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25. September 2006

Ökonomie des Überflusses

Das Internet besser gesagt das digitale Zeitalter verursacht tiefgreifende Veränderungen. Dies ist schon fast eine alte Weisheit, die man keinem mehr erzählen muss, dennoch gibt es immer wieder neue Aspekte, die unter diesem Aspekt betrachtet werden können.

Blättern man einmal quer durch die Lehrbücher der BWL, so gibt es immer ein Kapitel zu den Grundlagen des Marktes und der Art, wie in einem funktionierenden Markt der Preis entsteht. Die Maxime, die all diesen Annahmen zu Grunde liegt, ist das Prinzip des knappen Gutes. Güter sind nicht beliebig teilbar und nur in bestimmten Mengen vorhanden. Daraus folgt, je höher die Nachfrage desto knapper das Gut und um so höher der Preis. Dieser Ansatz kann getrost auf das Industrielle Zeitalter datiert werden, bei dem es um Produktion und Herstellung von Gütern geht. Trifft aber dieser Ansatz auf alle heutigen wirtschaftlichen Bereiche zu?

Die digitale Technik ermöglicht es, gewisse Sachen beliebig oft zu kopieren, ohne dass dadurch ein Qualitätsverlust entsteht. Das Internet ermöglicht alle Quellen miteinander zu verknüpfen und so eine unüberschaubare Menge an Daten bzw. Information zur Verfügung zu stellen mit der Eigenschaft, dass die Datenmenge mit dem Gebrauch nicht knapper wird, sondern im Gegenteil sich vermehrern kann. Damit kann die Annahme hinterfragt werden, dass ein Gut bei hoher Nachfrage kanpp wird. Statt dessen vermehrt sich in der digitalen Welt ein Objekt bei hoher Nachfrage. Es entsteht eine Ökonomie des Überflusse bei der der Preis nicht durch die Begrenzheites des Gutes entsteht, sondern durch die Aufmerksamkeit, die eine Information auf sich ziehen kann. Je mehr Aufmerksamkeit eine Information erhält, desto größer ist ihr Wert und damit der Preis.

Was heisst das für die Reisebranche? Eindeutig kann diese Frage zu dem aktuellen Zeitpunkt nicht geklärt werden, aber vielleicht können demnächst Annahmen und Ansätze zu dieser Überlegung abgeleitet und entwickelt werden. Bis jetzt wurde die Reise als knappes Gut bezeichnet: nicht verkaufte Restkontingente wurde als Lastminute Reise billig verkauft, gut gebuchte Flüge werden mit jeder Buchung teurer. Dieser Mechanismus wird wohl zu einem bestimmten Grad bestand haben, aber wie und in welchen Maße diese Prozesse durch die Ökonomie des Überflusses überlagert werden, wird sich in Zukunft zeigen.

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