Veranstalter Long Tail: Sind damit die Veranstalter gemeint, welche nicht zu den 50 oder 60 großen Veranstaltern zählen, also zum Beispiel die Veranstalter, welche Ihre Angebote aus technischen Gründen nicht auf den großen Online-Reiseportalen verkaufen können?
  • Reisebüro Long Tail: Reisebüros, welche nicht einer Kette oder Kooperation angehören bzw. Reisebüros, welche sich auf einem Nischenmarkt konzentrieren?
  • Hotel Long Tail: Hotels, welche nicht über die großen Reservierungssysteme gebucht werden können?

Wie interessant ist das Thema Long Tail für die Touristik und wie kann dieser Begriff definiert und verwendet werden? Gibt es weitere Kontexte für den Begriff Long Tail?

JO

9 Kommentare zu
Long Tail und Tourismus

Sehr intelligente Fragestellungen. Auch ich als Österreich Werber und Internet-Stratege habe darüber in den letzten Monaten viel nachgedacht und kam zu folgendem Fazit – ich habe keine Ahnung.

Nach einer Konferenzteilnahme mit dem Titel “How to brave the long tail” in den USA tendiere aber in folgende Richtung, was “Long Tail” für uns Touristiker heissen kann:

Aus Sicht einer Tourismusorganisaition kann es wohl nur bedeuten, man greift zur Markenführung und um EMOTION zu erzeugen die “best of’s” seiner Produkte heraus (die 10 besten Snowboard-Parks Österreichs), bietet dem USER als INFORMATIONsQUELLE alle relevanten Angebote zu seinem Interesse an (also wo gibt es denn in Ö überhaupt Snowboard-Parks in Skigebieten) und liefere ihm gleichzeitig seine Problemlösung – im Idealfall eine BUCHUNG zum besten Preis für ein Urlaubsangebot, dass am besten zu seinen Interessen und Vorlieben passt (also CUBE am NASSFELD im 10Bett-Zimmer genauso wie ein St. Antoner 4 Stern oder die Frühstückspension in Maria Alm) – longtailig halt natürlich alle Urlaubsangebote (Specials-) für Snowboarder …

Und alles auf meiner Touristiker-Website. Das wäre dann wohl TRAVEL 2.0 unter optimaler Nutzung des Longtails. Ist doch ein leichtes Unterfangen, oder?

Ich reise gerade immer häufiger mit einer (offenbar zunehmend gefragten) Präsentation herum: “Long Tail Theory in Bicycle Tourism”. Kurz gesagt haben wir 2001 am beliebtesten Radweg Europas, dem Bodensee-Radweg, ein für Erstkundenkontakte sehr erfolgreiches Portal gebaut. Den Erfolg konnten wir an den ca. 20 nächst-beliebten Radwegen wiederholen (Donau, Weser, Elbe, Ostsee, Loire, usw), aber das Konzept stieß dann an (Rentabilitäts-) Grenzen (oder in anderen Worten: an den Long Tail).
Nach Lektüre von Anderson’s Buch haben wir Bikemap entwickelt und im April 07 gelauncht. Es ist meiner Meinung nach ein passendes Beispiel für ein komplett user-generated und daher ganz longtailiges Produkt im Fahrradtourismus. Wir haben nun mit über 10.000 unique visitors an guten Tagen (Wetter!) die größte Radtourensammlung auf die Beine gestellt, und sie wächst munter weiter.
Ganz neu ist die Druckfunktion einer Radroute, ebenfalls ein longtailiges Beispiel, aber eher im Bereich von Radtourenbüchern.

Hallo Admin, bitte hinter “Bikemap” ein /a einfügen und das “Soll ich” löschen. SORRY!

🙂
Ich denke jetzt sollte es stimmen

Jochen

Ich finde die Longtail-Thematik auch außerordentlich spannend. Ich glaube allerdings, dass man sich dabeiall zu leicht auf die Angebotsseite versteift. (Hier ein anderer Blogpost zum Thema Longtail und Travel 2.0)

Gruss Jochen

Ich habe das Buch von Chris Anderson vor einigen Monaten entdeckt und “verschlungen”. Allerdings behandelt er ja Güter, die digitalisierbar sind. Wir sprechen ind er Tourismusbranche über Leistungen, die am Menschen erbracht werden… Flug, Übernachtung etc.. Das einzige was in der Branche digitalisierbar ist, sind die Informationen. Da sind wir bei der spannenden Abhandlung innerhalb des Buches, wo es um die Aufgabe von Filtern geht (wobei Filter sowohl Suchmaschinen, als auch Blogs, Bewertungsportale, Empfehlungen etc.. sind) Den Filtern kommt eine große Bedeutung zu, da sie auch Produkte “finden” oder “auffindbar” machen können, die über die großen Algorythmen nicht gefunden werden. … Daher muss man sich die Funktionsweise der Filter/ und damit auch der Communities anschauen. Dann ist man rasch beim Begriff “Weisheit der Masse”….
Man muss also um die unendliche Vielfalt an INformationen im Reisebereich einordnen zu können und sie zur Kundenzufriedenheit darbieten zu können, die Ordnung der Informationen neu überdenken und nicht die Wahlmöglichkeiten.
Ich glaube man sollte sich auch die Marktreife einer Musikindustrie im Gegensatz zu einer Reisebranche anschauen. Die Reisebranche ist dabei sozusagen kurz vor der Pubertät, während die Musikindustrie sicherlich schon volljährig ist. Es kann also noch spannend werden.

Werde leider aus terminlichen Gründen nicht teilnehmen, noch vortragen können.

Ich habe einige Gedanken zum Thema Long-Tail und Tourismus im Tourismushandbuch niedergeschrieben:
http://www.tourismushandbuch.de/index.php/Long_Tail_im_Tourismus

Noch sind diese nicht ausgereift, um Kommentare und Diskussion wird gebeten.

susan

Versuche ich den Long Tail auf einen Reiseveranstalter im Nischenmarkt zu projezieren (Anbieterseite), dann könnte ich mir vorstellen, dass seine Hauptprodukte (Gruppenreisen, Mietwagenreisen etc) vergleichbar sind mit den Top Sellern dieses Unternehmens. Dagegen sind die weniger verkauften, besonders individuellen Reisen (z.B. Heiraten in einem fremden Land) der Bereich, der den Nischen-Reiseveranstalter zu etwas ganz speziellen macht. Er bietet im Nischenmarkt sozusagen weitere, noch spezifischere Nischenprodukte an. Konzentriert sich der Veranstalter auf die Verkaufsförderung der Produkte (z.B. durch Onpage-Optimierung im Online-Marketing Bereich) so hat er die Möglichkeit aus diesen Nischenprodukten ebenso Gewinne herauszuholen.
Das ist jetzt aber nur meine eigene “Theorie” und Erklärung. Bin für weitere Ideen ganz Ohr.

Hier habe ich auch noch einen interessanten Artikel mit einem Erklärungsversuch gefunden:
http://canadiantourism.blogspot.com/2008/01/what-is-long-tail-of-tourism-and-what.html

Liebe Grüße, Susan

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